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Antigua (Karibik, britische Kolonie)
Titel: Local Forces who defended the City during Riot, March 1918. / Antigua, B.W.I.
Verlag / Druck: The Albertype Co., Brooklyn, N.Y.
Fotograf: Jose Anjo, Photographer, Antigua, B.W.I.
Hintergründe: Die Lebensbedingungen auf den britischen Besitzungen der Antillen waren im 19. Jh. geprägt von schlechten Voraussetzungen für Landwirtschaft, verschärft durch Naturkatastrophen (Erdbeben, Hochwasser, Brände). Da sich keine Bauernschaft herausbilden konnte, bestand die Mehrheit der Werktätigen aus abhängig Beschäftigten, die häufig nur in anderen Regionen Amerikas Arbeit fanden. Diese stete soziale Unsicherheit führte immer wieder zu sozialen Unruhen, zu Aufständen, wie auch im März 1918 auf Antigua. Zwar ließ der Governor die Unruhen niederschlagen und die "Rädelsführer" hinrichten, doch angesichts fehlender Lösungen schwelte der Konflikt weiter.    
Postalische Merkmale: -
Datierung: Frühjahr 1918 bis 1920.
Deutschland
Titel: Gruft der Revolutionsopfer / Särge Dr. Liebknechts und der Rosa Luxemburg.
Verlag: Michaelis, Berlin.
Hintergründe: Am 15. Januar 1919 hatten Freikorpssoldaten die beiden Revolutionsführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht kaltblütig ermordet. Beide wurden zehn Tage später zusammen mit weiteren 31 Opfern des Januaraufstands auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde zu Grabe getragen. 100.000 Menschen folgten den Särgen. Zunächst blieb der Sarg von Rosa Luxemburg leer. Erst als man am 31. Mai 1919 ihren Leichnam fand, wurde dieser im Juni neben Karl Liebknecht beigesetzt. Auch hier gaben Zehntausende der Toten ein letztes Geleit. Da der Mord an den beiden Kommunisten mit Rückendeckung des sozialdemokratischen Reichswehrministers Noske erfolgte, der auch das milde Urteil an den Tätern bestätigte, vertiefte das Verbrechen den Graben zwischen SPD und den links von ihr stehenden Gruppen und Parteien erheblich.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Januar 1919.
Deutschland
Titel: Totenmaske des Schriftstellers Dr. Franz Mehring, † 28. 1. 1919, 73 Jahre alt. Hervorragender geistiger Kämpfer für die deutsche Sozialdemokratie. Jugendfreund Bebel’s.
Verlag: NPG (Neue Photographische Gesellschaft m.b.H., Berlin-Lankwitz).
Hintergründe: Mehring war Mitbegründer der Spartakusgruppe (1916) und der KPD (Januar 1919). Noch 1918 gab Franz Mehring die erste Karl-Marx-Biografie heraus. Den Gründungsparteitag der KPD hat er mit vorbereitet. Franz Mehrung wurde in seinem Wohnbezirk in Berlin-Steglitz beigesetzt. 1926 wurden die sterblichen Überreste zum "Sozialistenfriedhof" (heute "Gedenkstätte der Sozialisten") auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde überführt. Diese Umbettung hing zweifellos mit den Plänen der KPD zusammen, den Sozialistenfriedhof in eine würdige Gedenkstätte umzugestalten.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Januar 1919.
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Objekt: 1919_karalos
Objekt: 1919_frauen Objekt: 1919_blutmauer    
Litauen
Titel: Karalos Liebknechtas.
Übersetzung: Karl Liebknecht.
Herausgeber: -
Hintergründe: Grafisch gestaltete Fotopostkarte, die nach der Ermordung von Karl Liebknecht in Litauen erschien. Gab es bereits viele Jahre vor seinem Tod Postkarten für den Sozialisten und Kriegsgegner Karl Liebknecht, so nach seinem Tod in noch größerer Zahl (dasselbe gilt für Rosa Luxemburg). Wir wählen aus der Vielzahl dieser Gedenkkarten eine seltene litauische Karte aus, die anonym während der kurzen Ära der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik (16. Dezember 1918 bis 27. Februar 1919) hergestellt und verbreitet wurde. Schleifenaufschrift in Litauisch: "Gimes 1871 m. Leipcige Vokietijoje / nužudytas 1919 m. sausio 15 d. Berlyne" (Geboren 1871 in Leipzig, Deutschland / Getötet am 16. Januar 1919 in Berlin). // Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek ("Schwejk") schrieb am 21. Januar 1919: "In Deutschland hallten zwei Schüsse, durch die Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet wurden. Das Peitschen dieser Schüsse schlug gegen die Häuser Berlins, und es trat ein Augenblick beängstigender Stille ein... Dann aber brach ein Sturm los, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hatte. [...] Jeder Arbeiter und jeder Bauer weiß: Diese beiden Schüsse sind ein Symbol für den Angriff der internationalen Bourgeoise auf das revolutionäre Proletariat."
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Februar 1919.
Anmerkung: Selten.
Deutschland
Titel: Nationalversammlung in Weimar. Die weiblichen Abgeordneten der Mehrheitssozialisten.
Herausgeber: -
Hersteller: Berl. Illustr. Ges.
Hintergründe: Erstmals bei den Parlamentswahlen am 19. Januar 1919 hatten auf reichsweiter Ebene Frauen das aktive und passive Stimmrecht in Deutschland. Die Gruppenaufnahme zeigt die weiblichen Abgeordneten der SPD nach der Wahl. 467 Parlamentarier zogen in den Reichstag ein, unter ihnen 37 Frauen, von denen 22 der SPD und der USPD angehörten. Da die am 1. Januar gegründete KPD eine Räterepublik anstrebte, hatte sie sich nicht zur Wahl gestellt. Denn zum Zeitpunkt der Wahl waren die revolutionären Ereignisse noch im vollen Gange. Auch viele linke Sozialdemokraten erhofften ein Rätedeutschland; noch im April 1919 rief Luise Zietz, die für die USPD im Reichstag saß, zur Eroberung der Macht und zum Aufbau des Sozialismus auf. Doch um die Revolution nicht weiterführen zu müssen, setzte die Mehrheits-SPD (MSPD) um Ebert und Scheidemann einen möglichst frühen Wahltermin durch, sogar um den Preis der eigenen Machtschmälerung, wie sie mit der Regierungsbildung nach der Wahl tatsächlich eintrat. Für USPD und KPD war die Weiterführung der Revolution das Gebot der Stunde: Sozialisierung der Großbetriebe, Demokratisierung des Heeres (Entmachtung der kaiserlichen Offiziere), Auflösung der Freikorps, Anerkennung der Arbeiterräte und Entlassung der politischen Gefangenen. Mit Vertröstung auf die künftige Verfassung, mit Presselügen und weißem Terror hintertrieb die MSPD-Führer die die Verwirklichung der Hauptforderungen. Fortsetzung siehe Folgekarte: Objekt 1919_blutmauer. // Als Mehrheitssozialisten bezeichnete man die nach der Abspaltung der USPD 1917 in der SPD verbliebene Mehrheit der Mitglieder unter Ebert und Scheidemann (bis 1922). Mit dem wenig kämpferischen, ja geradezu bürgerlichen Arrangement dieser Aufnahme (Kleidung, Aufstellung, Habitus) wollte der Herausgeber offenbar eine "gemäßigte" Wählerschaft ansprechen.
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Februar 1919.
Deutschland
Titel: Standrechtlich erschossen.
Fotostudio / Fotograf: BA. Grohs. S.W.68.
Hintergründe: Fotopostkarte vom Weißen Terror in Berlin. Wegen der vielen uneingelösten Versprechen und Forderungen (Anerkennung der Arbeiterräte; Sozialisierung der Großbetriebe; Entmachtung der kaiserlichen Offiziere; Auflösung der Freikorps) kam es nach der Wahl zur Nationalversammlung (19.1.)  und Regierungsbildung (13.2.) ab Februar 1919 in mehreren Industrie- und Bergbauregionen Deutschlands zu Generalstreiks und bewaffneten Auseinandersetzungen. In Berlin begann am 3. März der Generalstreik, begleitet von erheblichen Unruhen. Es kam zu Plünderungen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Nosketruppen zerstörten die Redaktion der "Roten Fahne" und verhafteten KPD-Funktionäre, Arbeiter befreiten Gefangene, erbeuteten Waffen und stürmten bis zum 4. März bereits 37 Polizeireviere. Die Ebert-Scheidemann-Regierung ließ mit Hilfe der alten Reichswehr diese Erhebung blutig beenden. Während der Märzkämpfe massakrierten die Nosketruppen mittels Schießbefehl und großkalibriger Artillerie im Arbeiterbezirk Lichtenberg die Einwohner und Kämpfer in großer Zahl. Standgerichte lieferten Todesurteile im Schnellverfahren. Die Zahl der Opfer der am 13. März beendeten Kämpfe belief sich laut Noskes eigenen Angaben auf 1200 (davon auf Regierungsseite 75).
Die heute gern gedruckte Phrase, die Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 sei die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland gewesen, klingt angesichts des Verrats der Sozialdemokratie wie ein Hohn auf die von der SPD mitbeschlossenen, aber nie realisierten Forderungen der Novemberrevolution. Die blutige Ernte aus dem Bündnis der SPD-Führer mit der alten Generalität führte zu einer großen Erbitterung in der Arbeiterschaft. Sie war die Ursache für die tiefe Spaltung in der Arbeiterbewegung in den Folgejahren, insbesondere zwischen SPD und KPD. In dem Versagen der Sozialdemokratie in der Novemberrevolution 1918/19 und dem Machterhalt der alten Eliten in Militär, Beamtentum und Wirtschaft sind die Gründe für den späteren Erfolg der Nazis zu suchen.
// Unsere Fotopostkarte zeigt die Opfer des Standgerichts des Freikorps Hülsen, das im (heute nicht mehr existenten Gebäude) im Restaurant "Schwarzer Adler" residierte und am 12. und 13. März 1919 an der gegenüber liegenden Friedhofsmauer Möllendorffstraße nachweislich elf, wahrscheinlich aber 16 oder mehr Menschen erschießen ließ. Seither wird die Wand im Volksmund "Blutmauer" genannt. Eine ab 1920 angebrachte Tafel erinnerte an die Toten; unter Hitler wurde sie entfernt, aber nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert. Heute findet man unter dem Schriftzug "Hier wurden 11 Spartakuskämpfer im März 1919 ermordet" zwei Tafeln mit Namen der Opfer. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:
März 1919.
   
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Objekt: 1919_egypt
Objekt: 1919_libertad
Objekt: 1919_zurigo
   
Ägypten / Deutschland
Titel: Die Revolution in Ägypten.
Aufdruck Adressseite
: Eine verschleierte mohammedanische Frau als Rednerin in einer Volksversammlung. – Das Auftreten einer Mohammedanerin in der Öffentlichkeit verstößt gegen uralte Sitte und wurde jetzt zum ersten Male durch die Revolution toleriert.
Herausgeber: -
Hintergründe: Während des Volksaufstandes im Frühjahr 1919 gegen die britische Kolonialherrschaft in Ägypten gingen in den Städten auch Frauen massenhaft auf die Straße, gekleidet in schwarze Gewänder und die Gesichter verhüllt mit weißen Tüchern. Die erste Frauendemonstration fand am 16. März 1919 statt. Den Kampf um die Unabhängigkeit des Landes verknüpften die Frauen rasch mit sozialen und frauenemanzipatorischen Forderungen. 1922 wurde das Land unabhängig. Genau vier Jahre nach der ersten Frauendemonstration gründete sich die "Ägyptische Frauenvereinigung" (Ittihadn-an-nisal-al-arabi). Erste Vorsitzende wurde Hoda Shaarawy (Hudā Schaʿrāwī; 1879-1947). Sie hatte zuvor - bei der Rückkehr von einem Frauenkongress in Rom - in Alexandria ihren Schleier demonstrativ ins Meer geworfen. Bei der Konferenz der Weltfrauenliga 1926 in Genf spielte Hoda Shaarawy eine wichtige Rolle. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jhs. stand die Schleierfrage im Mittelpunkt der von der Frauenbewegung in Ägypten und in den benachbarten Regionen angestoßenen Auseinandersetzungen. So fanden im Jahr 1927 in Kairo große Kundgebungen statt, die sich gegen den Schleierzwang richteten. In der Ober- und Mittelschicht, die die ägyptische Frauenbewegung maßgeblich prägte, setzte sich die Erkenntnis durch, dass der Schleier keineswegs eine originär islamische Einrichtung sei und demzufolge nicht von religiösen Instanzen vorgeschrieben werden soll. 1929 wurden an der Kairoer Universität erstmals Frauen zum Studium zugelassen. // Die Karte gehört zur Serie "Die Revolution in Ägypten". Möglicherweise stehen die Fotos der Serie im Zusammenhang mit den beiden Fotografen Lehnert und Lambrock (Kairo), welche 6 Aufnahmen aus dem Alltag Ägyptens in der Dezemberausgabe 1926 der Monatszeitschrift "Der Arbeiter-Fotograf" publiziert haben.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Dem Projekt liegt u.a. ein Exemplar der Serie vor, das im Januar 1925 in Wien gelaufen ist. Da sich aber die zeitliche Bestimmung "jetzt zum ersten Male" (auf Adressseite) ausdrücklich auf das erste Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit bezieht, wird die Serie bereits im Frühjahr 1919 erschienen sein.
Anmerkung: Selten.
Mexiko
Titel (Spanisch): TIERRA Y LIBERTAD / GENERAL E. Zapata.
Übersetzung: Erde und Freiheit / General Zapata.

Fotograf:
Charles Phelps Cushing (1884-1973).
Hintergründe: Die Verhinderung jeglicher sozialer Reformen durch die Diktatur des Präsidenten Porfirio Díaz führte in den Jahren 1910 bis 1920 zu einer Reihe von Unruhen, Aufständen und militärischen Kämpfen in vielen Teilen Mexikos. In dieser Umbruchphase, von den Historikern "Mexikanische Revolution" genannt, verfochten die jeweiligen Führer der regionalen Erhebungen sehr verschiedene, ja gegensätzliche Interessen und Ziele. Eine tiefgreifende soziale Revolution strebte vor allem Emiliano Zapata an, der im Süden des Landes unter der Losung "¡Tierra y Libertad!" besitzlose Landarbeiter um sich scharte. Am 10. April 1919 wurde Zapata von einem vermeintlichen Bündnispartner in einen Hinterhalt gelockt und ermordet. Nach weiteren militärischen Auseinandersetzungen und heftigen Machtkämpfen setzte sich der Befehlshaber Alvaro Obregón durch; er wurde 1920 Präsident des Landes. Ihm gelang eine politische Stabilisierung des Landes, die er durch Reformen herbeiführte. // Das Bild zeigt Zapata in einem Fotostudio. Die Angaben über das Jahr, in dem die Aufnahme entstand, schwanken zwischen 1911 und 1915.

Postalische Merkmale: Ohne Zudruck.
Datierung der Karte: Ab April 1919.
Anmerkung: Selten.
Schweiz / Italien
Titel: ROSA LUXEMBURG.
Herausgeber: Partito Socialista Italiano Nella Svizzera / Commissione Esecutiva / Zurigo.
Druck: Sanvito & C. – Tipografia Luganese; Lugano, Schweiz.

Hintergründe:
Gedenkkarte für die im Januar 1919 ermordete Revolutionärin Rosa Luxemburg. Als die Nosketruppen bei den Märzkämpfen 1919 den Berliner Arbeiterbezirk Lichtenberg stürmten, war der Besitz einer Postkarte mit dem Porträt von Rosa Luxemburg lebensgefährlich. Es sind Berichte überliefert, wonach bei Hausdurchsuchungen in Proletarierwohnungen der Fund von USPD-Mitgliedsausweisen, revolutionären Schriften und Luxemburgpostkarten zur Erschießung der hier aufgegriffenen Arbeiter führten. // Die hier gezeigte Postkarte der sozialistischen Emigranten aus Italien in der Schweiz diente einer Spendensammlung zur Wiedererrichtung der Druckerei der
Sozialistischen Partei. Mailänder Faschisten hatten am 15. April 1919 eine sozialistische Demonstration attackiert und anschließend die Redaktionsräume
des sozialistischen Zentralorgans "Avanti" in Mailand verwüstet und die dortige Avanti-Druckerei zerstört. Der Sozialist Pietro Bianchi (1885-1977), der viele Jahrzehnte bis zu seinem Tod im Züricher Exil lebte, berichtete dazu: "Ich weiss noch, der 'Avanti'
hatte Postkarten drucken lassen mit den Porträts aller grossen Revolutionäre. Jeder Genosse verpflichtete sich, von diesen Karten zu verkaufen, damit die Zeitung wieder aufgebaut werden konnte." (Rechtschreibung wie im Original). Sicherlich wurde die Karte rechtzeitig vor dem Ersten Mai 1919 ausgeliefert, denn die Spenden sorgten für eine baldige Neueinrichtung der Druckerei.

Postalische Merkmale: -
Datierung:
April 1919.
Anmerkung: Selten.
   
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Objekt: 1919_debs Objekt: 1919_kueche
Objekt: 1919_maifeier
   
USA
Titel (Englisch): I PROTEST.
Herausgeber: Socialist Party, Chicago.
Hintergründe: Kampagnenkarte für die Freilassung der sozialistischen Kriegsgegner Eugene V. Debs, Kate Richards O'Hare und anderer politischer Gefangener. Der populäre Sozialist Eugene V. Debs wurde 1918 nach einer Antikriegsrede wegen Verstoßes gegen den Sediction Act (Mai 1918), der jede Kritik an der Kriegsbeteiligung der USA unter Strafe stellte, zu 10 Jahren Gefängnishaft verurteilt. Auch Kate Richards O'Hare, die das Socialist Party's Committee on War and Militarism leitete, wurde 1919 wegen ihres Friedensengagements mit 5 Jahren Gefängnis bestraft (Haftgrund: Verstoß gegen den Espionage Act von 1917). Eine großangelegte Befreiungskampagne der Socialist Party hatte Erfolg: Die Friedensaktivistin wurde nach 14 Monaten Haft entlassen. Debs kam erst nach seiner Begnadigung 1921 auf freien Fuß, nachdem er als Kandidat seiner Partei zu den Präsidentschaftswahlen im November 1920 fast eine Millionen Stimmen erhalten hatte und damit hinter den Kandidaten der Republikaner und Demokraten das drittbeste Ergebnis einfuhr.

Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab April 1919.
Deutschland
Titel: -
Herausgeber: -
Hintergründe: Hauspersonal oder Küchenhilfen am Herd. Die soziale Stellung des weiblichen Hauspersonals, also von Hauswirtschafterinnen und Kindermädchen (früher Dienstmädchen) sowie von Mägden entsprach nicht der Stellung der doppelt freien Arbeitskraft des Proletariats in kapitalistischen Unternehmen. Die Angestellten waren häufig weit mehr als nur lohnabhängig. Oft gehörten sie in Bürgerhaushalten als dienstbare Hausfrau, als Babysitter und Erzieher für den Familiennachwuchs, als Putzkraft und Köchin zu Haus und Familie, ohne die Rechte eines Familienmitglieds inne zu haben. Mitunter bestand die einzige Entlohnung neben freier Kost und Logis (Beköstigung und Kammer) in einem äußerst geringem Entgelt. Der Arbeitstag war hart und lang. Der Haushaltvorstand stellte ihr nach Beendigung des Dienstverhältnisses im Gesindebuch ein Zeugnis aus, das für den Dienstantritt in der nächsten Stellung als Referenz dienen sollte. Das Dienstverhältnis war zwar in den Gemeindeordnungen geregelt, sah aber für das Personal nur Pflichten und für die Herrschaft nur Rechte vor. Die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung haben sich erst mit der zunehmenden Industrialisierung gebessert. Die industrielle Entwicklung schlug sich auch im zunehmenden Haushaltkomfort nieder (Waschküche statt Brunnen, Zentralheizung statt Ofen, Elektrizität). // Über das Los von Wäscherinnen vgl. Objekt 1927_laveuse.
Postalische Merkmale: Gelaufen April 1919 von Dresden-Altstadt nach Meißen.
Deutschland
Titel: Maifeier 1919.
Künstlersignatur: -
Verlag und Druck: Kaden & Comp., Dresden. 
Hintergründe: Ein nackter Mann auf den Trümmern von Krieg und Thron? Wo aber bleibt die Arbeiterfahne, wo das Bekenntnis zum Sozialismus? Erst zwei Wochen zuvor, am 15. April 1919, hatte die Nationalversammlung beschlossen, den Ersten Mai zum "Nationalfesttag" zu erklären, zunächst nur für das Jahr 1919. Die Absicht, die hinter diesem Beschluss stand, war leicht zu durchschauen, denn überall im Lande herrschte im April Aufruhr: Am 7. April war in München die Räterepublik ausgerufen worden, im Ruhrgebiet streikten 400.000 Stahlwerker und Bergarbeiter für die Sozialisierung ihrer Betriebe, auch in Teilen Württembergs und Oberschlesien wurde gestreikt. In Bremen hatten 12.000 Beschäftigte in Werften und Häfen die Arbeit niedergelegt. Der Weiße Terror der Freikorps, der vielen Arbeitern das Leben kostete, heizte die Stimmung zusätzlich an. In dieser Situation den Kampftag zum Feiertag zu erheben, konnte nur als schwache oder (je nach Standort) zynische Geste einer Aussöhnung gelten. Insofern musste der nackte Mensch auf dem Plakat, eine visuelle Anleihe aus der Reformbewegung, auf klassenbewusste und streikende Arbeiter wie ein Hohn wirken, als Mann mit leeren Händen.
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Mai 1919.
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Objekt: 1919_lima
Objekt: 1919_wilpf
Objekt: 1919_tram
   
Peru
Titel (Spanisch): Lima (Perú) / Manifestación Socialista en la Plaza de Armas / "Viva el Paro".
Übersetzung: Sozialistische Manifestation auf dem Plaza de Armas in Lima, Peru. "Es lebe der Streik". [Auf einem Transparent die lesbare Aufschrift: VIVA EL PARO GENERAL = "Es lebe der Generalstreik"].
Verlag:
E. Polack-Schneider, Lima.
Hintergründe: Die Organisationen der Arbeiterbewegung, die Anfang des 20. Jhs. in den Städten Perus entstanden waren, erstritten seit dem Generalstreik 1911 beachtliche Erfolge (Abschaffung der Nachtarbeit in der Textilindustrie). 1913 erkämpften die Hafenarbeiter den 8-Stunden-Tag. In Peru hatten an der Organisierung der Arbeiter die Anarcho-Syndikalisten entscheidenden Anteil, unter denen sich (vor allem in der Textilindustrie) viele aus Italien eingewanderte Arbeiter befanden. Peru führte nach einem Generalstreik im Januar 1919 als einer der ersten Staaten die gesetzliche Regelung des 8-Stunden-Arbeitstags ein. Im April gründete sich ein Komitee für preiswerten Grundbedarf, das von der Regierung die Senkung der Lebensmittelpreise und die Festsetzung von Höchstpreisen bei grundlegenden Lebenshaltungskosten (Fahrpreise, Mieten, Lebensmittel) einforderte. Da die Regierung diese Forderungen ignorierte, wurde am 1. Mai der Generalstreik angekündigt. Der Frauenausschuss des Komitees führte am 25. Mai in Lima eine "Demonstration gegen Hunger" durch, an denen sich mindestens 2000 Frauen beteiligten (einige Quellen sprechen von 3000 bis 5000 Teilnehmerinnen). Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Wir wollen Brot!“, „Nieder mit den Kapitalisten und Spekulanten!“ und „Es lebe die Frauenorganisation“. Als die Frauen dem Plaza de Mayor zustrebten, versuchten Polizeikräfte, sie rigoros daran zu hindern und den Zugang zum Platz zu blockieren. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die jedoch die Frauen nicht daran hinderten, auf den Plaza de Mayor vorzudringen. Wegen dieser Exzesse forderte das Komitee am Folgetag die Entlassung des Polizeichefs. Die Polizei verhaftete daraufhin führende Funktionäre des Komitees. Das Komitee rief als Reaktion auf die Verhaftungen zum sofortigen Generalstreik auf. Ab dem 27. Mai legte dieser Streik in Lima und Callao vier Tage lang das öffentliche Leben lahm. Er fand in mehreren Provinzen Rückhalt. Trotz Ausrufung des Kriegsrechts, trotz Verhaftungen, Razzias und Repressionen durch Behörden und Militär war die Volksbewegung nicht mehr aufzuhalten. Nach der Absetzung des Regierungschefs José Prado im Juli 1919 wurden die inhaftierten Aktivisten auf freien Fuß gesetzt. Das Komitee für preiswerten Grundbedarf ging im Gewerkschaftsdachverband "Federación Obrera Regional Peruana" (FORP) auf. // Da sowohl im Januar 1919 als auch im Mai 1919 je ein Generalstreik stattfand, muss offenbleiben, zu welchem der beiden die Karte erschienen ist. Da der Streik vom Mai 1919 der folgenreichere war, war die Karte sicher diesem Ereignis gewidmet. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1919.
Schweden
Titel: Women’s International League for Peace and Freedom / Headquarters / Maison Internationale / 12, rue du Vieux-Collège / Geneva, Switzerland.
Übersetzung: Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit / Hauptsitz / Internationales Haus, Genf, Schweiz.
Adressseite (Schwedisch): IKFF:s internationella hem i Genève (2 tr upp) med trädgården på den gamla stadsmuren.
Übersetzung: Der internationale Sitz der IFFF in Genf (2. Treppe) mit dem Garten an der alten Stadtmauer.

Verlag: -

Hintergründe: Die IFFF wurde 1915 in Den Haag als "Internationale Komitee für dauernden Frieden" gegründet. Stand zunächst der Protest gegen den Weltkrieg und die Forderung nach politischer Gleichberechtigung der Frauen auf der Tagesordnung, so kamen nach Kriegsende weitergehende Ziele hinzu, die beim Kongress im Mai 1919 in Zürich formuliert wurden: Abrüstung, gewaltfreie Lösung von Konflikten, internationale Zusammenarbeit, soziale Gerechtigkeit, Verwirklichung von Menschenrechten, insbesondere für Frauen, und Friedenserziehung. Diese Ziele schlugen sich im neuen Namen des Verbandes nieder: Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (Women’s International League for Peace and Freedom). Der Sitz der IFFF wurde 1919 nach Genf verlegt. Mit seinen Zielsetzungen und Forderungen war die IFFF eine radikal-bürgerliche Frauenbewegung, die sich von anderen bürgerlichen Frauenverbänden, welche nationalistische Bestrebungen unterstützten, abhob. Beim 6. Kongress 1929 in Prag wird die Position, dass für einen dauerhaften Friedens eine soziale Wirtschaftsordnung Voraussetzung sei, von der Mehrheit der Delegierten geteilt. Bei der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes 1932 in Genf übergibt die IFFF 8 Millionen Unterschriften für die Forderung nach Verzicht auf Rüstung. Bei der letzten Kundgebung der deutschen IFFF-Sektion im Münchner Hofbräukeller (Januar 1933) mit 800 bis 1000 BesucherInnen warnte eine Rednerin unmissverständlich: „Hitler bedeutet Krieg, schützt Eure Kinder [...] Gebt keine Stimme für Hitler, der der Handlanger Eurer Ausbeuter, Euer Feind ist! Schließt Euch zusammen, organisiert Euch für Frieden und Freiheit!“ Bei Anbruch der Hitlerdiktatur werden die Büros der deutschen Sektion sofort geschlossen, die bekanntesten Aktivistinnen müssen emigrieren. Der Kongress 1934 in Zürich beschließt gegen den Widerstand der britischen Sektion, den Kampf gegen Unterdrückung, Vorteilnahme und Profitdenken als weitere Zielstellung in der Satzung zu verankern. Der letzte IFFF-Kongress vor Kriegsbeginn (1937 im mährischen Luhačovice, Tschechoslowakei) mahnt und fordert, in Bezug auf Nazideutschland nicht neutral zu bleiben, sondern gegen Hitlers Politik entschieden Stellung zu beziehen. Siehe auch Objekte 1925_spiel, 1925_plam und 1926_bruecke. Zum Schweizerischen Zweig der Frauenliga siehe Objekt 1932_blaukreuz.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1919.
Schweiz
Titel: 1. Mai 1919 / 1. Mai-Postkarte der Zürcher Straßenbahner / Einmütiger Wille ist die Kraft, die uns die neue Welt erschafft.
Verlag / Herausgeber: 
Künstlersignatur: Scherer.
Künstler: Carl Wendolin Scherer (1890-1953), Schweizer Grafiker.
Hintergründe:
Seit dem Ausgang des 19. Jhs. entstanden in den meisten Schweizer Städten Straßenbahnnetze. Streikten die "Trämler", hatte das für die lokalen Unternehmen böse Folgen. Die Straßenbahner waren sich ihrer Macht bewusst. Legten sie die Arbeit nieder (was seltener geschah als in der Privatwirtschaft), kam das aufgrund der Effekte einem Generalstreik nahe, weil viele Bereiche des örtlichen Lebens davon betroffen waren. Und umgekehrt: Ein Generalstreik machte nur Sinn, wenn die Trämler mitstreikten. Bei den Streiks gegen die Teuerungen von 1917 bis 1919 standen die Straßenbahner vielerorts in den vordersten Reihen, ebenso beim großen Landesstreik im November 1918. Unsere Karte atmet den Stolz der Trämler auf ihre kämpferische Tradition. Zugleich will sie indirekt an den 1. Mai im Jahr zuvor erinnern (1918), als die Zürcher Straßenbahner der Arbeit fernblieben. Auch in der kämpferischen Züricher Arbeiter-Union gehörten Straßenbahner zu den führenden Köpfen. Vgl. Objekt 1922_zurigo.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1919.
 
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Objekt: 1919_fete
Objekt: 1919_suelze
Objekt: 1919_neue
Objekt: 1919_ztrajk
Frankreich
Titel: La Fête du Populaire – 22 Juin 1919.
Verlag / Herausgeber: 
Fotograf: -
Hintergründe:
Die Fotokarte entstand anlässlich des Pressefestes der sozialistischen Zeitung "Le Populaire". Nachdem das Parteiblatt der Sozialisten "L'Humanité" im Jahr 1920 mit der Abspaltung der Mehrheit zum FKP-Organ geworden war, wurde Le Populaire das Organ der S.F.I.O. und damit zur Rivalin der L'Humanité (welche aber eine höhere Auflage erzielte als Le Populaire). Ab 1927 erschien Le Populaire als Tageszeitung. Auf der Fahne hinter den Reihen der Schülerinnen und Schüler die Bestickung: Parti Socialiste / S.F.I.O. / Pupilles IX-XIème.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1919.
Schlagwörter:
SFIO
Deutschland
Titel: Dem Tüchtigen freie Bahn 3 / Gerechte Strafe für einen Ratten-, Katzen- und Hundeschlachter. 
Verlag / Herausgeber: 
Künstlersignatur: HN
Hintergründe: Als am 23. Juni 1919 vor der Hamburger Fleischwarenfabrik Heil & Co. in einem zerbrochenem Fass verfaulte Tierkadaver zum Vorschein kamen, die offenbar zu Sülze verarbeitet werden sollten, stürmten die unter Hunger und Not leidenden Bürger die Sülzefabrik und griffen das Rathaus an. Die SPD-Senat verhängte den Ausnahmezustand und forderte von der Reichsregierung Militärhilfe an.  Reichswehrminister Noske (SPD) schickte am 1. Juli 10.000 Mann Reichswehr- und Freikorpstruppen unter dem Kommando des Generals Paul von Lettow-Vorbeck nach Hamburg, Altona und Wandsbek und beendete mit kriegsgerichtlichen Zwangsmitteln innerhalb weniger Tage die "Sülzeunruhen". // Die Zeichnung soll die "Ausstellung der Beweisstücke" am Reiterstandbild Kaiser Wilhelms auf dem Hamburger Rathausmarkt illustrieren. Teil 3 der Serie "Dem Tüchtigen die Bahn".
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1919.
Schweiz
Titel: Neue Jugend / Organ d. Sozialistischen Jugendorganisation Sektion Basel / Arbeiterinnen, Arbeiter! Abonniert das Kampf- und Bildungsblatt der sozialistischen Jugend.
Herausgeber: Fritz Lieb.
Verlag: Verlag "Neue Jugend", Basel.
Künstlersignatur: K.Sch. [?]
Hintergründe:
Die Nummer 1 der "Neuen Jugend" erschien am 15.7.1919. // Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges übernahm die Sozialistische Jugendorganisation (SJO) das Sekretariat der Sozialistischen Jugendinternationale. Unter der Führung von Willi Münzenberg, Willy Trostel, Julius Mimiola und Edy Meyer gehörte die SJO mit rund 6000 Mitgliedern zur Parteilinken innerhalb der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Am 5.4.1920 Beitritt zur Kommunistischen Jugend-Internationale, zu deren Sekretär Willy Münzenberg gewählt wurde. Damit ging eine Namensänderung sowohl beim Verband in »Kommunistischer Jugendverband der Schweiz« (KJV) als auch bei der Zeitung (neuer Untertitel: Organ des Kommunistischen Jugendverbandes der Schweiz) einher. Über Willy Münzenberg siehe Objekt 1919_muen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1919.
Jugoslawien
Titel (Kroatisch, Serbokroatisch): Žtrajk 21. VII 19 Vinkovackich konobara.
Übersetzung: Streik der Kellner von Vinkovci am 21. Juli 1919.
Fotostudio:
Zeman Zdenko, fotografička radnja prvog reda, Vinkovci.
Hintergründe: Streiks waren in der revolutionären Nachkriegsphase in Jugoslawien - wie in anderen Ländern Europas - keine Seltenheit. Im Januar 1919 streikten in der kroatischen Hauptstdt Zagreb die Tabakfabrikarbeiter, im März die Schneidergesellen, Friseure und Perückenmacher, im April die Handwerks- und Handelsangestellten sowie die Arbeiter der Franck-Werke. Im Mai legten die Elektriker und Mechaniker die Arbeit nieder, im Juli die Arbeiter der Zagreber Unterwäschefabrik (8 Tage lang) sowie die Bankangestellten und die Eisenbahner. Im Juli kam es weiter zum Generalstreik der Zagreber Arbeiter gegen die militärische Interventionen in Russland und Ungarn. Im August erkämpften die Arbeiter der Union-Werke nach 9 Tagen Arbeitskampf eine 30%ige Lohnerhöhung. Am 21. August anerkannte die Leitung der Franck-Werke die Arbeiterorganisation im Betrieb, die Lohnerhöhung sowie neue Regeln in den Produktionsabläufen und bei Entlassungen. Im September begann ein 51-tägiger Ausstand der Bankangestellten um einen Tarifvertrag sowie ein Generalstreik aller Druckereiarbeiter für Gehaltserhöhungen. In dieser Atmosphäre um mehr Arbeiterrechte im Betrieb und um höhere Löhne kam es auch in anderen kroatischen Orten zu Arbeitsniederlegungen, so auch in der 12.000-Einwohner-Gemeinde Vinkovci, wie unsere Fotopostkarte belegt. Da in der Nachkriegskrise die Einkommen aus Trinkgeldern schwanden, forderten das Gastgewerbepersonal und die Kellner wahrscheinlich höhere Festlöhne.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli
1919.
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Objekt: 1919_muna
Objekt: 1919_trotzki Objekt: 1919_belge
 
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): Soudruh Alois Muna.
Übersetzung: Genosse Alois Muna.
Herausgeber: Kraj. agit. výbor mládeže soc. dem. na Kladně.
Fotograf: -
Hintergründe: Alois Muna, 1886-1943, gelernter Schneider, trat bereits 1903 in Wien der Sozialdemokratischen Jugend bei. In seiner mährischen Heimat engagierte er sich vor dem Ersten Weltkrieg gewerkschaftlich. Als Soldat der österreichisch-ungarischen Armee geriet er 1915 im Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft. Er floh aus dem Lager, wurde Anhänger der Oktoberrevolution in Russland und Mitbegründer und Vorsitzender der "Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei in Russland". Kurz nach Gründung der Tschechoslowakei (Okt. 1918) kehrte er in die Heimat zurück, um hier den Aufbau einer Kommunistischen Partei voranzutreiben. Im Januar 1919 ließ sich Muna in der Bergarbeiterstadt Kladno nieder, einer Hochburg der Arbeiterbewegung. Im selben Jahr wurde er Chefredakteur der sozialdemokratischen Zeitung "Svoboda" (bis 1929). Unsere Karte berichtet von seiner Verhaftung im Juni 1919, die wegen seiner revolutionären Tätigkeit erging. Infolge einer Amnestie kam er im Mai 1920 frei. Nach Konflikten innerhalb der Sozialdemokratischen Partei, deren Führung er mit Antonín Zápotocký übernehmen wollte, wurden beide festgenommen. Muna wurde auf dem III. Weltkongress der Komintern 1921 in Abwesenheit zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Nach der Gründung der KP im Mai 1921 und seiner Freilassung im Februar 1922 wurde Muna in höchste Funktionen der Partei und in der Komintern berufen. Auch wurde er in die Nationalversammlung gewählt (1925-1929). Nachdem die „Karlíner Jungs“ ("Karlínští kluci", Anspielung auf den Prager Arbeiterbezirk Karlín) unter Klement Gottwald die Parteiführung übernommen hatten, wurde Muna im Juni 1929 wegen „Rechtsopportunismus und Liquidatorentum“ aus der KPTsch ausgeschlossen. Im Parlament schloss er sich darauf der Gruppe "Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (Leninisten)" ("Komunistická strana Československa (leninovci)") an. 1930 oder 1932 wurde Muna wieder Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Später zog er sich aus Parteifunktionen zurück. // Der Drucktext auf der Bildseite der Karte lautet ins Deutsche übertragen: "Genosse Alois Muna, Herausgeber von Kladnos "Svoboda" (Freiheit), wurde in der Nacht zum 15. Juni 1919 in seiner Wohnung in Kladno wegen seiner revolutionären sozialistischen Überzeugung von einem Militärsoldaten heimtückisch verhaftet und bislang von der tschechoslowakischen Klassenjustiz in Einzelhaft im Pankrác-Gefängnis festgehalten."
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Juli 1919.
Sowjetrussland
Titel (Russisch): Пролетарии всех стран, соединяйтесь! / 1917 октябрь 1919 / В.И. Ленин / Карл Маркс / Л.Д. Троцкий.
Adressseite: Привет из Красной Армии!
Übersetzung: Proletarier aller Länder vereinigt euch! 1917 Oktober 1919 / W.I.Lenin / Karl Marx / L.D.Trotzki. [Adressseite:] Gruß von der Roten Armee. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Oktober 1919.
Anmerkung: Selten.
Belgien
Titel (Flämisch und Französisch):
Kandidaten der Socialistische Party / Candidats du Parti SocialistE.
Übersetzung: Kandidaten der Sozialistischen Partei.
Herausgeber / Druckvermerk: Belgische Naamlooze Maatshappij van Mekanieke Photoafdrukking, Vorst-Brussel.
Hintergründe: Wahlkampf-Postkarte für die Parlamentswahlen in Belgien im November 1919. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erreichte die Belgische Werkliedenpartij (BWP; Belgische Arbeiterpartei) mit den Forderungen nach Lohnerhöhung, Achtstundentag und 48-Stunden-Woche ihr bislang bestes Wahlergebnis. Im Parlament belegte sie 70 Sitze, nur drei weniger als die Katholische Partei. Die 1885 gegründete BWP hatte ihre Wurzeln in der Vlaamse Socialistische Arbeiderspartij (1877) sowie und in der Belgische Socialistische Arbeiderspartij (1879). Die Wahlpostkarte zeigt, dass mancherorts an den alten Parteinamen festgehalten wurde. In den Jahren zwischen den Weltkriegen war die BWP stets an der Regierung beteiligt und stellte Minister. Bei Kommunalwahlen errang sie in vielen Gemeinden die absolute Mehrheit. August Debunne (1872-1963, Bildmitte) war als Stadtoberhaupt von Menen der erste sozialistische Bürgermeister in ganz Flandern. Fortsetzung siehe Objekt 1929_soc.
Postalische Merkmale: -
Datierung: November 1919.
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Objekt: 1919_psi
Objekt: 1919_kun
Objekt: 1919_feministe
 
Italien
Titel (Italienisch):  La Novella Aurora.
Übersetzung: Die neue Morgendämmerung.
Verlag: Ed. L. Pozzoni, Milano.
Künstlersignatur: PZ (?)
Hintergründe: Die Kartenserie der Partito Socialista Italiano (PSI) aus dem Pozzoni-Verlag, zu der das wiedergegebene Exemplar gehört, ist anlässlich der Parlamentswahlen am 16.11.1919 erschienen. Die PSI war während des Ersten Weltkriegs tief gespalten zwischen Kriegsbefürwortern und -gegnern (zu den Befürwortern gehörte Mussolini, der 1914 aus der PSI ausgeschlossen wurde). Wegen der zugespitzten sozialen Lage nach dem Krieg (Land- und Fabrikbesetzungen; Streiks) verschärfte sich auch der Konflikt zwischen dem reformistischen und dem revolutionären Flügel in der Partei. Letztere gewannen an Einfluss. Aus den Wahlen im November 1919 ging die PSI als stärkste Partei Italiens hervor. Da die Spannungen wegen des erstarkenden Faschismus noch zunahmen, spaltete sich der revolutionäre Flügel von der PSI ab und gründete am 21. Januar 1921 die Kommunistische Partei (PCI). // Zeitgemäße Interpretation von Jean-François Millets (1814–1875) bekanntem Gemälde "Angelusläuten" (1857-59) im Musée d'Orsay, Paris. Das Motiv soll provozieren, weil es dem Urbild Millets, das eine tiefe Frömmigkeit auf dem Lande zeigt, eine selbstverständliche Rebelligkeit entgegensetzt.
Postalische Merkmale: -
Datierung: November 1919.
Anmerkung: Selten.
Ungarn / Frankreich
Titel: Bela Kun.
Hintergründe:
Frühe Aufnahme des ungarischen Rätepolitikers und Revolutionärs Béla Kun (geboren 1886). Kun war aus russischer Kriegsgefangenschaft als Anhänger der Bolschewiki nach Ungarn zurückgekehrt. Unter seiner Führung wurde in Budapest am 21. März 1919 die Ungarische Räterepublik ausgerufen, die bis zum 1. August 1919 Bestand hatte. Die Regierung verstaatlichte Großgrundbesitz, Banken und Großbetriebe. Die Rote Armee der Räteregierung drang in ungarische Gebiete vor, die von tschechoslowakischen, rumänischen, jugoslawischen und französischen Truppen besetzt worden waren. Die ausländischen Mächte wollten nach dem "Vertrag von Triano" vom Juni 1920 ihre Gebietsforderungen an Ungarn militärisch durchzusetzen (dieser Vertrag gehörte zu den "Pariser Vorortverträgen", die den Ersten Weltkrieg formal beendeten). Zwar gelang nach dem Vorstoß der Roten Armee in Oberungarn die Gründung einer Slowakischen Räterepublik, doch konnte diese ihre Positionen militärisch nicht halten. Mit der Niederlage der Räteregierung setzte der weiße Terror in Ungarn ein, der 5000 Menschenleben forderte (siehe Objekt 1920_biro). Kun entkam nach Österreich, wo er interniert wurde. Ihm gelang jedoch die Flucht nach Sowjetrussland. Dort übernahm er viele Aufgaben der Komintern, auch in Österreich und Deutschland. Unter dem Vorwurf, eine konterrevolutionäre terroristische Organisation angeführt zu haben, wurde er im Juni 1937 in der UdSSR verhaftet und am Tag seiner Verurteilung am 29.8.1938 hingerichtet. // Aus der Serie "Les Précurseur" (Die Vorreiter; Die Schrittmacher) der "Bibliothek der Arbeit", Paris. Diese Buchhandlung und Leihbibliothek bestand seit 1917 und war bis zu ihrem wirtschaftlichen Ruin 1939 Treffpunkt von Trotzkisten und revolutionären Syndikalisten.
Postalische Merkmale: 
Datierung: Um 1919.
Frankreich
Titel (Französisch): L’Avant-Garde du prolétariat International / Notre «Armee Rouge».
Übersetzung: Die Avantgarde des internationalen Proletariats. / Unsere "Rote Armee".
Herausgeber: Édition de "La Lutte Féministe".
Hintergründe: Die französische Lehrerin, Feministin und Kommunistin Hélène Brion (1882–1962) gab von 1919 bis 1921 die Zeitschrift "La Lutte Féministe" heraus (seit Gründung der französischen Sektion der Kommunistischen Internationale 1920 unter dem Titel "La lutte féministe pour le communisme"). Wahrscheinlich brachte die feministische Zeitschrift diese Postkarte anlässlich des ersten Jahrestages der Roten Armee heraus (Januar 1919). In der rechten Fotohälfte sind 7-8 bewaffnete Frauen zu sehen. Der dort einmontierte Titel lautet: Пролетарская Красная Армія (Proletarische Rote Armee), Bildquelle: Verlag Kontragenstvo (Kontrahent) des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1919.
Schlagwörter: feminismus feminism.
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Objekt: 1919_meres
Objekt: 1919_muen
   
Frankreich
Titel (Französisch): La Jeunesse délinquante avant et après la guerre.
Übersetzung: Junge Straftäter vor und nach dem Krieg. .
Künstler (Zeichnung): Willibald Krain, 1886-1945, deutscher Maler, Zeichner, Illustrator.
Herausgeberin:
Ligue Internationale des Mères pour la Paix, Vic-sur-Aisne.
Hintergründe:
"In Preußen standen im Jahr 1912 45.958 junge Männer und Frauen zwischen 12 und 18 Jahren vor den Schranken des Gerichts; 1919 waren es 152.000. Dies sind die Auswirkungen der sogenannten moralischen Hebung, zu Deutsch "Sittliche Erneuerung", die durch den Krieg hervorgerufen wurden." Das Motiv ist einem Album von Willibald Krain entnommen, das von der deutschen Sektion der IFFF herausgegeben wurde.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Ende 1919 oder 1920.
Anmerkung: selten.
Schlagwörter: jugend kriminalität jugendkriminalität justiz strafrecht straftaten haftanstalten justizvollzug.
Sowjetrussland
Titel (Russisch): В. Мюнценберг / секретарь интернационала молодежи.
Übersetzung: W. Münzenberg / Sekretär der Jugendinternationale.
Druck: 15 Гос.тип. [= 15-я Государственная типография Петроград / 15. Staatsdruckerei Petrograd].
Hintergründe:
Bevor Lenin 1921 Willi Münzenberg (1889-1940) mit der Organisation einer wirksamen Hilfe für die Hungergebiete in Russland betraute (aus der die Internationalen Arbeiterhilfe / IAH hervorging), war dieser seit 1919 Vorsitzender der Kommunistischen Jugendinternationale. Vgl. Objekt 1920_organ. // Aus der "Serie der Porträts der »Bibliothek des jungen Proletariers«".
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1919 oder 1920.
Anmerkung: Sehr selten.
Schlagwörter: muenzenberg munzenberg.
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Objekt: 1920_volpedo Objekt: 1920_noske
Objekt: 1920_kapp
   
Italien
Titel (Italienisch): il martello infrange la spada / Allegoria del quadro / il quarto Stato / di Pellizza da Volpedo.
Übersetzung: Der Hammer bricht das Schwert. Allegorie des Bildes “Der Vierte Stand” von Pellizza da Volpedo.
Verlag: Edit. L. Pozzoni, Milano.
Künstlersignatur: unleserlich; WGumetti? UGomotti?
Hintergründe: Die Karte signalisiert einen Epochenumbruch: Nach dem Ende des verheerenden Ersten Weltkrieges bricht für den "vierten Stand" eine neue Zeit an. Die Wahl des Motivs macht aber deutlich, dass diese Ära nicht automatisch eintritt, sondern nur durch eine von der geschlossenen Arbeiterbewegung getragene revolutionäre Umwälzung. Zwischen der aufgehenden Sonne und dem Amboss fügte der Künstler schemenhaft das Bildmotiv des bekannten Gemäldes "Der vierte Stand" ein. Die Vorlage hatte 1898-1901 der Maler Giuseppe Pellizza da Volpedo (Piemonte; 1868-1906) geschaffen. Das Originalbild „Der vierte Stand“ (Il Quarto Stato) misst 3x5,50 Meter und ist heute in Milano ausgestellt. In Deutschland ist das eindrucksvolle Motiv besonders seit Bernardo Bertoluccis Filmdrama "Novocento" aus dem Jahr 1976 geläufig (deutscher Titel "1900"). 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1919 oder 1920.
Deutschland
Titel: Noske, der Arbeiter! Ein Sohn des Volkes will ich sein - und bleiben!
Herausgeber: KPD-Organ "Der Kämpfer" Chemnitz.
Künstlersignatur: Hz.
Künstler: Karl Holtz (1899-1978).
Hintergründe: "Bluthund" Gustav Noske, seit 1884 SPD-Mitglied, war nach der Novemberrevolution verantwortlich für die blutige Niederschlagung des Spartakusaufstands in Berlin, der Räterepubliken in München und Bremen sowie mitverantwortlich für die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. // Der Titel spielt auf ein gleichnamiges altes Arbeiterlied des Leipziger Komponisten Heinrich Pfeil (1835-1899) an. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1919 oder Anfang 1920.

Deutschland
Titel: Köln 13. März 1920 Samstag / Proteste der Arbeiter gegen die Teuerung.
Herausgeber / Fotograf: -
Hintergründe: Um die infolge des Versailler Vertrags beschlossene Truppenreduzierung in Deutschland durchzusetzen, solltee Reichswehrminister Noske am im März 1920 das aus Freiwilligen bestehende reaktionäre Freikorps "Marinebrigade Ehrhardt" auflösen (Truppenstärke 6000 Mann). Großes "Ansehen" in den Reihen der Wehrmacht hatte sich diese Truppe dadurch verschafft, dass sie von Noske bevorzugt bei der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik eingesetzt worden war. Am 13. März 1920 marschierte General Walther von Lüttwitz an der Spitze der Marinebrigade Ehrhardt in das Berliner Regierungsviertel ein und besetzte es. Der Verwaltungsbeamte Wolfgang Kapp, der in Deutschland dem "jüdischen Regiment" und der "Herrschaft der Journalisten und Gewerkschafter" ein Ende machen wollte, ernannte sich zum Reichskanzler. Die Regierung floh. Noch am gleichen Tag riefen die SPD und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) zum Generalstreik auf, der auch von der KPD unterstützt wurde und den Kapp-Lüttwitz-Putsch bereits am 17.3. zusammenbrechen ließ. Erst am 20. April wurde die "Marinebrigade Ehrhardt" offiziell aufgelöst. Der Generalstreik blieb das einzig erfolgreiche gemeinsame Vorgehen der Arbeiterbewegung in Deutschland bis zur Machtübergabe an den Faschismus. Obwohl die Freikorps am Putsch maßgeblich beteiligt waren, wurden auch sie ab dem 3. April 1920 zum Kampf gegen die "Rote Ruhrarmee" im Ruhrgebiet eingesetzt. Wie im Ruhrpott wurden die Märzaufstände 1921 (die dem Kappputsch folgten) in Mitteldeutschland und im Vogtland 1920/1921 (wo in Plauen von Max Hoelz die Räterepublik ausgerufen worden war) von Reichswehr- und Freikorpstruppen niedergeschlagen. // Die beiden hinteren Schilder tragen die Aufschriften: "Wir verlangen / Arbeit & Brot für Alle".
Postalische Merkmale: 
Datierung:  März 1920.
Schlagwörter: kappputsch kapp-putsch.

 
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Objekt: 1920_haya
Objekt: 1920_litauen
Objekt: 1920_heuernte
   
Peru
Titel (Spanisch):
Al compañero Jacinto Paiva.
Übersetzung: Dem Genossen Jacinto Paiva.
Herausgeber: -
Hintergründe: Die Postkarte zeigt das seltene Porträt des peruanischen Studentenführers Victor Raúl Haya de la Torre (1895-1979), der sich ab 1919 an der Universität Lima als Jurastudent sowohl für studentische Belange als auch für die Durchsetzung von Forderungen der Arbeiterbewegung (8-Std-Tag) engagierte. Die von Haya selbst mit einer Nachricht versehene Karte (gewidmet seinem Mitkämpfer Jacinto Paiva) ist auf das Jahr 1920 datiert und stammt aus der Zeit, als er im März 1920 am nationalen Studentenkongress in Cuzco teilnahm, wo auf seine Initiative hin die Bildung von Volksuniversitäten beschlossen wurde (Universidades Populares). Diese Einrichtungen hatten das Ziel, den sog. "Unterklassen" den Zugang zu Bildung und Kultur zu ermöglichen. Unter Präsident Leguía musste Haya 1923 emigrieren. Im mexikanischen Exil gründete Haya 1924 die "Alianza Popular Revolucionaria Americana" (APRA), die Revolutionäre Volksallianz Amerikas, die einen maßgeblichen politischen Einfluss auf die politische Entwicklung in Peru haben sollte und zunehmend sozialdemokratische Positionen besetzte.
Sie strebte die Durchsetzung von Reformen an: Agrarreform; kollektiver Landbesitz; Gleichberechtigung für Indigene; staatliche Kontrolle der Industrie. Als Haya bei den Präsidentschaftswahlen 1931 kandidierte und wegen der Wahlmanipulationen unterlag, kam es in Trujillo zu einem Aufstand, der jedoch blutig niedergeschlagen wurde. Mehrere Tausend Menschen wurden von der Regierungstruppen standrechtlich erschossen. Haya verbrachte 15 Monate im Gefängnis, seine Partei wurde 1934 verboten (bis 1945 sowie 1948-1956). Der Preis für die Wiederzulassung seiner Partei 1956 waren Zugeständnisse an das konservative Lager. Bis zu seinem Tod dominierte die Persönlichkeit Hayas die APRA. // Jacinto Paiva war ein Mitkämpfer Hayas sowie Mitbegründer der APRA. Er wurde Mitarbeiter des Organs der 1928 gegründeten Sozialistischen Partei "Labor". Ende 1928 stimmte er wegen der zunehmenden politischen Differenzen mit Haya der Auflösung der kleinbürgerlichen APRA-Zelle in Paris zu (da diese keinen Klassenstandpunkt mehr vertrete) und wurde Anhänger der Kommunistischen Partei Perus, die im Oktober 1928 aus der Sozialistischen Partei hervorgegangen war. Lebensdaten von Paiva liegen uns nicht vor.
Postalische Merkmale:
Handschriftliche Nachricht von Haya; ungelaufen.
Datierung: März 1920.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: lateinamerika, latin america.
Litauen
Titel (Litauisch):
Lietuvos Socialdemokratų partija / draugai! balsuokit už No. 6 / už darbininkus bežemius ir mažažemiu..
Übersetzung: Litauische Sozialdemokratische Partei / Freunde! Wählt Liste Nr. 6 für Arbeiter, Arme und Landlose.
Herausgeber: -
Hintergründe: Nach dem Ende der Sozialistische
n Räterepublik kam es im Agrarland Litauen im April 1920 zu den ersten konstituierenden Wahlen zum Parlament, dem Seimas in Vilnius. Die Plakatwand widerspiegelt alle relevanten politischen Kräfte, die sich zur Wahl stellten: Das größte Plakat auf der fotografierten Wand stammte von der Litauischen Sozialdemokratischen Partei (die im Seimas aber mit 12 Sitzen nur drittstärkste Fraktion wurde). Drei Plakate klebten die Christdemokraten; auf einem schürte sie antibolschewistische Ängste ("Elend, Seuchen und Hungersnot – Das ist es, was unter den Sozialisten-Bolschewiki folgen würde"). Mit 59 Sitzen wurden die Christdemokraten stärkste Kraft im Parlament. Weitere Wahlplakate wenden sich an die polnischen Bürger Litauens (die in einigen Gebieten 70% Bevölkerung stellten) und an die jüdische Minderheit (7%). Das Plakat der Bauernpartei ruft: "Litauen ist Bauernland / Wenn es besser werden soll, müssen die Bauern selber handeln". Die Bauernpartei kam mit den Sozialisten auf 28 Sitze im Parlament und wurde damit zweitstärkste Fraktion
. Mehrere Flugblätter werben für die Liste des Nationalen Fortschritts (Liste No. 6).
// Noch im Wahljahr, im Oktober 1920, annektierte Polen die Hauptstadt Vilnius und den Südosten des Landes, in welchem die polnischen Bürger den höchsten Bevölkerungsanteil stellten. Kaunas wurde neue Hauptstadt der Republik Litauen. 
Postalische Merkmale:
-
Datierung: April 1920.
Schlagwörter: soviet republic, lithuanian parliament, lithunia.
Deutschland
Titel: Fichtelberg, d/5/4/1920. 
Hintergründe: Arbeit auf einem Bauernhof am Fichtelberg, Erzgebirge.
Postalische Merkmale: Handschriftliche Mitteilung vom April 1920 (Fichtelberg). 
 
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Objekt: 1920_bg
Objekt: 1920_mai
Objekt: 1920_zurigo
   
Bulgarien
Titel (Bulgarisch): праздникътъ на Труда.
Übersetzung: Festtag der Arbeit.
Herausgeber: Издава О.Р.К. Д-во "освобождение", София / Umseitiger Aufdruck des Emblems der Bulgarischen Kommunistischen Partei (Engsozialisten).
Künstlersignatur: Хр. Лозевъ
Künstler: Христо Лозев (1883-1970; Hristo Loseff).
Hintergründe: Maipostkarte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging Ende Mai 1919 aus dem Engsozialistischen Flügel der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei die Bulgarische Kommunistische Partei (Engsozialisten) hervor. Im August 1919 gab es Parlamentswahlen und im Oktober trat die erste Nachkriegsregierung ihr Amt an. Die Maipostkarte kündigt zum 2. Mal seit Kriegsende den legalen Festtag der Arbeit an: 1. Mai 1920. Die Maifeiertage von 1919 und 1920 waren die größten Kundgebungen, die Bulgarien bis dahin erlebt hatte. In der Regierungszeit der Bauernpartei 1921-1923 nahm der Feiertag Massencharakter an, danach (1924-1927) konnte er nur unter den Bedingungen der Diktatur begangen werden. Erst 1928 war der 1. Mai wieder legal. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1920.
Deutschland
Titel: Hoch der 1. Mai!
Umseitiger Aufdruck: [Verlagslogo] "MONOPOL".
Herausgeber: -
Postalische Merkmale:
Gelaufen am 1. Mai 1920 (Cassel). 
Schweiz
Titel umseitig: MAI-KARTE DER ARBEITERUNION ZÜRICH.
Aufdruck Bildseite:
Du bist an einem Tag gerichtet,
Wenn unsere Leiber müssig gehen,
Wenn einen Tag das Volk verzichtet,
In deiner Mühle Gold zu drehn!
Max Barthel

Verlag: -
Künstlersignatur: Scherer
Künstler
: Carl Wendolin Scherer (1890-1953), Schweizer Grafiker.
Hintergründe: Die in Europa einzigartige Organisationsform der "Arbeiter-Union" bildete sich in der Schweiz gegen Ende des 19. Jhs. heraus. Ihr waren in Zürich politische Vereine, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und allgemeine Arbeitervereine der Stadt angeschlossen, die auf dem Boden der Sozialdemokratie standen. Zwar wurde 1913 die Arbeiter-Union aufgelöst (wodurch die angeschlossenen Organisationen fortan autonom arbeiteten), aber beim Landesstreik 1918 kam es zur Wiederbelebung dieses Organisationsverbands. In Zürich agierte die Arbeiter-Union in der Zeit des Landesstreiks revolutionär; sie rief im November 1918 nicht wie in den übrigen Landesteilen zu einem 24-stündigen Generalstreik auf, sondern zu einem unbefristeten. Denn wie überall in Europa, gärte es auch in der Schweiz. Die Zeichen der Zeit standen auf Revolution und Neuordnung der Verhältnisse. Zwar erlitt die Arbeiterbewegung durch den Zusammenbruch des Streiks eine Niederlage, aber die herrschende Klasse sah sich zu Zugeständnissen genötigt: Die 48-Stundenwoche wurde eingeführt, kollektive Arbeitsverträge abgeschlossen und die Alters- und Arbeitslosenvorsorge eingeführt bzw. ausgebaut. Ab 1921 vereinigte die Arbeiter-Union unter ihrem Dach die Sozialdemokratische Partei, die Kommunistische Partei und das Gewerkschaftskartell Zürich (GKZ). Vgl. auch Objekt 1919_tram.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1920 (Jahr?).
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Objekt: 1920_marx
Objekt: 1920_zapletal
     
Sowjetrussland
Titel: к 1му маю маю 1920 г. / Пролетариату в борьбе нечего терять, кроме своих цепи - завоюет же он весь мир / Карл Маркс // Analoge Auschrift in Tschagataisch mit perso-arabischer Schrift.
ÜbersetzungZum 1. Mai 1920 / Die Proletarier dieser Welt haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. [Fortsetzung auf Adressseite:] Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Karl Marx [Kommuistisches Manifest, 1848].
Verlag: -.
Hintergründe:
Die rechte Hälfte der Karte zeigt einen tschagataisch-sprachigen Text, der in perso-arabischer Schrift verfasst wurde. Die deutsche Übersetzung ist nicht analog des russischen Marxzitats: "Die turkstämmigen Frauen und Männer aus Russland und aus den eigenen geehrten Ländern [Mittelasien] befreien sich, ohne irgendetwas [anderes] im Kampf zu verlieren als die Ketten an unseren Händen und Füßen. Sie eröffnen sich eine ganze Welt.“ (Vielen Dank für die Übersetzung an Dr. Heidi Stein, Leipzig). Tschagataisch, eine Sprache, die es heute so nicht mehr gibt, war vor der Bildung der Sowjetrepubliken in Zentralasien neben der Sprache der Osmanen die zweite weitverbereitete Verkehrs- und Literatursprache der Turkvölker, und zwar auf dem Gebiet des islamischen Zentralasiens und weit darüber hinaus. Geschrieben wurde sie ausschließlich mit arabischer Schrift. Die Sprache war grammatisch so offen, flexibel und aufnahmebereit, dass sie von allen lokalen Turkvölker nicht nur verstanden und angewendet, sondern sich deren Dialekten und Sprachen soweit anpasste, dass sie deren Grammatiken zusammenführte. Mit der Sprach-Standardisierung, der Einführung neuer Alfabete und der Alfabetisierungskampagne ab den 1920er Jahren ging diese Gemeinsamkeit verloren.
Heute nennt man in den einzelnen Sprachgebieten das Tschagataische nur noch "Alt-Usbekisch", "Alt-Turkmenisch" usw. und nur Turkologen sind in der Lage, den Text nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen. Insofern handelt es sich bei unserer Postkarte um ein ganz einzigartiges historisches und kulturhistorisches Dokument, das gewiss in den ersten nach-zaristischen Republiken Mittelasiens und den frühen mittelasiatischen Sowjetrepubliken Verbreitung fand. Die Karte erschien noch vor dem legendären 1. Kongress der Völker des Ostens, der im September 1920 in Baku stattfand.

Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1920.
Schlagwörter: tschaghatāy chagatai джагатайский язык, чагатайский, тюрки́, староузбекский.
Anmerkung: Sehr selten.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel: DTJ.
Umseitiger Aufdruck (Tschechisch): PŘEROV, 1. srpna 1920 / Krajské VereJné Cvičení / dělnických Tělocvičných jednot VIII Kraje..
ÜbersetzungPřero, 1. August 1920 / Öffentliche Turnübungen des DTJ vom VIII. Bezirk.
Verlag: Lidová knihtiskárna Štěpánek a spol., Mor.[avská] Ostrava].
Künstlersignatur: A. Zapletal 20
Künstler:
Alois Zapletal, Moravská Ostrava, 1886-1943.
Hintergründe: Der DTJ (Dělnická Tělovýchovná Jednota, "Arbeiterturnverein") wurde nach Trennung vom nationalen Turnverein Sokol im Jahr 1897 in Prag gegründet, siehe auch Objekt 1935_soukup. Der deutschsprachige "Arbeiter-Turn- und Sportverband in der Tschechoslowakischen Republik" (ATUS) wurde im Jahr 1919 in Aussig / Ústí nad Labem gegründet. Siehe Objekt 1924_atus. DTJ und ATUS traten bei der 1. Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main 1925 als zwei verschiedene Landesformationen der čSR an. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1920.
Schlagwörter: arbeitersport arbeiterturnen.
   
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Objekt: 1920_branting

Objekt: 1920_kinderwoche

Objekt: 1920_orgsn

   
Schweden
Titel (Schwedisch): Glöm icke valdagen! Rösta med Socialdemokraterna!
Übersetzung
: Vergessen Sie den Wahltag nicht! Stimmen Sie mit den Sozialdemokraten!
Hintergründe: Zitat auf Bildseite von Hjalmar Branting (1860-1925) aus dem Jahr 1917. Branting war seit 1908 Parteivorsitzender der sozialdemokratischen Partei Schwedens, 1920-1923 Ministerpräsident; 1921 Friedensnobelpreisträger. Die Karte erschien wahrscheinlich im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen (2. Kammer) im September 1920. Aus diesen Wahlen gingen die Sozialdemokraten wieder als stärkste Kraft hervor. Frauen erhielten allerdings erst ein Jahr später (abermals zu den Reichstagswahlen) ein Stimmrecht. // Das Bildmotiv, das der Grafik zugrunde liegt, zeigt Branting bei der Mai-Demonstration 1915 im Stockholmer Stadtteil Ladugårdsgärdet (Gärdet). Wegen des hohen Bekanntheitsgrad dieser Fotografie fand und findet es in Schweden bis in unsere Tage immer wieder Verwendung in der Erinnerungspolitik.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  September 1920.
Schweiz
Titel: Arbeiter-Kinderwoche 1920 / Dem Arbeiterkinde ein Ferienheim.
Herausgeber:
Schweizerischer sozialdemokratischer Schulverein. 
Künstlersignatur: Bay
Künstlerin: Hanni Bay
(1885-1978), Schweizer Malerin.
Hintergründe:
Die Arbeiter-Kinderwoche fand vom 20. bis 30.9.1920 statt. Das erstrebte Heim wurde 1931 bei Zürich eröffnet. Siehe hier Objekt 1931_kinderheim ("Für ein Arbeiterkinderheim").
Postalische Merkmale: -
Datierung:  September 1920.
KJI / Deutschland
Titel: Die Presse der Kommunistischen Jugend-Internationale.
Herausgeber:
Exekutivkomitee der Kommunistischen Jugend-Internationale; Berlin.  
Hintergründe:
Die Kommunistische Jugendinternationale wurde am 20. November 1919 in Berlin gegründet. Delegierte aus 14 Länder nahmen teil. Sie vertraten 219.000 Mitglieder. Ein Exekutivkomitee wurde gebildet. Vorsitzender wurde Willy Münzenberg (vgl. Objekt 1919_muenzenberg). Bereits 1921 hatte die KJI 49 Sektionen mit 800.000 Mitgliedern. Der Erfolg ging auf die Abspaltungen von Jugendverbänden aus den Strukturen der sozialdemokratischen Parteien zurück, die nach dem Ersten Weltkrieg nicht bereit waren, ihren reformistischen Kurs zu korrigieren und den Jugendabteilungen eine politische und organisatorische Eigenständigkeit zuzugestehen. // Auf der Adressseite ist folgendes notiert: "Die herzlichsten Grüße vom Jugendtag Joh. Jung [?], Otto Fersmann [?], Max Pichnier [?], Arno Schmidt, Grete Wielepp, Lotte Wielepp, Anni H***schenk, Erich Schmidt, Erna J., Willy Jacumeit, Rudi Esser, H. Müller, Erna Denecke, M. Schultz, Erna Haberland, Alfred Gutsche.
Postalische Merkmale: Gelaufen September1920 (Berlin-Neukölln) nach Dortmund, adressiert an Wilhelm Hausdorf, Dortmund, Lindemannstraße 8.
Datierung:  September 1920.
Anmerkung: Sehr selten.
Schlagwörter: jugendverband jugendorganisation arbeiterjugend.
 
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Objekt: 1920_reed
Objekt: 1920_kathol
Objekt: 1920_biro
 
USA
Titel: John Reed.
Herausgeber: -
Hintergründe: Als Journalist durch seine Berichte von der mexikanischen Revolution bekannt geworden, ging John Reed (1887-1920) als Kriegsberichterstatter für "The Masses" und das "Metropolitan Journal" nach Europa, bevor er mit seiner Berufskollegin und Ehefrau Louise Bryant den Auftrag übernahm, als Korrespondenten 1917 / 1918
aus dem revolutionären Russland zu berichten. Beide erlebten hautnah die Oktoberrevolution in Russland mit und wurden zu Zeitzeugen und Chronisten der Revolutionstage. Reeds genaue Schilderungen erschienen im März 1919 in New York unter dem Titel "Ten Days that Shook the World", in Deutsch erstmals in Hamburg 1922 ("10 Tage, die die Welt erschütterten") und 1923 in Russisch ("Десять дней, которые потрясли мир"). Reed wurde Vorsitzender der 1919 gegründeten Communist Labor Party in den USA. Erneut in Russland erkrankte er an Typhus und starb am 17. Oktober 1920 in Moskau. // Das Fotoporträt entstand im Jahr 1914.
Postalische Merkmale: 
-
Datierung: Oktober 1920.
Anmerkung: Selten.
Schweiz
Titel: Fahnenweihe des kath. Arbeitervereins St. Joseph Zürich / Sonntag den 3. Oktober 1920.
Druck / Fotostudio: Photo H. Lunte, Zürich.
Hintergründe: Zunächst waren die katholischen Arbeitervereine (im 19. Jh.) vom Klerus geschaffene Laienverbände, später dienten sie im Zuge der Industrialisierung der ideologischen Anbindung der Arbeiter an die katholische Kirche. Ab der Jahrhundertwende (um 1900) kamen zunehmend materielle und politische Aufgaben hinzu. Diese Organisationen wurden mit dem Begriff "Katholische Arbeiterbewegung" (KAB) umschrieben. // Weil der Bräutigam Marias, Josef von Nazareth, in der biblischen Überlieferung als Bauhandwerker bzw. Zimmermann tätig gewesen sein soll, gilt der heilige Josef als Schutzpatron der Arbeiter, besonders der Zimmerleute und Holzfäller. 1955 führte der Vatikan als Gegenstück zum 1. Mai den Gedenktag für "Josef den Arbeiter" (am 19. März) ein. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Oktober 1920.
Schlagwörter: katholizismus, religion konfession. 
Ungarn / Österreich 
Titel (Deutsch, Ungarisch, Französisch, Englisch, Russisch): Hund, schaufle dir dein Grab! / Kutya, ásd meg sirodat! / Sale chien, va creuser ta fosse! / Dig out your grave, you dog! / Ров себе сам могилу!
Herausgeber / Verlag: Verlag der Arbeiter-Buchhandlung, Wien.
Künstlersignatur: Biró
Künstler:
Mihaly Biró (Michael Biró, 1886-1948), ungarischer Grafiker.
Hintergründe: Karte aus der Serie "Horthy" des bekannten ungarischen Plakatkünstlers Mihaly Biró über den
Weißen Terror des Horthy-Regimes in Ungarn nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 (siehe Objekt 1919_kun). Der Weiße Terror forderte in Ungarn 5000 Opfer. Biró emigrierte 1919 nach Wien, arbeitete dort als Grafiker für die Bühne und entwarf zahlreiche Film- und Werbeplakate. 1920 schuf er den 20-teiligen Farblithografie-Zyklus "Horthy" (Format 49 x 36 cm). Biro hat in den Lithografien die Erlebnisse ungarischer Emigranten verarbeitet. Das Horthy-Regime ließ alle Exemplare des Albums, derer sie in Europa habhaft wurde, vernichten. Nach einem Protest der ungarischen Botschaft in Wien wurde in Österreich die Ausstellung der Lithografien verboten. Verbot und Vernichtung der Lithografien waren womöglich der Grund, weshalb sich der Künstler zur Herausgabe der Postkartenreihe entschloss, aus der wir hier ein Exemplar vorstellen. Eine Delegation der britischen Labour Party ging im April und Mai 1920 in Ungarn den Zeugnissen über den Weißen Terror nach und veröffentlichte im Juni 1920 in London einen Bericht ("The White Terror in Hungary").
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1920.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: konterrevolution, white terror, plakatkunst.
 
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Objekt: 1920_deni
Objekt: 1920_turku
Objekt: 1920_spilberk
 
Sowjetrussland
Titel auf Adressseite (Russisch): В.Н. Дени, художник – каррикатурист.
Übersetzung: W.N. Deni, Künstler und Karikaturist.
Verlag
: ГИЗ / GIZ. GIZ war der 1919 gegründete "Verband der staatlichen Buch- und Zeitschriftenverlage", Moskau.
Druck: Dunaew-Druckerei, Moskau.
Fotograf: -

Hintergründe: Deni / Дени, eigentlich Виктор Николаевич Денисов / Viktor Nikolajewitsch Denisow, 1893-1946, war einer der bekanntesten Karikaturisten und Plakatkünstler Sowjetrusslands und der UdSSR. Auf mehreren Postkarten, die wir bei postcard-social.de vorstellen, finden sich Motive von Deni, so bei den Objekten 1931_pomogi, 1932_system und 1932_protiw.

Postalische Merkmale: 
-
Datierung: Um 1920.
Anmerkung: Selten.
Finnland
Titel (Esperanto): Laborista Esperanto Klubo, Turku. [Unter dem Bildmotiv:] Universitato de Turku. 
Übersetzung: Arbeiter-Esperanto-Klub Turku / Universität Turku.
Hintergründe: Karte der finnischen Arbeiteresperantisten mit einer Fotoansicht der 1920 gegründeten Universität Turku. Turku gehörte von Februar bis April 1918 zum Gebiet des industrialisierten Süden Finnlands, wo die Sozialdemokraten eine revolutionäre rote Regierung gebildet hatten. Im finnischen Bürgerkrieg wurde die Revolution mit deutscher Militärhilfe blutig niedergeschlagen. Aus einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1920.
Schlagwörter: weißer terror, konterrevolution, laborista movado, finnlando, suomi.
Tschechoslowakei / čSR
Titel (Tschechisch, Deutsch): Brno - Špilberk. Žaláře politických vězňů za světové války / Zellen politischer Sträflinge im Weltkriege.
Verlag: Barvič & Novotný, Brno.
Hintergründe: Die Feste Spielberg / Špilberk im mährischen Brünn diente erstmals nach der Schlacht am Weißen Berge 1620 als Gefängnis. Im 19. Jahrhundert waren auf dem Spielberg politische Oppositionelle aus der ganzen Habsburger Monarchie inhaftiert, oft gruppenweise. In den berüchtigten Kasematten der Barockfestung waren kleine hölzerne Blockhauszellen eingebaut, in denen die Häftlinge hausten. 1962 wurde die Festung in ein Museum umgewandelt.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1920.
Schlagwörter: mähren verlies dungeon kerker kerkerhaft, politische gefangene.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1921_haleru
Objekt: 1921_brookfield
Objekt: 1921_suelt
Objekt: 1921_innerhofer  
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): Proletáři! Vzhůru! Jste vykupiteli světa!
Übersetzung: Proletarier! Wacht auf! Ihr seid die Erlöser der Welt!
Verlag / Herausgeber: Komunistický svaz mládeže?
Künstlersignatur auf der reproduzierten Originallithografie:
O.P.B. Szántó Lajos KULTURA R T LITH MÜINTÉZET BUDAPEST VISEGRÁDI U 3
Künstler: Lajos Szántó (1890/1889-1965), ungarischer Maler und Grafiker.

Hintergründe: Auf der Adressseite tschechisch-sprachiger Spendenaufruf für die Zeitung des kommunistischen Jugendverbands: "Sbírejte pro tiskový fond »Komunistické mládeže« / Jeden milion haléřů", zu Deutsch: "Sammelt für den Pressefonds »Kommunistische Jugend« - Eine Million Heller!"
// Nachdem im Oktober / November 1919 die Mehrheit der Mitglieder den "Verband der sozialdemokratischen Arbeiterjugend" verlassen hatte,  rief diese kurz später, im Februar 1921, den  Komunistický svaz mládeže (KSM, Kommunistischer Jugendverband) ins Leben - noch vor Gründung der Kommunistischen Partei. Zur Finanzierung der Verbandszeitung wurden Spendenkarten wie diese gedruckt. // Die Grafik geht auf ein Plakat des ungarischen Künstlers Lajos Szántó  zurück, das erstmals 1919 (im Format 126x95 cm bei "Kultura" Budapest gedruckt) unter dem Titel "Proletárok! Előre! Ti vadyotok a világ megváltói!" ("Proletarier! Vorwärts! Ihr seid die Erlöser der Welt!") herausgegeben wurde. Die beliebte Grafik fand bis in die Mitte der 1920er Jahre Verwendung in kommunistischen Schriften und Drucken vieler Länder, auch in Deutschland (in Deutschland mit der analogen Aufschrift "Proletarier! Vorwärts! Ihr seid die Erlöser der Welt!").
// Über Maßnahmen der Prager Polizei gegen die Redaktion der kommunistischen Jugendzeitung „Pravdy Mládeže“ (Wahrheit der Jugend) siehe Objekt 1929_nasili.
Postalische Merkmale: -
Datierung Kartendruck: Februar 1921.
Anmerkung: In dieser Version sehr selten.
Schlagwörter: jugendunion.
Australien
Titel (Englisch): The Late Mr Percey Brookfield Died 22-3-21 / "He died to save others".
Übersetzung
: Der verstorbene Mr. Percy Brookfield - umgekommen am 22.3.1921 / "Er starb um andere zu retten".
Herausgeber / Verlag: Romney Studios Ltd., Sydney
.
Hintergründe: Der Sozialist und Gewerkschaftsaktivist Percival Brookfield (1875-1921) war 1917 Vorsitzender des Streikkomitees in der bedeutenden Bergbaustadt Broken Hill an der Ostküste (mit den weltweit größten Blei-Zink-Lagerstätten) und Mitarbeiter beim Vereinigten Bergarbeiterverband. Brookfield forderte bessere Arbeitsbedingungen für die Bergleute und setzte sich für die Freilassung inhaftierter IWW-
Mitglieder ein. Er leitete vor Ort die Kampagne gegen die Einführung der Wehrpflicht und unterstützte bei den Wahlen im Bundesstaat New South Wales 1920 die Industrial Socialist Labor Party. Er engagierte sich für die 35-Std.-Woche ebenso wie für eine Entschädigung tuberkulöser Bergleute. Brookfield war bekannt für sein kompromissloses Eintreten für die Rechte der Bergleute, für seine Sympathie für die Oktoberrevolution in Russland, seine Antikriegshaltung und seine überzeugende Wortgewalt. Am 22.3.1921 wurde er von einem psychisch kranken Mann erschossen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: März 1921.
Anmerkung: Selten.
Deutschland
Titel: Genosse Sült.
Verlag / Herausgeber / Druck: -
Bildautor: -

Hintergründe: Wilhelm Sült (1888-1921, Schreibweise auch Sylt), „populärster kommunistischer Betriebsfunktionär Berlins“, Obermaschinist im Kraftwerk Rummelsburg, war Vorsitzender des zentralen Betriebsräteausschusses in Berlin. Kurz vor seinen Verhaftungen hatte er eine Spendensammlung für die aufständischen Mansfeld- und Leunakumpel in Mitteldeutschland ins Leben gerufen. Im Verlauf einer Vertrauensleuteversammlung der VKPD wurde er verhaftet. Zwar ließ man ihn wieder frei, doch am 30. März wurde er erneut verhaftet. Im Anschluss an eine Vernehmung am 1.April wurde Sült im Treppenhaus des Berliner Polizeipräsidiums von dem Kriminalbetriebsassistenten Albert Jannicke hinterrücks erschossen. Ein Polizeioffizier trat auf den am Boden liegenden ein und schrie „Verrecke, du Aas!“. Sült starb am Folgetag. Mehrere Tage später gab man den schlimm zugerichteten Leichnam frei. Zehntausende folgten Wilhelm Sülts Sarg. Der Todesschütze ging straffrei aus
.
Postalische Merkmale: -
Datierung: März 1921.
Südtirol (Italien)
Titel: Das Begräbnis des durch die Faschisten anlässlich der Bozener Messe am 24. April 1921 ermordeten Lehrers Franz Innerhofer.
Aufdruck Adressseite: Ein bis heute ungesühntes Verbrechen der Faschisten.
Verlag / Druck / Herausgeber: Druck Tyrolia A.B., Innsbruck.
Hintergründe:
Traditionell zur Eröffnung der Bozner Frühjahrsmesse sollte am 24. April 1921 ein Umzug durch die Stadt Bozen stattfinden. Bozen in Südtirol war aber infolge des Ersten Weltkrieges Italien zugeschlagen worden. Die Faschisten erblickten in dem Umzug, der zufällig am gleichen Tag wie die Volksabstimmung im österreichischen Tirol stattfand, eine politische Provokation. Das Plebiszit sollte über einen Anschluss Tirols an das angrenzende Deutschland befinden (99 % optierten dafür; die Siegermächte verhinderten jedoch den Anschluss). 400 Faschisten, meist aus Italien angereist, griffen mit Knüppeln, Pistolen und Handgranaten den Festzug an. Fünfzig Südtiroler wurden verletzt, viele schwer. Der Lehrer Franz Innerhofer, der zwei Schüler schützen wollte, wurde erschossen. Das Geschehen - ein Vorspiel der bevorstehenden Italisierung Südtirols - ging als "Bozner Blutsonntag" in die Geschichte ein.
Postalische Merkmale: -
Datierung: April 1921.
Schlagwörter: italianisierung, faszismus fascism faschismus, bolzano.
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Objekt: 1921_lwow
Objekt: 1921_bauerndemo
Objekt: 1921_bufera
   
Polen
Titel: Lwow, 1. Mai 1921.
Verlag / Druck / Herausgeber: -
Hintergründe: Erster-Mai-Ausflug junger Leute aus Lwow - mit Mandolinen und Gitarre. Lwow (heute Lwiw) gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg zu Polen, seither zur Ukraine. Fotopostkarte.
Siehe auch 1922_rotgaliz.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1921.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: україна, polska.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): CHCEME PŮDU DO VLASTNICTVÍ!
Übersetzung: Wir wollen Eigentum an Ackerland!
Herausgeber: -
Hintergründe:
Die Agrarreformen nach dem Ersten Weltkrieg in den ost- und südosteuropäischen Ländern waren inkonsequent und verhalfen den Ländern kaum zu einem ökonomischen Wachstum. Für Kredite an Kleinbauern mangelte es an Kapital, staatliche Hilfen waren nicht ausreichend. So blieben Investitionen und Impulse für die Industrie aus. In der 1918 gegründeten Tschechoslowakei waren die Voraussetzungen zunächst günstiger. 1919 und 1920 wurden die Gesetze über Bodenenteignung, Landzuteilung und Schadenersatzregelung verabschiedet. Doch nicht einmal die Hälfte der enteigneten Flächen wurden tatsächlich verteilt. Die Zuteilung brachte im Land zwar eine große Zahl von Klein- und Mittelbauern hervor; diese konnten aber keine ökonomisch effektiven Wirtschaften aufbauen. Viele verschuldeten sich und mussten während der Wirtschaftskrise aufgeben. Lediglich die mittleren und großen Betriebe und Höfe (mit über 5 Hektar Land) zogen aus der Bodenreform Vorteile. Sie arbeiteten marktorientiert und konnten akkumuliertes Kapital in der Industrie investieren. //  Die Fotopostkarte zeigt eine Bauernkundgebung am 15. Mai 1921 in Prag (im Bild die Abordnung aus dem mährischen Bystřice n.P.). Die Bauern forderten mit Nachdruck die Umsetzung der Bodenreformgesetze. Erst Ende der 20er Jahre kam die Reform in der ČSR zum Abschluss. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1921.
Anmerkung: Selten.
Italien
Titel (Italienisch): La marcia sotto la bufera / Sezione Socialista Milanese a ricordo elezioni Politiche 15 Maggio 1921.
Übersetzung
: Marsch durch den Sturm
/ Sozialistische Sektion Mailands / Zur Erinnerung an die Parlamentswahlen am 15. Mai 1921.

Künstlersignatur
: Unten rechts, unleserlich.
Hintergründe: Unten links im Bild ein Gebäude mit der Aufschrift "Camera del lavoro" ("Arbeiterkammer", Plural Camere del lavoro). So hießen in Italien lokale, von Sozialisten gegründete Treffpunkte und Versammlungshäuser. Die politischen Auseinandersetzungen innerhalb der sozialistischen Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg und die Gründung der PCI (1921) wirkte sich auch auf diese Häuser aus, aus denen in dieser Zeit Gewerkschaftshäuser hervorgingen. Sie wurden auch das Zuhause von Volksheimen, Genossenschaften, Bauernligen, Gegenseitigen-Versicherungen, Parteilokalen der Sozialisten und Kommunisten, Kulturheimen, Volksbibliotheken und -Theatern, Volkshochschulen, Arbeiter- und Erholungsheimen. //
Mit der "Sezione Socialista Milanese" ist der Mailänder Ortsverband der PSI gemeint.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1921.
 
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Objekt: 1921_5wurf Objekt: 1921_hoelz
Objekt: 1921_romande
   
Deutschland
Titel: 5 Wurf - 1 Groschen. [Adressseite:] Zur ersten Internationalen Arbeiter-Kinder-Woche 27. Juni bis 3. Juli 1921. Veranstaltet von der Jugend-Internationale.
Herausgeber: Abteilung Kindergruppen des Exekutivkomitees der Kommunistische Jugend-Internationale (KJI), Berlin.
Hintergründe:
Die erstmals vom 27. Juni bis 3. Juli 1921 reichsweit durchgeführte "Internationale Arbeiter-Kinder-Woche" (auch "Internationale Kinderwoche" oder IKW) verlief für die KPD erfolgreich. Deutschlandweit sollen 100.000 Kinder an den Demonstrationszügen am 3. Juli teilgenommen haben, in Berlin 4000, in Hamburg 2000. An den Erfolg konnte in den Folgejahren bis 1932 nicht mehr angeknüpft werden, bedingt durch strukturelle Schwächen, aber teils auch durch behördliche Behinderungen. / Das Motiv zeigt als Wurfziele für den Jahrmarktbesucher fünf Puppen, die für die Deutschnationalen (die völkisch, antisemitisch und monarchistisch waren), für den Klerus, für den reaktionären Stahlhelm (eine mitgliederstarke Wehrorganisation), für die SPD-Führung und für die Klassenjustiz stehen sollen. Eine weitere Karte zur ersten IKW findet sich unter "Post an Häftlinge", siehe dort Objekt 1921_woche.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Juni 1921.
Deutschland
Titel: Max Hölz. Vom Außerordentlichen Gericht beim Landgericht 1, Berlin, am 22.6.1921 zu lebenslänglichem Zuchthaus und lebenslänglicher Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
Herausgeber: RHD.
Hintergründe: Max Hoelz war während der Märzkämpfe in Mitteldeutschland vom 23. März bis zum 1. April 1921 die führende Persönlichkeit auf Seiten der aufständischen Arbeiter. Der Aufstand erstreckte sich auf die vom Bergbau und der Chemieindustrie geprägte Industrieregion Halle, Leuna, Merseburg, dem Mansfelder Land. Hoelz leitete die militärischen Aktionen. Nach der blutigen Niederlage des Aufstands wurde Hoelz in Berlin verhaftet (April 1921) und zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. 1927, als Egon Erwin Kisch Zuchthausbriefe von Max Hoelz publiziert hatte, riefen Intellektuelle in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, das Urteil zu revidieren und Hoelz auf freien Fuß zu setzen. Am 18. Juli 1928 wurde Hoelz amnestiert und aus der Haft entlassen. Im Jahr darauf ging er in die Sowjetunion, wo er 1933 in der Oka bei Gorki ertrank. Es liegen Indizien vor, wonach er gewaltsam aus dem Weg geräumt worden sein soll. // Serie der RHD. Das Fotoporträt zeigt Hölz in der Haft um 1921.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  ab Juni 1921.
Schweiz
Titel (Französisch): 1re Fête Romande de Gymnastique Ouvrière / Versoix, 20-21 Août 1921.
Übersetzung: 1. Arbeiterturnfest der Romande am 20. und 21. August 1921 in Versoix.
Verlag / Herausgeber: -
Fotograf / Fotostudio: Reinhardt, Genève (Genf). 

Hintergründe: Auf der Vereinsfahne die Aufschriften "Amis Gymnastes" (Turnerfreunde), "1915-1917 Versoix" und der patriotische Wahlspruch "Patrie - Travail - Volonté" (Vaterland - Arbeit - Willenskraft) // Der Arbeiterturnverein von Versoix hat offenbar eine seiner Wurzeln im 1873 gegründeten radikalliberalen Turnerbund "Société Fédérale de Gymnastique" (Wahlspruch "Patrie - Force - Amitié"). Dieser schloss in der calvinistischen Region von Genf jener Jahre offenbar alle aus oder verwehrte den Zutritt, die nicht der gesellschaftlichen Elite angehörten: Katholiken, Arbeiter, Sozialisten, Konservative. Die Abgewiesenen gründeten 1915 einen eigenen Verein, die "Amis Gymnastes" (Turnerfreunde), der sich einem Sportverband der Sozialistischen Internationale anschloss. Nach ergebnislosen Bemühungen des Stadtrats, beide Gruppen zu versöhnen, lehnte die Kommune eine finanzielle Förderung der "Amis Gymnastes" wegen deren Zugehörigkeit zur S.I. ab. // "Die Kleinstadt Versoix liegt 10 km nördlich von Genf am Genfer See und gehört zum frankophonen Teil der Schweiz („Romande“ genannt).
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1921.
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Objekt: 1921_greco
Objekt: 1921_gruenbach
   
Italien
Titel (Italienisch): SUPREN / Studiate l'Esperanto, lingua internazionale diffusa in tutto il mondo che renderá possibile la pace e la fratellanza dei popoli.
Aufdruck Adressseite: Esperanta Laborista (Greco Milanese).
Übersetzung: Höher / Das Studium von Esperanto, der gemeinsamen internationalen Sprache weltweit, macht Frieden und Brüderlichkeit der Völker möglich.
Verlag: -
Hintergründe: Postkarte eines 19jährigen Mechanikers und Arbeiter-Esperantisten ("Angelo") aus Mailand an seinen Esperanto-kundigen Freund Pal Drinda in "Temesvar, Rumanio". //
Die Gemeinde Greco Milanese wurde im Jahr 1923 zu Milano (Mailand) eingemeindet.
Signatur: I. MIATIT (?)
Postalische Merkmale: Gelaufen Dezember 1921 (Greco Milano nach Timișoara, Rumänien).
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: italio.
Österreich
Titel: Arb.Sängerbund »Freiheit« Grünbach gegr. 1921 / Mit ernstem Sinn, Mit Mächt’gem Klang, Tön aus der Brust, / Du Freiheitsang.
Hintergründe: Der österreichische Arbeitersängerbund (ÖASB) wurde im Jahr 1891, der Deutsche Arbeiter-Sängerbund (DAS) bereits 1877 ins Leben gerufen (In Deutschland war der Verband der organisierten Arbeiterchöre nach den Arbeiterturnern und –Radfahrern die mitgliederstärkste Organisation der Arbeiterkultur). Das Gruppenporträt zeigt die Sänger-Ortsgruppe im niederösterreichischen Grünbach, der heute unter dem Namen "Männergesangsverein Grünbach" (MGV Grünbach) bekannt ist (Stand 2017). Die Geschichte der Gemeinde Grünbach am Schneeberg ist geprägt durch den Steinkohlebergbau und die damit einhergehenden Arbeitskämpfe der Bergleute, insbesondere in den 20er und 30er Jahren des 20. Jhs. Damals gab der Bergbau 1000 Menschen Arbeit. 1965 wurde die Grube geschlossen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1921.
Schlagwörter: arbeiterchor arbeiterlied.
 
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Objekt: 1921_banner

Objekt: 1921_wolga

Objekt: 1921_gellert
 
Schweiz
Titel: Kommunistische Partei / Kommunistische Jugendorganisation der Schweiz.
Künstlersignatur: OS, SO oder S
Verlag: -
Hintergründe: Der markante Schädel des Bannerträgers ist wahrscheinlichen der bildlichen Darstellung einer bekannten Persönlichkeit aus der Schweizer Geschichte entlehnt.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1921.
Anmerkung: Selten.
Belgien
Titel (Französisch): Dépôt mortuaire d’enfants dans la région desséchée du Volga.
Übersetzung: Leichendepot für Kinder in der Dürreregion der Wolga.
Herausgeber: Comité de Secours Ouvrier à la Russie, Bruxelles.
Hintergründe: Opfer der Hungerkatastrophe im Wolgagebiet. Aus einer Serie. Die bürgerlichen Medien erblickten in der Hungersnot den Beweis, dass die Bolschewiki nicht in der Lage seien zu wirtschaften. Der US-amerikanische Autor Upton Sinclair schrieb 1927 dazu in "Oil!" (bei Malik 1927 unter dem Titel "Petroleum", deutsch von Hermynia zur Mühlen, S. 363): "[Die Hungersnöte in Russland] wurden von der Dürre, nicht aber vom Kommunismus verursacht und brachen seit den ältesten Tagen immer aus. Doch war es bisher niemanden eingefallen, sie als Beweis für die Unmöglichkeit des Zarismus anzuführen. Jetzt allerdings waren die Bedingungen infolge des Zusammenbruchs der Eisenbahnen ganz besonders ungünstig. Aber jene Menschen, die daraus dem Kommunismus einen Vorwurf machten, vergaßen völlig, dass die Bahnen bereits vor der Revolution zusammengebrochen waren, und dass sie unter der Sowjetregierung drei Jahre Bürgerkrieg und eine Invasion an sechsundzwanzig Fronten hatten aushalten müssen. Die gleichen Zeitungen, die zu den Invasionen gehetzt und beifällig zugesehen hatten, wie dabei Hunderte von Millionen amerikanischen Geldes verausgabt worden waren, warfen jetzt den Bolschewiki vor, dass sie mit einer derartigen Hungersnot nicht fertig werden konnten." // Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1921.
USA
Titel: HELP FIGHT THE FAMINE! You still have something. Millions of chilren, women, men of Soviet Russia have nothing. Give!
Übersetzung: Hilf gegen die Hungersnot! Du hast noch etwas. Millionen von Kindern, Frauen und Männern in Sowjetrussland haben nichts. Gib!
Künstlersignatur: HVGO-GELLERT
Künstler: Hugo Gellert (1892-1985), ungarisch-amerikanischer Illustrator und Wandmaler.

Herausgeber: Friends of Soviet Russia, 201 West 13th Street, New York City. // Aus einer Serie.
Hintergründe: Vergleiche Objekt zuvor (1921_wolga).
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Ab 1921.
Anmerkung: Sehr selten.
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Objekt: 1921_minas
Objekt: 1921_grosz
Objekt: 1921_hoym
 
USA / Peru
Titel (Englisch): Llamas in the streets of a small mining village. 
Übersetzung: Lamas in den Straßen einer kleinen Bergarbeitersiedlung.
Herausgeber: Hispanic Society of America, New York.
Hintergründe: Postkarte aus einer umfangreichen Serie von Fotomotivkarten, die ab 1921 hauptsächlich in Peru entstanden sind (einzelne Motive aus anderen Ländern Spanisch-Amerikas und Brasiliens sind ebenfalls in der Serie enthalten). Der Reiz dieser Serie liegt zum einen im weltoffenen Mäzenatentum und Bildungsanspruch der Hispanic Society, der in den "ewigen" Motiven von angeblichen landestypischen Szenen seinen visuellen Ausdruck findet (indianische Markfrauen, Lama-Karawanen, Straßenszenen). Diese dem konventionellem Ansichtskarten-Blick verhafteten Starrheit des Anspruchs, der die soziale Dynamik nach dem Ersten Weltkrieg negiert und die eigene konventionelle Sicht auf die Welt nur bestätigt wissen möchte, wird konterkariert durch die Bilder der Wirklichkeit, welche die Fotografen der Hispanic Society vorfinden. Von diesen Bildern, welche die Sehgewohnheiten des "Landestypischen" zwangsläufig erweitern oder gar infrage stellen, sind einige Exemplare in die Serie aufgenommen worden. Dazu gehören Aufnahmen von den Kinder der Ärmsten und von den Hütten der Bergarbeiter. Trotz dieser neuen Momente sprengen sie aber nicht den Rahmen der bisherigen Postkartenklischees. Unser Beispiel zeigt die Wohnbehausungen der Bergarbeiterfamilien im Bergbaurevier Casapalca, im Andengebiet östlich von Lima (die Förderung von Kupfer hatte durch US- und britisches Kapital den Silberabbau in Peru verdrängt). Wir ahnen die Not und das Elend der hier wohnenden Familien, doch das Foto zeigt keinerlei Anhaltspunkte hierfür. Mehr noch, es lenkt mit der Lamaherde und dem Bildtitel davon ab. Nahporträts der Bergarbeiter und Bauern suchen wir in der Serie vergeblich; alle Motive sind Bilder von durchreisenden Fotografen auf Distanz. Schaut man sich die Veröffentlichungen des Herausgebers aus dieser Epoche an, denen solche Fotografien beigegeben sind, bestätigt sich der rein ethnografische und "landeskundliche" Blick auf die Welt von "Spanisch-Amerika".
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Ab 1921.
Deutschland / Komintern
Titel: George Grosz - Kriegsbeschädigtenfürsorge. 
Verlag: Verlag der Kommunistischen Internationale (Auslieferungsstelle: Verlag Carl Hoym Nachf., Hamburg 8).
Hintergründe: Motiv von George Grosz, erstmals veröffentlicht 1921 in einem Almanach. // Teil einer umfangreichen Postkartenserie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1921-1923..
Deutschland / Komintern
Titel: Ferdinand Lasalle [Lassalle] (Denkmal in Petrograd).
Verlag: Verlag der Kommunistischen Internationale (Auslieferungsstelle: Verlag Carl Hoym Nachf., Hamburg 8).
Hintergründe:
Im Bild das zunächst in Gips ausgeführte Denkmal für Ferdinand Lassalle, eingeweiht 1918 vor dem Haus der Stadtduma in Petrograd auf dem Prospekt des 28. Oktober (heute Newski-Prospekt) an der Einmündung zur Michajlowskaja ul., die 1918-1940 nach Lassalle benannt war. Ersetzt wurde die Büste 1922 durch einen Bronzeguss oder durch die Granitausfertigung (in diesem Punkt widersprechen sich die vorliegenden Quellen). 1938 wurde der markante Kopf ins Depot verbannt. Die Kunsthistorikerin Gertraude Sumpf schrieb im Jahr 2017: „Das 1918 [...] vom Bildhauer Viktor Sinaiski und dem Architekten Lew Rudnew geschaffene Lassalle-Denkmal, 1922 in Bronze gegossen, verschwand später ebenfalls im Museumsdepot: diesmal jedoch aus ideologischen Erwägungen: Als 'formalistisch' und politisch bedenklich schien es der Öffentlichkeit nicht mehr zumutbar. Koroljows kubistisches Bakunin-Denkmal auf dem Moskauer Gartenring musste schon kurz nach seiner Einweihung wegen des Protestes der Anwohner weichen, die sich über dieses 'Schreckgespenst' beschwert hatten. [...] Insgesamt wurden allein in Moskau 1918 bis 1921 mehr als 25 Denkmäler und über 50 Gedenktafeln geschaffen, in Petrograd etwa 15 Denkmäler.“ (G. Sumpf: Die Ästhetik der Revolution, in: Junge Welt 20.3.2017).
// Teil einer umfangreichen Serie aus dem Hoym-Verlag.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1921-1923.
Schlagwörter: arbeiterbewegung, sozialdemokratie, spd, arbeiterführer, lassalleaner, sdap, allgemeiner deutscher arbeiterverein, adav, gewerkschaft, arbeiterbildungsverein, arbeiter-bildungsverein, arbeiterpartei.
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Objekt: 1921_heyse
     
Österreich
Titel: Wo innen Sklaverei ist, wird sie von außen bald kommen / Wer nur am Glauben hält, Dem wankt die Welt; Wer auf sich selber ruht, Steht gut. Paul Heyse.
Verlag: Der Freidenker, F. Haller, Wien.
Hintergründe:
Karte des 1921 in Wien gegründeten "Freidenkerbunds Österreichs", in dessen Verlag sein Organ "Der Freidenker" erschien, der auch die vorliegende Postkarte herausgab. Der Verlag erreichte mit seiner Zeitschrift 50.000 Abonnenten (Stand 1931). Obwohl laut Satzung unpolitisch war der Verband ein fester Bestandteil der österreichischen Arbeiterbewegung.
Künstlersignatur: ESchütz
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1921.
Schlagwörter: atheismus, materialismus, arbeiterkultur. 
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Objekt: 1922_marty
Objekt: 1922_kreuze
Objekt: 1922_esperanto    
Frankreich
Titel (Französisch): MARTY / Peuple, brise ses chaînes et tu briseras les tiennes.
Übersetzung: Marty / Menschen, brecht seine Ketten, und Ihr werdet die euren brechen.
Herausgeber: -
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Während der Interventionskriege ab 1919 gegen Sowjetrussland kam es auf französischen Kriegsschiffen im Schwarzen Meer zu Meutereien. Einer der aufständischen Matrosen, André Marty (1886-1956), dem die Karte gewidmet ist, wurde daraufhin zusammen mit Genossen in seiner Heimat wegen bolschewistischer Agitation zu einer mehrjähriger Haftstrafe verurteilt. 1922 für die Französische KP in die Stadtverordneten-Versammlung gewählt, wurde er 1923 amnestiert. Die Karte ist während seiner Haftzeit 1919-1923 verbreitet worden. Weitere Informationen bei Objekt 1923_marty.
Postalische Merkmale: Gelaufen, aber ohne Datumsstempel.
Datierung: 1919-1923.
Frankreich
Titel (Französisch): - tu vois, mon enfant, c’est pour ceux-la que ton papa est mort.
Übersetzung:
- sieh mein Kind, das ist für jene, die – wie dein Papa – tot sind.
Herausgeber [Bildseite]: Parti Communiste (S.F.I.C.).
Hintergründe: Antikriegskarte der Französischen Kommunistischen Partei. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Nicht vor 1922.
Deutschland
Titel (Esperanto): Per ruĝa savilo proletoj savas la dronantan verdan stelon.
ÜbersetzungMit roten Rettungsmitteln bewahren Proletarier den grünen Stern vorm Ertrinken. 
Herausgeber: Sennacieca Asocio Tutmondaa (SAT), Leipzig.
Druck: Offsetdruck Max Breslauer, Leipzig.
Hintergründe:
Die Sennacieca Asocio Tutmonda (SAT), zu deutsch etwa Nichtnationaler (oder Nationsloser) Weltbund, wurde Anfang August 1921 in Prag als Organisation der Arbeiter-Esperantobewegung gegründet und hatte Ende der 20er Jahre rund 6000 Mitglieder. Die SAT organisiert(e) sich übernational auf der Grundlage von Einzelmitgliedschaften. Von Beginn an stellte die SAT das Esperanto in den Dienst des Klassenkampfes, womit sie sich deutlich von der bürgerlichen Esperanto-Bewegung abhob, die die Hilfssprache als unpolitisches Mittel im internationalen Verkehr etablieren wollte. Während die Arbeiter-Esperanto-Bewegung in Deutschland in den 20er Jahre einen enormen Zulauf fand, hatten die bürgerlichen Vereine rückläufige Mitgliederzahlen, weil sich abzeichnete, dass Esperanto als übernationale Hilfssprache von den herrschenden Klassen - aus Furcht vor ideologischen Einflusseinbußen im eigenen Land - nicht ausreichend Anerkennung fand. Aus einer Serie.
Postalische Merkmale: Es liegen mehrere gelaufene Exemplare aus der Serie vor (1927-1936).
Datierung der Kartenproduktion:
Ab 1921. 
Schlagwörter: germanio.
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Objekt: 1922_esperanto2
Objekt: 1922_kladno

Objekt: 1922_kpj

 
Deutschland
Titel:
Hintergründe: Die Karte gehört zur gleichen SAT-Serie wie die zuvor beschriebene.
Postalische Merkmale: Gelaufen November 1935 (Fécamp, Frankreich). 
Datierung der Kartenherstellung: Nach 1921.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): Proletáři všech zemí spojte se!
Übersetzung: Proletarier aller Länder vereinigt euch!
Herausgeber: "Nákl. Alžb.[ieta] Šulcová, Kladno 459-1922".
Hintergründe:
Kladno - nordwestlich von Prag - war und ist ein großes Zentrum der tschechischen Kohle- und Eisenindustrie. Das klassenbewusste Kladnoer Bergarbeiter-Hilfskomitee spendete bereits 1921 / 1922 in der Hungernothilfe für die Sowjetunion Lebensmittel, Kleidung und Geld. Die Kommunistische Partei vermittelte ab 1923 Reisen von Facharbeitern und ihren Familien in die UdSSR, damit sie dort beim wirtschaftlichen Aufbau des Landes halfen. Siehe auch Objekt 1930_kladno.
Postalische Merkmale:
 Gelaufen Januar 1922 (Kladno).
Jugoslawien
Titel (Serbo-kroatisch): Članovi Izvršnog Odbora Komunističke Partije Jugoslavije i kom. nar. poslanici u tamnici, osudjeni na 2 god. robije.
Übersetzung
Die Mitglieder des Exekutivkomitees der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und kommunistische Abgeordnete im Gefängnis, bis zu zwei Jahren Haft verurteilt. 
Herausgeber: -
Hintergründe: Am 1. Dezember 1918 wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) proklamiert. Die nationalen Gegensätze waren von Beginn an stark ausgeprägt, weil selbst die stärkste Nationalität (die Serben) nur einen Anteil von 39% (1921) innehatte. Hinzu kamen politische Widersprüche, sowohl im Rahmen des Parlamentarismus als auch antagonistischer Art. Große strukturelle Unterschiede zwischen den vereinigten Staatsgebieten (Industrialisierung; kriegsbedingte Schäden und Bevölkerungsverluste) verhinderten eine rasche Angleichung. 1921 wurde die Verfassung von Vidovdan verabschiedet, die dem Monarchen eine starke Position einräumte. In den Kommunisten, seit den ersten Wahlen 1920 im Parlament die drittstärkste Kraft, erblickte der Staat seinen größten Feind. Nach den Wahlen wurde deren Rechte stark eingeschränkt, im Jahr 1921 die Partei ganz in die Illegalität gedrängt, ihre Funktionäre verfolgt, gefoltert, vertrieben oder inhaftiert. Die politischen Verhältnisse blieben instabil; innerhalb von zehn Jahren lösten 24 Kabinette einander ab, das Land wurde durch Verordnungen und Dekrete des Monarchen regiert. Korruption und Vetternwirtschaft blühten. Notwendige Reformen kamen nur schleppend voran. Die Agrarreform verhalf einer halben Millionen Bauernfamilien zu Land, aber mangels Kapital entwickelte sich die Landwirtschaft nur langsam. Nach einem Attentat im Jahr 1928 setzte König Alexander die Verfassung außer Kraft und regierte bis zu seiner Ermordung 1934 diktatorisch. // Am 28. Juni 1921 versuchte der Anarchist Spasoje Stejić, den jugoslawischen Regenten Aleksandar zu töten (ab 16.8.1921 König Alexander I.; kam später - 1934 - tatsächlich durch ein Attentat ums Leben). Nach dem missglückten Anschlag durch Stejić wurde die Führung der Kommunistischen Partei und zahlreiche ihrer Parlamentsabgeordneten verhaftet. Stejić wurde zusammen mit 59 Kommunisten im sogenannten "Vidovdan-Verfahren" wegen "revolutionärer Tätigkeit" am 23. Februar 1922 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das gleiche Strafmaß erwartete die übrigen Verurteilten. Alle wurden im September 1923 vorzeitig aus dem Gefängnis Požarevac entlassen. Das Gruppenfoto zeigt (sitzend von links): Ivan Čolović, Filip Filipović, Đuro Salaj; (stehend von links) Vladimir Mirić, Vladimir Ćopić (Senjko), Života Milojković, Lazar Stefanović, Nikola Kovačević, Miloš Trebinjac, Dragomir Marjanovič.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1922.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1922_johan
Objekt: 1922_azuara
   
Südafrika
Titel (Englisch): Am Incident of the Strike. / "Come on, Shoot me!”
Übersetzung:
Ein Vorfall während des Streiks / "Na komm schon, schieß doch!".  
Fotograf(in): -
Herausgeber / Verlag: -

Hintergründe: Der so genannte "1922 Strike" war ein bewaffneter Aufstand der weißen Bergarbeiter
in der Witwatersrand-Region in Südafrika. Infolge der sinkenden Goldpreise auf dem Weltmarkt versuchten die Unternehmen, die Betriebskosten dadurch senken, dass weiße qualifizierte Stellen durch billigere schwarze ersetzt werden sollten. Das führte zum Aufstand, der von vorherein auch stark rassistische Motive besaß, weil die weißen Vorarbeiter um ihre Privilegien fürchteten, die auch auf der Rassentrennung beruhten. Seinen Anfang nahm der Konflikt am 28. Dezember 1921. Die bewaffneten Arbeiter besetzten die Ortschaften Benoni und Brakpan und die Johannesburger Vororte Fordsburg und Jeppe. Die noch junge Kommunistische Partei, die von Beginn an den Kampf aktiv unterstützte, versuchte, der rassistischen Stoßrichtung des Kampfes entgegenzuwirken. Bei der militärischen Niederschlagung des Aufstands kamen 200 Menschen ums Leben, unter ihnen auch unbeteiligte Passanten, Schwarze und zahlreiche Streikende, auch mehrere Streikführer wie Percy Fisher und Harry Spendiff. Am 14. März wurde Fordsburg, die Fisher zur Festung der Streikenden erklärt hatte, von der südafrikanische Luftwaffe bombardiert und schließlich von 20.000 Mann starken Einheiten (Kavallerie, Artillerie, Infanterie) militärisch genommen. Die Niederlage führte dazu, dass in den Folgejahren die Rechte der weißen Gewerkschaften gestärkt und die Rassentrennung in den Firmen aufrecht erhalten blieb.
Postalische Merkmale:
 Ohne Zudruck.
Datierung: 
März 1922.
Anmerkung: Selten.
USA
Titel (Englisch): A.V. Azuara / indicted editor of the Spanish I.W.W. Publication, “El Rebelde”.
Übersetzung:
A.V. Azuara, angeklagter Redakteur der spanischsprachigen IWW-Zeitung "El Rebelde".  
Künstlersignatur: Bingo Feb.14 1918 A.V.Azuara. . 
Herausgeber / Verlag: General Defense [IWW]
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Hintergründe: Spendenkarte für "Hunderte Arbeiter, Mitglieder der IWW, hinter Gittern". Zu den 64 Angeklagten im Chicago Case, die alle am 1.4.1922 nach dem "Espionage Act" zu Gefängnisstrafen zwischen 5 bis 20 Jahren verurteilt worden sind, gehörte auch der Dichter und Schriftsteller Aurelio Vincente Azuara, der aus Spanien nach Mexiko eingewandert war und in kalifornischen Fischereibetrieben und in Bergwerken von Arizona Arbeit gefunden hatte. In Kalifornien hatte er begonnen, unter den Hispanics für die IWW Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Er setzte sich für die Rechte der Arbeiter beiderseits der Grenze zwischen den USA und Mexiko ein. Er wirkte 1915-1917 in Los Angeles an der Herausgabe von "El Rebelde" mit, einer Zeitung, die sich an spanischsprachige Arbeiter richtete. Während des 4-monatigen Clifton- und- und Morenci-Bergarbeiterstreiks 1915 / 1916 wurde er verhaftet und im Chicago Case am 1.4.1922 zu 20 Jahren Gefängnis im Bundesgefängnis Leavenworth (Kansas) verurteilt. Am 20. Dezember 1922 wurde er mit der Auflage nach Spanien abgeschoben, niemals wieder den Boden der USA zu betreten.
// In den Jahren 1917-1932 wurden in den USA unter dem Espionage Act Tausende politische Aktivisten und Kriegsgegner  zu Gefängnisstrafen verurteilt. Als "enormous crimes" charakterisierte der Historiker Howard Zinn im Jahr 1994 die politische Verfolgung nach dem Espionage Act in einem Land, das sich als Modell der Demokratie verstand. // Teil einer Serie. Ein inhaftierter IWW-Künstler hat für die Postkartenserie eine Reihe von Porträts von Mitgefangenen angefertigt.
Postalische Merkmale:
 -
Datierung: 
April 1922.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1922_jugendweihe

Objekt: 1922_hine
   
Deutschland
Titel: Die besten Wünsche zur Jugendweihe.
Fotostudio: HB.
Hintergründe: Die postalisch versandte Glückwunschkarte war im April 1922 an eine Jugendweihabsolventin in Altenburg gerichtet.  
Postalische Merkmale: Gelaufen April 1922 (Gößnitz, Sachsen-Anhalt). Altenburg war bis 1923 Landeshauptstadt des "Freistaats Sachsen-Altenburg", der schon vorher (1920) im Land Thüringen aufging.
USA
Titel (Englisch): What Lies Back of the Coal Strike / The dramatic clash of interest between The Mines, the Miners and the Public.
Übersetzung:
Was sich hinter dem Streik der Kohlenbergleute verbirgt / Der dramatische Interessenkonflikt zwischen den Gruben[-gesellschaften], den Bergleuten und der Öffentlichkeit].
Herausgeber / Verlag: Survey Graphic, New York., New York.
Fotograf: Lewis W. Hine (1874-1940).
Hintergründe: Das 1921 gegründete Magazin "Survey Graphic" widmete sich allen sozialpolitischen Fragen der Zeit: Armut, Bildung, Reformen, "Rassenbeziehungen", Arbeitslosigkeit, Gewerkschaften, Antisemitismus, Faschismus usw. Herausgeber war der Sozialreformer und Publizist Paul Kellogg (1879-1958). An der Gestaltung der Zeitschrift, die bis 1952 bestand, waren bekannte Grafiker, Fotografen und Autoren beteiligt. So veröffentlichte das Magazin, das sich hauptsächlich an eine aufgeklärte bürgerliche Leserschaft wandte, in den 1920er Jahren Lewis W. Hines bekannte Fotoserie "Work Portraits". Auch das gelungene Porträt eines Bergarbeiters auf der hier abgebildeten Karte gehört zu dieser Serie. Bekannt wurde Hine für seine 5000 Aufnahmen über Kinderarbeit in den USA, die im Auftrag der National Child Labor Commission zwischen 1908 und 1916 entstanden sind. In den Jahren von Roosevelts "New Deal" nahm Hine - ebenso wie die Fotografen Dorothea Lange, Carl Mydans und Ben Shan (der sich später als bildender Künstler einen Namen machte) - Aufträge von Bundesagenturen an, um die dramatischen Auswirkungen der Großen Depression in der Industrie sowie in Stadt und Land fotografisch zu dokumentieren. Allein zwischen Dezember 1936 und Juli 1937 entstanden im Auftrag des National Research Project (im Rahmen des Regierungsprogramms Work Projects Administration  / W.P.A., das an Künstler öffentliche Aufträge vergab) viele Hundert Fotografien Hines, welche die Folgen der Arbeitslosigkeit im Bild festhielten. Sein Blick wurde in diesen Jahren kritischer und schärfer. Hatte Hine die Menschen in den Fotos früherer Jahre milde in ihr Umfeld eingebettet (auch der Bergarbeiter strahlt Zuversicht und Güte aus), standen sie nunmehr - ausgeliefert ihrer sozialen Not - selbst im Mittelpunkt. Solche Porträts sind einzigartige Dokumente von Hines sozialkritischer Optik geworden.
Datierung: April 1922.
Anmerkung: Selten.
 
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Objekt: 1922_russa
Objekt: 1922_suisse
Objekt: 1922_bas
 
Italien
Titel (Italienisch): 1922 / Delegazione Russa alla Conferenza di Genova.  
Übersetzung:
1922 / Russische Delegation zur Konferenz von Genua.
Fotostudio: Fot. Gol (oder Gold).
Hintergründe: Die von England angeregte "Konferenz von Genua" (10.4. bis 19.5.1922) war vor allem einberufen worden, um die kriegsbedingte Zerrüttung der Weltwirtschaft zu regulieren, die Reparationen Deutschlands und die Schulden des untergegangenen Zarenreichs zu verhandeln. 34 Staaten nahmen daran teil. Für Sowjetrussland bedeutete die Teilnahme defakto seine internationale Anerkennung und die Überwindung der Isolation. Überraschend schlossen am Rande der Konferenz Deutschland und Sowjetrussland am 16. April 1922 den "Vertrag von Rapallo" (benannt nach dem Badeort südöstlich von Genua), der die Beziehungen zwischen beiden Staaten normalisierte. Der gegenseitige Verzicht auf Reparationsforderungen (Verzicht auf den "Ersatz von Kriegskosten und Kriegsschäden", so wörtlich) stärkte die Position beider Länder gegenüber den imperialistischen Mächten Großbritannien, Frankreich und den USA. Von sowjetischer Seite nahmen an der Konferenz teil die auf der Fotomontage abgebildeten Diplomaten und Volkskommissare Adolf Joffe, Leonid Krasin (Krassin), Maksim Litwinow (auf der Postkarte irrtümlich L. Witinof genannt), Christian Rakowski, Georgi Tschitscherin und Wazlaw Worowski (Worowski wurde 1923 in der Schweiz von einem Exilrussen erschossen). 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1922.
Schlagwörter: genua conference, chicherin cicerin Чичерин joffe Иоффе worowsky Воровский rakowsky Раковский Красин Литвинов.
Anmerkung: Selten.
Schweiz
Titel (Deutsch, Französisch): Maifest-Karte / Carte de 1er Mai.
Herausgeber: Sozialdemokratische Partei der Schweiz / Parti Socialiste Suisse.
Künstlersignatur: D
Druck: Genossenschaftsdruckerei Zürich.
Postalische Merkmale: Gelaufen Mai 1922 (Fleurier nach Verrières, beide Schweiz).
Belgien
Titel (Französisch, Flämisch): A BAS LE MILITARISME / WEG MET MILITARISME.
Übersetzung: Weg mit dem Militarismus. 
Herausgeber: AJC (= Arbeiders Jeugd Centrale, Amsterdam), siehe Objekt 1929_ajc.
Künstlersignatur: [unleserlich].
Künstler: -

Hintergründe: Von der AJC herausgebrachte antimilitaristische Postkarte. Auf der Adressseite sind handschriftlich mit Tinte in französischer Sprache  (wahrscheinlich als Druckvorlage für eine Postkarte oder ein Flugblatt) einige Textzeilen skizziert, die zu einem Meeting der Brüsseler Kommunisten am 16. Juni 1922 im Saal "Mille Colonnes" in Molenbeek-St.Jean (Gemeinde, die westlich an die Brüsseler Altstadt grenzt) einladen. Als Redner sind Marcel Cachin (1869-1958), damals Pariser Abgeordneter in der frz. Nationalversammlung, sowie die beiden belgischen Kommunisten Joseph Jacquemotte (1883-1936) und Eduard Van Overstraeten (1891-1981) angekündigt. Thema der Kundgebung sollte die am Vorabend einberufene internationale Finanz- und Wirtschaftskonferenz in Den Haag sein. Im Mittelpunkt der Verhandlungen in Den Haag standen die internationalen Schulden des Zarenreichs und die enteigneten Betriebe in Sowjetrussland. Litwinow, der sowjetische Vertreter, wies die Forderung nach Begleichung der Zarenschulden und Rückgabe des verstaatlichten Eigentums an die früheren Besitzer zurück. Andererseits lehnten die Vertreter der westeuropäischen Staaten die Vorschläge der sowjetischen Seite ab, die auf eine internationale Zusammenarbeit zielten. Somit verlief die bis 19. Juli dauernde Konferenz ergebnislos.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1922.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1922_england
Objekt: 1922_brno
Objekt: 1922_rotgaliz
 
Sowjetrussland
Titel (Russisch): Kак англичане притесняют крестьян в своих владениях. (Aнглийский образец самоопределения народов...).
Übersetzung:
Wie die Briten in ihren Besitzungen die Bauern unterdrücken (Das britische Muster der Selbstbestimmung der Völker...).
Herausgeber / Verlag: Издательство Всероссийского Ц.И.К. Советов Рабочих, Крестьянск., Красноарм. и Казачьих Депутатов, Москва. / Verlag des Gesamtrussischen Zentralen Exekutivkomitees der Sowjets der Arbeiter-, Bauern-, Soldaten- [Rotarmisten-] und Kosaken-Deputierten, Moskau.
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Diese wahrscheinlich in Deutschland gedruckte Karte erschien kurz vor dem Ende der Interventionskriege gegen Sowjetrussland (1919-1922), an denen Großbritannien führend und lenkend beteiligt war.  
Postalische Merkmale: Handschriftliche Nachricht vom 13. Juni 1922 auf Adressseite in Bulgarisch, gerichtet an Elisa. Ohne Marke und Poststempel, offenbar im Kuvert versendet.
Datierung: Juni 1922.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: Antikolonialismus.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): Spartakiada / Brno Červenec 1922.
Übersetzung: Spartakiade / Brno Juli 1922. 
Druck:
 Lit. Bilík a spol., Brno.
Künstlersignatur: Fr. Podešva
Künstler: František Podešva (1893-1979), tschechisch-mährischer Grafiker, Maler, Illustrator und Musikpädagoge. .

Hintergründe: Offensichtlich war die erfolgreich verlaufene erste Arbeiter-Spartakiade der jungen Tschechoslowakei im Jahr 1921 an der Moldaubiegung in Maniny das Vorbild für weitere, auch regionale Spartakiade-Sportfeste. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1922.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: Arbeitersport.
Ukraine
Titel (Ukrainisch): Памяті незабутних героїв – червоних галицьких повстанців Петра Шеремети, Степана Мельничука, Івана Цепка – замордованих польською шляхтою в 1922.
Übersetzung: Unvergessliches Heldengedenken für die rotgalizischen Aufständischen Petr Scheremeta, Stepan Melnitschuk und Iwan Zepka – 1922 ermordet durch den polnischen Adel. 
Herausgeber: -
Hintergründe: Infolge der polnischen Annexionen 1919-1922 in Litauen und in sowjetischen Gebieten Bjelorusslands und der Ukraine wurde der polnische Grenzverlauf im Osten von der Curzonlinie 200 bis 250 km weiter nach Osten verlegt. In den Grenzgebieten gehörte die polnische Minderheit meist dem wohlhabenden Landadel oder dem Bürgertum an. Nachdem 1919 / 1920 die Westukraine von polnischen Truppen besetzt worden war, gingen die Ende 1918 bis Anfang 1919 gegründeten Komsomol-Gruppen in Lviv, Lutsk, Stanislav (seit 1962 Iwano-Frankiwsk), Ternopil, Kalusch, Kolomyja, Brody und Dubno, Riwne und anderen Städten in den Untergrund
(siehe Objekt 1921_lwow). Nach ihrer Reorganisation gründeten die Gruppen bei einer Grenzlandkonferenz am 23. Oktober 1921 in Stanislav die Kommunistische Jugendunion Ostgaliziens. In Ternopil und einigen Landgebieten bildeten junge Leute die Partisaneneinheit "Rote Zwölf" («Червона дванадцятка»), die die polnischen Eindringlinge bekämpfte. Bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Oktober 1922 setzte die polnische Besatzungsmacht starke Militär- und Polizeikräfte gegen die Gruppe ein. Zepka kam dabei ums Leben, Scheremeta und Melnitschuk wurden verwundet und gefangen genommen. Am 2. November 1922 begann in Chertkov ein Militärgerichtsverfahren, bei dem beide am 11. November zum Tode verurteilt wurden. In seinem letzten Brief an die Eltern schrieb Melnitschuk: "Im Kampf um die Befreiung unseres armen, unglücklichen, seit Jahrhunderten unterdrückten Volkes werde ich in dieser Stunde diesen Menschen das Kostbarste geben, was ein Mensch nur geben kann [...] ich sterbe, aber die Idee, für die ich war, ist nicht verloren. Sie wird in den Herzen von Millionen ukrainischer Menschen weiterleben."
Postalische Merkmale: -
Datierung:  November 1922.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: україна.
 
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Objekt: 1922_nordwales
Objekt: 1922_pieck
Objekt: 1922_prozess
   
Wales / Großbritannien
Titel (Englisch): Coming home from the quarries. Bl. Festiniog. No. 15.
Übersetzung: Heimkehr aus den Gruben in Bleanau Festiniog. No. 15.
Herausgeber: G.R. Davies, Electric Studio, Bleanau Festiniog. Serie, Karte Nr. 15.
Hintergründe: Diese für Touristen aufgelegte Fotopostkarte zeigt - als lokale Kuriosität aufgemacht - die Ausfuhr von Arbeitern und Angestellten aus den Schiefergruben auf einem Förderband nach Schichtende. Die Stadt Bleanau Ffestiniog (heutige Schreibweise) in Nordwales ist zu drei Seiten von Hügeln und Bergen umgeben, in denen Schiefer abgebaut wurde. Dieser Wirtschaftszweig hatte allerdings 1922 seine Blütezeit, in der die Stadt alle Welt mit Dachschiefer belieferte, bereits überschritten. 
Postalische Merkmale: Gelaufen November 1922 (Blaenau-Festiniog). 
Internationaler Gewerkschaftsbund / ČSR
Titel (Tschechisch): Nechť zkvétá mir! / Mezinárodní všeodborový svaz v Amsterodamu. / Ať perou mezi sebou!
Übersetzung:
Möge der Friede gedeihen / Internationaler Allgewerkschaftlicher Verband in Amsterdam / Sollen sie unter sich raufen!
Herausgeber: IGB, Amsterdam. 
Künstlersignatur: Pieck
Künstler: Henri Pieck (1895-1972), niederländischer Grafiker und Widerstandskämpfer. Nach der Besetzung der Niederlande verhaftet; im KZ Buchenwald bis zur Befreiung 1945 interniert..
Hintergründe: Die Karte gehört zu mehreren Motivkarten, die vor und nach dem Friedenskongress des IGB im Dezember 1922 jeweils in mehreren Sprachen erschienen sind. Die deutschsprachige Fassung in gleicher Aufmachung trug den Titel "Krieg dem Kriege!", die niederländische ganz analog: "Oorlog aan den oorlog!" Näheres siehe Objekte 1923_oorlog und 1924_steinlen. Der IGB gab in den Folgejahren diese Motivkarten auch zu anderen Anlässen heraus.  
Postalische Merkmale: 
-
Datierung: Dezember 1922. 

Sowjetrussland / Deutschland
Titel: Der Moskauer Prozess der Soz.-Rev. 
Herausgeber: -
Hintergründe: Vor Gericht standen vom 8. bis 13. Juni 1922 in dem genannten Verfahren Aktivisten der "Partei der Sozialrevolutionäre". Die Sozialrevolutionäre postulierten bürgerlich-demokratische Prinzipien und strebten eine Bodenreform und den 8-Stunden-Tag an. Die Diktatur des Proletariats bekämpften sie. Inmitten der Revolutionsphase (1918) brachten sie führende Bolschewiki um (Uritzki; Wolodarski) und verletzten Lenin bei einem Attentat lebensgefährlich. Der Prozess war öffentlich, Rechtsanwälte (auch ausländische) waren zugelassen (Vandervelde, Kurt Rosenfeld, Theodor Liebknecht). Das Verfahren wies nach, dass die Terrorakte nicht von Einzelnen, wie es zunächst den Anschein hatte, sondern von der Partei der Sozialrevolutionäre selbst organisiert worden waren. Zunächst ergingen 15 Todesurteile, die aber in Verbannung umgewandelt wurden. Nach den enormen Verlusten durch Bürgerkrieg und Interventionskriege (die weitaus größer waren als jene, die Russland im Ersten Weltkrieg erlitten hatte), durch Seuchen und Hungerkatastrofen war Lenins Regierung nicht gewillt, die ersten Fortschritte beim Aufbau des Landes durch Terrorakte aufs Spiel setzen zu lassen. Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.

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Objekt: 1922_erzgebirge
Objekt: 1922_zille
Objekt: 1922_hessen
 
Deutschland
Titel: Erzgebirgische Spielzeugmacher-Familie bei der Arbeit.
Foto und Verlag: A. Heinicke, Freiberg in Sachsen.
Hintergründe: Die hausindustriellen Spielzeugmacher in der Erzgebirgsgegend um Seiffen waren wegen ihres Eigentums an Arbeitsmaterial und -geräten gesellschaftlich zwischen den Fabrikarbeitern und den Fabrikanten der Spielzeugherstellung angesiedelt. Sozial jedoch waren sie keineswegs besser gestellt als die Arbeiter. Sie unterlagen einem enormen Preisdruck und waren von Verlegern abhängig, da nur diese den Zugang zum Markt inne hatten. Das Fotomotiv stammt wahrscheinlich aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.
Schlagwörter: heimarbeit, hausindustrie
Deutschland
Titel: Hilfe von den Künstlern. Von H. Zille gezeichnet für die I.A.H.
Herausgeber: IAH, Berlin.
Künstlersignatur: H. Zille
Künstler: Heinrich Zille (1858-1929), der sozialkritische Zeichner des "Berliner Milljöhs". 
Hintergründe: Für Postkarten der IAH stellten auch andere bekannte Künstler wie George Grosz, Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Rudolf Schlichter und Heinrich Vogeler künstlerische Arbeiten zur Verfügung.
Postalische Merkmale: 
Datierung: Um 1922.
Deutschland
Titel: Arbeiterjugend.
Herausgeber: Verband der Arbeiter-Jugendvereine Deutschlands, Freistaat Hessen, Darmstadt.
Künstlersignatur: AS 22
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.
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Objekt: 1922_gorlico
Objekt: 1922_fischerei

Objekt: 1922_petro

 
Deutschland
Titel (Esperanto): Laborista Esperantista-Grupo / GLEA / ĉiam antaŭen / Gorlico.
Übersetzung: Arbeiter-Esperantistengruppe / Immer vorwärts [oder: Stets voran] / Görlitz.
Fotograf / Fotostudio: -
Hintergründe: Fotopostkarte der Görlitzer Arbeiter-Esperanto-Gruppe, einer Ortsgruppe der GLEA. Görlitz gehörte seit 1919 zur preußischen Provinz Niederschlesien und hatte 1920 rund 80.000 Einwohner. Die Stadt war von großen Industriebetrieben des Anlagen-, Maschinen- und Schienenfahrzeugbaus sowie deren Zulieferfirmen geprägt. // Die Abkürzung GLEA steht für den 1911 in Leipzig gegründeten Arbeiter-Esperanto-Bund AEB: Germana Laborista Esperanto-Asocio. 1933 verboten. Vergleiche Objekt 1925_laborista.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.
Schlagwörter: proletarische kultur, weltsprache, kunstsprache.
Sowjetrussland / UdSSR / Deutschland
Titel (Deutsch, Tschechisch, Ungarisch):
Fischerei der I.A.H.
in Zaryzin / Rybářství M.D.P. v Zarycynu / A nemzettközi Munkássegély halászata Carycinaba.
Herausgeber: Auslandskomitee der Internationalen Arbeiterhilfe für Sowjet-Russland. 
Hintergründe: Die IAH gründete auf Willi Münzenbergs Initiative ab 1922 mehrere Unternehmen in der RSFSR sowohl in der Landwirtschaft als auch in den Wirtschaftsbereichen Industrie, Bergbau, Fischerei und Forstwirtschaft. Zur Finanzierung wurden im Ausland Anteilscheine ("Arbeiteranleihe") ausgegeben. Während einige Betriebe wieder eingestellt werden mussten, weil die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufbau noch fehlten, so konnten rentabel arbeitende Unternehmungen, wie die Wolga-Fischerei in Zaryzin (gemeint ist Zarizyn in Russland, ab 1925 Stalingrad, heute Wolgograd) an sowjetische Genossenschaften und Berufsverbände übergeben werden. Die Karten dieser Serie wurden wahrscheinlich in Deutschland gedruckt. // Vgl. Objekt 1923_börn.
Postalische Merkmale: 
-
Datierung: 1922. 
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: solidarität.
Deutschland
Titel (Russisch): Лики России: Молодой колхозник / Faces of Russia: Young Kol[k]hose-worker.
Übersetzung
: Gesichter Russlands: Junger Kolchos-Arbeiter. 
Verlag: Petropolis-Verlag Berlin / Петрополись
Hintergründe: Der Petropolis-Verlag stand keineswegs der Arbeiterbewegung oder dem Sozialismus nahe, sondern war durch die Herausgabe von Werken russischer Autoren bekannt. In Petrograd 1917/18 als Buchvertrieb gegründet und 1920 als privater Verlag etabliert, wollte Petropolis junge Autoren wie Achmatowa, Gumiljow, Mandelstam u.v.a. verlegen und bekannt machen. 1922 eröffnete Petropolis in Berlin eine Zweigstelle. Nach Schließung des Verlagshauses 1924 in Petrograd wurde die Berliner Filiale zum Hauptsitz. In dieser Phase zwischen 1922-1924 ist die eindrucksvolle Porträtkarte erschienen. In Berlin gab Petropolis russischsprachige Titel und in Kooperation mit dem Verlag "Die Schmiede" auch einige deutschsprachige (Pilgerleben, Freskomalerei) heraus. Nach 1933 siedelte der Verlag nach Brüssel über; in Deutschland kamen 1933 einige Titel des Verlags auf den Index, ab 1935 wurde der Verlag abgewickelt, 1938 die Petropolis Aktiengesellschaft liqudiert.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922-1924.
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Objekt: 1923_bunge
Objekt: 1923_egoist
Objekt: 1923_kruppopfer
     
Deutschland
Titel: Die Lösung der Arbeiterfrage ist die Ernüchterung, die Kraft und Gesundheit des Arbeiterstandes die wichtigste Vorbedingung. / Gustav von Bunge.
Verlag: Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Bund, Berlin.
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Der 1903 gegründete Arbeiter-Abstinenten-Bund DAAB wurde nach grundlegenden ideologischen Konflikten, die innerhalb der „Anti-Alkohol-Internationale" ausgefochten worden waren, geboren, - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und in der Schweiz. Während bürgerliche Alkoholgegner lediglich das Individuum zur Mäßigung anhielten, sahen die sozialistischen Abstinenzler den Kampf gegen Alkoholismus vor allem als ein Mittel im Klassenkampf an. Sie zeigten die sozialen Ursachen von Alkoholismus und Elend auf und leiteten davon ihre Aufgaben ab: den Kampf um höhere Löhne, um bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bildung. Außerdem sei es nötig, die Arbeiter politisch und gewerkschaftlich zu organisieren. Nur der Sozialismus biete die Gewähr einer gesicherten Existenz ohne Ausbeutung und Elend, womit die Ursachen der Trunksucht beseitigt würden. In der Weimarer Zeit entwickelte sich der Bund zu einem reformistischen Kulturverein, der der SPD nahe stand. // Der Basler Physiologe Gustav von Bunge (1844-1920), dessen Zitat die Bedeutung der Alkoholfrage innerhalb der Arbeiterschaft benennt, vertrat ab Mitte der 1880er Jahre die These, der Alkoholkonsum gefährde das menschliche Erbgut und damit die Volksgesundheit. // Teil einer Serie. // Vergleiche Objekt 1926_hans über Arbeiter-Mäßigungsvereine in Lettland.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1920er Jahre.
Schlagwörter: mäßigungsverein abstinenz temperance enthaltsamkeit antialkohol.
Deutschland
Titel: Der Egoist - Linolschnitt von Hugo Sieker.
Herausgeber: Carl Dopf.
Hintergründe: Werbekarte der anarchistischen Zeitschrift "Der Krakehler. Ein Blatt für Menschenrechte und herrschaftslose Kultur" (Hamburg). Sieker trat sonst als Publizist hervor. // Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922 / 1923. 
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: anarchismus.
Deutschland
Titel: Die Beerdigung der Krupp-Opfer in Essen / "Die Kränze der K.P. Frankreichs". 
Adressseite, handschriftliche französischsprachige Notiz: L’Enterrement des «boches» tués a Essen, aux usines Krupps par les Français. La Couronnes offerte par les autorités Française, Essen avril 1923.
Übersetzung: Beerdigung der «Boches», die in den Essener Kruppwerken von den Franzosen getötet wurden. Von der französischen Regierung überbrachte Kränze, Essen April 1923 [Anmerkung: die französischsprachige Notiz ist offensichtlich irrig].
Aufdruck Adressseite: 21117.
Hintergründe: Die Lieferrückstände bei den Reparationszahlungen Deutschlands nahm Frankreich zum Anlass, das wirtschaftlich bedeutsame Ruhrgebiet im Januar 1923 zu annektieren. Gegen den aktiven Widerstand, den der militärische Einmarsch hervorbrachte, gingen die Besatzer rücksichtslos vor. Am 31. März erschossen sie in Essen 13 streikende Krupparbeiter. Die Postkarte ist der Beerdigung dieser Opfer im April 1923 gewidmet. Sie offenbart zugleich eine gern verschwiegene Tatsache: Nicht nur auf deutscher Seite gab es Widerstand gegen die Ruhrbesetzung, auch die französischen Kommunisten setzten sich aktiv dagegen sein. Ganz rechts im Bild Marcel Cachin (FKP), der für seinen Widerstand gegen die militärische Besetzung des Ruhrgebiets zu Haftstrafen verurteilt worden war. // Fotopostkarte, Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: April 1923.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: ruhr-besetzung.
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Objekt: 1923_katayama
Objekt: 1923_hh
Objekt: 1923_bavaria
   
Japan / Deutschland / Internationale Arbeiterhilfe
Titel (Englisch): Katayama, chairman of C.P. of Japan.
Übersetzung
: Katayama, Vorsitzender der KP Japans.
Herausgeber: Internationale Arbeiterhilfe für die Hungernden in Sowjet-Rußland.
Hintergründe: Englisch- und deutschsprachige Spendenkarte mit dem Porträtfoto von Sen Katayama (1859-1933). Auf Adressseite neben dem englischen Titel Aufdrucke in deutscher Sprache: "Internationale Arbeiterhilfe für die Hungernden in Sowjet-Rußland / Der Reinertrag ist für den Wiederaufbau Rußlands bestimmt." Sen Katayama, japanischer Journalist, Gründer der Sozialdemokratischen Partei Japans (1901), Mitbegründer der KP der USA (1919) und der KP Japans (1922). Seit dem IV. Kongress der Kommunistischen Internationale Ende 1922 Mitglied des Exekutivkomitees und des Präsidiums des EKKI. Katayama verstarb am 5. November 1933 in Moskau. // Teil einer Serie, wahrscheinlich in Deutschland gedruckt. Von dieser Karte liegen zwei verschiedene Fassungen vor (Abweichungen im Aufdrucktext).
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923. Das frühestdatierte Exemplar dieser Serie liegt uns als gelaufene Postkarte vom 1. Mai 1923 vor.
Anmerkung: Selten.

 

Deutschland / SAI
Titel: Internationaler Sozialistenkongress Hamburg 1923.
Herausgeber: Buchhandlung Auer & Co. in Hamburg.
Hintergründe
: Vom 24.-26. Mai 1923 gründete sich im Gewerkschaftshaus in Hamburg die Sozialistische Arbeiter-Internationale (SAI, Sitz London, ab 1925 Zürich), ein Zusammenschluss von sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien. Auf dem Zenit ihres Einflusses gehörten der SAI 45 Parteien an (1928). Mit der Faschisierung Europas, die viele Mitgliederparteien in die Illegalität trieb, kam es zu Auseinandersetzungen in Grundsatzfragen (Parlamentarismus; Zusammenarbeit mit Kommunisten). Zu einer Einigung kam es in diesen Fragen bis zur Auflösung der SAI um 1940 nie. // Bei gleichem Anlass schloss sich in Hamburg die Arbeiterjugend-Internationale mit anderen sozialistischen Jugendverbänden zur Sozialistischen Jugendinternationale (SJI, Sitz Berlin) zusammen. 28 Jugendorganisationen aus 20 Ländern gehörten der SJI an. Die mitgliederstärksten beigetretenen Verbände kamen aus Deutschland, Deutschösterreich, Niederlande, Schweden, ČSR und Belgien. Siehe Objekte 1923_lund, 1926_pfingst und 1929_wien. // Die SAI, SJI und der IGB sind in einem engen politischen Zusammenhang zu sehen. Die britische Labour Party und die deutsche SPD hatten den größten Einfluss auf diese Organisationen und bestimmten deren politische (also reformistische) Ausrichtung.
Postalische Merkmale: Gelaufen im Mai 1923 (Hamburg).
Deutschland
Titel: Münchner Maifeier 1923, die Riesenmassen vor der Bavaria.
Fotostudio: Lichtbildwerkstätte, Bayerstr. 9/0, München.
Fotograf: -
Hintergründe: Kundgebung zur Feier des 1. Mai 1923 auf den Theresienwiesen in München vor der Ruhmeshalle und der 18 Meter hohen Bronzestatue der Bavaria. Auf der Adressseite findet sich der mit Graphitstift hinterlassene Vermerk "Trotz Hitler!" Diese Notiz deutet auf den zunehmenden Anhang für die NSDAP in Bayern hin ("Hitlerbewegung"), die 1920 gegründet und 1922 in mehreren deutschen Ländern verboten, in Bayern jedoch den größten Zuwachs hatte. Ein halbes Jahr später kam es in München zum Hitlerputsch.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1923.
Schlagwörter: erster mai, maifeier, maifeiertag, mai-feiertag, hitler-putsch, munich.
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Objekt: 1923_lund

Objekt: 1923_bol

     
Schweden / SJI
Titel (Schwedisch): INTERNATIONELLA UNGDOMSDAGEN I LUND DEN 9-10 JUNI 1923.
Übersetzung
: Internationale Jugendtage in Lund 9.-10. Juni 1923.
Herausgeber: SJI.
Künstlersignatur: SVAHN
Künstler: Nils Svahn (1890-1936), schwedischer Grafiker und Maler; Mitarbeit an Blättern der schwedischen Sozialdemokratie.

Hintergründe: Die 1923 in Hamburg gegründete Sozialistische Jugendinternationale (SJI) veranstaltete zahlreiche internationale Begegnungen ihrer Mitgliederorganisationen, so 1923 in Lund und Nürnberg, 1924 in Hannover, Berlin, Weimar und Aarhus, 1925 in Vierhouten (NL), Frederiksstad (Norwegen) und Stockholm, 1926 in Amsterdam, 1927 in Hindsgavl auf Fünen, Stockholm und Stuttgart und 1928 in Prag, Stockholm und Amsterdam usw. Siehe Objekte 1923_hh, 1926_pfingst und 1929_wien. Die schwedische Gastgeberorganisation für das Treffen in Lund gehörte zu den fünf größten Verbänden der SJI.
Postalische Merkmale: Gelaufen (1923?) nach Berlin.
Datierung: Juni 1923.
Frankreich
Titel (Französisch): Pour 1 Franc tu remplis un bol! Verse ton obole, ces petits ont faim!
Übersetzung: Mit einem Franc füllen Sie eine Schüssel! Gib deine Spende, diese Kinder sind hungrig!
Herausgeber: Comité du Secours Ouvrier International, Paris
Künstlersignatur: Kollwitz
Hintergründe: Spendenkarte der IAH mit Kollwitz-Motiv. Willi Münzenberg schätzte rückblickend die Hilfsaktionen des französischen Proletariats Anfang der 20er Jahre als vergleichsweise spät und schwach ein. Erst
im Hungerwinter 1923 / 1924 in Deutschland gelang es der französischen IAH-Sektion, die Hilfsbereitschaft der Franzosen in einem größerem Umfang zu mobilisieren. Die IAH sammelte 24 Millionen Franc. 400 deutsche Kinder wurden in französischen Familien beherbergt. Diese erstmals von der IAH praktizierte Kinderhilfsaktion währte ein ganzes Jahr. // Das Motiv von Käthe Kollwitz gegen die Nachkriegsnot in Deutschland entstand 1923 im Auftrag der IAH als Kreidelithografie unter dem Titel „Deutschlands Kinder hungern“. Vergleiche die Fotopostkarte 1923_naehstube, wo das Motiv auf einem Plakat wiederkehrt.
Postalische Merkmale: Gelaufen Juni 1925 (Paris).
Datierung Kartendruck: 1923.
 
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Objekt: 1923_marty

Objekt: 1923_minzoni

Objekt: 1923_truny

   
Frankreich
Titel (Französisch): Honneur aux Marins de la Mer Noire! / Badina / Marty.
Übersetzung: Ehre den Matrosen der Schwarzmeerflotte Badina & Marty.
Hintergründe: Mit der zunehmenden Kriegsmüdigkeit unter französischen Soldaten kam es ab Februar 1919 zu ersten Revolten und Verbrüderungen mit der Roten Armee (zunächst unter den französischen Infanteristen an Land). Daraufhin mussten die Franzosen im März Odessa und Sebastopol räumen. Als das französische Oberkommando zur Gegenoffensive übergehen wollte, kam es am 9. April unter Soldaten und Matrosen zahlreichen Befehlsverweigerungen. Um die Disziplin wieder herzustellen, ließ das Oberkommando die in Russland lebende französische Kommunistin Jeanne Labourbe (*1877), die die Revolte organisiert hatte, verhaften und in der Nacht zum 2. März 1919 erschießen. Das führte in der Nacht zum 20. April 1919 zum Übergreifen des Aufstands auf die Schiffe der französischen Kriegsflotte vor Sewastopol und Odessa im Schwarzen Meer. Die Meuternden hissten rote Fahnen. Die Meuterei zwang die Kriegsflotte endgültig zum Abdrehen. Zurück in Frankreich ließ die Admiralität zahlreiche Matrosen durch Kriegsgerichten zu hohen Haftstrafen verurteilen. Auch Todesurteile wurden gefällt. Der Matrosenaufstand griff nun auf mehrere andere Kriegshäfen über; viele Arbeiter solidarisierten sich mit den Matrosen. Die Gewerkschaften riefen am 1. Mai zum Generalstreik auf, in Paris demonstrierten 500.000 Menschen. Über der Hauptstadt wurde der Belagerungszustand verhängt, der Aufstand schließlich niedergeschlagen. Wiederum wurden Todesurteile und Haftstrafen gefällt. // Bei dem Maschinisten Louis Philippe Badina und dem Chefmaschinisten André Marty handelt es sich um revolutionäre Matrosen der französischen Marine, die wegen ihrer Beteiligung am Flottenaufstand zu Haftstrafen verurteilt worden sind. Unter ihrer Führung hatten auf den Schlachtschiffen "Jean Bart" und "France" die Matrosen die Kontrolle übernommen und rote Fahnen gehisst. Die Meuterei hatte dann weitere französische Schiffe erfasst, sodass die gesamte französische Flottille aus dem Schwarzen Meer abgezogen werden musste. Der Zeitungsverlag der "L'Humanité" (seit 1920 FKP-Organ) erinnerte mit dieser Karte – anlässlich der Pariser Kommunalwahl von 1922, bei der die beiden in den Stadtrat gewählt worden sind, oder anlässlich ihrer Amnestierung im Jahr 1923 – an die beiden mutigen Männer. 
Postalische Merkmale: Gelaufen Juli 1923 (La Rochelle).
Italien
Titel (Italienisch): Ca. Don Giovanni. Don Giovanni Minzoni / Arcipreteidi Argenta / Assassinato il 23 Agosto9231923
Übersetzung: Don Giovanni Minzoni, Erzpriester von Argenta / Ermordet am 23. August 1923.
Herausgeber / Druckvermerk: -
Hintergründe:
Giovanni Minzoni (*1885), im Ersten Weltkrieg Feldprediger, Mitglied der 1919 gegründeten bürgerlich-katholischen, auf einige Reformen orientierten Partito Popolare Italiano (PPI). War mit dem Gewerkschaftsführer Natale Gaipa (1880-1921) befreundet, der 1921 von Mussolinis Schwarzhemden ermordet wurde. Dieses und andere Ereignisse machten ihn zu einem unversöhnlichen Gegner der Faschisten. Um der Wiedergründung der faschistischen Jugendbewegung zu begegnen, unterstützte er in Emilia-Romagna die katholischen Pfadfinder. Am 23. August 1923 wurde er von zwei Faschisten erschlagen. Nach dem Krieg wurden die beiden Mörder verurteilt, der Anstifter Italo Balbo ging frei aus. Minzoni gilt in Italien als Märtyrer des katholischen Widerstands gegen den Faschismus. Das ist deshalb von Bedeutung, weil Minzonis Partei PPI zwar dem Faschismus grundsätzlich ablehnend gegenüberstand und deshalb auch 1926 von Mussolini verboten wurde, ihre Mitglieder aber dennoch keinen Widerstand gegen Mussolinis Diktatur leisteten. Siehe auch Objekt 1924_luce.
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1923.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): Náš prapor nade trůny vlaje.
Übersetzung: Unser Banner weht über dem Throne.
Herausgeber: Josef Zdařil, Tršice.
Künstlersignatur: CAZ? CAZI?
Druckvermerk: NEUBERT
Druck / Verlag: Grafické umělecké závody V. Neubert a synové [Václav und Karel Neubert], Praha.
Hintergründe: Die rote Fahne weht über den abdankenden Figuren von Macht und Geld: über Thron, Klerus und Kapital. Der in den tschechischen Nationalfarben Rot und Weiß gewickelte Fahnenstock verweist auf den "Kulturkampf" von Atheisten, Freidenkern und Sozialisten nach der Gründung der Tschechoslowakei gegen den Einfluss des katholischen Klerus. Zwar wurde nach 1918 an den Schulen Kruzifix, Religionsunterricht und Gebet abgeschafft, aber eine gesetzlich verankerte Trennung von Staat und Kirche konnte sich wegen des politischen Gewichts der katholischen Volkspartei, die an jeder Regierung bis 1938 beteiligt war, nicht durchsetzen. Formal bekannten sich auch nach 1918 80 Prozent der Bevölkerung zum katholischen Glauben. Näheres dazu bei Objekt 1925_bohosudov.
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1923 (Praha).
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Objekt: 1923_oorlog
Objekt: 1923_heyst
Objekt: 1923_ratu
     
Internationaler Gewerkschaftsbund / Niederlande
Titel (Niederländisch): De overlevenden. / oorlog aan den oorlog!
ÜbersetzungDie Überlebenden - Krieg dem Kriege.
Herausgeber: Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB), Amsterdam.
Künstlersignatur: Kollwitz
Grafik: "Die Überlebenden" von Käthe Kollwitz, 1923.
Hintergründe: Mit einem Zitat aus einer Rede Edo Fimmens auf dem IGB-Friedenskongress in Den Haag 1922. Sinngemäße Übertragung des Zitats aus dem Niederländischen: "Der Kampf gegen den 'Bewaffneten Frieden', der den Frieden keineswegs garantiert, aber zu immer neuen Kriegen führt, muss mit der gleichen Leidenschaft, mit der gleichen Hingabe geführt werden wie gegen einen Krieg überhaupt". Der Friedenskongress hatte eine Resolution angenommen, wonach "der Kampf gegen den Militarismus und den Krieg mit allen Mitteln zu führen sei". Gemeint waren Mittel wie massenhafte Kriegssabotage, Generalstreik und Blockade von Waffenlieferungen, kurz "der offene Aufstand in Stadt und Land" und "der Kampf gegen die eigene Bourgeoisie". Im Jahr 1930 stellte Edo Fimmen auf dem Bundestag der Deutschen Friedensgesellschaft in Frankfurt/M. im Rückblick ernüchtert fest: "Die Periode der direkten Aktionen der Arbeiterbewegung für den Frieden und gegen den Krieg hat mit dem Haager Friedenskongress, wenigstens vorläufig, ihren Abschluss gefunden." // Edo Fimmen war von 1919 bis 1923 IGB-Generalsekretär, bis zu seinem Tod 1942 Generalsekretär des ITF. // Vor und nach dem Friedenskongress wurden mindestens drei, von bekannten Künstlern entworfene Postkarten in mehreren Sprachfassungen herausgebracht. Die Motive der drei Karten fanden später bei vielerlei Anlässen der Gewerkschaften auf Postkarten und Materialien Verwendung. Zu diesen drei Motiven gehören neben der hier vorgestellten Grafik die häufig verwendeten Motive von Théophile Steinlen, siehe Objekt 1924_steinlen, und Henri Pieck, siehe Objekt 1922_pieck.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923.
Belgien
Titel (Französisch): Heyst-sur-Mer / Colonie des vacances d’Enfants Mutualistes socialistes de Belgique.
ÜbersetzungHeyst-sur-Mer / Kinder-Ferienkolonie der sozialistischen Krankenkasse Belgiens in Heyst.
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: Ern.[est] Thill, Bruxelles; mit Logo “Nels”
.
Hintergründe: Die sozialistische Krankenkasse NSVM
(siehe Glossar & Abkürzungen) erwarb 1921 in Heyst sur Mer (heute Knokke-Heist) an der westflandrischen Nordseeküste das Grand Hôtel Pauwels. Ab 1923 hielten sich stets bis zu 85 an Tbc erkrankte Kinder im Alter von 8-12 Jahren über drei Monate zur Genesung in diesem Erholungslager auf. Da hier auch Schulunterricht erteilt wurde, ist die Bezeichnung "Ferienkolonie" nicht ganz wörtlich zu nehmen.
Postalische Merkmale:
Gelaufen 1925 (Piéton).
Datierung der Kartenproduktion:
1923.
Jugoslawien
Titel (Serbo-Kroatisch): „Rat ratu!“ / Bogataši i invalidi.
Übersetzung: "Krieg dem Kriege!" / Die Reichen und die Invaliden.
Herausgeber: -
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Anonyme kroatische Karte. Motiv aus der Grafikmappe "Abrechnung folgt!" von George Grosz, 1923. Das Zitat unter der Grafik lautet übersetzt (aus dem Kroatischen): "Die Rechte der Invaliden sind eine Versuchung für die Leute! Ich denke, wir sollten sie nicht noch füttern. Lasst sie lieber arbeiten!"
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Ab 1923. 
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1923_dombal

Objekt: 1923_sinowjew

Objekt: 1923_su
   
Polen / RGI / UdSSR
Titel (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch): Dombal, guide of the polisch communists; by the workers will he was liberated from the polisch prison [sic] / Dombal, Hauptführer der polnischen kommunisten, russischen Arbeiters willens er aus dem polnischen Gefängnisse befreit wurde [sic] / Dombal, guide des communistes polonais; par la volonté des ouvriers russes il fut libéré de la prison polonaise. / Домбаль, вождь польских коммунистов, волей рабочих вырванный из польской тюрьмы.
Herausgeber: RGI, Moskau.
Hintergründe: Dombal = Tomasz Dąbal (1890-1937), Mitbegründer der Radikalen Bauernpartei, 1920 Beitritt zur Kommunistischen Partei; als kommunistischer Sejm-Abgeordneter bildete er mit Stanislaus Lanzuzki (siehe Objekt 1925_lanzuzki) im Sejm die Fraktion der KP. 1921 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, nach Protesten aus dem Ausland 1923 in die UdSSR abgeschoben. In der Sowjetunion übernahm er zahlreiche Funktionen im Wissenschaftsbereich. 1937 hingerichtet, 1955 rehabilitiert. // Die viersprachige Karte wurde in der UdSSR herausgegeben und gedruckt. Vgl. aus gleicher Serie Objekt 1923_sinowjew und 1923_su.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923.
Anmerkung: Selten.
RGI / UdSSR
Titel (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch): Zinovieff, Chairman of the Communistic International / Zinovieff, President des Kommunistischen Internationals [sic] / Zinovieff, President de l’International Communiste / Зиновьев, Председатель Коммунистического Интернационала
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Herausgeber: RGI, Moskau.
Hintergründe: Grigori J. Sinowjew (1883-1936), mit Lenin Exil in der Schweiz, 1919-1926 Vorsitzender des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), 1936 hingerichtet, 1988 rehabilitiert. // Vgl. aus gleicher Serie Objekt 1923_dombal und 1923_su. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923.
Anmerkung: Selten.
China / IRH / UdSSR
Titel (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch): Tchin-Hong-Ki, Chairman of the revolutionary union of the chinese sailors in Hong-Kong / Tchin-Hong-Ky, President [sic] des roten Vereines der chinesischen Seeleute in Hong-Kong / Tchin-Hong-Ky, President de l’union revolutionnaire de marins chinois à Hong-Kong / Чин-Хон-Ки, Председатель революционного союза китайских моряков в Гонконге.
Herausgeber: RGI, Moskau.
Hintergründe: Karte für Su Zhaozheng (Su Chao-Cheng; 1885-1929). Ab 1921 Organisator der ersten Seeleute-Gewerkschaft in Guangzhou (Kanton) und Hong Kong; dort auch Führer der großen Streiks (1922 / 1925). Im Mai 1926 zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees des Allchinesischen Gewerkschaftsverbandes gewählt (siehe Objekt 1933_deng). 1927 übernahm er den Vorsitz des Rates der Volkskommissare in der Kanton-Kommune. In dieser Zeit leitete er in Kanton auch die IAH. Seit 1928 Mitglied des Präsidium des EKKI und der RGI. Su Zhaozheng starb 1929 in Shanghai an einer Blinddarmentzündung. // Vgl. aus gleicher Serie Objekt 1923_dombal und 1923_sinowjew. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Um 1926.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1923_naehstube

Objekt: 1923_zuerich
Objekt: 1923_freidenker
   
Deutschland
Titel: Nähstube der I.A.H. Kinderhilfe Hamburg.
Fotostudio: "Foto: Schröder, Hamburg 31, Sillemstr. 96".
Herstellungsverfahren: Fotoabzug als Postkarte
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Hintergründe: Gustav Gundelach (1888-1962; seit 1921 KPD-Mitglied; ab 1924 Vorsitzender der RHD im Bezirk Wasserkante) erinnerte sich rückblickend an die ersten IAH-Hilfsaktionen für Sowjetrussland ab 1921 in Hamburg: "In meinem Wohngebiet ergriff ich selbst zusammen mit meiner Frau die Initiative. Wir räumten unser Wohnzimmer aus und richteten dort eine Werkstatt für Näherinnen ein. In wenigen Tagen waren leihweise einige Nähmaschinen von befreundeten Familien beschafft, und dann konnte mit der Arbeit begonnen werden. Frauen, Mitglieder der Partei und parteilose Frauen stellten sich uneigennützig zur Verfügung. Zahlreich gingen Kleiderspenden für Kinder und Erwachsene ein. Vieles war sauber hergerichtet und konnte sofort an die IAH weitergeleitet werden. Aber es blieb dennoch viel an getragenem Zeug übrig, welches sortiert, gereinigt und verarbeitet werden musste. Alle Helferinnen waren mit Begeisterung dabei. Bekleidungsstücke wurden aufgetrennt, gewaschen, gebügelt, dann neu zugeschnitten, und so entstanden viele brauchbare Bekleidungsstücke für Kinder und Frauen. [...] Diese Hilfsaktion hat einige Monate angehalten und hatte in Hamburg recht gute Ergebnisse." // Im Hintergrund Plakat mit Grafik von Käthe Kollwitz; vgl. Postkarte aus Frankreich: Objekt 1923_bol. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1923.
Anmerkung: Selten.
Schweiz
Titel: Die Last der Rüstungen. Die Riesenprofite der Rüstungsindustrie bedeuten für die Völker Not und Tod.
Herausgeber: Jugendgemeinschaft „Nie wieder Krieg“, Zürich.
Künstlersignatur: H. Verstynen
Künstler: Henri Verstijnen (1882-1940), niederländischer Grafiker und Illustrator, signierte seine Werke mit H. Verstijnen oder H. Verstynen.

Hintergründe: Die Jugendgemeinschaft „Nie wieder Krieg“ war eine Zürcher sozialistisch-pazifistische Gruppierung.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Ab 1923.
Deutschland
Titel: Gemeinschaft proletarischer Freidenker
Verlag und Druck: Graph. Kunstanstalt Herm. Sonntag & Co., München.
Künstlersignatur: E. Kuhlmann, München
Künstler: Emil Kuhlmann-Reher, München, 1886-1957.
Hintergründe: 1922 vereinigte sich der „Zentral Verband proletarischer Freidenker" mit zwei thüringischen Verbänden zur "Gemeinschaft proletarischer Freidenker" (GpF). Die GpF, die 1924 ihre Zentrale von Dresden nach Leipzig verlegte, besaß 1925 100.000 Mitglieder, im Landesgebiet Sachsen nach eigenen Angaben knapp 48.000. Ihre Hochburgen waren Sachsen, Thüringen, Rhein-Main-Gau und Rheinland-Westfalen. Nach weiteren Fusionierungen (1927) kam es 1930 / 1931 wie in Arbeitersportverbänden u.a. proletarischen Organisationen zu politischen Auseinandersetzungen und zur Abspaltung eines kommunistischen Verbandes. // Das Bildmotiv ist bereits auf Freidenkerpostkarten von 1912 zu finden.
Postalische Merkmale: Gelaufen Juli 1924 (Leipzig-Lindenau).
Datierung:  1923 / 1924. 
Schlagwörter: arbeiterkultur, atheismus weltanschauung materialismus.
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Objekt: 1923_modr

Objekt: 1923_börn

     
Ukraine (UdSSR)
Titel (Ukrainisch): Селянство в Полщі.
Übersetzung
: Bauernschaft in Polen.
Verlag: Видавництво Ц.К. МОПР'у України / Verlag des ZK der MOPR der Ukraine.
Künstlersignatur: Auf einer weiteren Karte der Serie, die eine Grafik im gleichen Stil zeigt, ist die Signatur A. Мартынов angegeben.
Künstler: Анатолий Владимирович Мартынов / ukrainisch: Анатолій Володимирович Мартинов / Anatolij W. Martynow, 1872-1962, ukrainischer Künstler und Fotograf.

Hintergründe: Die ukrainische Sektion der MOPR (МОПР УСРР) hieß analog der russischen Bezeichnung auf Ukrainisch: Міжнародна організація допомоги борцям революції, abgekürzt МОДР, zu deutsch: Internationale Organisation zur Unterstützung der Kämpfer der Revolution. Die ukrainischen Chroniken vermelden erste Aktivitäten der MOPR in der Ukraine im Juni 1923, als die Stadtverwaltung von Odessa Spenden von Arbeitern sowie aus der Dorfbevölkerung in Höhe 100.000 Rubel der MOPR übergab, die für die politischen Gefangenen in den kapitalistischen Ländern gesammelt wurden. Im Juli 1923 veranstaltete die MOPR in Odessa eine erste Ausstellung, im September spendeten die Bauern für kommunistische Gefangene in Bessarabien (Rumänien) 8000 Pud Brot. Das waren die vermeldeten Anfänge der MOPR-Aktivitäten in der Ukrainischen Sowjetrepublik. 1940 umfasste die ukrainische MOPR-Sektion 259.000 Mitglieder. Noch heute sind in der Ukraine Straßen und eine Felsformation nach der MOPR benannt. Zur Geschichte der MOPR siehe Objekte 1931_mopr sowie 1931_pomogi. / Aus einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierun: Ab 1923.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: MOPR Україна
Dänemark / Deutschland
Titel (Deutsch, Dänisch): Kindererholungsheim / Plejehjem for Börn.
Herausgeber: Kinderhilfs-Kommission der I.A.H.

Hintergründe: Die 1921 in Berlin von Willy Münzenberg gegründete Internationale Arbeiterhilfe, die zunächst "Hilfe für die Hungernden in Russland" organisierte, erweiterte nach und nach das Spektrum ihrer Tätigkeit. Es wurden in Sowjetrussland und in der UdSSR zahllose Kinderheime für die Bürgerkriegswaisen eingerichtet. Auch unsere Postkarte, die in Deutschland für den Vertrieb in Dänemark gedruckt wurde, zeigt ein (nicht näher bezeichnetes) Kinderheim in der UdSSR. // Siehe auch die Objekte 1922_fischerei und 1923_naehstube.
Postalische Merkmale: -
Datierun: Um 1923.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: MOPR kinderhilfe, muenzenberg munzenberg.
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Objekt: 1924_japan
Objekt: 1924_schweden
Objekt: 1924_renault
Objekt: 1924_kjoz
 
Japan
Titel (Japanisch):
レーニン (国露)
Übersetzung: Lenin (Russland).
Herausgeber: -
Hintergründe: Nach Lenins Tod (21.1.1924) in Japan anonym erschienene Gedenkkarte.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Januar 1924.
Anmerkung: Selten.
Schweden
Titel (Schwedisch): Lenins Testamente: Kämpa – Lär!
Übersetzung: Lenins Testament: Kämpfe – Lerne!
Schriftzug in der Grafik:
В. Ульянов (Ленин) / W. Uljanow (Lenin).
Herausgeber: -
Künstlersignatur: А. Страхов. 1924
Künstler: Adolf Iosifowitsch Strachow-Braslawski (1896-1979).
Hintergründe: Anlässlich Lenins Tod im Januar 1924 erschienen
e Karte.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Januar 1924.
Anmerkung: Selten.
Frankreich
Titel (Französisch): gréve aux usines Renault (12.02.1924).
Übersetzung
: Streik bei Renault (12.02.1924).
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Schweiz
Titel: 18. Febr. 1924. K.J.O.Z.
Herausgeber: Kommunistische Jugendorganisation Zürich.
Hintergründe: 1919 / 1920 war auch in der Schweiz die 48-Stunden-Woche eingeführt worden. Mit der «Lex Schulthess» sollte 1924 eine auf drei Jahre befristete Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 54 Stunden eingeführt werden. Zwar lehnte ein Volksentscheid am 17. Februar 1924 das Gesetz ab, dennoch ermöglichten Ausnahmeregelungen weiterhin Verlängerungen (über 48 Std. hinaus), die von den Unternehmen noch bis zur Wirtschaftskrise breit angewendet wurden, also eher die Regel waren. // Das Bild zeigt eine Demonstration am Tag nach der Volksabstimmung. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1924_schulthess

Objekt: 1924_trotzki

Objekt: 1924_textil
   
Schweiz
Titel: Arbeitszeitverlängerung Nein.
Adressseite: Gönnt uns Ruhe und Erholung / Stimmt Nein.
Künstlersignatur: -
Künstlerin: Hanni Bay (?)
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: -
Hintergründe: Diese Postkarte liegt zumindestens noch in einer französisch-sprachigen Fassung vor ("Prolongation de la Durée du Temps de Travail / NON / Accordez-nous un peu de repos / Votez NON"). Zu den Hintergründen siehe die Karte zuvor
: Objekt 1924_kjoz.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Deutschland / USA
Titel (Englisch): Trotzki, the Commissary of the people for the army and the fleet.
Übersetzung
Trotzki, Volkskommissar für Armee und Flotte.
Herausgeber: Internationale Arbeiterhilfe für die Hungernden in Sowjet-Rußland.
Hintergründe
:
Teil einer Serie, wahrscheinlich in Deutschland gedruckt.
Postalische Merkmale: Gelaufen Februar 1924 (Madison Wisc., USA). 
Anmerkung: Selten.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch, Deutsch): 48 HOD. PRÁCE, Nestrpíme žádné propouštění! / 48 Stunden Arbeitszeit, WIR DULDEN KEINE ENTLASSUNGEN!
Fotograf*in / Fotostudio: J. Zeman (Foto "Jupiter" J. Zeman, Tannwald-Schumburg).
Hintergründe: Kundgebung während des Textilarbeiterstreiks für die 48-Stunden-Woche in Tanvald / Tannwald im nordböhmischen Isergebirge. Aus einer Serie von Fotopostkarten zum Textilarbeiterstreik.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: Stávka textilních dělníků na Tanvaldsku roku 1924; foto z demonstrace českých a německých dělníků textilních továren v Tanvaldu v roce 1924.
 
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Objekt: 1924_luce
Objekt: 1924_steinlen
Objekt: 1924_rbm
   
Italien
Titel (Italienisch): LUCE E OMBRA.
ÜbersetzungLicht und Schatten.
Herausgeber: Avanti! Milano.
Künstlersignatur: [unleserlich]

Hintergründe:
Die reizvolle Karte illustriert den Gegensatz von Sozialisten (mit ihren Vereinshäusern "Camera del Lavoro") und der katholischen Volkspartei PPI mit der sozialismusfeindlichen Gewerkschaft "Unione [Italiana] del Lavoro", die von 1918-1925 bestand. Beide Pole sollen zugleich die Licht- und Schattenseite in den sozialen Kämpfen Italiens verdeutlichen. 
Postalische Merkmale: Gelaufen Februar 1924 (Long Island / USA nach Frankfurt a.M. / Deutschland).
Internationaler Gewerkschaftsbund
Titel (Englisch): War against War! / International Federation of Trade Unions, Amsterdam.
ÜbersetzungKrieg dem Kriege / Internationaler Gewerkschaftsbund.
Künstlersignatur: Steinlen 1922
Künstler: Théophile Steinlen (1859-1923), französischer Maler und Grafiker.
Hintergründe: Karte zum 3. Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes im Juni 1924 in Wien. Das 1922 geschaffene Motiv fand zu verschiedenen Anlässen und in mehreren Sprachfassungen auf Postkarten Verwendung. Näheres bei Objekt 1923_oorlog.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1924.
Deutschland
Titel: Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold Ortsgruppe München. Spielzug II.
Verlag und Foto: Verlag M. Grißberger, Fotograf, München; Graphische Kunst- und Verlagsanstalt A. Weber, Stuttgart.
Hintergründe
: Fotopostkarte. Am 24. Februar 1924 gründeten SPD, Zentrum, DDP und einige kleinere Parteien in Magdeburg eine republikanisch orientierte Schutztruppe, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Die Nürnberger Ortsgruppe wurde erst am 29. Juni 1924 gegründet, die Münchner Sektion am 7. Juli 1924 im Bürgerbräukeller. Ihren Sitz hatte die Münchner Ortsgruppe im Gewerkschaftshaus in der Pestalozzistraße 40/42.
In München war die Wirksamkeit des Reichsbanners begrenzt, da die nationalistischen und faschistischen Verbände das Klima beherrschten. Die Behörden unterwarfen die Aufmärsche der uniformierten Republikaner vielen Auflagen und Beschränkungen. Als das Gerücht aufkam, das Reichsbanner sei "jüdisch finanziert", entließ der Verband im Herbst 1924 seine jüdischen Mitglieder.
Öffentlich präsent war das Reichsbanner vor allem durch seine Propagandazüge bei den Verfassungsfeiern an jedem 11. August. Pfeifer- und Trommlerkorps sowie Reichsbannerkapellen spielten auf. Das öffentliche Auftreten hatte straff, militärisch, diszipliniert zu sein. 1926 kzählte der Verband in Oberbayern 6.000 Mitglieder. Ende der 1920er Jahre kam der Verband bayernweit auf 80.000 bis 90.000 Mitglieder, darunter auch prominente Führungspersönlichkeiten der SPD. Konfliktstoff innerhalb des Reichsbanners gab es in der Frage der Bewaffnung. Eine schlagkräftige, bewaffnete Truppe war das Ziel der einen, die anderen forderten die Entwaffnung aller paramilitärischen Organisationen.
Auf das provokatorische Eindringen der SA in die Arbeiterquartiere reagierte das Reichsbanner nur durch Kundgebungen und symbolische Gesten.
Erhard Auer, Vizepräsident des bayerischen Landtages und Vorsitzender des bayerischen Reichsbanners, nahm es hin, dass die Staatsregierung den Verband mit Verboten verfolgte, die aggressiven Aktivitäten der Nationalsozialisten aber kaum abwehrte. Nach Hitlers Machtantritt wurde der bayerische Reichsbanner am 10. März 1933 aufgelöst. Am Tag darauf folgte der Befehl, alle KPD-Funktionäre und alle Reichsbanner-Führer in "Schutzhaft" zu nehmen.

Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Juli 1924.
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Objekt: 1924_linz
Objekt: 1924_matteotti
Objekt: 1924_saenger
   
Österreich
Titel: Partito Socialista Unitario / Denkt an Giacomo Matteotti, den edlen Märtyrer des italienischen sozialistischen Proletariates / durch Faschistenhand gemordet (11. Juni 1924) / „Doch kommt der Tag, da wir uns rächen, dann werden wir die Richter sein!“
Herausgeber: Siehe Titel.
Künstler / Künstlerin:
-
Hintergründe: Der mutige Sozialist Giacomo Matteotti hatte in seiner letzten Rede vor der Abgeordnetenkammer am 30. Mai 1924 die Behinderungen und Einschüchterungen, die Gewalttaten und ungezählten Unregelmäßigkeiten im zurückliegenden Wahlkampf aufgedeckt. Matteotti hatte auch die Absicht, Mussolinis Bilanzfälschung gegenüber dem König sowie die Korruptionsfälle im Innenministerium öffentlich zu machen. Überhaupt war der Sozialist wegen seiner Unbestechlichkeit und Unnachgiebigkeit bei der Aufdeckung von faschistischen Machenschaften und Verbrechen sowie wegen seiner grundsätzlichen Ablehnung des Faschismus zu einem Risiko für Mussolini geworden. Am 10. Juni wurde Matteotti, nachdem er nachmittags das Parlament verlassen hatte, von 5-6 Leuten der faschistischen Miliz in einem Auto entführt und während der Fahrt erstochen. Obwohl der Leichnam erst Mitte August nördlich von Rom aufgefunden wurde, war bereits am Tag nach dem Verschwinden des Sozialisten sein Tod bekannt. Die Presse meldete ihn am Morgen des 12. Juni. Das aufgefundene Tatauto führte auf die Spur der Mörder, die kurz darauf verhaftet wurden. Demzufolge dürften die ersten Gedenkkarten für Matteotti bereits im Juni herausgebracht worden sein. Siehe auch Objekt 1924_matteotti.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Juli 1924.
Anmerkung: Selten.
Italien
Titel: Giacomo Matteotti.
Herausgeber / Druck:
-
Hintergründe: Entweder handelt es sich bei dieser Karte um eine bereits vor Matteottis Tod erschienene Porträtkarte (das fehlende Todesdatum wäre ein Indiz dafür) oder um eine der ersten inländischen Gedenkkarten für Giacomo Matteotti nach dessen Ermordung am 10. Juni 1924 durch faschistische Milizen (hierfür spricht der fehlende Herausgebervermerk).
Da der Poststempel das Datum 2.VII.1924 aufweist, müsste sie - falls die Vermutung einer Gedenkkarte zutrifft - bereits kurz nach Matteottis Verschwinden erschienen sein. Siehe auch Objekte 1924_linz und 1928_lungo.
Postalische Merkmale: Gelaufen Juli 1924 (Roma Ferrovia).
Deutschland
Titel: Gruß vom Sängertag des 3. u. 4. Bezirks. Deutscher Arbeiter-Sängerbund - Gau Württemberg. Vom 19.-21. Juli 1924 in Esslingen am Neckar.
Aufdruck Adressseite: "Offizielle Festpostkarte".
Künstler / Künstlerin: -
Hintergründe
: Der Deutsche Arbeiter-Sängerbund (DAS) wurde bereits 1877 ins Leben gerufen. In der Weimarer Republik war der Verband der organisierten Arbeiterchöre nach den Arbeiterturnern und –Radfahrern die mitgliederstärkste Organisation der Arbeiterkultur.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1924.
 
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Objekt: 1924_lpz
Objekt: 1924_atus
Objekt: 1924_igb
   
Deutschland
Titel: Gewerkschaftsfest 1914 Leipzig 1924.
Herausgeber / Verlag: Gewerkschaftskartell Leipzig [?].
Künstlersignatur: Edm. Claus
Hintergründe: Die 1. Arbeiter-Kulturwoche, der Mitteldeutsche Jugendtag sowie das 27. Gewerkschaftsfest fanden in Leipzig vom 2. bis 6. August 1924 statt. Die Festzeitung schrieb profetisch: „Was in den letzten zehn Jahren an Menschenglück vernichtet wurde, wie Not und Sorge [...] in Millionen jede Lebensfreude erstickte, hat selbst im 30jährigen Krieg nicht seinesgleichen. [...] Denn schon rüsten die Staaten zu einem neuen Waffengang. [...] Ein neuer Krieg vernichtet die letzten Reste der Zivilisation und wirft die Arbeiterklasse fast für immer zurück.“  
Postalische Merkmale: Ohne Postkartenzudruck. Die Karten zu den alljährlichen Gewerkschaftsfesten in Leipzig blieben in den 1920er Jahren auf der Rückseite stets unbedruckt.
Datierung: August 1924.
Tschechoslowakei / čSR
Titel: 1. Bundesturnfest des Arbeiter-Turn- u. Sportverbandes č.S.R. / KARLSBAD 9.-11. AUGUST 1924. [Aufschriften auf den beiden Sehenswürdigkeiten von Karlsbad:] Hirschensprung / Westend.
Verlag: Graph. Kunstanstalt A. Bartel, Rumburg. 
Hintergründe: Wie bereits in Böhmen zu Zeiten der  Habsburgischen Monarchie existierten in der 1918 gegründeten Tschechoslowakischen Republik viele Einrichtungen doppelt: Es gab Hochschulen, Zeitungen, Verlage, Parteien und Vereine für die tschechisch sprechenden Bürger der čSR und es gab die gleichen Einrichtungen für die deutschsprachigen Bürger. Neben dem tschechischen Arbeitersportverband DTJ (s. Objekt 1920_zapletal) gründete sich im Jahr 1919 in Aussig / Ústí nad Labem für die sudetendeutschen Bürger der "Arbeiter-Turn- und Sportverband in der Tschechoslowakischen Republik" (ATUS). Politisch lehnte er sich betont an die DSAP an. Vor seiner erzwungenen Auflösung 1938 waren im ATUS 80.000 Mitglieder in 1100 Vereinen organisiert. Die nationale Trennung hatte zur Folge, dass bei der 1. Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main 1925 zwei verschiedene Mannschaften die Tschechoslowakei repräsentierten.

Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1924.
Internationaler Gewerkschaftsbund / SAI / Österreich
Titel (Fahne): Die Internationale der kampferprobten Arbeiterschaft Wiens 5. Juni – 21. September 1924 / Internationaler Gewerkschaftsbund / Sozialistische Arbeiter-Internationale.
Titel (Kommentar): Die vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale anlässlich der Demonstration am 5. Juni 1924 gespendete und am 21. September 1924 enthüllte Fahne der Wiener Arbeiterschaft.
Herausgeber: Verlag Republikanischer Schutzbund (Heinz), Wien.
Hintergründe: Ein Druckvermerk auf der Adressseite gibt Auskunft darüber, dass die Fahne von der Firma Fellinger & Hassinger in Wien hergestellt worden sei. Aus anderen Quellen erfahren wir, dass eine solch reich bestickte Fahne 1925 / 1926 bei der traditionsreichen Firma Fellinger & Hassinger 600 bis 700 Schilling kostete, was damals dem vierfachen Monatslohn eines Facharbeiters entsprach.

Postalische Merkmale: -
Datierung: September 1924.
 
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Objekt: 1924_colombia
Objekt: 1924_ananas
Objekt: 1924_jaures
   
Kolumbien
Titel (Spanisch): Huelguistas que impiden El trafico a la cia. [compania]
Übersetzung
Die Streikenden blockieren die Zufahrt zum Unternehmen.
Herausgeber / Fotostudio: Piedrahita Hnos Photographers, Barranca
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Hintergründe: Fotopostkarte vom Streik der Erdölarbeiter bei Standard Oi
l bzw. Tropical Oil in der "Benzinhauptstadt" Barranca. Gegenstand des Streiks im Oktober 1924 waren die unerträglichen Arbeits- und Lohnbedingungen. Über den Streik ist nur wenig bekannt; er blieb historisch im Schatten des sogenannten Bananen-Massakers von 1928 an der Karibikküste Kolumbiens. // Der Fotograf und Herausgeber der Fotopostkarte Floro Piedrahita gehörte selbst zu den Unterstützern des Streiks. // Die Karte ist Teil einer Serie. Alle vorliegenden Karten der Serie sind durch Lichteinwirkung stark verblasst.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Oktober 1924.
Anmerkung: Sehr selten.
Hawaii (USA)
Titel (Englisch): Filipino & Japanese plantation workers.
Übersetzung: Philippinische und japanische Plantagenarbeiter.
Hintergründe: Ananasernte. 
Herstellungsverfahren: Fotopostkarte.
Postalische Merkmale: Gelaufen Oktober 1924 (Honolulu, Hawaii) nach USA.
Frankreich
Titel (Französisch): JEAN JAURÈS né à Castrès, le 3 Sept. 1859, assassiné a Paris le 31 Juillet 1914 / 23 Novemb. 1924. Translation des Cendres de Jean Jaurès au Panthéon / Établissement où le grand orateur fut assassiné (31 Juillet 1914).
Übersetzung
Jean Jaurès, geboren in Castres am 3. September 1859, ermordet in Paris am 31. Juli 1914 /  23. November 1924: Überführung der Asche von Jean Jaurès in das Pantheon / Das Lokal, wo der große Redner ermordet wurde.
Herausgeber: -

Hintergründe: Jean Jaurès, der große französische Sozialist und Kriegsgegner, war unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs in einem Café ermordet worden. Da Frankreich aus dem Weltkrieg als Siegermacht hervorging, wurde der Attentäter, der Nationalist Raoul Villain, im Jahr 1919 freigesprochen. Die Geschworenenjury erlag bei der Begründung für die Freilassung ganz dem Siegesrausch der Franzosen. Villain habe durch die “Beseitigung” des Pazifisten Jean Jaurès seinem Land einen großen Dienst erwiesen. Denn hätte Jean Jaurès mit seiner Politik tatsächlich den Frieden bewahren können, hätte es keinen Ersten Weltkrieg gegeben, den Frankreich habe gewinnen können. Während Villain als freier Mann den Gerichtssaal verließ, bekam die Witwe von Jaurès die Kosten der Gerichtsverhandlung in Rechnung gestellt. Zehn Jahre nach dem Mord - im November 1924 -  wurden Jaurès' sterbliche Überreste aus seinem Grab in die nationale Ruhmeshalle Pantheon auf dem "Hügel der heiligen Genoveva" in Paris überführt. Tausende nahmen Anteil an der zeremoniellen Umbettung. Der kommunistische Abgeordnete Renaud Jean kritisierte, die Pantheonisierung Jaurès' werde vor allem genutzt, "um hinter seinem großen Namen das Fehlen einer Mehrheit zu verbergen, die jeden Tag in all ihren Hoffnungen enttäuscht wird, welche die Arbeiter in sie gesetzt hatten."
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1925 (Paris)
Datierung: November 1924.
 
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Objekt: 1924_wahl
Objekt: 1924_rhd
Objekt: 1924_cgtu
   
Deutschland
Titel: Für die Befreiung der politischen Gefangenen / Wählt Liste 4 Kommunisten.
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Nach den Oktoberkämpfen in Hamburg 1923 und dem Sturz der Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen wurde die KPD am 23. November 1923 verboten, viele ihrer Funktionäre verhaftet oder von Verhaftung bedroht. Es herrscht nun ein militärischer Ausnahmezustand, der nach seiner Aufhebung am 1.3.1924 (als auch das Parteiverbot fällt) im zivilem Bereich fortwaltet. Für die meisten KPD-Funktionäre liegen Haftbefehle vor, die Polizei fahndet weiter nach ihnen. Der im Juni im Reichstag gebilligte Dawes-Plan zur wirtschaftlichen Belebung Deutschlands bringt derart viele politische Widersprüche hervor, dass Reichspräsident Ebert im Oktober den Reichstag auflöst. Mit der Auflösung ergeht gegen die Mehrheit der KPD-Reichstagsabgeordneten Haftbefehl, viele von ihnen weichen ins Ausland aus oder tauchen unter, die Partei wird von einem provisorischen "Direktorium" geleitet. Der Fraktionsvorsitzende Ernst Thälmann führt in dieser schwierigen Lage den Wahlkampf in Berlin. Die Wahlkampflosung am LKW "Für die Befreiung der politischen Gefangenen" verdeutlicht die genannten Schwierigkeiten. In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung der "Roten Hilfe Deutschlands" (RHD) im Oktober 1924 zu sehen; vgl. Objekt 1924_rhd. // Die Aufnahme entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit in Berlin. Auf der Karte ist weder der Herausgeber noch ein Verlag bzw. die Druckerei vermerkt.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Oktober / November 1924.
Deutschland
Titel: Gegen den weissen Schrecken! Gegen die Schandjustiz! Für die Rote Hilfe!
Künstlersignatur: -
Hintergründe: "Nach den Märzkämpfen in Mitteldeutschland im Jahr 1921 bildeten sich zunächst lose Rote-Hilfe-Komitees, aus welchen im Oktober 1924 die Rote Hilfe Deutschlands als eine überparteiliche Organisation zur Unterstützung aller Opfer der bürgerlichen Klassenjustiz und des weißen Terrors entstand. Als Sanitätskorps der Arbeiterklasse organisierte die RHD. ein großzügiges Hilfswerk für die politischen Gefangenen und ihre Frauen und Kinder. Dabei wurden alle Arbeiter ohne Unterschied ihrer Parteizugehörigkeit unterstützt." (Arbeiterkalender für das Jahr 1928, S. 118).
Der erste Vorsitzende der RHD war Wilhelm Pieck, ab 1925 dann Clara Zetkin.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Oktober / November 1924.
Schlagwörter: weißer terror.
Frankreich
Titel (Französisch): Journée DE L'UNITÉ SYNDICALE / 21 DEC. 1924 / L'UNITÉ C'EST LA FORCE.
Übersetzung
Tag der Gewerkschaftseinheit / 21. Dezember 1924 / Einigkeit macht stark.
Künstlersignatur: GRANDJOUAN
Künstler: Jules Grandjouan (1875-1968), französischer Grafiker.
Herausgeber: Maison des Syndicats, Paris.
Hintergründe:
 Im Jahr 1921 trennte sich die Mehrheit der revolutionären Gewerkschafter(innen) von der reformistischen Gewerkschaft CGT, rief die "Confédération générale du travail unitaire" (CGTU) ins Leben und schloss sich der im Juli 1921 in Moskau gegründeten Roten Gewerkschafts-Internationale (RGI) an (siehe Objekt 1930_isr). 1926 trennten sich die Anarcho-Syndikalisten von der CGTU und gründeten die CGT-SR. Angesichts der Gefahr eines faschistischen Staatsstreichs in der 1. Hälfte der 30er Jahre wollten die Gewerkschaften die Spaltung der Linken überwinden. So kam es - befördert durch die politische Dynamik der Volksfrontbewegung - im März 1936 zur Wiedervereinigung von CGT und CGTU. // Über den Künstler siehe Objekt 1925_grand.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Dezember 1924.
 
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Objekt: 1924_jeune
Objekt: 1924_remb
Objekt: 1924_holst
   
Belgien
Titel: J.G.S. Lincé-Sprimont.
Schild (Französisch): Jeune Garde Socialiste Lincé / Fondée en 1924. / A Bas La Guerre.
Übersetzung
Jung-Sozialistische Garde Lincé-Sprimont. Schild: Jungsozialistische Garde / gegründet im Jahr 1924 / Nieder mit dem Krieg.
Druckvermerke, Bildseite: [Logo] LUMA, Adressseite: 10044. - G.L.L.Edit. Tél. 70 Aywaille.
Technik: Kupfertiefdruck.
Hintergründe: Die JGS wurde in der Zeit der großen Streiks 1886 in Belgien, die in Zusammenhang mit den Hungeraufständen und den Forderungen nach Wahlrecht standen und bis 1904 achtzig Totesopfer gefordert haben, gegründet. // Anmerkung zum Ort Lincé: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das 800-Einwohner-Dorf Lincé Ziel einer militärischen Vergeltungsmaßnahme des deutschen Generalmajors Karl Ulrich v. Bülow, bei der 34 Belgier (unter ihnen 23 durch Hinrichtungen) ums Leben kamen. Später stellten sich die Gründe für das Massaker als völlig ungerechtfertigt heraus und Bülow nahm sich das Leben. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924.
Deutschland
Titel: Käthe Kollwitz: Arbeiterfrau. Zeichnung zum Heimarbeiter-Plakat 1893 / Aus dem Kollwitz-Zille-Buch im Rembrandt-Verlag, Berlin-Zehlendorf.
Verlag
: Rembrandt-Verlag Berlin.
Hintergründe: Exemplar aus einer Serie von Werbekarten für das Werk von Adolf Heilborn: Die Zeichner des Volks. Käthe Kollwitz. Heinrich Zille; o.J. (1924).
Postalische Merkmale: Bekannt ist ein im Jahr 1928 gelaufenes Auktionsexemplar (ohne Ortsangabe).
Datierung: 1924.
Niederlande / Belgien
Titel (Niederländisch): Henriette Roland Holst-van der Schalk (geb. 1869) / De grootste Nederlandse dichteres van deze tijd. / Reeks Nederlandse Schrijvers.
Übersetzung: Henriette Roland Holst-van der Schalk (geb. 1869) / Die größte niederländische Dichterin unserer Zeit. / Serie Niederländische Schriftsteller.
Künstler: Michel de Klerk (1884-1923), niederländischer Architekt.
Verlag:
N.V. Standaard-Boekhandel, Brüssel und Antwerpen.
Hintergründe: Henriëtte Roland Holst (1869-1952), geborene van der Schalk, war eine revolutionäre Schriftstellerin und Lyrikerin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Künstler Rik Roland Holst trat sie 1897 der sozialdemokratischen Partei bei und blieb zeitlebens ihren sozialistischen Überzeugungen treu. Sie engagierte sich auch parteipolitisch, schrieb für die Parteipresse, übersetzte die Internationale ins Niederländische, war zeitweise Mitglied im Parteivorstand und hatte Kontakt zu Rosa Luxemburg und Leo Trotzki. Ihre Publikationen wurden häufig in andere Sprachen übersetzt. Wie ihr Mann gehörte sie zur linken Opposition in der Partei; sie schlossen sich nach 1918 der Kommunistischen Partei an. 1927 verließ sie zwar die Partei, distanzierte sich aber nicht von ihr. Seit 1930 wandte sie sich religiös-sozialistischen Ideen zu. Bekannt wurden auch ihre Lebensbilder über Rousseau, Thomas More, Josef Dietzgen, Herman Gorter, Erasmus von Rotterdam, Guido Gezelle, Clara Wichmann und zahlreiche politische Schriften sowie einige Lyrikbände. Ihre Rosa-Luxemburg-Biografie "Rosa Luxemburg - Haar leven en werken" erschien 1935 in Rotterdam, deutsch 1937 in Zürich ("R.L., ihr Leben und Wirken") und in Esperanto 1949 in Rotterdam.
// Die Buchhandlung N.V. Standaard-Boekhandel wurde am 1.4.1919 zunächst als Abteilung eines Zeitungsverlages eröffnet, ab 1924 dann als eigenständiges Unternehmen unter dem hier genannten Namen mit Buchhandlungen in Brüssel und Antwerpen geführt. 1926 kam eine weitere Filiale in Leuven, 1933 in Gent hinzu. Die Zahl der Filialen nahm daraufhin beständig zu. // Die eindrucksvolle Porträtzeichnung schuf im September 1921 der niederländische sozialistische Architekt Michel de Klerk.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924.
Schlagwörter: autor author lyrik lyriker lyrikerin. 
 
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Objekt: 1924_lade
       
Deutschland
Titel: Kommunistischer Jugendtag 1924, Eisleben, Marktplatz.
Bildautorin / Fotostudio / Verlag: -
Hintergründe: Auf der Adressseite handschriftliche Notiz: "Kommunistischer Land- u. Reichstagsabgeordner Max Lademann hielt die Ansprache". Max Lademann, 1896-1941, kam  im KZ Sachsenhausen ums Leben; weitere biografische Informationen bei Wikipedia. Unsere Aufnahme zeigt Lademann als Redner (im Bild sehr klein) auf dem Eislebener Marktplatz hinter der Balustrade über dem Rathausportal. Eisleben war bis 1933 eine Hochburg der KPD.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924.
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Objekt: 1925_barkenhoff
Objekt: 1925_ebert
Objekt: 1925_maroc
     
Deutschland
Titel: Jungspartacus besucht Barkenhoff.
Aufdruck auf Adressseite:
Arbeiterkinderheim "Barkenhoff", Worpswede. Die Ortsgruppe Bremen des  Jungspartakus-Bundes besucht die Kinder des Heimes. / Rote Hilfe-Karten-Serie Nr. 3.
Verlag: R.H.D. (J. Schlör), Berlin. 
Hintergründe: Auf dem von Heinrich Vogeler überlassenen Barkenhoff in Worpswede bestand ab 1923 ein Kinderheim der Roten Hilfe (Vogeler war Gründungsmitglied der RHD). Hier wurden Kinder von inhaftierten Aktivisten der Arbeiterbewegung aus dem In- und Ausland für mehrere Wochen untergebracht. Ende 1931 musste das Heim geschlossen werden, weil eine Finanzierung nicht mehr gewährleistet war. Die Karte wurde auch in einer russischsprachigen Version herausgegeben. Teil einer Serie.  
Postalische Merkmale: -
Datierung: Nach 1924.
Deutschland
Titel: Reichspräsident Ebert gest. 28. Februar 1925.
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: S.&G.S. 1553 [auf Bildseite]
Hintergründe: Friedrich Ebert (*1871 Heidelberg), Sozialdemokrat, Vertreter der "Burgfriedenspolitik", am 11.2.1919 zum Reichspräsidenten gewählt, ließ durch seine Allianz mit der Obersten Heeresleitung (Ebert-Groener-Pakt) die revolutionären Bestrebungen 1918/19 bis 1923 niederwerfen. Sein nur teilweise erreichtes und letztlich am Faschismus gescheitertes Ziel war die Errichtung einer bürgerlich-demokratischen Ordnung (Weimarer Republik), ohne die kapitalistische Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen. Das bringt auch die respektvoll aufgenommene Fotografie Eberts am ordnenden, präsidialen Schreibtisch zum Ausdruck, - eine Stiernackigkeit mit Würde. // Fotopostkarte.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1925.
Frankreich / Marokko
Titel (Französisch): La civilisation française au Maroc / 12.000 tués, 4 milliards gaspillés! Les ouvriers et les paysans ont donné tout cela / Regardez pour quoi faire?
Übersetzung: Zivilisation auf französisch in Marokko. 12.000 getötet, 4 Milliarden Franc verschwendet! Arbeiter und Bauern haben dafür alles geben müssen. Wissen Sie, was zu tun ist?
Herausgeber: Fédération Nationale des Jeunesses Communistes, Paris.
Hintergründe: Protest gegen den Kolonialkrieg und Genozid in Marokko, an dem neben Spanien auch Frankreich beteiligt war. Siehe auch Objekte 1926_verbannung und 1926_rifkabyl.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1925.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1925_elgersburg
Objekt: 1925_soc
     
Deutschland
Titel: Das Kinderheim "Mopr" in Elgersburg/ Thüringen, 600 m über dem Meeresspiegel, ist von herrlichen Tannenwäldern umgeben und bietet für jeweils 40 Kinder Erholung. Die Errichtung dieses Heimes wurde durch die großzügige Unterstützung der Roten Hilfe Sowjet-Rußlands ermöglicht.
Hintergründe: Eröffnet wurde das Mopr-Kinderheim am 12. April 1925 im Beisein von Wilhelm Pieck, dem Vorsitzenden der Roten Hilfe. Aufgrund behördlicher Anordnungen durfte das Haus ab Sommer 1928 nicht mehr als Kinderheim betrieben werden; die KPD nutzte es dann als Schulungsstätte und als Erholungsheim für entlassene politische Gefangene. Heute lässt die Partei "Die Linke", der die Immobilie noch immer gehört, das Objekt als Hotel betreiben.
Postalische Merkmale: Gelaufen April 1930 (Karlsruhe). 
Datierung: April 1925.
Belgien
Titel (Französisch): Petite maman, pour une vie meilleure, vote avec papa, pour les socialistes.
Übersetzung: Mama, stimm für ein besseres Leben mit Papa, für die Sozialisten.
Herausgeber: Parti Ouvrier Belge (POB) / Belgische Werkliedenpartij (BWP).
Künstlersignatur: C.DrAT
Künstler: Constant Dratz, 1875-1930, belgischer Maler, Grafiker und Illustrator.
Hintergründe:
In der Zwischenkriegszeit stellten die Sozialisten (= Belgische Arbeiterpartei) stets Minister in der Regierung. Die Partei setzte in den Koalitionsregierungen Reformen durch wie den 8-Stundentag, die Einführung der Altersrente, die Erbschaftssteuer, die abgestufte Einkommenssteuer sowie die Beseitigung des Streikpostenverbots. Nach dem Tod des Parteivorsitzenden Émile Vandervelde im Jahr 1938 übernahm Henri de Man (1885-1953) den Vorsitz. De Man galt als Befürworter eines "Dritten Wegs". Postulierte er zunächst Positionen gegen den Faschismus, wandelte er sich im Zuge der Entwicklung selbst zu einem Apologeten faschistischer Maßnahmen. Während die Regierung bei der Besetzung des Landes durch die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 exilierte, betrieb De Man eine aktive Kapitulations- und Kollaborationspolitik gegenüber Nazideutschland, damit (so De Mans Argument) sich das Blutvergießen wie im Ersten Weltkrieg nicht wiederholte. In einem Manifest schrieb er nach der Besetzung des Landes: "Für die Arbeiterklasse und für den Sozialismus ist dieser Zusammenbruch einer altersschwachen Welt weit davon entfernt, eine Katastrophe zu sein, sondern ist eine Befreiung." De Man löste seine Partei auf und wurde in der Besatzungszeit de facto Ministerpräsident. Viele Mitglieder der aufgelösten Arbeiterpartei lehnten De Mans Vorgehen ab und beteiligten sich am Widerstand gegen die Besatzung. Für seinen Verrat wurde De Man nach dem Krieg (1946) in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt. // Über die Wahlkampferfolge der Belgischen Arbeiterpartei nach dem Ersten Weltkrieg siehe Objekt 1919_Belge. // Die Postkarte erschien zu den Parlamentswahlen im April 1925, aus denen die Arbeiterpartei und die Katholische Partei etwa gleich stark hervorgingen. In den häufig wechselnden Kabinetten - stets unter einem katholischen Ministerpräsidenten - besetzte die POB Ministerposten.
Postalische Merkmale: Gelaufen 1929, Monat unleserlich (Beauraing, Belgien).
Datierung Druck: April 1925.
   
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Objekt: 1925_masereel
Objekt: 1925_mehring
Objekt: 1925_sofia
   
Deutschland
Titel: Unterstützt die Ferienheime der IAH!
Aufdruck Adressseite: Die IAH ist die Proviant-Kolonne des kämpfenden Proletariats [mit IAH-Logo].
Herausgeber: Internationale Arbeiterhilfe (IAH).
Hintergründe: Die Spendenerlöse aus dem Verkauf der Karte sollten dazu beitragen, die Kinderferienheime in der jungen Sowjetunion zu erhalten, in denen vor allem Kinder, die im Bügerkrieg 1918-1923 zu Waisen geworden waren, untergebracht wurden. Das Holzschnitt-Motiv, das auf der Karte Verwendung fand, schuf der belgische Künstler Frans Masereel (1889-1972) für den Almanach des Kurt-Wolff-Verlags München 1925.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab April 1925.
Jugoslawien
Titel (Serbo-Kroatisch): FFANZ MEHRING / Apostol boljševikizma u Nemačkoj.
Übersetzung: Franz Mehring, der Apostel des Bolschewismus' in Deutschland.
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: -
Hintergründe: Der dem Bürgertum entstammende Franz Mehring (1846-1919), seit 1891 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, war einer der wichtigsten Publizisten der sozialdemokratischen Presse in Deutschland. Im Ersten Weltkrieg distanzierte er sich von der SPD wegen deren Burgfriedenspolitik und deren Zustimmung zu den Kriegskrediten. Mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und anderen Parteilinken gründete er innerhalb der SPD 1916 die Spartakusgruppe. Vom August bis Dezember 1916 saß er mit anderen Genossen in Schutzhaft, welche seine Gesundheit untergrub. Im März 1917 rückte er auf den Sitz des gerichtlich verurteilten Karl Liebknecht im Preußischen Abgeordnetenhaus nach. Franz Mehring starb - wenige Tage nach der Ermordung von Liebknecht und Luxemburg - am 28. Januar 1919 in Berlin. Die Rote Fahne schrieb in einem namentlich nicht gezeichneten Nachruf am 4. Februar 1919: "Franz Mehring kämpfte bis zum letzten Atemzug in den Reihen des Proletariats, er kämpfte immer in der Vorhut, er kannte keine Kompromisse und keine Schonung für die herrschenden Klassen Deutschlands und Preußens und er kannte sie bis in die innersten Herzfalten. [...] Dieses kostbare Erbe [der deutschen Geisteskultur] trug Mehring hinüber in die deutsche Arbeiterschaft, indem er es mit dem genial gehandhabten Werkzeug des historischen Materialismus zu neuem Leben erschuf und in künstlerische Form goss. [...] Das zweite große Gebiet, das er dem Marxismus und den Arbeitern eroberte, war die deutsche und speziell die preußische Geschichte. Er kannte sie in ihren kleinsten Falten, er durchleuchtete sie mit rastlosem Forschungstrieb. Und er schöpfte aus diesem Geschichtsarsenal die schneidendsten Waffen des deutschen Sozialismus. Seine geniale historisch-kritische Anlage und sein Bildungsgang bestimmten ihn zum Historiker des deutschen Sozialismus, zum Biographen von Marx, Engels, Lassalle [...]. Dieser tiefe und lebendige historische Sinn, wie der feurige Kampfgeist, der ihn beseelte, ließ ihn alsbald die engen Schranken der deutschen Sozialdemokratie durchbrechen, [...]." // Ab Februar ... März 1925 trieb die Komintern die Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien voran. Die Karte ist wahrscheinlich in dieser Phase erschienen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab April 1925.
Bulgarien
Titel (Bulgarisch): София, Св. Неделя следъ атентата. / Sofia. La cathédrale après l’attentat.
Übersetzung: Sofia: Die Kathedrale »Svjeta Nedelja« nach dem Attentat.
Verlag / Produktvermerke: ГЛСО.
Hintergründe: Nach der Niederlage des Septemberaufstands 1923 in Bulgarien und nach dem Verbot von Organisationen der Arbeiterbewegung im April 1924
setzte ein massiver Terror gegen Arbeiteraktivisten ein. Innerhalb der verbotenen kommunistischen "Partei der Arbeit" bildete sich eine illegale militärische Organisation heraus. Dieser Apparat mit eigenen Partisaneneinheiten genoss eine weitgehende Eigenständigkeit und hatte sich von der Massenarbeit und der im Septemberaufstand praktizierten Einheitsfrontpolitik weit entfernt. Mit dem Bombenanschlag in der Kathedrale von Sofia bereitete die Militärorganisation auf ihrem ultralinken Kurs die Enthauptung der gesellschaftlichen Machtelite vor. Der Anschlag galt einer Trauergemeinde mit vielen Vertretern aus Regierung, Klerus und Militär. Dieses mit den Mitteln des Terrors erstrebte Ziel wurde mit dem Attentat nicht nur verfehlt, sondern kostete infolge des Gegenschlags des herrschenden Machtapparats Tausenden Aktivisten und Sympathisanten der Partei das Leben; viele mussten das Land verlassen. // Um den Sensationshunger der Bürger und Sofia-Touristen zu befriedigen, brachten Fotostudios und Postkartenverlage das Motiv in mehreren Postkarten-Editionen heraus. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: April 1925.
 
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Objekt: 1925_laborista
Objekt: 1925_women
Objekt: 1925_olymp
   

Deutschland
Titel (Esperanto): Laborista Esperanto Grupo – Leipzig, Majo 1925.
Übersetzung: Arbeiter-Esperantogruppe Leipzig im Mai 1925.
Verlag: Paul Voigt, Photogr. Kunstanstalt Leipzig.
Herausgeber: AEB.
Hintergründe:
Nach der gewaltsamen Beseitigung der Linksregierungen in Sachsen und Thüringen im Oktober 1923 war beim Polizeipräsidium Leipzig eine „Esperanto-sprachliche Dienststelle“ eingerichtet worden, die Nachrichten über den Arbeiter-Esperanto-Bund (AEB) sammelte. Dem AEB gehörten SPD- und KPD-Mitglieder, aber auch viele parteilose Arbeiter an. 1924 kam es beim AEB zu polizeilichen Hausdurchsuchungen und Kontrollmaßnamen. Als Ersatz für die verbotene KPD-Zeitung "Sächsische Arbeiter-Zeitung" (SAZ) brachten kommunistische Esperantisten zwischen Januar und Oktober 1924 sechzehn Ausgaben des „Völkerspiegel“ heraus, der Übersetzungen aus ausländischen Esperanto-Organen und von Briefen ausländischer Genossen publizierte. Mit Wiederzulassung der SAZ hatte der „Völkerspiegel“ seine Aufgabe erfüllt. Die Leipziger Ortsgruppe des AEB war die mitgliederstärkste im Deutschen Reich. 1927 gehörten ihr 186 Mitglieder an (gefolgt von Stuttgart: 97; Dresden: 88). Viele Leipziger Esperantisten gehörten dem Weltbund SAT an, dessen Organ "Sennaciulo" bis 1933 in Leipzig erschien. Auch hatten die Leipziger Anteil an der Redaktion von "Sennaciulo" und waren bis 1933 wiederholt im SAT-Vorstand vertreten. Im August 1929 war Leipzig Gastgeber des 9. SAT-Kongresses. Der AEB wurde im April 1933 verboten. 1936 folgte trotz ihrer Anbiederungsversuche das Verbot der bürgerlichen Esperantovereine. // Der AEB ist identisch mit der GLEA, vgl. Objekt 1922_gorlico.
Postalische Merkmale: Gelaufen Mai 1925 (Leipzig).
Schlagwörter: saksio.

Großbritannien
Titel (Englisch): National Conference of Labour Women / Town Hall, Birmingham / May 27th & 28th, 1925.
Übersetzung: Nationalkonferenz der Labour-Frauen im Rathaus von Birmingham, 27./28. Mai 1925.
Herausgeber: -
Hintergründe: Abgebildet sind die führenden Labour-Aktivistinnen Ellen Wilkinson (1891-1947) und Dr. Marion Phillips (1881-1932).
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1925.
Schlagwörter: feminismus feministin
Deutschland
Titel: 1. Internationales Arbeiter-Olympia Frankfurt am Main / Vom 24. bis 28. Juli 1925.
Herausgeber: -
Druck: Kunstdruck Eckert, Berlin-Schöneberg.
Künstlersignatur: WKrain
Künstler: Willibald Krain (1886-1945). Krain erhielt ab 1933 Berufsverbot, begann sich dann aber offensichtlich, mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Bekannt sind einige antisemitische Karikaturen aus dem Jahr 1944. Bei Kriegsende wurde Krain zum Volkssturm eingezogen, geriet in sowjetische Gefangenschaft und starb am 19. September 1945 in einem Dresdner Krankenhaus an den Folgen einer Schussverletzung.
Hintergründe: Die erste Arbeiterolympiade fand vom 24. bis 28. Juli 1925 im Frankfurter Waldstadion statt, das erst zwei Monate zuvor fertiggestellt worden war. Die Großveranstaltung mit 100.000 Teilnehmern stellte für die Arbeitersportverbände eine große Herausforderung dar. Als Veranstalter trat die Sozialistische Arbeitersport-Internationale (SASI) auf. Die Spiele fanden unter dem Leitmotiv "Nie wieder Krieg" statt. Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland, England, Finnland, Tschechoslowakei, Schweiz, Lettland, Österreich, Belgien, Palästina und Polen marschierten unter den Klängen der Internationale und ohne Nationalfahnen im Stadion ein. Die erste Arbeiter-Olympiade war ein großer Erfolg und machte der Arbeiterbewegung ihre eigene organisatorische Kraft bewusst. Die 2. Arbeiter-Olympiade fand 1931 in Wien statt, siehe Objekt 1931_gym.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1925. 
 
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Objekt: 1925_ffm
Objekt: 1925_re
Objekt: 1925_avenir
Objekt: 1925_tag
 
Deutschland
Titel: Zur Erinnerung an die I. Internat. Arbeiter-Olympiade im Stadion Frankfurt a.M. 24.-28. Juli 1925.
Herausgeber / Fotostudio: Bromograph GmbH Frankfurt a.M. 
Hintergründe: Fotopostkarte. Transparent mit Aufschrift "Nieder mit dem Imperialistischen Krieg“. Teil einer Serie. Über die 2. Arbeiter-Olympiade 1931 in Wien siehe Objekt 1931_gym.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1925. 
Schlagwörter: arbeitersport, arbeiterolympiade, arbeiter-sportfest.

Frankreich
Titel: Vacances Populaires Enfantines. Colonie du Secours Ouvrier International / A LA COUARDE-sur-MER (Ile de Ré) / Un groupe imposant face à la mer sur l’escalier desendant à la plage de sable fin.
Übersetzung: Volks-Kinderferien / Ferienkolonie der Internationalen Arbeiterhilfe in Couarde-sur-Mer auf der [Atlantikinsel] Ile-de-Ré / Eine imposante Gruppe auf der Treppe zum Sandstrand mit Blick auf das Meer.
Foto: Cliché Hyan, Le Bois-Plage-en-Ré.
Hintergründe: Der französischen Sektion der Internationalen Arbeiterhilfe gelangen ab 1924/1925 zwei große, dauerhafte Projekte zur Betreuung von Kindern aus proletarischen Familien: Die Einrichtung des großen "Roten Waisenhauses" ("Orphelanite Rouge"; "L'Avenir social") bei Paris und der Ferienkolonie auf der Insel Île de Ré an der französischen Westküste. Der Durchführung des Ferienlagers für Arbeiterkinder wurden von Seiten der örtlichen Gemeinden, vom Innenministerium und von der Polizei erhebliche Hindernisse in den Weg gelegt: Räume wurden gekündigt, der direkte Zutritt zum Strand verwehrt (sodass große Umwege nötig wurden) und der Gesang proletarischer Lieder verboten. Kirche und Bürgermeister von Couarde hetzten die Kinder gegen das Lager auf; es kam zu Prügeleien und Demonstrationen. Erst als die IAH einige Gebäude und Grundstücke aufkaufte, normalisierten sich die Verhältnisse, wenngleich sie nicht spannungsfrei blieben. Viele Hundert Kinder aus Proletarierfamilien verbrachten hier jedes Jahr ihre Ferien (lt. Münzenberg 700). Bei großen Streiks konnten hier die Kinder der Streikenden unterkommen. Auch zahllose Kinder von politischen Emigranten aus Italien, Deutschland und Spanien fanden hier Erholung. Im Zuge der Volksfrontpolitik übernahm der Nachfolgeverband der frz. IAH-Sektion, die "Secours Populaire de France", die Leitung der Kolonie. Heute ist die 1945 wiedergegründete "Secours populaire français" eine humanitär ausgerichtete NGO, die sich auf vielfältige Weise der Unterstützung von sozial Benachteiligten widmet. Nach wie vor gehören auch die Ferienlager für Kinder aus bedürftigen Familien auf Île de Ré dazu. / Die Karte ist Teil einer Postkartenserie, die der Popularisierung der Ferienkolonie diente.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1925.
Schlagwörter: ferienlager, kinderrepublik.
Frankreich
Titel: Orphelinat ouvrier – L’Avenir Social / La Villette-aux-Aulnes (Mitry-Mory-S.-et-M.) / La Cour.
Übersetzung: Arbeiterwaisenheim "L'Avenir social" [Die soziale Zukunft] in Villette-aus-Aulnes / Der Hof.
Foto / Verlag: -
Hintergründe: 1906 gründete die Pazifistin Madeleine Vernet (1878-1949) vor den Toren von Paris das Waisenhaus für Arbeiterkinder "L'Avenir social". Wegen finanzieller Nöte musste das Waisenhaus 1908 nach Epône (Seine-et-Oise) umziehen. Durch den zunehmenden Anteil von Spenden der Arbeiterorganisationen änderte sich auch die Zusammensetzung des Verwaltungsrats der Einrichtung, sodass das Heim in den 1920er Jahren von der französischen Sektion der Internationalen Arbeiterhilfe übernommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt lebten 40 Kinder in der Einrichtung. Nach einem Subskriptionsaufruf von Marguerite Rosmer ("Die Arbeiterklasse muss ein Waisenhaus haben") in der "L'Humanité" vom 23. Januar 1923 erwarb die französische IRH-Sektion noch im selben Jahr das Grundstück in Villette-aux-Aulnes. Den größten Finanzanteil übernahm die Gewerkschaft CGTU. Spätestens 1926 (lt. Willy Münzenberg bereits 1925) hatte die IRH auch die Leitung des mit Schulden belasteten Waisenhauses inne und brachte hier proletarische Vollwaisen und zeitweise auch Kinder von Streikenden unter. Münzenberg schrieb 1931 rückblickend: "... das Heim [war] in unmittelbarer Nähe von Paris herrlich gelegen. Ein altes, großes Schloss, von einem großen Garten und einem alten wunderbaren Park umgeben, bot es alle nur erdenklichen Möglichkeiten, diesen Ärmsten der Armen ein ideales Heim zu schaffen [...] Es ist [...] gelungen, nur wenige Kilometer von der kapitalistischen Weltstadt entfernt, eine proletarische Oase zu schaffen, wie sie nirgends in der Welt außer in der Sowjet-Union zu finden ist." Die Volksfrontregierung von 1936 verdreifachte den Etat des Hauses, sodass eine Gefrierkammer und ein Festsaal eingerichtet werden konnten; auch bekam das Haus Anschluss an die Elektrizität. Neben diesem "Roten Waisenhauses" ("Orphelanite Rouge") bei Paris gelang der IRH ab 1924/1925 ein weiteres dauerhaftes Projekt zur Betreuung von Kindern aus proletarischen Familien: Die Einrichtung der Ferienkolonie auf der Insel Île de Ré an der französischen Westküste. (vgl. vorherige Karte: Objekt 1925_re). Nach dem Verbot der Kommunistischen Partei beschlagnahmte die Regierung im September 1939 den Besitz und löste das Waisenheim auf. / Die Postkarte zeigt die Hofseite des Schlosses mit Linde. Uns liegt eine weitere Postkartenansicht des Waisenhauses vor (Nordfassade).
Postalische Merkmale: Gelaufen August oder September 1925 (Tonnere).
Deutschland
Titel: Roter Tag, Leipzig 1925.
Fotograf: R. Schilling, Leipzig.
Fotostudio: Fotoatelier E. Weidinger, Linz. 
Hintergründe: Fotopostkarte vom "Mitteldeutschen Roten Tag" am 2. August 1925 in Leipzig, der von der KPD Westsachsen unter dem Slogan "Krieg dem Kriege" veranstaltet wurde.
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1925. 
Schlagwörter: arbeiterfrauen arbeiterin arbeiterinnen femiminismus frauenpolitik.
Anmerkung: Selten. 
Schlagwörter: roter frauen- und mädchenbund, RFMB.

 

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Objekt: 1925_jugendtag
Objekt: 1925_dechy
Objekt: 1925_bohosudov
   
Deutschland
Titel: -
Herausgeber / Fotostudio: -
Hintergründe: Fotopostkarte, wahrscheinlich vom 4. Deutschen Arbeiter-Jugendtag in Hamburg.
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1925.
Schlagwörter: arbeiterjugend, SAJ, sozialistische arbeiterjugend, jugendverband, sozialdemokratie..

Belgien
Titel (Französisch): Jociste "Fier, Joyeux" par Jonas.
Übersetzung: Jocist "Stolz und glücklich" von Jonas.
Künstlersignatur: Unleserlich (unten rechts im Bild).

Künstler: Lucien Jonas, 1880-1947, französischer Maler, Zeichner und Lithograf.

Herausgeber:
JOC, Belgien.
Hintergründe:
Der Titel "Fier, Joyeux" nimmt Bezug auf den Wahlspruch der Jocisten: "Fier - Pur - Joyeux" (Stolz - Rein - Glücklich). Die "Jeunesse Ouvrière Chrétienne" (JOC, deutsch "Christliche Arbeiterjugend" / CAJ) ging aus einer von Joseph Cardijn (1882-1967) gegründeten Bewegung hervor. Als junger katholischer Arbeiterpriester ging Cardijn seit 1912 in den Arbeitersiedlungen seiner Pfarrei im Brüssel Stadtteil Laeken / Laken von Haus zu Haus, sah dabei die erbärmlichen Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien und wandte sich den Nöten der Jugendlichen zu. Er baute katholische Arbeiterjugendgruppen auf. Der erste JOC-Kongress mit 600 Delegierten fand im April 1925 in Brüssel statt. Die Bewegung breitete sich in 40 Jahren über mehr als 100 Länder aus, weil sich die Probleme der Arbeiterjugend in katholischen Regionen und Ländern zunehmend ähnelten. Auch die desaströsen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit spielten eine Rolle. Diese Gemeinsamkeiten drückten sich auch in den ökumenischen Grundsätzen aus: Internationalität, Völkerverständigung, Solidarität. Auch wenn die JOC Forderungen nach Ausbildungsplätzen, Jugendschutz und Jugend-Förderung unterstützte, blieb der Verband bis zu den 1960er Jahren unpolitisch. Die JOC / CAJ war offen für alle Jugendlichen, hatte aber ihre weltanschauliche Heimat in der katholischen Kirche. Religionsausübung (Gebete, Messen, Wallfahrten) blieb ein wichtiger Identifizierungsfaktor. // Weitere JOC-Karten: Objekte 1934_jocf, 1935_joc, 1937_vacances sowie 1937_textil. // Die Kleinstadt Dechy liegt im nordfranzösischen Kohlerevier nahe der Grenze zu Belgien, woher die Karte stammt.
Postalische Merkmale: Nicht offen versandte Postkarte mit Absenderstempel (Marcel Bayeux, Dechy) und ausführlicher handschriftlicher Mitteilung an "André", datiert 1. August 1925.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel: Manifestation am 9. August 1925.
Fotograf / Fotostudio / Verlag: -

Hintergründe:
Der Katholische Klerus war durch seine Unterstützung der k.u.k. Monarchie in den böhmischen Ländern diskreditiert. Deshalb wurde bei der Ausrufung der Unabhängigkeit in Prag am 28. Oktober 1918 die "Trennung von Staat und Kirche" angekündigt. Doch auch nach der Gründung der Tschechoslowakei bekannten sich noch immer 80 Prozent der Bevölkerung zum katholischen Glauben. Besonders in der Slowakei behielt der Klerus seinen großen Einfluss. Das hatte zur Folge, dass die neue katholische Volkspartei so stark war, dass sie in jeder Regierung bis 1938 Koalitionspartner blieb. Als im Dezember 1924 die slowakischen Bischöfe mit ihrem Hirtenbrief allen Katholiken den Eintritt in Gewerkschaften und sozialistische Parteien untersagten (was den gesetzlichen Regelungen in Kirchenfragen zuwiderlief), eskalierte der Konflikt mit dem Staat ("Kulturkampf"). Linke Parteien in der Nationalversammlung drangen die Regierung darauf, endlich die Trennung von Staat und Kirche gesetzlich zu verankern. Atheisten, Freidenker und Sozialisten unterstützten diese Forderung vehement. Unsere Postkarte ist einer Demonstration am 5. Jahrestag eines Marienbildwunders im katholischen Wallfahrtsort Bohosudov (deutsch Mariaschein) gewidmet. Aufrufer und Organisator der Kundgebung war ein Aktionsausschuss, dem auch der örtliche Verband der Freidenker der Tschechoslowakei angehörte. Redner waren die auf der Karte abgebildeten sozialistischen Freidenker Theodor Hartwig (1872-1954; rechtes Porträt; Präsident der „Internationale proletarischer Freidenker“ [I.P.F., in Teplice zu Pfingsten 1925 gegründet]), der seine Ansprache in deutsch hielt, und Theodor Bartošek (1877-1954, Anwalt), der tschechisch sprach. Auf der Adressseite der nach Prag gesandten Karte teilte Bartošek seiner Frau mit, dass die Demonstration durch den Ort "sehr schön gelungen" sei und 10.000 Menschen daran teilgenommen hätten. Siehe auch Objekte 1923_truny und 1926_bez.
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1925 (Teplice nach Praha).
Anmerkung: Selten. 
Schlagwörter: proletarische freidenker, atheismus bezvěrc bezvěrec, volní myslitelé, volná myšlenka, antiklerikální a ateistické hnutí, atheismus, gottlos antiklerikal religionslos nichtreligiös glaubenslos ungläubig konfessionslos.
 
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Objekt: 1925_bao
Objekt: 1925_prozess
Objekt: 1925_pilati
   
China / Frankreich
Titel (Banner in Bildmitte; Chinesisch):
天下興亡匹夫有責.
Übersetzung: Jeder ist verantwortlich für den Aufstieg und Fall dieser Welt.
Titel (Untertitel unter der Grafik; Französisch und Englisch): 
Tientsin
– Étudiant haranguant la foule – Students addressing the people.
Übersetzung: Studenten wenden sich an das Volk. 
Herausgeber: Zeitungsverlag Yi Shi Bao
, Tianjin und Beijing. 
Druck:
Phototypie J. Bienaimé, Reims, Frankreich.  
Hintergründe:
Obwohl China mit seiner Kriegserklärung an Deutschland im Jahr 1917 Anspruch auf die bisherigen deutschen Besitzungen in der Provinz Shandong erhoben hat, sprach der "Versailler Vertrag" 1919 die Provinz dem alliierten Japan zu. Dieser offenkundige Politschacher zum Nachteil Chinas zog eine Welle der Empörung nach sich. Am 4. Mai 1919 versammelten sich 3000 Studenten zu einer antijapanischen Massenkundgebung am Tor des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking. Diese Demonstration war der Auslöser der 4.-Mai-Bewegung (Wusi yundong). Der Protest - eine Kampfansage an alle imperialistischen Mächte, die in China Konzessionen hatten - griff rasch um sich. In Shanghai streikten am 5. und 11. Juni zehntausende Arbeiter, Angestellte, Studenten und Händler. Die Postkarte ist dem Studentenprotest in Tianjin (Tientsin), gewidmet, damals eine bedeutende Hafen-, Industrie- und Universitätsstadt (1920 800.000 Einwohner) und nach Shanghai das zweitgrößte Handelszentrum Chinas. Die zentrale waagerechte Losung in Bildmitte (天下興亡匹夫有責; siehe Titel) appelliert an die Verantwortung des Einzelnen für die Geschicke der Welt und verdammt eine jede Schicksalsergebenheit; auf der Fahne, die der Student im Vordergrund schwenkt, steht "Befreit das Vaterland!". Am rechten Kartenrand finden wir die chinesische Entsprechung der französischen und englischen Untertitel. Die Ereignisse zogen eine Radikalisierung und Politisierung der Jugend nach sich, die Oktoberrevolution in Russland gab den Protesten die Richtung. Aus schwärmerischen Patrioten wurden Sozialisten. Viele von ihnen wandten sich unter dem Leitspruch "ins Volk gehen" ("addressing the people") an die Arbeiterschaft, um die Isolation der akademischen Jugend zu überwinden. Da die Studenten begannen, marxistische Schriften zu studieren, gilt die "Bewegung des vierten Mai" als Geburtsstunde des Sozialismus in China. Zudem hatten zum ersten Mal Angehörige unterschiedlicher Klassen gemeinsam ihrem Protest Ausdruck verliehen. Die neue Entwicklung führte 1921 zur Neuformierung der Guomindang durch Sun Yatsen und zur Gründung der Kommunistischen Partei. // Die Zeitung Yi Shi Bao in Tianjin entwickelte sich zu einer kritischen patriotischen Stimme, die landesweit gelesen wurde und später von den Guomindang und von den japanischen Besatzungstruppen unterdrückt bzw. verboten wurde. 
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1925 (Waremme / Borgworm, Belgien).
Anmerkung: Sehr selten, handkoloriert.
Großbritannien
Titel (Englisch): The Great communist trial, 1925.
Übersetzung: Der große Kommunistenprozess, 1925.
Herausgeber: The International Class War Prisoners' Aid.
Druck: Lond. Cal .Press. Ltd.
Hintergründe: Spendenkarte der englischen Sektion der
Internationalen Roten Hilfe für die 12 angeklagten britischen KP-Funktionäre, die 1925 von einem Londoner Gericht wegen Aufwiegelung zum Aufruhr zu 6 bis 12 Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Das Urteil zu diesem Zeitpunkt erging nicht zufällig. Die konservative Regierung glaubte, mit der Beseitigung der Parteiführung ein großes Hindernis auf ihrem gewerkschaftsfeindlichem Kurs und für ihre Politik der Lohnkürzungen aus dem Weg zu räumen.
Der Prozess ist vor allem im Zusammenhang mit der antisowjetischen Kampagne in England zu sehen. Im Herbst 1924 hatte der britische Geheimdienst angeblich einen Kominternbrief abgefangen, der Direktiven für einen Aufstand in Großbritannien enthalten habe (das Original des Briefes ist nie aufgetaucht, sodass unklar bleiben muss, ob es sich dabei um eine Fälschung handelte). Auch mutmaßte die britische Regierung hinter dem Generalstreik von 1926 (siehe Objekte 1926_traffic und 1926_castleford) die Hand Moskaus. Als dann im Jahr 1927 Anzeichen von sowjetischer Militärspionage in England entdeckt wurden, unterbrach die Regierung die diplomatischen Beziehungen zur UdSSR.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Oktober 1925.
Schlagwörter: U.K., united kingdom, vereinigtes königreich, communist party of great britain.
Italien (oder Schweiz)
Titel (Italienisch): Gaetano Pilati / Deputato socialista – Mutilato di guerra / assassinato dai fascisti il 3 Ottobre 1925.
Übersetzung: Gaetano Pilati / Sozialistischer Abgeordneter – Kriegsversehrter / Am 3. Oktober 1925 von den Faschisten ermordet.
Verlag / Fotostudio: -
Fotograf / Bildquelle: -
Hintergründe
: Gedenkkarte auf AZO-Fotopostkarte. Gaetano Pilati, in der Region Emilia-Romagna 1881 geboren, ließ sich 1906 in Florenz nieder, wo er als Bauarbeiter seinen Lebensunterhalt verdiente und ein eigenes Unternehmen gründete. Er entwickelte Bauverfahren mit Spannbeton, dessen Möglichkeiten er erkannte, weiter und ließ sie patentieren. 1910 trat er der PSI bei. Der Antimilitarist wurde im Ersten Weltkrieg Soldat, wo ihm eine Granate den linken Arm verstümmelte. Während der gesundheitlichen Rehabilitierung entwarf er in Bologna zahlreiche Prothesen, für die er Patente erhielt. 1919 wurde er Generalsekretär der "Lega proletaria mutilati" (Liga der proletarischen Versehrten), einem Verband, dem Kriegsverwundete sowie Witwen, Waisen und Angehörige von Kriegsopfern angehörten. Von 1913 bis 1922 leitete er die von Arbeitern im Viertel San Salvi gegründete "Società di Mutuo soccorso" (= Sms "Andrea del Sarto") und hatte einen Sitz im Abgeordnetenhaus des Königreichs Italien inne. 1921 wurde er Provinzsekretär der PSI in Florenz. // Florenz war damals eines der größten Zentren von Wissenschaft, Bildung und Kultur in Italien; Tausende Engländer und Amerikaner bevölkerten die Stadt. Von hier waren bedeutende Impulse bürgerlichen und linken Widerstands gegen den Faschismus ausgegangen. Der Führer der faschistischen Milizen, der Lehrer Tullio Tamburini (1892-1957) versuchte mit Gewalt, die Verhältnisse in der Stadt zu faschisieren. Seine Schwarzhemden wurden bekannt für ihre brutalen Terrorakte gegen Andersdenkende. Besonders seit dem 26. September 1925 gerieten die Strafexpeditionen unter Tamburinis Führung außer Kontrolle. Ihren Höhepunkt erreichten die Exzesse in der «notte di San Bartolomeo», der Bartholomäusnacht von Florenz, in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober 1925. Die Milizen ermordeten den Anwalt Gustavo Consolo vor den Augen seiner Familie, den jungen antifaschistischen Freimaurer Giovanni Becciolini, der einem Freund gegen dessen willkürliche Verhaftung beistehen wollte, und den stadtbekannten Sozialisten Gaetano Pilati, der krank im Bett lag. Sie zerstörten unter den Augen der untätigen Carabinieri die Wohnungen, Praxen und Büros geflüchteter Anwälte, Abgeordneter, Lehrer, Ärzte und Geschäftsleute, die im Verdacht der Freimaurerei standen oder als Antifaschisten galten. Viele ihrer Häuser wurden in Brand gesteckt, die Möbel auf die Straße geworfen.
Diese Ausschreitungen führten dazu, dass Mussolini, der dem Land ein gemäßigtes Antlitz geben wollte, einschritt und Dutzende Faschisten versetzen ließ, auch Tamburini. Doch bei der juristischen Verfolgung der Verbrechen ließ er Milde walten. Die Täter gingen straffrei aus.

Postalische Merkmale: -
Datierung Postkarte: Oktober 1925.
Datierung Fotoporträt: -
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: fascismo, faschismus, antifascismo, fasci, movimento operaio, resistenza, widerstand, antifaschismus, comunismo, communismo.
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Objekt: 1925_plam
Objekt: 1925_irh
Objekt: 1925_muehsam
   
Frankreich / ČSR
Titel: Mme Plaminkova / Sénateur de Tchécoslovaqui.
Übersetzung: Frau Plamínková, Senatorin der Tschechoslowakei.
Verlag: Ed. Journal “La Française. Journal de progrès féminin”, Paris. Organ des "Conseil national des femmes françaises". Die Zeitung existierte von 1906 bis 1940 sowie 1945/46.
Hintergründe: Porträtkarte für Františka Plamínková (1875–1942), Lehrerin, Journalistin, Feministin. 1925 in die Tschechoslowakische Nationalversammlung gewählt; Senatorin (bis 1939), Mitbegründerin der „Tschechoslowakischen Liga für Frieden und Freiheit“ (tschechoslowakische Sektion der IFFF, vgl. Objekte 1919_wilpf und 1925_spiel) und Gastgeberin der sechsten IFFF-Kongresses 1929 in Prag. Vizepräsidentin des Internationalen Frauenrats (Frauenweltbund, englisch: International Council of Women, ICW). Die Tschechoslowakische Liga für Frieden und Freiheit ging 1932 aus national getrennten Zweigen im Lande hervor und bestand bis zur Besetzung der Tschechoslowakei 1939. Noch 1937 war sie im mährischen Luhačovice Gastgeberin des IFFF-Kongresses.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag wurde Františka Plamínková im März 1939 unter Hausarrest gestellt. Während der Heydrichiade zunächst im KZ Theresienstadt interniert, wurde die 67-jährige Frauenrechtlerin am 30. Juni 1942 auf dem Schießplatz Kobylisy in Prag erschossen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Dezember 1925.
Schlagwörter: feminismus feminism.
Schweiz
Titel: Internationale Rote Hilfe für die Opfer des proletarischen Klassenkampfes. 
Herausgeber: IRH-Zentralkomitee für die Schweiz.
Signatur: -
Künstler: Николай Александрович Ярошенко / Nikolai A. Jaroschenko (1846-1898), russischer Maler.
Hintergründe: Das sepiafarbene Motiv basiert auf dem Gemälde "Der Gefangene" / "Заключенный" von Jaroschenko (1878; heute Tretjakow-Galerie Moskau). Der Bildausschnitt des Kartenmotivs verengt die beklemmende Ansicht des dunklen Verlieses auf das Kerkerfenster und den Tisch. // Die IRH-Sektion der Schweiz wurde um 1923 gegründet.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Undatiert, um 1923-1925.
Schlagwörter: yaroshenko, nikolai nicolai nicolay alexandrovich aleksandrovich yaroshenko, bildende kunst,proletarische kunst, gefängnis,kerkerhaft, inhaftierung, solidarität, solidarity.
Deutschland
Titel: Kennen Sie Erich Mühsam und sein Werk?
Verlag: Der Syndikalist, Berlin.
Hintergründe: Werbekarte für Erich Mühsams 1925 erschienenes Buch "Alarm - Manifeste aus 20 Jahren".
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Schlagwörter: anarchismus, lyrik.
 
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Objekt: 1925_ruda
Objekt: 1925_klaeber

Objekt: 1925_radioklub

   
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (Tschechisch): Rudá pomoc.
Übersetzung: Rote Hilfe.
Künstlersignatur: KTN
Hintergründe: Die tschechoslowakische Rote Hilfe wurde 1925 gegründet und 1932 verboten, danach illegales Wirken, insbesondere ab 1933 bei der Unterstützung deutscher antifaschistischer Emigranten. Nach dem Beistandspakt UdSSR-ČSR (im Mai 1935) Wiedergründung unter dem Namen "Solidarita". Die Karte liegt auch in der deutschsprachigen Version vor.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1925.
Schlagwörter: solidarität, solidarity.
Deutschland
Titel: »Barrikaden an der Ruhr« von Kurt Kläber. Erzählungen aus den Kämpfen des Ruhrproletariats. Eine Sammlung fesselnder Erzählungen aus den Tagen der Verzweiflung und des Aufruhrs.
Verlag: Verlag der Jugendinternationale, Berlin-Schöneberg.
Künstlersignatur: Maria Braun
Künstlerin: Maria Braun (1896-1950), Münchner Buchkünstlerin.

Hintergründe: Werbekarte für das genannte Buch von Kurt Kläber.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Schlagwörter: rote ruhrarmee,ruhr-armee, generalstreik, sozialisierung der betriebe, noske, freikorps, reichswehr.
Deutschland
Titel: Arbeiter-Radio-Klub Deutschland e.V. Ortsgruppe Altenburg. Werdet Mitglied.
Herausgeber: -
Hintergründe:
Der Arbeiter-Radio-Klub (ab 1928 Arbeiter-Radio-Bund) wurde 1924 von Rundfunkhörern und Radiobastlern ins Leben gerufen, die Ortsgruppe Altenburg in Thüringen im Jahr darauf gegründet. Da die Anschaffung eines Radioapparats für viele Arbeiter nicht erschwinglich war, gab der Verein Hilfestellung beim Eigenbau von Rundfunkgeräten. 1929 spaltete sich der KPD-nahe Freie Radio-Bund ab. // Der Fotograf versah die Gruppenaufnahme mit dem Zusatz: "der Vorst." (der Vorstand). 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925. 
 
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Objekt: 1925_spielzeug

Objekt: 1925_kriegsspiel

Objekt: 1925_spiel
   
Deutschland
Titel (Niederländisch, Deutsch): EERST HET SPEL, DAN DE HEL... / Erst das Spiel - dann die Hölle... 
Aufdruck Adressseite: Unterstützt das Anti-Kriegsmuseum.
Herausgeber: Anti-Kriegsmuseum Berlin (Ernst Friedrich). 
Hintergründe: 2sprachige Spenden-Postkarte, die sich gegen den Gebrauch von Kriegsspielzeugen wendet. Gründer des Anti-Kriegsmuseums war der Anarchopazifist und radikale Kriegsgegner Ernst Friedrich (1894-1967). Sein Museum wurde 1925 in Berlin eröffnet. 1933 zerstörten die Nazis die Einrichtung und verwandelten das Haus in ein SA-Sturmlokal. Hatte Friedrich schon in den Jahren der Weimarer Republik öfter vor Gericht gestanden und Gefängnisstrafen verbüßt, so wurde er wie Tausende andere in der Reichstagsbrandnacht verhaftet. Nach seiner Entlassung im Dezember 1933 fand er mit seiner Ehefrau Charlotte in einem "Rest Home" in Falkenstein (Taunus) Unterschlupf ("Rest Homes" waren von Quäkern eingerichtete Heime, wo sich von den Nazis Verfolgte aufhalten und erholen konnten; vgl. Objekt 1932_quaker). Friedrich floh aus Deutschland, gründete 1936 in Brüssel erneut ein Museum (das nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1940 in Belgien abermals zerstört wurde) und emigrierte nach Frankreich weiter. Dort wurde er interniert, konnte nach 16 Monaten fliehen und schloss sich der Résistance an. // Teil einer Serie.
Postalische Merkmale:
-
Datierung: 1924 / 1925.
Schlagwörter: antikrieg, pazifismus.
Frankreich
Titel (Französisch): Enfants ne jouez pas a la guerre / Parents... / si vous voulez que vos enfants vivent / préparez le désarmement moral / Supprimez les jouets militaires.
Übersetzung: Kinder, spielt nicht Krieg! Eltern, wenn Sie Ihre Kinder lebend wollen, dann bereiten Sie moralisch die Abrüstung vor. Beseitigen Sie das Kriegsspielzeug.
Herausgeber: Fédération du Maine-et-Loire de la Ligue internationale des combattants de la paix (LICP), Angers (Maine-et-Loire). 
Hintergründe: Bekanntes Postkartenmotiv von Ernst Friedrichs Anti-Kriegsmuseum in einer französischen Fassung.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Schlagwörter: antikrieg, pazifismus.
Tschechoslowakei / čSR
Titel
: Der kleine Baumeister / 1. Serie. „Wir brauchen kein Soldatenspiel!"
Verlag: Verlag Deutsche Frauenliga für Frieden und Freiheit in der Tschechoslowakischen Republik. 
Hintergründe: Im Jahr 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde in Den Haag
die "Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit" (IFFF) gegründet. Ob die "Deutsche Frauenliga für Frieden und Freiheit in der Tschechoslowakischen Republik" zu den Gründungsmitgliedern gehörte oder später ins Leben gerufen wurde, ist noch zu ermitteln. Über die „Tschechoslowakische Liga für Frieden und Freiheit“ siehe Objekt 1925_plam, über die Sektion der IFFF in Deutschland siehe Objekt 1926_bruecke. Unsere Postkarte ist wahrscheinlich nach dem Vorbild der bekannten Postkarten des Berliner Antikriegsmuseums herausgebracht worden. Dieses Museum wurde 1925 von Ernst Friedrich eröffnet. Näheres dazu bei den Objekten 1925_spielzeug und 1925_kriegsspiel.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Unklar, wohl ab 1925.
Schlagwörter: antikrieg, pazifismus.
 
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Objekt: 1925_pieschen

Objekt: 1925_visionen

Objekt: 1925_zuerich

   
Deutschland
Titel:
Herausgeber: -
Hintergründe: Fußballmannschaft des KPD-nahen Arbeiter-Turn-Vereins Dresden-Pieschen. Auf den dunklen Blusen heller Stern mit Hammer und Sichel.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Um 1925.
Schlagwörter: arbeitersport, arbeiterfußball, arbeiter-fußball, arbeiter-fussball, arbeiterfussball.
Frankreich
Titel (Französisch): VISIONS DE GUERRE d'après lES CHEFS-D'oeuvre Littéraires présentées par Dukercy et H.G. Ibels.
Übersetzung: Kriegsvisionen nach literarischen Meisterwerken, dargestellt von Dukercy und H.G. Ibels.
Herausgeber: Fédération de Blessés du Poumon et des Chirurgicaux; Paris.
Künstlersignatur: DUKERCY et H.G. IBELS
Künstler: Pierre Dukercy, Pseudonym von Pierre Mejecaze (1888-1945), frz. Plakatkünstler und Cartoonist (u.a. für L'Humanité), sowie Henri-Gabriel Ibels (1867-1936), frz. Grafiker, Maler und Autor.

Hintergründe: Das Motiv illustriert Henry-Jacques' Gedichtband "La symphonie héroïque" (1921). Karte aus der 1925/1927 erschienenen Serie "Visions de guerre" (Kriegsvisionen)
mit 12 Motiven zu französischen, seit 1914 erschienenen "Meisterwerken der Literatur". Gemeint sind Antikriegsbücher und realistische Kriegsschilderungen. Die Serie wurde als Set herausgegeben von der Föderation der Lungen- und chirurgisch Verletzten, Paris, und entworfen von den Grafikern Dukercy und Ibels. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925 bis 1927.
Schlagwörter: antikrieg, pazifismus.
Schweiz
Titel: Die alte Welt muss stürzen, Frei soll die Arbeit sein.
Herausgeber: Kommunistische Jugend Zürich.
Künstlersignatur: Scherer
Künstler: Carl Wendolin Scherer (1890-1953), Schweizer Grafiker
Hintergründe: Die Kommunistische Jugend ging 1919 aus der Sozialistischen Jugendorganisation hervor, gründete sich also eher als
die Kommunistische Partei der Schweiz. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1920er Jahre, frühestens aus dem Gründungsjahr der KJ 1919. 
Schlagwörter: komintern, kommunistische internationale, zuerich, zurigo.
 
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Objekt: 1925_grand
Objekt: 1925_hybes
Objekt: 1925_chine
 
Frankreich
Titel (Französisch): Republique sovietique française / ni batards, ni orphelins, tous les enfants sont nos enfants et sont élevés en frères / [auf dem Podest Porträt und Name Lenins:] ЛЕНИН / 75c.
Übersetzung: Ob Bastarde, ob Waisen, alle Kinder sind unsere Kinder und werden als Brüder erzogen.
Aufdruck Adressseite: P.S. …et rappelle-toi que si la République Soviétique Française n‘existe pas encore en fait, elle est déjà dans tous les cœrs.
Übersetzung: P.S. …und denken Sie daran, auch wenn die Französische Sowjetrepublik nicht wirklich existiert, so ist sie doch in jedem Herzen.
Herausgeber: Édition GRANDJOUAN, Paris.  
Künstlersignatur: GRANDJOUAN
Künstler: Jules Grandjouan (1875-1968), französischer Grafiker.
Hintergründe: Der revolutionäre Künstler und Grafiker Jules Grandjouan, der vor allem für die Kommunistische Partei Frankreichs tätig war, gab 1925 in eigener Regie eine inspirierende, aus 5 Motiven bestehende Postkartenserie einer fiktiven "Sowjetrepublik Frankreich" heraus, aufgemacht im Stile von Briefmarken. Die Anrede "Camerade" auf der Adressseite und das (oben wiedergegebene) P.S. lassen vermuten, dass die Serie nur zur Verbreitung unter Gleichgesinnten gedacht war. Den historischen Optimismus der französischen Kommunisten hat der sowjetische Schriftsteller Isaak Babel, der mit einer Delegation 1935 eine der Paris Vorstädte aufgesucht hat, in einer Begebenheit erfahren, die er später aufschrieb ud veröffentlichte. Lassen Sie sich diese Kurzgeschichte, während 'Sie diese Postkarte betrachten, vorlesen. Sie heißt "Der 'rote Gürtel'".     

Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Anmerkung: Selten.
Tschechoslowakei / ČSR
Titel (auf Obelisk: Tschechisch, Deutsch): Senátor Josef Hybeš / 1850-1921 / Průkopník proletariátu / Vorkämpfer des Proletariats.
Herausgeber / Fotograf / Fotostudio: -
Hintergründe: Repräsentable Grabstätte auf dem Zentralfriedhof von Brno / Brünn für den Arbeiterführer Josef Hybeš (Hybesch), der in Brno als Streikführer und sozialdemokratischer Organisator der tschechischen Arbeiterbewegung große Anerkennung fand. Bereits mit 9 Jahren musste Josef Hybeš als Textilarbeiter in der Weberei seines Vaters zum Familienunterhalt beitragen. 1867 ging er auf Arbeitssuche nach Wien und schloss sich dort dem Arbeiterbildungsverein an. Hybeš führte in Wien (sowie später in Südmähren) große Streiks an. Ab 1876 gehörte er dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Österreichs an. Als der Sitz der Tschechisch-slawischen Sozialdemokraten nach Wien verlegt und deren leitende Funktionäre verhaftet wurden, half er bei der Aufrechterhaltung der Organisation der Partei. 1881 bis 1884 wirkte er als Redakteur an Wiener Arbeiterblättern mit. Nach Ausrufung des Ausnahmezustands am 31. Januar 1884 in Wien wurden alle führenden Aktivisten der Sozialdemokratie verhaftet. Nach seiner Ausweisung nach Böhmen arbeitete er als Textilarbeiter, stellt sich aber bald wieder als Redakteur für tschechische Arbeiterzeitungen zur Verfügung. 1887 ging Hybeš nach Brno / Brünn, wo er bei der Organisierung der tschechischen Arbeiter eine führende Rolle übernahm und für die Zeitung "Rovnost" tätig wurde. 1907 rief er einen Verein für die Schaffung bezahlbarer Wohnungen ins Leben. Von 1897 bis 1901 hatte er einen Sitz für die Sozialdemokraten im Reichsrat inne, nach Gründung der Tschechoslowakischen Republik auch im Senat der Nationalversammlung. Am Ende seines Lebens galten seine Sympathien der eben gegründeten Kommunistische Partei der Tschechoslowakei. Diese Überzeugungen Hybešs waren der Grund, weshalb in Brno spätestens 1995 alle Straßen und Örtlichkeiten, die seinen Namen trugen, rückbenannt worden sind. // Unser Projekt sucht noch Hinweise auf das Jahr der Entstehung der denkmalartigen Grabstätte auf dem Zentralfriedhof in Brno (Ústřední hřbitov města Brna) und auf die Namen der Künstler, die daran mitgewirkt haben. Bekannt ist, dass das von dem Bildhauer Rudolf Schiebel geschaffene Relief mit dem Antlitz von Hybeš im Jahr 1925 ergänzt worden ist. Das Ovalrelief verleiht dem konservativem Entwurf des Obelisken eine ganz persönliche, unverwechselbare Note und zeugt von der großen Verehrung der Arbeiter für die Persönlichkeit Hybešs. Das Grabmal mit dem Obelisken und der Figurengruppe existiert noch heute (Stand 2008). Die zweisprachige Inschrift wurde nach 1945 durch eine tschechischsprachige Tafel ersetzt
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Postalische Merkmale:
Gelaufen im Mai 1926 von Rájec nad Svitavou nach Moravská Ostrava.
Datierung des Postkartendrucks: 1925.
Frankreich / China
Titel (Französisch): Ne toucher pas a la Chine ou Le Droit des Peuples à disposer d’eux-mêmes / Travailleurs ! 4 Millions d’Ouvriers Chinois sont en lutte contre les plus rapaces des impérialistes capitalistes / Leur victoire sera notre victoire. Leur défaite serait notre défaite. Aidez nos Frères de classe Chinois! Demandez des Timbres de Solidarité à 1 Franc.
Übersetzung: Hände weg von China oder Das Recht der Völker auf Selbstbestimmung / Arbeiter! 4 Millionen chinesische Arbeiter kämpfen gegen die räuberischsten kapitalistischen Imperialisten / Ihr Sieg wird unser Sieg sein, ihre Niederlage wäre zugleich unsere Niederlage. Helft den chinesischen Klassenbrüdern! Fordert Solidaritätsmarken für 1 Franc an.
Herausgeber: S.O.I. (Secours Ouvrier International), Paris. 
Künstlersignatur: Дени 25
Künstler: Deni (1893-1946) / Дени (Виктор Николаевич Денисов / Viktor Nikolajewitsch Denisow).
Verlag: Maison des Syndicats.
Hintergründe: Die Karte erschien parallel zum gleichartig aufgemachten Buch und Plakat zur Unterstützung der chinesischen Revolution (1925-1927). 

Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Anmerkung: Selten.
 
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Objekt: 1925_lanzuzki
Objekt: 1925_bremen
   
Polen / Deutschland
Titel: Eisenbahner Genosse Stanislaus Lanzuzki / einer der mutigsten revolutionären Führer des polnischen Proletariats. 
Herausgeber: Exekutiv-Komitee der IRH.
Druck: Verlag Produktiv-Genossenschaft Halle-Merseburg.
Hintergründe: Deutschsprachige Karte für die Freilassung des kommunistischen Sejm-Abgeordneten Stanisław Łańcucki (1882-1937). Sowohl unter der parlamentarischen Demokratie Polens als unter der Militärdiktatur von Pilsudski ging die Polizei äußerst hart gegen Anhänger der verbotenen Kommunistischen Partei vor. Als Stanisław Łańcucki (Stanislaus Lanzuzki) 1924 seiner parlamentarischen Immunität beraubt, inhaftiert und wegen Hochverrats angeklagt wurde, demonstrierten in Berlin mehrere Tausend Menschen vor der polnischen Gesandtschaft. Nach einem Aufruf der Roten Hilfe schickte eine Vielzahl von Gewerkschaftsgliederungen und Betriebsversammlungen Protestschreiben an die polnische Gesandtschaft, an den Sejm und Briefe an Łańcucki in der Haft. Unter dem Eindruck der Proteste wurde in Polen von dem geplanten Todesurteil Abstand genommen und Łańcucki schließlich zu sechs Jahren Haft verurteilt. 
Im August 1928 aus der Haft entlassen, ging er 1929 in die Sowjetunion. In der Zeit der großen Säuberungen wurde er verhaftet und des Tatvorwurfs der "Beteiligung an einer polnisch-nationalistischen Terrororganisation" für schuldig befunden und am 20. September 1937 erschossen. 1955 rehabilitiert.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924 / 1925.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: arbeiterhilfe, solidarität, solidarność pracownicza, stalinsche säuberungen, чистка purge schiska hinrichtung.
Deutschland
Titel: Bremen / Hafenerweiterung 1925. / Bremen.
Herausgeber / Fotograf / Fotostudio: -
Hintergründe: Gruppe von 13 Zimmerleuten während des Hafenausbaus in Bremen, hier im Jahre 1925. Der wachsende Umschlag hatte bereits nach der Jahrhundertwende, 1901 bis 1906, zur Errichtung des Freihafens II geführt (später Überseehafen genannt), was 1907-1910 den Bau der Industriehäfen und die Vertiefung der Weser auf 7 Meter (bis 1924), später auf 8 Meter Tiegang (1925-1929) nach sich zog. Unsere Aufnahme entstand während der dritten Ausbaustufe im Hafen II, der in den Jahren 1922-1929 an seiner Nordseite eine Erweiterung erfuhr.

Postalische Merkmale: -
Datierung des Postkartendrucks: 1925.
Schlagwörter: zimmerer, zimmersleute, bauarbeiter, hafenarbeiter, hafenausbau, hafenerweiterung, hafenvertiefung, hafenanlage, weservertiefung, weserausbau, weserhafen, zimmerei, tischler, schreiner, holzbau, hafenbau, wasserbau, hafenbautechnik, hafenbautechniker, hafentechnik, hafenlogistik.
   

      


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