Postkarten gegen Faschismus, Kriegsgefahr und Kapital 1919-1939





März 2019.
Postkarte des Monats

Weißer Terror während der Märzkämpfe in Berlin. Fotopostkarte von der Blutmauer in Berlin-Lichtenberg. Titel "Standrechtlich erschossen".

Wegen der vielen uneingelösten Versprechen und Forderungen (Anerkennung der Arbeiterräte; Sozialisierung der Großbetriebe; Entmachtung der kaiserlichen Offiziere; Auflösung der Freikorps) kam es nach der Wahl zur Nationalversammlung ab März 1919 überall in Deutschland zu zahllosen Streiks und bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Ebert-Scheidemann-Regierung ließ mit Hilfe der alten Reichswehr diese Erhebungen blutig beenden. Während der Märzkämpfe massakrierten die Nosketruppen mittels Schießbefehl und großkalibriger Artillerie im Arbeiterbezirk Lichtenberg die Einwohner und Kämpfer in großer Zahl. Standgerichte lieferten Todesurteile im Schnellverfahren. Die Zahl der Opfer der am 13. März beendeten Kämpfe belief sich laut Noskes eigenen Angaben auf 1200 (davon auf Regierungsseite 75).

Die heute gern gedruckte Phrase, die Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 sei die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland gewesen, klingt angesichts des Verrats der Sozialdemokratie wie ein Hohn auf die von der SPD mitbeschlossenen, aber nie realisierten Forderungen der Novemberrevolution. Die blutige Ernte aus dem Bündnis der SPD-Führer mit der alten Generalität führte zu einer großen Erbitterung in der Arbeiterschaft. Sie war die Ursache für die tiefe Spaltung in der Arbeiterbewegung in den Folgejahren, insbesondere zwischen SPD und KPD. In dem Versagen der Sozialdemokratie in der Novemberrevolution 1918/19 und dem Machterhalt der alten Eliten in Militär, Beamtentum und Wirtschaft sind die Gründe für den späteren Erfolg der Nazis zu suchen.

Unsere Fotopostkarte zeigt die Opfer des Standgerichts des Freikorps Hülsen, das im (heute nicht mehr existenten Gebäude) im Restaurant "Schwarzer Adler" residierte und am 12. und 13. März 1919 an der gegenüber liegenden Friedhofsmauer Möllendorffstraße nachweislich elf, wahrscheinlich aber 16 oder mehr Menschen erschießen ließ. Seither wird die Wand im Volksmund "Blutmauer" genannt. Eine nach dem Krieg angebrachte Tafel erinnerte an die Opfer. Zur Zeit wird die Mauer saniert und soll am 13. März 2019 als Gedenkort neu übergeben werden. 

Fotostudio / Fotograf: A. Grohs. S.W.68. Datierung: 12. oder 13. März 1919.
Sammlung postcard-social.


 

































 

 

Projekt
Stand:  2. März 2019

Die Postkarten

Neuzugänge:
Am 24. Februar 2019 hinzugefügt: Objekt 1934_tokio:
Anlässlich zur Internationalen Rotkreuz-Konferenz in Tokio (Oktober 1934) erschienene Postkarte mit einem Motiv der Nächstenliebe nach einem Ölbild von Henri-Camille Danger (1892-1895). Gelaufen nach Düsseldorf.

 

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