Postkarten gegen Faschismus, Kriegsgefahr und
Kapital 1919-1939

Oktober 2019.
Postkarte des Monats

Titel (Russisch): Мальбрук в походе [Malborough auf dem Marsch].
Verlag: Государственное издательство „Искусство“ (Staatsverlag „Kunst“, Moskau).
Künstler: Кукрыни́ксы / Kukryniksy (Pseudonym für ein bekanntes Moskauer Grafikertrio)




Die pointenreiche Karte,
herausgegeben vom Moskauer Staatsverlag
für Kunst, erschien nach Beendigung des japanisch-sowjetischen Grenzkonflikts 1939. Dieser Konflikt, der in der westlichen Historiografie so gut wie unbekannt geblieben ist, umfasste zwei Grenzkriege in den Jahren 1938 und 1939. Japan hatte mit militärischen Mitteln versucht, den Marionetten-Staat Mandschukuo auf sowjetisches Gebiet auszudehnen. Der erste Feldzug ging als "Schlacht am Chassan-See" oder "Changkufeng-Zwischenfall" in die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs ein. Der Krieg begann am 29.7.1938 und endete am  11. August mit der Niederlage Japans. Der zweite Konflikt vom 16. Mai bis 30. August 1939 ist unter dem Namen "Nomonhan-Zwischenfall" oder "Schlacht von Chalchin Gol" bekannt. Auch er endete mit dem Sieg der Roten Armee. Am 15.9.1939 unterzeichneten Japan, die UdSSR und die Mongolei ein Abkommen zur Beilegung des Konflikts. Ein wichtiger Anstoß hierzu war der Vertragsabschluss zum Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt ("Hitler-Stalin-Pakt") am 24.8.1939, also drei Wochen vor dem Frieden mit Japan. Damit erreichte die Sowjetunion, dass Japan nicht so bald auf Hitlers militärisches Eingreifen hoffen konnte (wozu Hitler eigentlich durch den Antikominternpakt verpflichtet war), zum anderen, dass Hitler durch die vertragliche Gebietsabgrenzung mit der UdSSR in absehbarer Frist die Sowjetunion militärisch nicht bedrohen würde. So war für die Sowjetunion ein Zweifrontenkrieg abgewendet. Dieser militärstrategische Erfolg Moskaus (maßgeblich ermöglicht durch Dr. Richard Sorges Nachrichtenbeschaffung für die Sowjetunion) hatte enorme politische Folgen. Den Westmächten, die mit dem Münchner Abkommen von 1938 die entstandene Bedrohungslage wesentlich zu verantworten hatten, bot das deutsch-sowjetische Abkommen die Gelegenheit, die Verantwortung für die neue Lage Moskau anzulasten und sich selbst zu exkulpieren. Weltweit setzten antisowjetische Hasskampagnen, das Verbot kommunistischer Parteien und die Verfolgung von Kommunisten ein. // Karikaturen und Reim auf der Postkarte spielen auf das alte französische Spottlied "Malborough zieht in den Krieg" an, das der Sekretär des Zentralkomitees Lasar Kaganowitsch in seiner Rede auf dem 18. Parteitag der KPdSU(B) im März 1939 erwähnte. Der abgedruckte Reim lässt sich wie folgt ins Deutsche übertragen (© R. Senenko):
Auf dem Marsch gegen die Sowjets behende
Malbourough sich furchtlos keilt.
Doch wenn der Feldzug dann zu Ende,
er das Schicksal aller Malbouroughs teilt.

Postalische Merkmale: -
Datierung der Postkarte: September / Oktober 1939
Sammlung Postcard-social
 

Projekt
Stand:  6. Oktober 2019

Die Postkarten
Neuzugänge und Korrekturen:

1922_russa - Seltene Fotomontage (auf Silberbromabzug) über die sowjetischen Delegation bei der Konferenz von Genua im Jahr 1922, wo auch der "Vertrag von Rapallo" geschlossen wurde.

1924_wahl - Nicht gekennzeichnete Bildpostkarte vom Wahlkampf der KPD zur Reichstagswahl am 7. Dezember 1924. Keine Angaben zum Herausgeber oder Verlag.

1928_futbol - Kunstpostkarte der sowjetischen "Assoziation revolutionärer Künstler" (АХР) mit dem bekannten Motiv "Fußball" von Aleksandr Deyneka aus dem Jahr 1924.

1930_gaz - Antikriegskarte aus Frankreich, deren Karikatur die absurde Zivilschutzpropaganda gegen einen Gaskrieg bloßstellt. Selten.

1932_blaukreuz - Serie der Schweizerischen Sektion der IFFF zur Wanderausstellung über die Kriegsgefahren, welche parallel zur Genfer Abrüstungskonferenz ab Februar 1932 in Genf gezeigt wurde.

 

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