Postkarten gegen Faschismus, Kriegsgefahr und
Kapital 1919-1939

Mai 2019.
Postkarte des Monats

1. Mai 1919, Postkarte der SPD zur Maifeier 1919. Aufdruck auf Adressseite: "Maifeier 1919 / Druck und Verlag von Kaden & Comp., Dresden".

Postkarte anlässlich der Maifeier 1919. Der Recke im Bild ist kein Arbeiter, sondern lediglich eine Allegorie der sich befreienden Menschheit. Doch von was hat dieser Menschheitsrecke seit November 1918 befreit? Wir sehen da zu seinen Füßen die Trümmer von Krieg und Waffen und die Insignien der gestürzten Monarchen. Wo aber findet sich auf dieser Karte der Arbeiter wieder? Der Arbeiter, befreit von den Kriegsgewinnlern, von der Großindustrie, von den verhassten kaiserlichen Offizieren, vom Kapitalismus? Nichts dergleichen zeigt die Karte. Es handelt sich also um eine Maipostkarte der Mehrheitssozialdemokraten, die unter Ebert und Scheidemann sich mit bürgerlichen Wahlen (erstmals bekamen die Frauen das Stimmrecht) und bürgerlicher Verfassung begnügten, während die Linken sagten: "Republik das ist nicht viel, Sozialismus heißt das Ziel!" Ebert und Scheidemann führten zwar auch den Sozialismus im Munde, aber nur in einem sehr allgemeinen, nicht greifbaren Sinne; eine sozialistische Revolution war ihnen zuwider. Aus diesem Grunde blieben die wichtigsten Versprechungen der Novemberrevolution, die auf eine Umwälzung der kapitalistischen Verhältnisse zielten (also die Sozialisierung, d.h. Enteignung, der Großbetriebe), unerfüllt, ja wurden von der Mehrheits-Sozialdemokratie (also von der SPD) vor 100 Jahren offen verraten.
Und deshalb ließ die neue Regierung mit SPD-Ebert an der Spitze alle Streiks blutig niedermachen, die nach der Wahl zur Nationalversammlung in großer Zahl und Breite auftraten. Die Nosketruppen (auch Noske war Sozialdemokrat) wüteten grausam. 1200 Tote gab es allein während der Märzkämpfe in Berlin. Fanden die Noskesoldaten bei Haussuchungen im Berliner Arbeiterbezirk Lichtenberg eine USPD-Mitgliedskarte oder eine Postkarte mit dem Porträt von Rosa Luxemburg, kam das einem Todesurteil gleich. Wegen solcher Kleinigkeiten landeten viele Arbeiter vor Standgerichten, wurden zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Die Erbitterung in der Arbeiterschaft war so groß, dass die Spaltung innerhalb der Arbeiterbewegung - in den Folgejahren hauptsächlich zwischen SPD und KPD - irreparable, ja antagonistische Züge annahm. Das musste für die Weimarer Republik, in der sich die alten Eliten neu berappelten, böse Folgen haben.

Projekt
Stand:  28. April 2019

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17. Mai, Hamburg

Ausstellungseröffnung
"Unterdrückte Völker, vereinigt euch!
Historische Postkarten gegen

 Kolonialismus 1918-1939" Plakat





 

 

 

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