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Wiedergelesen
Sinclair, Upton: 
Jimmie Higgins.
Weil er an seine Kameraden in der US-Army Flugblätter verteilt hat, wird der kleine Sozialist und Soldat Jimmie Higgins im Ersten Weltkrieg wegen Gehorsamsverweigerung und Anstiftung zur Meuterei zu 20 Jahren Festungshaft verurteilt. --- Der 1919 erstmals erschienene Roman liegt in mehreren deutschsprachigen Ausgaben vor, die heute antiquarisch leicht zu haben sind.
Das Buch handelt in den Jahren des Ersten Weltkrieges in der fiktiven US-amerikanischen Kleinstadt Leesville, einem Ort, vielleicht irgendwo zwischen New York und Chicago gelegen. Die Leserin / der Leser begleitet das Leben des kleinen Sozialisten Jimmie Higgins, der mit großer Hingabe und Opferbereitschaft die Ortsgruppe seiner Partei unterstützt, wo er kann. Er gehört nicht zu jenen, die die Reden halten und die Geschicke der Partei lenken, doch ist er einer der zuverlässigen Helfer, ohne die die Partei nicht bestehen könnte. Wir verfolgen die nie endenden Debatten in den Fragen von Krieg und Frieden, die innerhalb seiner Partei-Ortsgruppe, der Sozialistischen Partei, geführt werden. Doch der Weltkrieg nimmt seinen Lauf, die Bosse der Rüstungsindustrie verdienen gut an den Waffenlieferungen nach Europa und so finden die USA – bisher gegen einen Kriegseintritt – Geschmack am Krieg. In der Ortsgruppe fühlt sich ein Parteimitglied britischer Herkunft mit einem Mal Old England verpflichtet, die Deutschamerikaner in der Parteigruppe ihrerseits dem Kaiserreich, denn dort habe ja - sagen sie - der Sozialismus seinen Ausgang genommen. Und da ist in der Partei noch die mutige Anhängerin der Quäker, die jeden Krieg verdammt; da ist der radikale Hobo mit seinen Wobblie-Erfahrungen, da ist der marxistische Student, den Jimmie bewundert, da sind aber auch der vermögende Linksliberale und jene, die sich in der Stunde der Not als gute amerikanische Patrioten erweisen werden. Hatte all diese Sozialisten von Leesville bisher ihre Abscheu gegen Kapitalismus und Krieg geeint, nun – als die Rüstungsproduktion in der eigenen Stadt ihren Aufschwung nimmt und die Arbeitslosigkeit mit einem Schlag beseitigt ist, als schließlich die USA in den Krieg eintreten – fallen die Meinungen der einzelnen Mitglieder über die Nachrichten des aktuellen Weltgeschehens weit auseinander. Unversöhnlich weit!
Die Debatten und Dialoge für und wider die kriegsbeteiligten Länder, für und wider eines absoluten Pazifismus', für und wider die Rüstungsproduktion (während doch der Preuße in Belgien Massaker verübt!), – die Debatte um Krieg und Frieden durchzieht das ganze Buch. Die Leserin, der Leser wird wieder und wieder an die gleichartigen Argumente ihrer / seiner eigenen Gegenwart erinnert; sie lesen sich so frisch, als läge das Geschehen nicht einhundert Jahre zurück. Ist der Putin nun ein Guter oder ein Böser? War die Einverleibung der Krim denn nötig? Soll auch Assad weggebombt werden wie zuvor die Herrscher im Irak und in Libyen? Ist der Iran ein Faktor der Stabilität in seiner Region oder soll man auf Israel hören? Und wie stehen wir zu Nordkorea? All diese Fragen an die aktuelle Politik klingen uns auch bei der Lektüre dieses Buches in den Ohren, nur in den Kulissen von vor 100 Jahren. In all diesem Streit der Meinungen und Fragen, auf die Jimmie keine rechte Antwort findet, hört der kleine Sozialist plötzlich, dass in Russland die Arbeiter aus dem Krieg weggelaufen sind und den Zaren gestürzt haben. Was hat das zu bedeuten, fragt er sich. Ist es so, wie fast alle Amerikaner glauben, dass die Russen damit den deutschen Kaiser zum Sieg verhelfen wollten, die Bolschewiken also vom Kaiser bezahlte Agenten seien? Jimmie glaubt das nicht. Auch wenn er nicht viel über Russland weiß, gehört er zu den wenigen, die das Geschehen dort mit Sympathie und großer Neugier weiter verfolgen. Arbeiter an der Macht - wo hat es das bisher schon gegeben?!
Als die kritischsten Geister seiner Partei, die er stets bewundert hat, ganz unerwartet der US-Army beitreten, weil ein Sieg des kaiserlichen Preußentums nur Barbarei über die Welt bringen würde (wie sie sagen), betritt auch Jimmie – tief im Herzen noch immer Pazifist – eine Anwerbebüro der US-Army. Jimmie ist kein Drückeberger, und so steht er als Soldat an der Front in Frankreich seinen Mann. Als Soldat findet er Anerkennung, wie sie ihm nie vorher zuteil geworden ist, und so übernimmt er auch Verantwortung für neue militärische Aufgaben. Als er aber bei den US-Truppen in Archangelsk im Fernen Osten Russlands von einem heimischen Agitator erfährt, dass die ausländischen Truppen, die hier stationiert sind, keineswegs gegen den deutschen Kaiser, sondern gegen die Bolschewiki zum Einsatz kommen sollen, beginnt er, an einige vertrauenswürdige Kameraden Flugblätter zu verteilen. Zwar geht Jimmie äußerst vorsichtig zu Werke, wird aber doch verhaftet. Da er die Namen seiner Kontaktleute nicht preisgibt, wird er viele Tage lang schwer gefoltert (99,9% aller US-Soldaten und Offiziere hätten damals bestritten, dass es in ihren Streitkräften Folter gibt. Ebenso hielten sie an ihren Irrglauben fest, es ginge in diesem Krieg nur gegen Kaiser Wilhelm. Und die Bolschewiken seien - bestenfalls - arme Irre, müssten aber dennoch bekämpft werden wie die Deutschen). Ein Kriegsgericht verurteilt Jimmie wegen Gehorsamsverweigerung und Anstiftung zur Meuterei zu zwanzig Jahren Festungshaft. Die Qualen in der Haft treiben ihn in den Wahnsinn, der kleine Sozialist Jimmi Higgins endet im Irrenhaus. Ein ergreifendes Antikriegsbuch, das sich nicht nur fesselnd liest, sondern das auf vom Verfasser recherchierten Fakten beruht. Ein Tatsachenroman. Und noch etwas fällt beim Lesen auf: Upton Sinclair kannte seine Zeitgenossen bis in die letzten Winkel ihrer Seele. Diese Kenntnis macht den Roman so heutig und wahrhaftig. René Senenko


Latendorf, Ute: 
Es ist an der Zeit. Für Frieden. Fotos vom Hamburger Parkfriedhof Ohlsdorf
Selbstverlag Ute Latendorf 2015, 76 S., Format 21x21cm, kartoniert
Preis 10,00 €, ab 10 Expl. Rabatt, bestellbar bei ute.latendorf@outlook.de
Anthologie von Friedensgedichten und Erinnerungsberichten, bereichert um eindrucksvolle Farbfotomotive der Autorin von Denkmälern und Grabstätten des Friedhofs Ohlsdorf. Vorzügliche Ausstattung, gelungene Aufmachung! 


Baumann, Ludwig: 
Niemals gegen das Gewissen. Plädoyer des letzten Wehrmachtsdeserteurs
Herder Verlag Freiburg i.Br. 2014, 128 S., Format 12x19cm, kartoniert
Preis 12,99 €
Mit 19 Jahren wurde Ludwig Baumann zur Kriegsmarine eingezogen, doch mit Hitlers Kampf wollte er nichts zu tun haben. Im Juni 1942 unternahm er gemeinsam mit einem Kameraden mithilfe französischer Résistance-Kämpfer einen Fluchtversuch, am 30. Juni 1942 wurde Baumann wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt. Davon, dass auf Einwirken seines Vaters hin seine Strafe in eine 12-jährige Haftstrafe abgewandelt wurde, erfuhr er erst nach Monaten voller Angst in der Todeszelle. Im April 1943 konnte er die Todeszelle endlich verlassen, kam ins KZ Esterwegen, dann ins Wehrmachtsgefängnis Torgau und wurde schließlich mit dem berüchtigten »Bewährungsbatallion 500« an die Ostfront geschickt. All das hat Baumann überlebt. Sein Leiden endete jedoch nicht mit Kriegsende: Deserteure wie er galten noch lange als Verräter und Feiglinge. Baumann wurde zu einem wichtigen Protagonisten der Friedensbewegung, nie wieder sollen deutsche Soldaten Angst und Schrecken verbreiten. Dieses Buch ist ein bewegender Appell gegen das Vergessen und für den Frieden.
Ludwig Baumann, der letzte lebende Wehrmachtsdeserteur, hält ein flammendes Plädoyer gegen den Krieg. Das eindrucksvolle Vermächtnis eines bekannten Friedensaktivisten, der sich Hitler widersetzte - ein Buch mit der Kraft von Stéphane Hessels »Empört Euch!«.
»Wir, in diesem reichen Land, von keinem bedroht und mit unserer Geschichte, sind aufgerufen zu gewaltfreiem Handeln, uns einzusetzen für Gerechtigkeit, für das Leben, für den Frieden.« (Ludwig Baumann)


Suhling, Ursula: 
999er Strafsoldaten – deportiert vom Hannoverschen Bahnhof. Hamburger Antifaschisten in Wehrmachts-Uniform
Herausgegeben von der VVN-BdA Hamburg und der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt. 
VSA-Verlag Hamburg 2014, 80 S., s/w-Abbildungen, Softcover, Format 17x21 cm
Preis 8,00 €
Am Lohseplatz, einem wichtigen Hamburger Gedenkort für die Deportation von Juden, Sinti und Roma, wird bisher eine große Gruppe von Deportierten nicht erwähnt: etwa 2.000 Strafsoldaten. Fast alle waren sie politische Gegner der NS-Herrschaft, wurden seit 1933 verfolgt, inhaftiert, misshandelt. Nach der schweren Niederlage der deutschen Truppen vor Moskau zwang man sie in das »Bewährungs«-Bataillon 999. Von 1942 bis 1944 wurden sie mit der Reichsbahn in vier Massentransporten vom Hannoverschen Bahnhof zum Ausbildungslager »Heuberg« in Württemberg-Baden deportiert. Danach kamen sie zu den gefährlichsten Einsatzorten an der Front. Nur wenige haben überlebt. Bisher konnten ca. 300 Namen von 999ern ermittelt werden, die vom Hannoverschen Bahnhof aus deportiert wurden. Ihre Namen sind in diesem Band erhalten, in dem die Bildung der Sondereinheiten der Deutschen Wehrmacht, insbesondere des Bewährungsbataillons 999, erläutert und in den Zusammenhang der Gedenkkultur gestellt wird.
Die Autorin Ursula Suhling, geb. 1933, Dipl.Ing., ist Vorstandsmitglied der Willi-Bredel-Gesellschaft, Hamburg. Der Vater kam im »Bewährungs«-Bataillon 999 um. Ursula Suhling fordert, die Deportierten des »Bewährungs«-Bataillons 999 in Hamburg in die offizielle Gedenk­einrichtung am Lohseplatz, Vorplatz des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs in der Hafencity, aufzunehmen.


Scheytt, Christoph: 
Wohin wir gehen... Geschichte einer Fahnenflucht
Herausgegeben und mit einer Einführung versehen von Oliver Thron, Vorwort von Urban Lempp 
Verlag Klemm+Oelschläger Münster und Ulm 2013, 94 S., A5-Format, 6 Abbildungen, Softcover
Preis 9,80 €
„Die ersten, wunderbaren Monate nach'm Krieg, der Enge und der Angst…I glaub‘, des war dr schönste Sommer meines Lebens. Der Krieg rum, alles völlig neu, ungeordnet, wie a neue Geburt. Koin Staat, koi Post, koi Schul…“ Deutschland im letzten Kriegsjahr. Christoph Scheytt und Walter Rieg sind 15 Jahre alt, als sie gemeinsam mit anderen Hitlerjungen als „Panzerjagdkommando“ für den längst verlorenen Krieg der Nationalsozialisten geopfert werden sollen. Gemeinsam entschließen sie sich zur Flucht. Getrieben von der Sorge um die Familien daheim, dem festen Willen zu Überleben, in der Tasche eine Ausgabe des Novalis, nimmt eine abenteuerliche Odyssee durch das untergehende „Dritte Reich“ seinen Anfang…



Detlef Garbe, Magnus Koch und Lars Skowronski: 
Deserteure und andere Verfolgte der NS-Militärjustiz: Die Wehrmachtgerichtsbarkeit in Hamburg. Texte, Fotos und Dokumente
Herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg Januar 2012, 68 S., 29,5x21cm (A4-Format), illustriert (color), Softcover
Beim Herausgeber zum Preis von 2 EUR erhältlich
Wer nur ungefähr den dürren Erkenntnisstand zur NS-Wehrmachtsjustiz in Hamburg und deren Opfern ermessen kann, so wie er sich uns bis dato darstellte, wird staunen, mit welch neuem Material und neuen Erkenntnissen die Ausstellung aufwartet, - Material, das die Kuratoren Dr. Magnus Koch und Lars Skowronski (unter Mitarbeit von Claudia Bade) in wenigen Monaten zusammengetragen haben. Auf den 48 materialreichen Tafeln beruht, wenn auch bei der Wiedergabe von Dokumenten und Bildern eingeschränkt, die vorliegende Begleitbroschüre zur Ausstellung. Ausstellung und Heft würdigen auch die Initiativen zur Rehabilitierung der Opfer der Wehrmachtsjustiz und zur Errichtung von Deserteursdenkmälern in Hamburg, die es von 1992 bis heute gegeben hat und gibt. Noch wenig erforscht ist die Täterseite. Was Wunder. Diese Leute, die sich nie wirklich vor den Gerichten der Bundesrepublik verantworten mussten, hatten bis kurzem die Deutungshoheit über die Militärjustiz im Dritten Reich. Das belegt schlaglichtartig und grell der faksimilierte Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom 30.11.1995 (im Begleitheft auf S. 60). Die Ausstellung ist für die Erinnerungspolitik Hamburgs ein großer Schritt nach vorn. Sie räumt auch mit einigen Mythen auf, so zum Beispiel mit der immer wieder gehörten Mär, die Mehrheit der Wehrmachtsjustizopfer seien gar keine Deserteure, sondern Verbrecher, Vergewaltiger und Diebe. Soviel steht jetzt schon fest: Die Ausstellung ist auch für andere größere Städte Deutschlands beispielgebend. Nach der in Berlin 2007 entstandenen Wanderausstellung »Was damals Recht war - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht«, die derzeit in der Gedenkstätte Buchenwald zu sehen ist, dürfte es nun Anregungen für weitere lokale Initiativen genug geben, sich für das Andenken an die hingerichteten Wehrmachtssoldaten einzusetzen und ihnen vielleicht eine Erinnerungsstätte zu widmen. Nur mit der grausigen Wahrheit eigener Geschichte kann dem landläufig gepflegten Soldatenkult, den die Bundeswehr an vielen Orten heute noch pflegt, etwas entgegengehalten werden. nko 



Gedenken am Höltigbaum. Die Wandsbeker Bezirksversammlung gedenkt der Opfer der Wehrmachtsjustiz
Herausgegeben von der Bezirksversammlung Wandsbek und der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg Dezember 2012, 128 S., 21x14,5cm (A5-Format), s/w-illustriert, Softcover
Gratis erhältlich im Infoladen der Landeszentrale politische Bildung Hamburg
Wer weiß heute noch, dass es bereits im Jahr 2003 Aktionen des Gedenkens am Höltigbaum gab, um an die dort erschossenen Deserteure und Wehrkraftzersetzer der NS-Wehrmacht zu erinnern? Das Heft dokumentiert alle lokalen Initiativen seit 2003, einschließlich der auf politischer Bezirksebene verabschiedeten Entschließung für ein Deserteursdenkmal und dem Beschluss, einige neu errichtete Straßen auf dem ehemaligen Kasernengelände nach Höltigbaumer Erschießungsopfern zu benennen. Aber das materialreiche Heft bietet weit mehr. Detlef Garbe referiert den Forschungsstand um die NS-Justizpraxis am Standort Höltigbaum, der Zeitzeuge Uwe Storjohann berichtet über seine einstigen Beobachtungen, als er, der Rekrut vor Kriegsende, in einer Wandsbeker Kaserne stationiert war. Das Schicksal eines der Opfer, des aus Hannover stammenden Soldaten Robert Gauweiler, wird in einem Lebensbild vorgestellt. Der umfangreiche Anhang hält mehrere Dokumente bereit, die in Initiativen auf Hamburger Landesebene ihren Ursprung haben. Am nachhaltigsten darunter das Wortprotokoll einer Expertenanhörung im Kulturausschuss Hamburgs zum Thema Deserteursdenkmal. Nie zuvor in Hamburg hatte es soviel Konsens in der Frage gegeben, dass Hamburg zeitnah einen Ort der Erinnerung für die Opfer der NS-Militärjustiz brauche, und das solch ein Denkmal nur am Kriegsklotz am Dammtordamm seinen Standort haben könne. nko
Ein Denkmal den Opfern der Hamburger NS-Militärjustiz. Vorschläge zur (Um-)Gestaltung des Gedenkorts am Hamburger Dammtor
Schulprojekt-Publikation des Jahrgangs 9 der Ida-Ehre-Schule Hamburg (Bez. Eimsbüttel) und ihren Tutoren Beate Fera und Oliver Thron, Hamburg 2012, 20 S. (unpaginiert), 19,5x14,5cm, farbig illustriert, geheftet
Vergriffen
Anlässlich des Schülerwettbewerbs der Bundeszentrale für politische Bildung haben sich Schüler(innen) der Ida-Ehre-Schule mit der Geschichte des Kriegerdenkmals und von Hrdličkas Skulpturengruppe befasst und vier Vorschläge zur (Um-)Gestaltung des Gedenkorts entwickelt. Die gut aufgemachte Publikation stellt nicht nur die Ideen der Schüler vor, sondern bietet en passant einen Überblick aller Bemühungen um ein Deserteursgedenken in Hamburg seit 2010. Außerdem sind in dem Heft Kurzbiografien von vier hingerichteten Wehrmachtsdeserteuren nachlesbar. Ein kleines Heft, ein großer Wurf! Wir wünschen den Schülerinnen und Schülern mit dem von ihnen vorgelegten Resultaten viel Erfolg beim Wettbewerb. Das vergriffene Heft ist hier nachlesbar - als seitenversetzte Druckvorlage (d.h. die Reihenfolge der Seiten folgt den drucktechnischen Erfordernissen): PDF-Broschüre 1,1 MB
Wehrmacht und Geschichte. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland Heft 13
Edition Temmen, Bremen 2012, 272 S., 24x16,5cm, s/w-illustriert, Softcover
Preis 14,90 EUR
Im letzten Kriegsjahr fand ein umfangreicher Personaltausch der Bewacher in den Konzentrationslagern statt – SS-Angehörige wurden zum Fronteinsatz abgestellt und durch Wehrmachtssoldaten ersetzt. Diese bislang wenig beachtete Entwicklung ist eines der Schwerpunktthemen des neuen Heftes. Darüber hinaus werden Konzentrationslager als letzte Instanz im System der Strafeinrichtungen der Wehrmacht und als Orte von medizinischen Versuchen dargestellt. Auf den S. 158-189 werden mehrere Kapitel der 2001 von Georg Auer an der Universität der Bundeswehr Hamburg vorgelegten und heute nur schwer zugänglichen Magisterarbeit "'Plötzlicher Herztod durch Erschießen'. Wehrmachtgerichtsbarkeit in Hamburg während des 2. Weltkriegs" dokumentiert.
Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein Band 22
Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, Malente 2011, 256 S., 24x16cm, s/w-illustriert, Softcover
Preis 25 EUR
Darin auch folgender Beitrag zur NS-Militärjustiz, S. 193-218, ill.: 
Marcus Herrberger: "Die Frage, ob die Bestrafung eine nationalsozialistische Gewaltmaßnahme war, ist zu verneinen." Zum Kampf um Rehabilitierung und Wiedergutmachung von verfolgten Kriegsdienstverweigerern des Zweiten Weltkrieges in Norddeutschland.



Oliver Thron:
Deserteure und «Wehrkraftzersetzer»: Ein Gedenkbuch für die Opfer der NS-Militärjustiz in Ulm

Verlag Klemm und Oelschläger, Münster und Ulm 2011, 84 S., 21x21cm, s/w-illustriert, Softcover
Preis 16,80 EUR, bestellbar bei Amazon.de
Oliver Thron, Jg. 1974, Studium in den Bereichen Jugendarbeit, Lehramt und Magister für politische Bildung. Arbeitet derzeit als Lehrer (u.a. für Geschichte). Tätigkeiten in der Offenen und Mobilen Jugendarbeit sowie als Lehrbeauftragter und Referent für Zeitgeschichte, Politische Bildung und gedenkpädagogischer Bildungsarbeit mit Jugendlichen. - Bereits 1953 fragte Heinrich Böll nach den Anderen, den widerständigen Soldaten, die im nationalsozialistischen Eroberungskrieg den Dienst verweigerten. Jahrzehntelang bleib diese Frage unbeantwortet. Über 15 Jahre dauerte in Ulm die Debatte um das 1989 erstmals aufgestellte Ulmer Deserteursdenkmal. Das Buch, in dessen Mittelpunkt die Biografien von in Ulm verurteilen und ermordeten Deserteuren stehen, greift diese Debatte im historischen, lokalen und aktuellen Kontext auf. Die Biografien stehen exemplarisch für all jene Soldaten, die sich aus unterschiedlichen Motiven der Wehrmacht entzogen. Immer wieder schilderten Augenzeugen im Zuge der Recherchen zu diesem Buch Hinrichtungen im Ulmer Lehrer Tal. Dargestellt wird ebenfalls die Rolle der Ulmer NS-Militärjustiz und der Ulmer Wehrmachtsseelsorge.



Ralf Buchterkirchen
"... und wenn sie mich an die Wand stellen". Desertion, Wehrkraftzersetzung und "Kriegsverrat" von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945.
Edition Region + Geschichte, 31535 Neustadt 2011, 180 S., 21,5x13,5cm, s/w-illustriert, Softcover,  Klappenumschlag
Preis 13,90 EUR
„Schade, dass es ihn nicht erwischt hat!“ Diese spontane Reaktion auf die Meldung über das misslungene Attentat auf Adolf Hitler kostet Hubert Breitschaft das Leben. Der Lehrer aus dem bayrischen Cham wird vom Feldgericht verurteilt und in Hannover-Vahrenwald erschossen. Der Hannoveraner Robert Gauweiler, dem zur Last gelegt wurde, im Kameradenkreis gesagt zu haben: „Diesen Krieg verlieren wir“, wird von der Wehrmachtsjustiz in Dänemark zum Tode verurteilt und in Hamburg erschossen. So wie Breitschaft und Gauweiler erging es vielen. Die NS-Militärjustiz verhängte etwa 30.000 Todesurteile gegen Soldaten, die den Gehorsam verweigerten; mindestens 21.000 wurden vollstreckt. Für Hannover – einen der fünf wichtigsten Rüstungsstandorte – hat dieses Kapitel der deutschen Geschichte besondere Relevanz. Am Waterlooplatz wurden Soldaten durch die Militärgerichtsbarkeit verurteilt, in Hannover-Vahrenwald, auf dem Gelände, wo sich heute die Emmich-Cambrai-Kaserne befindet, wurden sie hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof in Hannover-Linden begraben. In jahrelanger Recherche wurden die Daten von 51 gehorsamsverweigernden Soldaten ermittelt, die aus Hannover kamen oder dort hingerichtet wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Diese Soldaten sind die Hauptpersonen des vorliegenden Buches. Statt sie anzuerkennen, wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg verunglimpft, ihr Schicksal verschwiegen und verdrängt. Bis zum Jahr 2009 hat es gedauert, dass der Bundestag auch wegen Kriegsverrats Verurteilte rehabilitierte. In den Jahren zuvor wurden bereits Verurteilungen durch die Wehrmachtsjustiz wegen Desertion und Wehrkraftzersetzung für nichtig erklärt. Eingereiht in eine Beschreibung der gesellschaftlichen und politischen Situation und im Anschluss auch an neuere Erkenntnisse der Geschlechter- und Männlichkeitsforschung wird nach den individuellen Beweggründen der Gehorsamsverweigerung gesucht. Herausgekommen ist eine facettenreiche Darstellung eines viel zu gern vergessenen Stücks deutscher Geschichte. In Hannover erinnert heute nur ein fast nicht mehr kenntlicher Stein an das Schicksal der Deserteure..   
Hörspiel «Kriegsgericht»
Earforce Tonstudio Stade 2011, 30min
Preis 6,90 EUR
bestellbar unter
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Das im Juni 2011 vom 9-köpfigen Schauspielteam «Antikriegsambulanz» produzierte Hörspiel "Kriegsgericht" basiert auf dem gleichnamigen Stück, das am 8. Mai 2011 beim "Friedensfest am Kriegsklotz" seine Erstaufführung erlebte. Mitwirkende: Lars Buchmann, Karin Gritzuhn, Peter May, Rachid Messaoudi, Franz-Josef Peine, Alexandra Pille, Katharina Seifert, René Senenko (Autor & Regie) und Wolf Wempe. Stück und Hörspiel beinhalten den authentischen Fall des Obergefreiten der Kriegsmarine Friedrich Wunderlich, der 1940 wegen "Fahnenflucht" vor einem Kriegsgericht landet und zum Tode verurteilt wird. Das Stück wurde hauptsächlich auf der Grundlage von Akten aus dem Bundesarchiv verfasst, die ein Historiker im Frühjahr 2011 der Willi-Bredel-Gesellschaft zur Verfügung gestellt hat. 

 

     ©senenko 2011