Postkarten gegen Faschismus, Kriegsgefahr und
Kapital 1919-1939

Vor 100 Jahren
Postkarte des Monats
Das Blutbad vom 13. Januar 1920 vor dem Reichstag.
Titel der Postkarte: Massendemonstration gegen das Betriebs-Räte-Gesetz.
Herausgeber nicht genannt.



Am 13. Januar 2020 erlebte Berlin die größte Kundgebung seit den Tagen der Novemberrevolution. Was war passiert? An jenem 13. Januar tagte im Reichstag die Nationalversammlung, wenige Tage bevor das seit langem diskutierte Betriebsrätegesetz verabschiedet werden sollte (was am 18. Januar auch geschah). Die Berliner oppositionelle Gewerkschaftskommission schrieb klar, was mit dem Gesetz beabsichtigt war: "Der genannte Gesetzentwurf stellt den Versuch dar, die ins Wanken geratene Betriebsdespotie der Unternehmer wiederherzustellen". Da abzusehen war, dass dieses Gesetz die Betriebsräte zu Erfüllungsgehilfen der Bosse machen wollte, also die Aufgabe der Betriebsräte in ihr Gegenteil verkehren sollte, hatte die USPD kurzfristig (am Morgen des 13.1.) zur Demonstration aufgerufen. Zwar hielt die KPD dagegen, es käme nicht darauf an, von einem bürgerlichen Parlament ein Gesetz im Sinne der Betriebsräte zu erwarten (das sei illusorisch), sondern nur der Kampf der Betriebsräte selbst (ob mit oder ohne Gesetz) könne das Kräfteverhältnis zugunsten der Arbeiter klären. Am Tag des 13. Januar fanden sich ab den Mittagsstunden die Arbeiter in Scharen ein. Eine solche Demonstration hatte Berlin noch nicht gesehen. 200.000 Menschen füllten den Königsplatz und dessen Zugangsstraßen, ein Vielfaches von dem, was die Veranstalter erwartet hatten. Der preußische Innenminister Wolfgang Heine (SPD) hatte das Reichstagsgebäude durch drei Sipo-Hundertschaften sichern lassen. Es kam zu Unruhen. Gegen 15:45 ließ der Sipo-Kommandeur am Südportal - es befehligte einen Maschinengewehr-Trupp - in die Menge schießen und Handgranaten werfen. 42 Tote blieben auf dem Pflaster liegen. Die Reichstagssitzung wurde abgebrochen, Reichspräsident Ebert rief den Ausnahmezustand über Berlin und weitere Teile der Republik aus, führende linke Sozialdemokraten und KPD-Funktionäre wurden verhaftet, linke Zeitungen verboten. Die SPD log die Massendemonstration in der Folge stets in einen Putschversuch um. Am 4. Februar trat das Gesetz in Kraft. Im Oktober 1920 klärte der Betriebsrätekongress auch innerhalb der Bewegung die Lage: Er beschloss mit großer Mehrheit, sich den revisionistischen Gewerkschaften unterzuordnen. Damit war der historische Machtfaktor der Betriebsräte liquidiert, sie wurden zu Tischpartnern der Unternehmenführung, um innerbetriebliche Angelegenheiten zu regeln. Heute wird in den Leitmedien die "Errungenschaft" der Betriebsräte als "Doppel-Loyalität" gelobt. Sie sollen zugleich die Interessen der Beschäftigten vertreten und den Erfolg des Unternehmens unterstützen...
Postalische Merkmale: -
Datierung: Januar 1920.
Sammlung Postcard-social
 

Projekt
Stand:  22. Januar 2020

Die Postkarten

Neuzugänge:

1924_holst - Porträtzeichnung der niederländischen sozialistischen Dichterin und Schrftstellerin Henriette Roland Holst (1869-1952), gezeichnet von dem sozialistischen Architekten Michel de Klerk. Verlegt in Belgien.

1924_rbm - Fotopostkarte mit dem Ensemble des "Spielzug II" des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Ortsgruppe München.

1929_para - Von Iwan Panow 1929 fotografierte Frauen in Taschkent ohne Parandscha. Selten.

Glossar & Abkürzungen

Kontakt

Medienresonanz

Ausstellungen


Trailer 90 sek  

        Die Postkarten




Achtung, www.Proletcard.info hat sich umbenannt in Postcard-social.de