Deserteursdenkmäler in der DDR 

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Wer die jahrelange Debatte um die neueren Deserteursdenkmäler in Deutschland verfolgt hat, der konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Form der Erinnerungskultur eine rein westdeutsche Errungenschaft sei (von einigen Nachwende-Schöpfungen in Erfurt und Potsdam abgesehen). Diese historisch falsche Sicht wird inzwischen auch von der arrivierten Gedenkpolitik immer wieder neu generiert. 

Doch von vorne. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges haben Feldgendarmen auf kriegsmüde Soldaten, die ihre Waffen abgelegt hatten und auf dem Weg nach Hause waren, Jagd gemacht und die Aufgegriffenen als abschreckende Beispiele im nächstgelegen Ort erhängt oder irgendwo am Ortsrand erschossen. Bei Erhängungen wählten sie oft einen vielbegangenen Platz, um der Bevölkerung des Ortes ein anschauliches Beispiel zu geben, was jedem Volksgenossen blüht, dessen Durchhaltewillen zu wanken beginnen würde. Es klingt seltsam: Nichts scheint viele Zivilisten in den letzten Kriegstagen so entsetzt zu haben als solch eine Hinrichtung mit ansehen zu müssen. Anders ist nicht zu erklären, weshalb an vielen dieser Stellen, an denen Soldaten baumelten, bereits kurz nach Kriegsende Gedenktafeln angebracht worden sind. Im Westen Deutschlands dürften diese Denkzeichen spätestens mit der Gründung der Bundeswehr verschwunden sein. Das lag daran, dass man Mitte der 50er Jahre mit dem "Personal" der Wehrmacht auch dessen Ungeist in die neue Bundeswehr übernahm. Wikipedia sagt, dass bei Gründung der Bundeswehr "deren Offiziere und Unteroffiziere fast ausnahmslos aus der Wehrmacht" stammten. 

Nicht so in der DDR. Zwar war auch dort eine Armee geschaffen worden, und Deserteure konnten gewiss auch hier keine militärischen Vorbilder sein, doch die hingerichteten Wehrmachtsoldaten aus dem letzten Krieg galten zu Recht als Opfer des faschistischen Krieges. Zwar wurden nach Gründung der NVA vielerorts die Gedenktafeln für die erhängten Wehrmachtsoldaten in allgemeine "Opfer des Faschismus" oder "Opfer des Krieges" umetikettiert. So ist das 1946 angelegte Gräberfeld auf dem Ostfriedhof Leipzig mit den schlichten Holzkreuzen für 26 getötete Soldaten nicht in eine dauerhafte Ehrenanlage - wie in Dresden geschehen - umgestaltet worden. Doch ist in der DDR der Wandel der Erinnerungskultur keineswegs so monolithisch verlaufen, wie all zu oft unterstellt. Deshalb sind wir in der Lage, auf dieser Seite einige Stätten vorzustellen, die auch in der DDR ihre ursprüngliche Widmung bewahrt haben. Sie müssen heute als die ersten Deserteursdenkmäler Deutschlands, die ersten deutschen Erinnerungsorte für Opfer der NS-Militärjustiz überhaupt gelten. 

Vergessen wir nicht, dass im Traditionskanon der DDR ganz oben der Name des politisch motivierten Deserteurs und Kommunisten Fritz Schmenkel (1916-1944) stand, nach dem bis in die 1980er Jahre hinein zahlreiche Einrichtungen und Straßen benannt worden sind. Noch heute gibt es in Torgau und in Leipzig (Gohlis-Nord) Straßen, die nach diesem couragierten Soldaten benannt sind. Unsere nachfolgende Auflistung zeigt, dass Schmenkel nicht der einzige politische Wehrmachtdeserteur war, für den es im Osten Deutschlands Erinnerungsmale gab und gibt. 

Ein erster Artikel im VVN-BdA-Magazin "antifa" (Ausgabe Januar / Februar 2016), der dazu aufrief, uns auf Gedenkorte für Opfer der NS-Militärjustiz in Ostdeutschland hinzuweisen, brachte wertvolle Hinweise, die alle in unserer Auflistung Berücksichtigung fanden. Allen Leserinnen und Lesern der "antifa", die uns auf solche Stätten hingewiesen haben, sei herzlich gedankt.

René Senenko
Sprecher "Bündnis Hamburger Deserteursdenkmal"                           
Hamburg im März 2016


In der DDR geschaffene Gedenkorte für die Opfer der faschistischen Militärjustiz / Deserteursdenkmäler 
Chronologisch nach Jahr der Errichtung






August 1945
Ebersdorf (Löbau, Oberlausitz)
Adresse / Örtlichkeit: 02708 Löbau (Oberlausitz) OT Ebersdorf / Sachsen; bei der Jäckelbaude, am Ende des Jäckelwegs; am Fuß des Südwestabhangs des Jäckelbergs.
Gestaltung: Mehrere Feldsteine, Granittafel mit erhaben gestalteter Aufschrift.
Aufschrift Gedenkstein: "Hier ruhen als Opfer des Faschismus 8 kriegsmüde deutsche Soldaten, erschossen am 7. Mai 1945.“
Initiator: ?
Datum der Einweihung: August 1945
Denkmalstatus: Erfasst in „Liste der Kulturdenkmale in Ebersdorf“, Stand 15.4.2014, ID-Nr. 08960672.
Fotos:
Peter Emrich, Löbau; loebaufoto.de/eber02.htm; Juli 2004.
Beschreibung: Christian Hermann (1970): "Noch am Morgen des 7. Mai 1945, als der Nordteil des Kreisgebietes bereits befreit war, wurden acht Soldaten, die ihre Waffen weggeworfen hatten, um das sinnlose Morden zu beenden, von einem 'Reichsfeldgericht' in Löbau, Saarlandstraße (heute Karl-Liebknecht-Straße), nach nur wenige Minuten dauernden Verhandlungen zum Tode verurteilt. Einer der Offiziere 'rannte ... in der Nachbarschaft umher, bis er sich eine große Hakenkreuzfahne ausgeborgt hatte, die zur Verkündung der Urteile aufgestellt wurde. Eines wagten diese Henker jedoch nicht, die Erschießung dieser Gruppe von Soldaten im Stadtgebiet. Deshalb zog das Hinrichtungskommando (nach Ebersdorf) an den Fuß des Jäckel'". 
Die Soldaten hatten sich in der Umgebung von Görlitz aus ihrem Truppenteil entfernt, um sich in einen für sie sinnlos gewordenen Krieg nicht noch opfern zu müssen. Sie versteckten sich am Stadionweg in Löbau, wurden aber von einem Denunzianten angezeigt. Ihre letzte Ruhestätte fanden sie im Juli / August 1945 auf dem Jäckel.
Biografische Angaben: Die Namen der Opfer lauten:
Hubert Dieteren (*21.11.1920 Aachen), Erwin Führing (*24.10.1913 Bochum), Karl Koroschetz (*2.4.1918 Packenstein / Pakenstein / Grad Pakenštajn?), Johann Kromp (*21.7.1923 Ritzing / Österr.), Erich Radke (*20.2.1910 Düsseldorf), Rudolf Schmidt (*21.12.1920 Lobstädt), Siegfried Wulf (*22.8.1925 Schwerin) sowie ein unbekannter Soldat.
Literatur und Quellen: Hermann, Christian: Die Befreiung des Kreises Löbau vom Faschismus und der beginnende Aufbau neuer örtlicher Selbstverwaltungsorgane. Hg.: Kommission zur Erforschung der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung Löbau der SED, Löbau 1970, S. 44, o.Abb.; Miethe (1974) S. 430, o.Abb; Traditionskommission (1988) S. 82, o.Abb.; →Bundeszentrale (1999) S. 658f, o.Abb.; →Peter Emrich, Löbau: loebaufoto.de/eber02.htm; Juli 2004.
Stand: 11.7.2016

 






1945-48
Löbau (Oberlausitz)
Adresse / Örtlichkeit: 02708 Löbau (Oberlausitz) / Sachsen; Innenstadt: Brunnenstraße, unweit des Restaurants "Koenig-Albert-Bad" bzw. des Parkplatzes am Nicolaiplatz.
Gestaltung: Aus Quadersteinen gesetzte Halbrundnische; in der Nische ein Naturstein mit poliertem Granitaufsatz und Schriftgravur. Davor ein sechskantiger Blumentrog.
Aufschrift Gedenkstein: "An dieser Stelle starben als Opfer des Faschismus einige kriegsmüde Soldaten“.
Initiator: ?
Datum der Einweihung: ?
Denkmalstatus: Die Unterschutzstellung wurde von der Willi-Bredel-Gesellschaft am 25.3.2016 beantragt.
Fotos: Peter Emrich, Löbau; loebaufoto.de/denkmal05.htm; Mai 2004.
Beschreibung: 
In der Brunnenstraße (früher Brunnenweg) steht in einer aus grobgehauenen Steinen gefügten Halbrotunde ein Gedenkstein für die Soldaten Wagner und Wukasch
, die am 13. März 1945 nach standgerichtlicher Aburteilung durch das Feldjägerkommando II des Oberkommandos erschossen worden sind. Desgleichen wurde ein namentlich unbekannt gebliebener Soldat in den ersten Apriltagen von Feldgendarmen ("Kettenhunden") aus ihrem Militärfahrzeug gezerrt und im Brunnenweg in aller Öffentlichkeit niedergeschossen. Weitere Informationen liegen nicht vor. 
Biografische Angaben: Die Namen der Ermordeten: Kurt Rudolf Wagner (Waffengattung / Dienstgrad: Panzerschütze; geb.4.5.1923 in Zwickau, zuletzt Panzer-Ersatz- und Ausbildungs-Abt. 18), Walter Erich Wukasch (Pionier; geb.6.4.1922 in Malschwitz Krs. Bautzen, zuletzt Pionier-Ersatz-Bataillon 28) sowie ein unbekannter Soldat.
Information: Peter Emrich, Löbau. 
Literatur und Quellen:
→Kranzniederlegung am Mahnmal; in: Lausitzer Rundschau, Nr. 213, 14.9.1948; →Hermann, Christian: Die Befreiung des Kreises Löbau vom Faschismus und der beginnende Aufbau neuer örtlicher Selbstverwaltungsorgane; Hg.: Kommission zur Erforschung der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung Löbau der SED, Löbau 1970, S. 31, o.Abb.; →Miethe (1974) S. 428, o.Abb.; Traditionskommission (1988) S. 80, o. Abb.; →Bundeszentrale (1999) S. 708f, o.Abb.; →Deutsche Dienststelle / WASt Berlin: Auskunft an Willi-Bredel-Gesellschaft 2.5.2016.
Stand: 9.5.2016

 




1948
Peitz / Brandenburg
Adresse / Örtlichkeit: 03185 Peitz / Brandenburg; Städtischer Friedhof Peitz, zwischen Kraftwerkstraße und Siedlungsstraße.
Gestaltung: Schwarzer Granitobelisk mit Inschriftgravur.
Aufschrift Gedenkstein: "Hier ruhen vom faschistischen Terror gemordet 7 aufrechte unbekannte deutsche Soldaten“.
Initiator: ?
Datum der Einweihung: 1948
Zustand vor der Einweihung: ?
Denkmalstatus: Erfasst in der Landesdenkmalliste, Stand 31.12.2013: "Liste der Baudenkmale in Peitz", Baudenkmal ID-Nr. 09125480.
Foto:
lkspn.de; August 2006.
Beschreibung: 
Die imposante schlanke Stein mit Obeliskspitze erinnert an sieben deutsche Wehrdienstverweigerer, die im Frühjahr 1945 auf Befehl des Durchhaltegenerals Ferdinand Schörner erschossen wurden. Nähere Informationen liegen nicht vor.
Literatur: →Miethe (1974) S. 204, o.Abb.; →Bundeszentrale (1999) S. 330, o.Abb. 
Stand:
4.4.2016

 



Original, bis 1990


Erste Ersatztafel, 1991


aktueller Zustand

1952
Berlin-Mitte

Adresse / Örtlichkeit: 10117 Berlin-Mitte; im Stadtzentrum: Friedrichstraße 141-142, Durchgang der Straße unter der S-Bahnbrücke am Bahnhof Friedrichstraße.
Aktuelle Gestaltung: Bronzetafel, 50x40 cm.
Aufschrift Gedenkstein: "Kurz vor Beendigung des verbrecherischen Hitlerkrieges wurden hier zwei junge deutsche Soldaten von entmenschten SS-Banditen erhängt / 1952 / erneuert 1999".
Urheber: VVN-Hauptvorstand (Berlin).
Datum der Fertigstellung / Einweihung: September 1952
Zustand vor der Einweihung: Gedenktafel (wahrscheinlich aus Holz).
Denkmalstatus: Die zahlreichen Gedenktafeln in Berlin stehen nicht unter Schutz (man rufe sich die hohe Diebstahlrate seit 1990 ins Gedächtnis...), es sei denn sie sind wegen ihrer künstlerischen Gestaltung zugleich schützenswerte Kleindenkmäler.
Foto oben und Mitte: antiFA Nr. 7/8 Juli 1991; Foto unten: kunst-am-wege.de; März 2009. 
Beschreibung: 
An einem der letzten Apriltage 1945 hatten sich zwei junge Wehrmachtsoldaten geweigert, in den Kämpfen, die noch bis zum 2. Mai dauerten, ihr Leben weiter aufs Spiel zu setzen. Die SS-Feldgendarmerie erhängte die beiden an den Fenstergittern des (heute nicht mehr existenten) Buchhandels an der S-Bahnbrücke Bahnhof Friedrichstraße. Die "Kettenhunde"1 hatten den beiden Schilder umgehängt, auf denen zu lesen war: "Ich war zu feige um meine Frau und meine Kinder / meine Eltern zu verteidigen".  
1952 wurde hier eine der ersten Gedenktafeln Berlins nach dem Krieg angebracht. VVN-Mitglieder haben nach Kriegsende hier provisorische Gedenktafeln angebracht. Die VVN kam dann dem Wunsch zahlreicher Mitglieder nach und ließ 1952 die dauerhafte Tafel anbringen. Anfang Oktober 1990 haben Unbekannte die Tafel entfernt. Der Verein "Aktives Museum" hat sie in den Jahren 1991, 1993 und 1995 erneuern müssen, weil die aus Plexiglas angebrachten Ersatzplatten immer wieder zertrümmert wurden. Die sechste Erneuerung - dieses Mal aus Bronze - ließ die Deutsche Bahn am 9. Dezember 1999 in die Ziegelwand einsetzen. Da solche Erinnerungstafeln aus DDR-Zeiten in Berlin unter Denkmalschutz stehen, wurde auf jeder Ersatztafel die ursprüngliche Inschrift gesetzt.
Literatur und Quellen: →Miethe (1974) S. 21, o.Abb; antiFA, Magazin des IVVdN Ausgabe 7 / 8, Berlin, Juli 1991, S. 8f, 2 Abbn.; →Bundeszentrale (1999) S. 115f, o.Abb.; →Hoss, Christiane / Schönfeld, Martin: Gedenktafeln in Berlin. Orte der Erinnerung an Verfolgte des Nationalsozialismus 1991-2001; hgg. vom Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand; Berlin 2002; S. 110, o.Abb.
Stand: 4.4.2016

 





Um 1955
Sangerhausen / Sachsen-Anhalt

Adresse / Örtlichkeit: 06526 Sangerhausen / Sachsen-Anhalt; An der Probstmühle (Parkplatz). 
Gestaltung: Findling (Braunkohlenquarzit) mit Platte
Aufschrift Gedenksteintafel: "Zum Gedenken an unseren Kollegen Walter Telemann / geboren 27.2.1906 in Sangerhausen / erschossen am 4.8.1944 wegen Verweigerung des faschistischen Kriegsdienstes“.
Urheber: Maschinenfabrik Sangerhausen im VEB Chemieanlagen Staßfurt in der früheren Walter-Telemann-Straße.
Datum der Fertigstellung / Einweihung: vor 1956
Zustand vor der Einweihung: Die Gedenktafel war vor der Anbringung am Stein "einige Jahre" zuvor im Haupteingang der Maschinenfabrik angebracht worden; der Stein selbst war bis Kriegsende an einem anderen Ort Albert Schlageter gewidmet.
Foto(s): Dr. Peter Gerlinghoff, Initiative "Erinnern und Gedenken" Sangerhausen; August 2014.
Denkmalstatus:
Nach Antrag der Willi-Bredel-Gesellschaft wurde der Stein am 25.4.2016 als Kleindenkmal in die Denkmalliste des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen, ID: 10705079. 
Beschreibung: 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde für Walter Telemann eine Erinnerungstafel im Haupteingang der Maschinenfabrik in Sangerhausen angebracht. In den 1950er Jahren errichtete man auf dem gegenüberliegenden Parkplatz einen großen Quarzitsteins und befestigte die erwähnte Gedenktafel daran. Die vorbeiführende Straße trug den Namen Telemannstraße. Allerdings wurde sie Anfang der 1990er Jahre in "An der Probstmühle" umbenannt. Wann genau die Gedenktafel geschaffen und der Gedenkstein gesetzt worden ist, war nicht zu ermitteln. Vor Walter Telemanns einstigem Wohnhaus in der Bahnhofstraße 21 gibt es seit 2014 einen Stolperstein, der an ihn erinnert. 
Biografische Angaben: Walter Telemann wurde als Sohn einer Landarbeiterfamilie am 27. Februar 1906 in Sangerhausen, Schlossgasse 4, geboren. Nach Abschluss der achtjährigen Volksschule arbeitete er im Eisenwerk Barbarossa und später in der Maschinenfabrik Sangerhausen. Er war zunächst Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), trat aber 1923 zum Kommunistischen Jugendverband (KJVD) über. Walter Telemann war verheiratet und hatte zwei Kinder. Gegen seine Überzeugung wurde er 1940 zum Wehrdienst eingezogen und kam nach der Ausbildung in Erfurt beim Panzergrenadier-Regiment 59 in Mittelrussland zum Einsatz. Am 13. Mai 1943 wurde er, inzwischen Gefreiter, im Gebiet Orjol schwer verwundet. Nachdem 1944 sein Regiment bei Bobrujsk / Bjelorussland zerschlagen war, beschloss Walter Telemann, sich dem weiteren Krieg zu verweigern; er setzt sich von der Truppe ab. Am 4. August wird er von den Feldjägern gestellt und bei Sparken (poln. Szparki, Masurien) standrechtlich erschossen. Er gehört zu den Menschen, die im Krieg aus Überzeugung die Waffen niedergelegt haben.
InformationDr. Peter Gerlinghoff, Initiative "Erinnern und Gedenken" Sangerhausen. 
Literatur und Quellen: →Miethe (1974) S. 311, o.Abb; Kommission zur Erforschung der Geschichte der Örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung Sangerhausen der SED (Hg.): Ihr Kampf ist uns Mahnung und Verpflichtung - Lebensbilder: Kämpfer gegen Imperialismus, Militarismus und Faschismus. Zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Kreis Sangerhausen, Heft 1, o.J. [1979], S. 34-35; →Bundeszentrale (1999) S. 584, o.Abb.
Stand:
6.4.2016

 







1956
Dresden
Adresse / Örtlichkeit:
01099 Dresden / Sachsen; in der Neustadt: Nordfriedhof, Marienallee / Kannenhenkelweg 1, am Südwestrand der Dresdner Heide.
Gestaltung: Gedenkstein und Gräberfeld mit Kissensteinen aus Granit.
Aufschrift Gedenkstein: "Gedenkt der Soldaten / die gegen Krieg und / Faschismus kämpfend / den Opfertod starben“.
Urheber: Rat der Stadt Dresden.
Datum der Fertigstellung / Einweihung: 1956; 2004
Denkmalstatus: Der Nordfriedhof ist als Gesamtanlage erfasst in der "
Liste der Kulturdenkmale in der Neustadt" (Dresden), Stand Januar 2006; das hier vorgestellte Gräberfeld bzw. einzelne Komponenten davon sind nicht gesondert gelistet.
Fotos:
Gedenkstein: Brigitte Drinkmann, 2011; Gräberfeld: René Senenko, August 2013.
Beschreibung: 
Rechts vom Hauptweg, hinter den Trennwänden der Friedhofsbereiche finden wir ganz am Rande des Totenackers einen meterhohen Gedenkstein, vor dem sich - visuell unterschieden von anderen Gräbern - zahlreiche Liegesteine mit Namensgravuren von 136 Wehrmachtsoldaten befinden. Es handelt sich in der Mehrheit um Opfer der hiesigen Feldgerichte des Zweiten Weltkrieges. Zwischen 1941 und 1943 wurden mehr als 40 Militärangehörige in der Hinrichtungsstätte am Münchner Platz enthauptet, rund 50 (oder mehr) am MG-Schießstand Dresden-Klotzsche oder an einem Schießübungsplatz in der Dresdner Heide erschossen. Die übrigen schieden durch Suizid aus dem Leben; zwei der Opfer wurden „auf der Flucht“ erschossen. Nach ihrer Hinrichtung wurden viele dieser Toten an abgelegener Stelle des Friedhofes verscharrt. Ab 1956 sind alle Opfer in eine würdigen Gemeinschaftsanlage umgebettet worden. Die gärtnerische Neugestaltung dieses Friedhofsteils veranlasste und finanzierte der Rat der Stadt Dresden. Im Jahr 2004 kamen die Liegesteine hinzu, die den Charakter des Gedenkorts mit dem Stein in ein ansehnliches Gräberfeld verwandelten. Jeder Stein ist mit Gravuren von vier Opfernamen und den Geburts- und Sterbejahren versehen. 
Auf einer großformatigen Informationstafel des "Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" aus dem Jahr 2011 am Eingang des Friedhofs wird dieses Gräberfeld mit dem denunziatorischen und den Sachverhalt verschleiernden Titel “Deutsche Verurteilte und Selbstmörder" benannt, - ein Rückgriff auf den Nazijargon für die genannten Opfer.
An zwei auf dem Gräberfeld ruhende Soldaten, Gerhard Timm aus Wedel (Schleswig-Holstein), und Erich Meyer aus Hamburg, erinnern seit 2015 und 2016 in deren Heimatorten Stolpersteine. 
Literatur: →Miethe (1974) S. 408, o.Abb; →Goldenbogen, Nora: Dresden, Landeshauptstadt; in: Bundeszentrale (1999) S. 656, o.Abb.; VVN-BdA Stadtverband Dresden (Hg.): Dresdner Gedenkorte für die Opfer des NS-Regimes, Eine Dokumentation von Herbert Goldhammer und Karin Jeschke; Dresden 2002, 2.Aufl. 2006, S.112, 3 Abbn.; Diesseits und Jenseits. Der Friedhofswegweiser Dresden; Leipzig 2011, S. 40-44, o.Abb.; nicht bei: Traditionskommission (1988); nicht bei: Otte, Rolf: Denkmale und Erinnerungsstätten der Arbeiterbewegung, des Kampfes gegen den Faschismus und der Anfänge des Neuaufbaus in der Stadt Dresden, aus: Rolf Otte und Horst Schneider: Eine Betrachtung zur "Abwicklung" von Geschichtstradition in Dresden; Dresden 1998, S. 9-47 (Redaktionsschluss 5.7.1998); nicht bei: Nordfriedhof. Informationen zu Grabarten, Bestattungs- und Beisetzungsmöglichkeiten; Hg.: Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen Dresden, 2014, mit einem Kapitel "Zur Friedhofsgeschichte" (S. 2-3).
Stand:
11.7.2016

 




1965
Friedland / Mecklenburg 
Adresse / Örtlichkeit: 17098 Friedland / Mecklenburg-Vorpommern; Pasewalker Straße, an der Einmündung zum Neuen Friedhof, Ostseite.
Gestaltung: Gedenkstein / Betonsäule mit Granitplatte.
Aufschrift Gedenkstein: "Am 27. April 1945 wurden hier zwei von der Sinnlosigkeit des Krieges überzeugte junge Soldaten von SS-Bestien ermordet."
Initiator / Urheber: ?
Datum der Einweihung: April 1965
Zustand vor der Einweihung: ?
Denkmalstatus:
Gelistet in "Liste der Baudenkmale in Friedland (Mecklenburg)", Stand 18.3.2011, keine Objektnummer ermittelt.
Fotos:
-
Beschreibung: 
Es handelte sich bei den drei Ermordeten um Soldaten, die in Galenbeck, einem
Nachbarort Friedlands, versucht hatten, sich aus ihrer Einheit abzusetzen und sich der weiteren Kriegsbeteiligung zu entziehen. Zwei wurden von der Feldkommandantur in Friedland arretiert. Einer von ihnen, im Zivilleben Bankbeamter, wurde erschossen und dann zusätzlich stranguliert, der zweite Soldat (18 Jahre) wurde erhängt. Dem dritten gelang die Flucht. Zur Zeit liegt uns kein Foto der Anlage vor. 
Literatur: →Miethe (1974, S. 114, o.Abb.; →Bundeszentrale (1999) S. 407, o.Abb. 
Stand: 4.4.2016







1965
Dippoldiswalde / Sachsen
Adresse / Örtlichkeit: 01744 Dippoldiswalde / Sachsen; Innenstadt: Obertorplatz, Ecke Brauhofstraße / Herrengasse.
Gestaltung: Gedenkstein mit gravierter Inschrift.
Aufschrift Gedenkstein: "Hier wurde von faschistischen Schergen der Soldat Johannes Rockstroh am 8. Mai 1945 ermordet“.
Initiator / Urheber: ?
Datum der Einweihung: 8. Mai 1965.
Denkmalstatus: Erfasst in "Denkmalliste Dippoldiswalde", Stand 15.3.2011, Objekt Nr. 08963033.
Foto oben:
Bildergalerie geri-oc, Juni 2012; Foto unten: Dieter Mende, März 2016.
Beschreibung: 
In den letzten Kriegstagen verbargen sich in den Wäldern im Osterzgebirge um Dippoldiswalde noch SS-Einheiten, deren Terror gegen die eigene Bevölkerung und heimkehrende Soldaten noch manches Opfer forderte. Am Morgen des 8. Mai 1945 griffen zwei Feldgendarmen in der Gegend um den Ort einen Soldaten ohne Waffen auf (was der Desertion gleichkam). Sie schleppten ihn gegen 10 Uhr nach Dippoldiswalde, zum Obertorplatz. Der Platz war belebt, viele Einwohner und Hunderte Soldaten, die den Ort mit ihren Einheiten passierten, beobachteten das Geschehen. Zahlreiche Frauen hatten sich am Wasserbassin des Platzes eingefunden. Die beiden Feldgendarmen ("Kettenhunde") banden an einem Strommasten gegenüber der Bäckerei Lindner ein Seil fest und legten es dem Gefangenen (der noch seine Uniform und Stiefel trug) um den Hals. Auch hängten sie ihm ein Schild mit der Aufschrift "Ich habe die Waffen gestreckt. So ergeht es jedem Vaterlandsverräter" (oder ähnlichlautende Aufschrift) um. Dann legten sie mehrere Ziegelsteine am Masten nieder, auf die sich der Soldat stellen musste. Gegen 14 Uhr stießen sie die Steine unter seinen Füßen weg. Eine der Frauen, die die Szene verfolgt hatte, ging auf den Erhängten zu, las das Schild und fragte die beiden Kettenhunde: "Warum habt Ihr das gemacht? Der Krieg ist doch sowieso verloren". Sie antworteten: "Wenn Sie nicht ruhig sind, hängen wir Sie gleich daneben". Am nächsten Tag (9. Mai 1945) zog morgens fünf Uhr die Rote Armee in der Stadt ein. 
Bei der Einweihung des Gedenksteins im Jahr 1965, an dem trotz Regenwetters mehrere Hundert Bürger teilhatten, sagte der SED-Sekretär Heinz Möbius in seiner Ansprache: "Der Gedenkstein soll uns Mahnung sein, alles zu tun, damit nie wieder vom deutschen Boden Krieg ausgeht." 
Biografische Angaben: Bei dem Erhängten handelte es sich um den Soldaten Johannes Karl Rockstroh, geboren am 8.10.1903 in Aue / Erzgebirge. Der kaufmännische Angestellte war verheiratet, seine Familie lebte in Venusberg (bei Zschopau); er hatte einen Sohn.
Information: Dieter Mende, Heimatforscher und ehrenamtlicher Denkmalpfleger; Dippoldiswalde. 
Literatur und Quellen: Erzgebirgs-Echo (Heimatzeitung des Kreises Dippoldiswalde, Tageszeitung, Hg.: SED-Kreisparteiorganisation Dipp. und Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Kreisausschuss Dipp. vom 12.5.1965 (2 Berichte);
→Miethe (1974) S. 418, o.Abb; →Bundeszentrale (1999) S. 640, o.Abb.; →Konrad Knebel, Dr. Günter Groß, Marion Eichentopf, Dietmar Schulze: Stadtchronik Dippoldiswalde 1900–2000, Hg.: Lohgerber-, Stadt- und Kreismuseum Dippoldiswalde, 2005, S. 283, 1 Abb. (Ehrung im Jahr 1975); Traditionskommission (1988) S. 45, o.Abb.
Stand: 4.4.2016

 




1960er Jahre?
Görlitz
Adresse / Örtlichkeit: 02826 Görlitz / Sachsen, Innenstadt: Postplatz 18, Gerichtsgebäude, linker Gebäudeflügel.
Gestaltung
: Gedenktafel, Inschriftgravur.
Aufschrift Gedenkstein: „Platz der Befreiung / Auf diesem Platz lagen im Frühjahr 1945 von faschistischen Mordkommandos umgebrachte Soldaten und Bürger. Die Toten mahnen die Lebenden.“
Initiator: ?
Datum der Einweihung: Nicht ermittelt.
Denkmalstatus: Aufgeführt in „Liste der Brunnen, Denkmäler und Skulpturen in Görlitz“ (Wikipedia). Der gesamte Gebäudekomplex Postplatz 18 mit der hier vorgestellten Tafel ist im Denkmalverzeichnis von Görlitz mit der Objektnummer 09280663 ("Amtsgericht") erfasst; Stand 4.4.2016.
Fotos:
Frank Vincentz, 20.9. 2010.
Beschreibung: Als sich in den letzten Kriegstagen 1945 die Front der Stadt Görlitz näherte, wurden zahlreiche Leichen von Fahnenflüchtigen und Plünderern an der Südwestseite des Platzes zur Abschreckung abgelegt und zur Schau gestellt. Nähere Informationen liegen derzeit nicht vor.
Biografische Angaben: Die Namen der Opfer sind nicht ermittelt. 
Information: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Dresden.
Literatur:
→Miethe (1974) S. 425f, o.Abb;
Traditionskommission (1988) S. 63, 1 Abb.; →Bundeszentrale (1999) S. 671, o.Abb.
Stand: 4.4.2016

 




1960er Jahre
Schwedt an der Oder
Adresse / Örtlichkeit: 16303 Schwedt (Oder) / Brandenburg; Am Rondell in der "Parkanlage Stengerhain", Bahnhofstraße gegenüber Nr. 24.
Gestaltung: Marmortafel auf Stahlstangen, farblich hervorgehobene Gravur der Inschrift
Aufschrift Gedenkstein: "Hier wurde im März 1945 ein junger Soldat von Faschisten erhängt, weil er den Frieden wollte“.
Initiator: ?
Datum der Einweihung: 1960er Jahre.
Zustand vor der Einweihung: Gedenktafel aus Holz.
Denkmalstatus: Die Unterschutzstellung wurde von der Willi-Bredel-Gesellschaft am 29.3.2016 beantragt.
Foto: schwedt.eu; um 2011?
Beschreibung: 
Die auf eine Stangenlehne aufgesetzte Tafel erinnert an einen vor Kriegsende hingerichteten Wehrmachtsoldaten. Es handelt sich um den 20jährigen Panzergrenadier Norbert Robert, der aus Köln stammte und im Zivilleben Lehrer war. Der Soldat hatte zufällig in einem Flüchtlingstreck, der die Stadt passierte, seine Mutter entdeckt und sie einen Kilometer lang begleitet, um mit ihr sprechen zu können. Dieser Vorfall führte - wegen "unerlaubter Entfernung von der Truppe" - zu seiner Verhaftung und zur Verurteilung zum Tode. Nach der Vollstreckung trug der Leichnam ein Schild mit der Aufschrift: "Ich, Norbert Robert, habe die Truppe verlassen. Darum musste ich den Tod durch den Strick erleiden."
Die Tafel in der heutigen Form stammt aus den 60er Jahren. Sie ersetzte eine hölzerne Vorgängertafel, die den gleichen Text trug. Der junge Soldat war nicht der einzige, der in Schwedt wegen dieses Tatbestands standgerichtlich zu Tode kam. Kurt Flöter, Bürgermeister in der 10 Kilometer entfernten der Kleinstadt Königsberg in der Neumark (heute Chojna, Westpolen) wurde von einem  SS-Standgericht unter Vorsitz des bekannten SS-Kommandeurs Otto Skorzeny zum Tode durch Erhängen verurteilt, weil er seinen Ort, der kurz vor der Einnahme durch sowjetische Einheiten stand, ohne Räumungsbefehl verlassen hatte. Das Urteil wurde am 4. Februar 1945 an einer Kastanie auf der Schloßfreiheit vollstreckt. Wegen Desertion wurden kurz später - am 7. Februar - auf dem Kräniger Damm vier Soldaten hingerichtet, ebenfalls durch Erhängen. Am 20. Februar starben weitere Soldaten diesen sinnlosen Tod.  
Information:
Ursula Dittberner, Stadtmuseum Schwedt.
Literatur: Miethe (1974) S.197, o.Abb.; Bundeszentrale (1999) S. 347, o.Abb.; Ballentin, Günter: Die Zerstörung der Stadt Schwedt/Oder 1945, Eigenverlag Berlin 2005, Zweitaufl. 2006, S. 93f, o.Abb.; Schulze, Doris: Denkmalführer der Stadt Schwedt/Oder, Denkmäler und Bauten mit ortsgeschichtlichem Bezug und Gedenksteine; Hg.: Stadt Schwedt, 2014, S. 31-32.
Stand:
15.4.2016

 




Nach 1973
Berlin-Friedrichshain
Adresse / Örtlichkeit: 10245 Berlin-Friedrichshain; Revaler Straße 99.
Gestaltung: Tafel an Gebäudewand.
Aufschrift Gedenkstein: "Fritz Schmenkel, geb. am 16.2.1916, ein Leben als Kommunist und Patriot. Ermordet von den Faschisten am 22.2.1944“ / [Porträtbildnis].
Initiator: Gesellschaft für Sport und Technik (?)
Datum der Einweihung: Mitte der 1970er.
Heutiger Zustand: Tafel entfernt.
Denkmalstatus: ohne
Foto: gedenktafeln-in-berlin.de; undatiert, Bildautor nicht ermittelt. Auf dem Foto ist die Fläche an der Gebäudewand erkennbar, an der einst die Tafel befestigt war.
Beschreibung: 
Die an der Betriebsberufsschule des Reichsbahnausbesserungswerks Berlin (Haus 04) angebrachte Gedenktafel soll von Betriebsangehörigen 1991 entfernt und gesichert worden sein (bei Hoss / Schönfeld, S. 256, heißt es lapidar: "Entfernung durch die Reichsbahn 1991"). Wo sie lagert, ist den mit Denkmalerhalt befassten Stellen nicht bekannt. In der DDR sind in den 70er und 80er Jahren des 20. Jhs. viele Straßen und Einrichtungen nach Fritz Schmenkel benannt worden, so auch die Straße in Berlin-Karlshorst, in der sich das Kapitulationsmuseum befindet (heute Rheinsteinstraße). Noch heute tragen Straßen in Torgau (Sachsen) und in Leipzig (Stadtteil Gohlis-Nord) den Namen des couragierten Soldaten.
Biografische Angaben: Fritz Schmenkel, 1916 bei Stettin / Szczecin geboren, wurde 1938 zur Wehrmacht eingezogen, desertierte 1941 an der Ostfront und lief zu sowjetischen Partisanen im Smolensker Gebiet über. Bei einer seiner Einsätze im Hinterland der besetzten Gebiete wurde er festgenommen, von einem Kriegsgericht im bjelorussischen Minsk am 15. Februar 1944 zum Tode verurteilt und am 22. Februar durch ein Erschießungskommando hingerichtet.
Information: Den Hinweis auf Fritz Schmenkel verdanken wir Karlen Vesper (Berlin). 
Literatur: →Bundeszentrale (1999) Seiten 58, 92, o.Abb.; →Hoss, Christiane / Schönfeld, Martin: Gedenktafeln in Berlin. Orte der Erinnerung an Verfolgte des Nationalsozialismus 1991-2001; Hg.: Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand; Berlin 2002; S. 256, o.Abb.; →nicht bei Miethe (1974).
Stand: 4.4.2016

 



Ehem.
Wehrmachts-
gefängnis Anklam


Todeszellen

Mitte 1970er Jahre
Anklam
Adresse / Örtlichkeit: 17389 Anklam / Mecklenburg-Vorpommern; Adolf-Damschke-Straße 5A.
Gestaltung: Todeszellentrakt als Gedenkort.
Initiator: Kulturbund der DDR, Anklam; seit 2005
Zentrum für Friedensarbeit.
Datum der Einweihung: Mitte 1970er Jahre. 
Zustand vor der Einweihung: Gedenk-Inschrift der VVN an der Stirnwand des Südfügelkellers, seit 1946.
Denkmalstatus: Erfasst in der Liste der Baudenkmale in Anklam, Stand 30.12.1996.
Fotos: friedenszentrum-anklam.de (Fotos abgerufen im April 2016).
Beschreibung: 
In den Jahren 1938 und 1939 errichtetes Wehrmachtsgefängnis, in dem bis Kriegsende mehrere Tausend Soldaten wegen des Tatvorwurfs Fahnenflucht, unerlaubte Entfernung und Wehrkraftzersetzung inhaftiert waren (ein Autor schätzt die Zahl auf 15.000). Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Hinrichtungen (die im Innenhof durchgeführt wurden) beläuft sich auf 139 (Stand 2016). Die tatsächliche Zahl lag doppelt oder dreifach so hoch. Nach Kriegsende diente das Gebäude als Getreidespeicher. 1961 begann eine Arbeitsgruppe des Kulturbundes der DDR mit den Forschungen; Mitte der 1970er Jahre wurde der Todeszellentrakt als Gedenkstätte eingerichtet, die bis 1990 erhalten blieb. Danach verfiel das Gebäude. 2005 übernahm die Stiftung Zentrum für Friedensarbeit Anklam das Objekt, sanierte es und richtete erneut einen Gedenkort ein. Das Zentrum verbindet historisches Gedenken mit aktiver Friedens- und Umweltarbeit. 
Information:
Stiftung Zentrum für Friedensarbeit, Hansestadt Anklam.
Literatur: Miethe (1974) S.116, o.Abb.; Bundeszentrale (1999) S. 388, o.Abb. (Informationen politisch motiviert und nicht korrekt); Schulz, Ulrich und Stephan Tanneberger: Das ehemalige NS-Wehrmachtsgefängnis Anklam. Fakten und Zeitzeugenberichte, hgg. vom Zentrum für Friedensarbeit "Otto Lilienthal" Hansestadt Anklam o.J. (2011); Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (Hg.): Gedenkstättenführer. Bildungsarbeit an historischen Orten zur Geschichte politischer Gewalt im 20. Jahrhundert in Mecklenburg-Vorpommern; Schwerin 2013, S. 30-31, 3 Abbn. (abweichender Text zur Auflage von 2011).
Stand:
20.4.2016

 




1977
Forst (Lausitz)
Adresse / Örtlichkeit: 03149 Forst (Lausitz) / Brandenburg; Spremberger Straße / Ecke Triebeler Straße; unweit des „Stadions am Wasserturm“.
Gestaltung: Gedenkstein / Findling mit Texttafel.
Aufschrift Gedenkstein: "An dieser Stelle wurden 1945 4 Kriegsgegner durch die faschistische Wehrmacht ermordet / Ehre ihrem Andenken“ / [VVN-Verbandslogo].
Initiator: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).
Datum der Einweihung: 1977
Zustand vor der Einweihung: Gedenktafel (spätestens 1952 installiert).
Denkmalstatus: Erfasst in der "Liste der Baudenkmale in Forst", Stand 31.12.2014, ID-Nr. 09125107.
Foto:
deutsche-digitale-bibliothek.de; undatiert.
Beschreibung: 
Der Stein erinnert an vier erhängte, namentlich ungenannte Menschen, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges hingerichtet worden sind. Durch Zeitzeugenbefragungen gesichert ist lediglich die Erkenntnis, dass zwischen Februar und April 1945 mehrere Soldaten sowie ein sowjetischer Zwangsarbeiter, die durch ein Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden waren, im Bereich eines freien Platzes am Wasserturm an mehreren, extra aufgestellten Pfählen drei Wochen lang zur Schau gestellt worden sind. Unter den Opfern sollen sich drei oder vier Soldaten, darunter ein Feldwebel, befunden haben, den man Plünderung, Desertion oder "Feigheit vor dem Feind" zur Last legte. Forst lag zum Zeitpunkt der Vollstreckungen im Befehlsbereich des Generals Ferdinand Schörner, der für solche Verbrechen auch gegenüber eigenen Truppenangehörigen berüchtigt war (vgl. hier auch Peitz). Die Namen der Opfer konnten bisher nicht ermittelt werden.
An der Stelle des Schaugalgens wurde 1977 der Findling auf einer kleinen dreieckigen Verkehrsinsel an der Friedrich-Engels- / Karl-Marx-Straße aufgestellt (heute Spremberger Straße / Ecke Triebeler Straße). Er ersetzte eine zuvor existierende Gedenktafel. Der Text der Tafel war gleichlautend mit der heutigen Aufschrift, nur anstelle der "4 Kriegsgegner" hieß es auf der Tafel früher: „4 Soldaten und Zivilisten". Die Straßenbaumaßnahmen zur Einrichtung eines Verkehrskreisels am Wasserturm beendeten das Inseldasein. Der Gedenkstein wurde im Jahr 2009 versetzt und einige Meter weiter südlich am Gehwegrand aufgestellt.
Des weiteren wird auf dem Hauptfriedhof von Forst an weitere 80 (!) Wehrmachtdeserteure aus dem Dorf Weissagk erinnert, die im April 1945 von der SS erschossen worden sind und - als Weissagk der Braunkohle weichen musste - nach Forst umgebettet worden sind. Da der Gedenkstein aber die aussagearme Aufschrift „80 namenlose Deutsche“ trägt, findet er in unserer Liste - wie andere Stätten mit solch inkonkreten Widmungen - keine Berücksichtigung. 
Information:
Dr. Jan Klußmann, Leiter des Stadtarchivs Forst; Vera Dost, VVN-BdA Land Brandenburg.
Literatur und Quellen: Miethe (1974) S. 2010, o.Abb.; Bundeszentrale (1999) S. 268, o.Abb.; Eine Blume für im Februar 1945 gehängte Soldaten. Forster Zeitzeuge gedenkt Kriegsgegnern (Verfasser/in: ssr), in: Lausitzer Rundschau, 20.11.2013, 1 Abb.
Stand:
20.4.2016

 



Der Heimatforscher Roland Scharff
am 5. April 2010

Oktober 1978
Georgenthal (Landkreis Gotha)
Adresse / Örtlichkeit: 99887 Georgenthal (Landkreis Gotha) / Thüringen; unweit des ehemaligen Bahnhofs „Georgenthal Ost“ / Schwabhäuser Kopf.
Gestaltung: Gedenkstein / Findling, längster Durchmesser 130 cm, max. Höhe 55 cm; Kupfertafel 20x25cm mit Inschrift.
Inschrift Kupfertafel: "Otto Fabian / geb. 1.10.1894 / von Faschisten ermordet am 5. April 1945“.
Initiator: Lehrer Roland Scharff sowie Nationale Front der DDR, Ortsausschuss Georgenthal.
Datum der Einweihung: 1.10.1978. Ergänzt um Kupfertafel am 1.10. 1979.
Denkmalstatus: Am 14.4.2016 stellte die Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. Hamburg den Antrag auf Unterschutzstellung; der Antrag wurde am 30.6.2016 abschlägig beschieden.
Foto: asolveroth.de / Roland Scharff, Georgenthal.
Beschreibung: 
Der Kaufmann Otto Fabian wurde am 1.10.1894 in Auma / Thür. geboren. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Oberleutnant Fabian am 28.3.1942 krank in das Reservelazarett Erfurt eingeliefert. Die Erkrankung hatte  dauerhafte gesundheitliche Schäden zur Folge. In den letzten Kriegstagen 1945 tat der "wehruntaugliche" Offizier der Reserve im Offizierskasino auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf Dienst. Fabian soll sich hier über die Aussichtslosigkeit der militärischen Lage geäußert haben. Er wurde denunziert, verhaftet und bei einem angeblichen Fluchtversuch am Schwabhäuser Kopf – an der Stelle des später gesetzten Gedenksteins – erschossen. Der Leichnam wurde am damaligen Milchsplatz, „Platz der SA“, zwecks Abschreckung zur Schau abgelegt. Der Tote bekam ein Pappschild um den Hals gelegt mit der Aufschrift „Volksfeind. So endet ein Volksverräter.“ 
Der Platz vor dem damals noch existenten Bahnhof "Georgenthal Ort" in der Ortsmitte wurde 1945 in Otto-Fabian-Platz benannt und unweit davon am Schwabhäuser Kopf 1978 um den Gedenkstein ergänzt. Auf Initiative des Lehrers und Heimatforschers Roland Scharff kam es am 5. April 1978 zu einer ersten Gedenkveranstaltung mit 130 Teilnehmern, bei der auch die Witwe und die Tochter des Ermordeten anwesend war. Der Ortsausschuss der Nationalen Front errichtete am 1.10.1978 den Stein am Ort der Hinrichtung. Ein Jahr später (am 1.10.1979) erhielt der Stein eine kleine beschriftete Kupferplatte, die von der Patenbrigade aus dem VEB Glüsowerk Tambach-Dietharz von Roland Scharffs Schulklasse (einer 6. Klasse) angefertigt worden war.
Im April 2015 wurde am Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft "Apfelstädtaue", Tambacher Straße 2, eine Gedenktafel zur Erinnerung an Otto Fabian angebracht; ihre Aufschrift: "Im Gedenken an den Georgenthaler Bürger Otto Fabian, der am 5. April 1945 von fanatischen Wehrmachtsangehörigen ermordet wurde".

InformationRoland Scharff, Georgenthal; Heimatforscher, sowie dessen Internetseite www.asolveroth.de
Literatur und Quellen: →Wegweiser Thüringen (2003) S. 85-86, o.Abb.; →Fischer, Wieland: Georgenthaler erinnern mit einer Tafel an Otto Fabian; in: Gothaer Tagespost / Thüringer Landeszeitung vom 8.4.2015; →WASt Deutsche Dienststelle, Auskunft vom 23.11.2016; →nicht bei Miethe (1974), nicht bei Bundeszentrale (1999).
Stand:
7.12.2016

 

Wird fortgesetzt





Fußnoten

1     "[...] besonders zum Ende des Krieges hin fielen den deutschen Feldgendarmen der Wehrmacht Zehntausende 'Fahnenflüchtiger' in die Hände und wurden entsprechend Hitlers Parole 'Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben' exekutiert. Im Volksmund wurden die Feldgendarmen in Anspielung auf die zur Uniform gehörende metallene Plakette mit der Aufschrift Feldgendarmerie oder Feldjägerkommando, die an einer Kette um den Hals getragen wurde, als Kettenhunde bezeichnet." (aus: Wikipedia: Feldjäger; Zugriff 18.3.2016)
Da viele Kompanien der Feldgendarmerie aus SS-Korps rekrutiert wurden (z.B. Waffen-SS) bzw. die SS-Divisonen eigene Feldgendarmerie-Kompanien hatten, gingen viele Zivilisten davon aus, dass die "Kettenhunde" zugleich SS-Angehörige seien. Doch auch andere Heereseinheiten, wie die Wehrmacht und die Luftwaffe, besaß Feldgendarmerie-Einheiten. 

 

Literatur

Bundeszentrale (1999)   |   Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Eine Dokumentation, hgg von der Bundeszentrale politische Bildung, Bd. 2 [neue Bundesländer und Berlin], Bonn 1999

Miethe (1974)   |   Miethe, Anna Dora: Gedenkstätten Arbeiterbewegung, Antifaschistischer Widerstand, Aufbau des Sozialismus; hgg. vom Institut für Denkmalpflege in der DDR; Leipzig 1974 (Redaktionsschluss Dez. 1973)

Traditionskommission (1988)   |   Traditionskommission / SED-Bezirksleitung Dresden (Hg.): Erinnerungsstätten der revolutionären Arbeiterbewegung im Bezirk Dresden; Dresden 1988 (Redaktionsschluss 31.12.1988)

Wegweiser Thüringen (2003)   |   Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu den Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945; Band 8 Thüringen; Hg.: Thüringer VVN-BdA und Studienkreis Deutscher Widerstand; Frankfurt a.M. 2003

 

     ©senenko 2011