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Antigua (Karibik, britische Kolonie)
Titel: Local Forces who defended the City during Riot, March 1918. / Antigua, B.W.I.
Verlag / Druck: The Albertype Co., Brooklyn, N.Y.
Fotograf: Jose Anjo, Photographer, Antigua, B.W.I.
Hintergründe: Die Lebensbedingungen auf den britischen Besitzungen der Antillen waren im 19. Jh. geprägt von schlechten Voraussetzungen für Landwirtschaft, verschärft durch Naturkatastrophen (Erdbeben, Hochwasser, Brände). Da sich keine Bauernschaft herausbilden konnte, bestand die Mehrheit der Werktätigen aus abhängig Beschäftigten, die häufig nur in anderen Regionen Amerikas Arbeit fanden. Diese stete soziale Unsicherheit führte immer wieder zu sozialen Unruhen, zu Aufständen, wie auch im März 1918 auf Antigua. Zwar ließ der Governor die Unruhen niederschlagen und die "Rädelsführer" hinrichten, doch angesichts fehlender Lösungen schwelte der Konflikt weiter.    
Postalische Merkmale: -
Datierung: Frühjahr 1918 bis 1920.
Deutschland
Titel: Gruft der Revolutionsopfer / Särge Dr. Liebknechts und der Rosa Luxemburg.
Verlag: Michaelis, Berlin.
Hintergründe: Am 15. Januar 1919 hatten Freikorpssoldaten die beiden Revolutionsführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht kaltblütig ermordet. Beide wurden zehn Tage später zusammen mit weiteren 31 Opfern des Januaraufstands auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde zu Grabe getragen. 100.000 Menschen folgten den Särgen. Zunächst blieb der Sarg von Rosa Luxemburg leer. Erst als man am 31. Mai 1919 ihren Leichnam fand, wurde dieser im Juni neben Karl Liebknecht beigesetzt. Auch hier gaben Zehntausende der Toten ein letztes Geleit. Da der Mord an den beiden Kommunisten mit Rückendeckung des sozialdemokratischen Reichswehrministers Noske erfolgte, der auch das milde Urteil an den Tätern bestätigte, vertiefte das Verbrechen den Graben zwischen SPD und den links von ihr stehenden Gruppen und Parteien erheblich.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Januar 1919.
Schweiz / Italien
Titel: ROSA LUXEMBURG.
Herausgeber: Partito Socialista Italiano Nella Svizzera / Commissione Esecutiva / Zurigo.
Druck: Sanvito & C. – Tipografia Luganese; Lugano, Schweiz.

Hintergründe: Gedenkkarte für die im Januar 1919 ermordete Revolutionärin Rosa Luxemburg.
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Januar / Februar 1919.
Anmerkung: Selten.
Litauen
Titel: Karalos Liebknechtas.
Übersetzung: Karl Liebknecht.
Herausgeber: -
Hintergründe: Grafisch gestaltete Fotopostkarte, die nach der Ermordung von Karl Liebknecht in Litauen erschien. Gab es bereits viele Jahre vor seinem Tod Postkarten für den Sozialisten und Kriegsgegner Karl Liebknecht, so nach seinem Tod in noch größerer Zahl (dasselbe gilt für Rosa Luxemburg). Wir wählen aus der Vielzahl dieser Gedenkkarten eine seltene litauische Karte aus, die anonym während der kurzen Ära der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik (16. Dezember 1918 bis 27. Februar 1919) hergestellt und verbreitet wurde. Schleifenaufschrift in Litauisch: "Gimes 1871 m. Leipcige Vokietijoje / nužudytas 1919 m. sausio 15 d. Berlyne" (Geboren 1871 in Leipzig, Deutschland / Getötet am 16. Januar 1919 in Berlin). // Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek ("Schwejk") schrieb am 21. Januar 1919: "In Deutschland hallten zwei Schüsse, durch die Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet wurden. Das Peitschen dieser Schüsse schlug gegen die Häuser Berlins, und es trat ein Augenblick beängstigender Stille ein... Dann aber brach ein Sturm los, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hatte. [...] Jeder Arbeiter und jeder Bauer weiß: Diese beiden Schüsse sind ein Symbol für den Angriff der internationalen Bourgeoise auf das revolutionäre Proletariat."
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Februar 1919.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1919_libertad
   
Deutschland
Titel: Nationalversammlung in Weimar. Die weiblichen Abgeordneten der Mehrheitssozialisten.
Herausgeber: -
Hersteller: Berl. Illustr. Ges.
Hintergründe: Nach den Wahlen am 19. Januar 1919 trat in Weimar die Nationalversammlung (am 6. Februar) zusammen. Als Mehrheitssozialisten bezeichnete man die nach der Abspaltung der USPD 1917 in der SPD verbliebene Mehrheit der Mitglieder unter Ebert und Scheidemann (bis 1922). Mit dem wenig kämpferischen, ja geradezu bürgerlichen Arrangement dieser Aufnahme (Kleidung, Aufstellung, Habitus) wollte der Herausgeber offenbar eine bürgerliche Wählerschaft ansprechen.
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Februar 1919.
Ägypten / Deutschland
Titel: Die Revolution in Ägypten.
Aufdruck Adressseite
: Eine verschleierte mohammedanische Frau als Rednerin in einer Volksversammlung. – Das Auftreten einer Mohammedanerin in der Öffentlichkeit verstößt gegen uralte Sitte und wurde jetzt zum ersten Male durch die Revolution toleriert.
Herausgeber: -
Hintergründe: Während des Volksaufstandes im Frühjahr 1919 gegen die britische Kolonialherrschaft in Ägypten gingen in den Städten auch Frauen massenhaft auf die Straße, gekleidet in schwarze Gewänder und die Gesichter verhüllt mit weißen Tüchern. Die erste Frauendemonstration fand am 16. März 1919 statt. Den Kampf um die Unabhängigkeit des Landes verknüpften die Frauen rasch mit sozialen und frauenemanzipatorischen Forderungen. 1922 wurde das Land unabhängig. Genau vier Jahre nach der ersten Frauendemonstration gründete sich die "Ägyptische Frauenvereinigung" (Ittihadn-an-nisal-al-arabi). Erste Vorsitzende wurde Hoda Shaarawy (Hudā Schaʿrāwī; 1879-1947). Sie hatte zuvor - bei der Rückkehr von einem Frauenkongress in Rom - in Alexandria ihren Schleier demonstrativ ins Meer geworfen. Bei der Konferenz der Weltfrauenliga 1926 in Genf spielte Hoda Shaarawy eine wichtige Rolle. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jhs. stand die Schleierfrage im Mittelpunkt der von der Frauenbewegung in Ägypten und in den benachbarten Regionen angestoßenen Auseinandersetzungen. So fanden im Jahr 1927 in Kairo große Kundgebungen statt, die sich gegen den Schleierzwang richteten. In der Ober- und Mittelschicht, die die ägyptische Frauenbewegung maßgeblich prägte, setzte sich die Erkenntnis durch, dass der Schleier keineswegs eine originär islamische Einrichtung sei und demzufolge nicht von religiösen Instanzen vorgeschrieben werden soll. 1929 wurden an der Kairoer Universität erstmals Frauen zum Studium zugelassen. // Die Karte gehört zur Serie "Die Revolution in Ägypten".
Postalische Merkmale: -
Datierung: Dem Projekt liegt u.a. ein Exemplar der Serie vor, das im Januar 1925 in Wien gelaufen ist. Da sich aber die zeitliche Bestimmung "jetzt zum ersten Male" (siehe Adressseite) ausdrücklich auf das erste Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit bezieht, wird die Serie bereits im Frühjahr 1919 erschienen sein.
Anmerkung: Selten.
Mexiko
Titel (Spanisch): TIERRA Y LIBERTAD / GENERAL E. Zapata.
Übersetzung: Erde und Freiheit / General Zapata.

Fotograf:
Charles Phelps Cushing (1884-1973).
Hintergründe: Die Verhinderung jeglicher sozialer Reformen durch die Diktatur des Präsidenten Porfirio Díaz führte in den Jahren 1910 bis 1920 zu einer Reihe von Unruhen, Aufständen und militärischen Kämpfen in vielen Teilen Mexikos. In dieser Umbruchphase, von den Historikern "Mexikanische Revolution" genannt, verfochten die jeweiligen Führer der regionalen Erhebungen sehr verschiedene, ja gegensätzliche Interessen und Ziele. Eine tiefgreifende soziale Revolution strebte vor allem Emiliano Zapata an, der im Süden des Landes unter der Losung "¡Tierra y Libertad!" besitzlose Landarbeiter um sich scharte. Am 9. April 1919 wurde Zapata von einem vermeintlichen Bündnispartner in einen Hinterhalt gelockt und ermordet. Nach weiteren militärischen Auseinandersetzungen und heftigen Machtkämpfen setzte sich der Befehlshaber Alvaro Obregón durch; er wurde 1920 Präsident des Landes. Ihm gelang eine politische Stabilisierung des Landes, die er durch Reformen herbeiführte. // Das Bild zeigt Zapata in einem Fotostudio. Die Angaben über das Jahr, in dem die Aufnahme entstand, schwanken zwischen 1911 und 1915.

Postalische Merkmale: Ohne Zudruck.
Datierung der Karte: Ab April 1919.
Anmerkung: Selten.
   
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Objekt: 1919_lima
Objekt: 1919_wilpf
 
USA
Titel (Englisch): I PROTEST.
Herausgeber: Socialist Party, Chicago.
Hintergründe: Kampagnenkarte für die Freilassung der sozialistischen Kriegsgegner Eugene V. Debs, Kate Richards O'Hare und anderer politischer Gefangener. Der populäre Sozialist Eugene V. Debs wurde 1918 nach einer Antikriegsrede wegen Verstoßes gegen den Sediction Act (Mai 1918), der jede Kritik an der Kriegsbeteiligung der USA unter Strafe stellte, zu 10 Jahren Gefängnishaft verurteilt. Auch Kate Richards O'Hare, die das Socialist Party's Committee on War and Militarism leitete, wurde 1919 wegen ihres Friedensengagements mit 5 Jahren Gefängnis bestraft (Haftgrund: Verstoß gegen den Espionage Act von 1917). Eine großangelegte Befreiungskampagne der Socialist Party hatte Erfolg: Die Friedensaktivistin wurde nach 14 Monaten Haft entlassen. Debs kam erst nach seiner Begnadigung 1921 auf freien Fuß, nachdem er als Kandidat seiner Partei zu den Präsidentschaftswahlen im November 1920 fast eine Millionen Stimmen erhalten hatte und damit hinter den Kandidaten der Republikaner und Demokraten das drittbeste Ergebnis einfuhr.

Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab April 1919.
Deutschland
Titel: Maifeier 1919.
Künstlersignatur: -
Verlag und Druck: Kaden & Comp., Dresden. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Mai 1919.
Peru
Titel (Spanisch): Lima (Perú) / Manifestación Socialista en la Plaza de Armas / "Viva el Paro".
Übersetzung: Sozialistische Manifestation auf dem Plaza de Armas in Lima, Peru. "Es lebe der Streik". [Auf einem Transparent die lesbare Aufschrift: VIVA EL PARO GENERAL = "Es lebe der Generalstreik"].
Verlag:
E. Polack-Schneider, Lima.
Hintergründe: Die Organisationen der Arbeiterbewegung, die Anfang des 20. Jhs. in den Städten Perus entstanden waren, erstritten seit dem Generalstreik 1911 beachtliche Erfolge (Abschaffung der Nachtarbeit in der Textilindustrie). 1913 erkämpften die Hafenarbeiter den 8-Stunden-Tag. In Peru hatten an der Organisierung der Arbeiter die Anarcho-Syndikalisten entscheidenden Anteil, unter denen sich (vor allem in der Textilindustrie) viele aus Italien eingewanderte Arbeiter befanden. Peru führte nach einem Generalstreik im Januar 1919 als einer der ersten Staaten die gesetzliche Regelung des 8-Stunden-Arbeitstags ein. Im April gründete sich ein Komitee für preiswerten Grundbedarf, das von der Regierung die Senkung der Lebensmittelpreise und die Festsetzung von Höchstpreisen bei grundlegenden Lebenshaltungskosten (Fahrpreise, Mieten, Lebensmittel) einforderte. Da die Regierung diese Forderungen ignorierte, wurde am 1. Mai der Generalstreik angekündigt. Der Frauenausschuss des Komitees führte am 25. Mai in Lima eine "Demonstration gegen Hunger" durch, an denen sich mindestens 2000 Frauen beteiligten (einige Quellen sprechen von 3000 bis 5000 Teilnehmerinnen). Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Wir wollen Brot!“, „Nieder mit den Kapitalisten und Spekulanten!“ und „Es lebe die Frauenorganisation“. Als die Frauen dem Plaza de Mayor zustrebten, versuchten Polizeikräfte, sie rigoros daran zu hindern und den Zugang zum Platz zu blockieren. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die jedoch die Frauen nicht daran hinderten, auf den Plaza de Mayor vorzudringen. Wegen dieser Exzesse forderte das Komitee am Folgetag die Entlassung des Polizeichefs. Die Polizei verhaftete daraufhin führende Funktionäre des Komitees. Das Komitee rief als Reaktion auf die Verhaftungen zum sofortigen Generalstreik auf. Ab dem 27. Mai legte dieser Streik in Lima und Callao vier Tage lang das öffentliche Leben lahm. Er fand in mehreren Provinzen Rückhalt. Trotz Ausrufung des Kriegsrechts, trotz Verhaftungen, Razzias und Repressionen durch Behörden und Militär war die Volksbewegung nicht mehr aufzuhalten. Nach der Absetzung des Regierungschefs José Prado im Juli 1919 wurden die inhaftierten Aktivisten auf freien Fuß gesetzt. Das Komitee für preiswerten Grundbedarf ging im Gewerkschaftsdachverband "Federación Obrera Regional Peruana" (FORP) auf. // Da sowohl im Januar 1919 als auch im Mai 1919 je ein Generalstreik stattfand, muss offenbleiben, zu welchem der beiden die Karte erschienen ist. Da der Streik vom Mai 1919 der folgenreichere war, war die Karte sicher diesem Ereignis gewidmet. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1919.
Schweden
Titel: Women’s International League for Peace and Freedom / Headquarters / Maison Internationale / 12, rue du Vieux-Collège / Geneva, Switzerland.
Übersetzung: Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit / Hauptsitz / Internationales Haus, Genf, Schweiz.
Adressseite (Schwedisch): IKFF:s internationella hem i Genève (2 tr upp) med trädgården på den gamla stadsmuren.
Übersetzung: Der internationale Sitz der IFFF in Genf (2. Treppe) mit dem Garten an der alten Stadtmauer.

Verlag: -

Hintergründe: Die IFFF wurde 1915 in Den Haag als "Internationale Komitee für dauernden Frieden" gegründet. Stand zunächst der Protest gegen den Weltkrieg und die Forderung nach politischer Gleichberechtigung der Frauen auf der Tagesordnung, so kamen nach Kriegsende weitergehende Ziele hinzu, die beim Kongress im Mai 1919 in Zürich formuliert wurden: Abrüstung, gewaltfreie Lösung von Konflikten, internationale Zusammenarbeit, soziale Gerechtigkeit, Verwirklichung von Menschenrechten, insbesondere für Frauen, und Friedenserziehung. Diese Ziele schlugen sich im neuen Namen des Verbandes nieder: Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (Women’s International League for Peace and Freedom). Der Sitz der IFFF wurde 1919 nach Genf verlegt. Mit seinen Zielsetzungen und Forderungen war die IFFF eine radikal-bürgerliche Frauenbewegung, die sich von anderen bürgerlichen Frauenverbänden, welche nationalistische Bestrebungen unterstützten, abhob. Beim 6. Kongress 1929 in Prag wird die Position, dass für einen dauerhaften Friedens eine soziale Wirtschaftsordnung Voraussetzung sei, von der Mehrheit der Delegierten geteilt. Bei der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes 1932 in Genf übergibt die IFFF 8 Millionen Unterschriften für die Forderung nach Verzicht auf Rüstung. Bei der letzten Kundgebung der deutschen IFFF-Sektion im Münchner Hofbräukeller (Januar 1933) mit 800 bis 1000 BesucherInnen warnte eine Rednerin unmissverständlich: „Hitler bedeutet Krieg, schützt Eure Kinder [...] Gebt keine Stimme für Hitler, der der Handlanger Eurer Ausbeuter, Euer Feind ist! Schließt Euch zusammen, organisiert Euch für Frieden und Freiheit!“ Bei Anbruch der Hitlerdiktatur werden die Büros der deutschen Sektion sofort geschlossen, die bekanntesten Aktivistinnen müssen emigrieren. Der Kongress 1934 in Zürich beschließt gegen den Widerstand der britischen Sektion, den Kampf gegen Unterdrückung, Vorteilnahme und Profitdenken als weitere Zielstellung in der Satzung zu verankern. Der letzte IFFF-Kongress vor Kriegsbeginn (1937 im mährischen Luhačovice, Tschechoslowakei) mahnt und fordert, in Bezug auf Nazideutschland nicht neutral zu bleiben, sondern gegen Hitlers Politik entschieden Stellung zu beziehen. Siehe auch Objekte 1925_spiel, 1925_plam und 1926_bruecke.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1919.
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Objekt: 1919_tram
Objekt: 1919_fete
Objekt: 1919_suelze
Objekt: 1919_trotzki
Schweiz
Titel: 1. Mai 1919 / 1. Mai-Postkarte der Zürcher Straßenbahner / Einmütiger Wille ist die Kraft, die uns die neue Welt erschafft.
Verlag / Herausgeber: 
Künstlersignatur: Scherer.
Künstler: Carl Wendolin Scherer (1890-1953), Schweizer Grafiker.
Hintergründe:
Seit dem Ausgang des 19. Jhs. entstanden in den meisten Schweizer Städten Straßenbahnnetze. Streikten die "Trämler", hatte das für die lokalen Unternehmen böse Folgen. Die Straßenbahner waren sich ihrer Macht bewusst. Legten sie die Arbeit nieder (was seltener geschah als in der Privatwirtschaft), kam das aufgrund der Effekte einem Generalstreik nahe, weil viele Bereiche des örtlichen Lebens davon betroffen waren. Und umgekehrt: Ein Generalstreik machte nur Sinn, wenn die Trämler mitstreikten. Bei den Streiks gegen die Teuerungen von 1917 bis 1919 standen die Straßenbahner vielerorts in den vordersten Reihen, ebenso beim großen Landesstreik im November 1918. Unsere Karte atmet den Stolz der Trämler auf ihre kämpferische Tradition. Zugleich will sie indirekt an den 1. Mai im Jahr zuvor erinnern (1918), als die Zürcher Straßenbahner der Arbeit fernblieben. Auch in der kämpferischen Züricher Arbeiter-Union gehörten Straßenbahner zu den führenden Köpfen. Vgl. Objekt 1922_zurigo.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1919.
Frankreich
Titel: La Fête du Populaire – 22 Juin 1919.
Verlag / Herausgeber: 
Fotograf: -
Hintergründe:
Die Fotokarte entstand anlässlich des Pressefestes der sozialistischen Zeitung "Le Populaire". Nachdem das Parteiblatt der Sozialisten "L'Humanité" im Jahr 1920 mit der Abspaltung der Mehrheit zum FKP-Organ geworden war, wurde Le Populaire das Organ der S.F.I.O. und damit zur Rivalin der L'Humanité (welche aber eine höhere Auflage erzielte als Le Populaire). Ab 1927 erschien Le Populaire als Tageszeitung. Auf der Fahne hinter den Reihen der Schülerinnen und Schüler die Bestickung: Parti Socialiste / S.F.I.O. / Pupilles IX-XIème.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1919.
Schlagwörter:
SFIO
Deutschland
Titel: Dem Tüchtigen freie Bahn 3 / Gerechte Strafe für einen Ratten-, Katzen- und Hundeschlachter. 
Verlag / Herausgeber: 
Künstlersignatur: HN
Hintergründe: Als am 23. Juni 1919 vor der Hamburger Fleischwarenfabrik Heil & Co. in einem zerbrochenem Fass verfaulte Tierkadaver zum Vorschein kamen, die offenbar zu Sülze verarbeitet werden sollten, stürmten die unter Hunger und Not leidenden Bürger die Sülzefabrik und griffen das Rathaus an. Die SPD-Senat verhängte den Ausnahmezustand und forderte von der Reichsregierung Militärhilfe an.  Reichswehrminister Noske (SPD) schickte am 1. Juli 10.000 Mann Reichswehr- und Freikorpstruppen unter dem Kommando des Generals Paul von Lettow-Vorbeck nach Hamburg, Altona und Wandsbek und beendete mit kriegsgerichtlichen Zwangsmitteln innerhalb weniger Tage die "Sülzeunruhen". // Die Zeichnung soll die "Ausstellung der Beweisstücke" am Reiterstandbild Kaiser Wilhelms auf dem Hamburger Rathausmarkt illustrieren. Teil 3 der Serie "Dem Tüchtigen die Bahn".
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1919.
Sowjetrussland
Titel (Russisch): Пролетарии всех стран, соединяйтесь! / 1917 октябрь 1919 / В.И. Ленин / Карл Маркс / Л.Д. Троцкий.
Adressseite: Привет из Красной Армии!
Übersetzung: Proletarier aller Länder vereinigt euch! 1917 Oktober 1919 / W.I.Lenin / Karl Marx / L.D.Trotzki. [Adressseite:] Gruß von der Roten Armee. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Oktober 1919.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1919_belge
Objekt: 1919_psi
Objekt: 1919_kun
 
Belgien
Titel (Flämisch und Französisch):
Kandidaten der Socialistische Party / Candidats du Parti SocialistE.
Übersetzung: Kandidaten der Sozialistischen Partei.
Herausgeber / Druckvermerk: Belgische Naamlooze Maatshappij van Mekanieke Photoafdrukking, Vorst-Brussel.
Hintergründe: Wahlkampf-Postkarte für die Parlamentswahlen in Belgien im November 1919. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erreichte die Belgische Werkliedenpartij (BWP; Belgische Arbeiterpartei) mit den Forderungen nach Lohnerhöhung, Achtstundentag und 48-Stunden-Woche ihr bislang bestes Wahlergebnis. Im Parlament belegte sie 70 Sitze, nur drei weniger als die Katholische Partei. Die 1885 gegründete BWP hatte ihre Wurzeln in der Vlaamse Socialistische Arbeiderspartij (1877) sowie und in der Belgische Socialistische Arbeiderspartij (1879). Die Wahlpostkarte zeigt, dass mancherorts an den alten Parteinamen festgehalten wurde. In den Jahren zwischen den Weltkriegen war die BWP stets an der Regierung beteiligt und stellte Minister. Bei Kommunalwahlen errang sie in vielen Gemeinden die absolute Mehrheit. August Debunne (1872-1963, Bildmitte) war als Stadtoberhaupt von Menen der erste sozialistische Bürgermeister in ganz Flandern. Fortsetzung siehe Objekt 1929_soc.
Postalische Merkmale: -
Datierung: November 1919.
Italien
Titel (Italienisch):  La Novella Aurora.
Übersetzung: Die neue Morgendämmerung.
Verlag: Ed. L. Pozzoni, Milano.
Künstlersignatur: PZ (?)
Hintergründe: Die Kartenserie der Partito Socialista Italiano (PSI) aus dem Pozzoni-Verlag, zu der das wiedergegebene Exemplar gehört, ist anlässlich der Parlamentswahlen am 16.11.1919 erschienen. Die PSI war während des Ersten Weltkriegs tief gespalten zwischen Kriegsbefürwortern und -gegnern (zu den Befürwortern gehörte Mussolini, der 1914 aus der PSI ausgeschlossen wurde). Wegen der zugespitzten sozialen Lage nach dem Krieg (Land- und Fabrikbesetzungen; Streiks) verschärfte sich auch der Konflikt zwischen dem reformistischen und dem revolutionären Flügel in der Partei. Letztere gewannen an Einfluss. Aus den Wahlen im November 1919 ging die PSI als stärkste Partei Italiens hervor. Da die Spannungen wegen des erstarkenden Faschismus noch zunahmen, spaltete sich der revolutionäre Flügel von der PSI ab und gründete am 21. Januar 1921 die Kommunistische Partei (PCI). // Zeitgemäße Interpretation von Jean-François Millets (1814–1875) bekanntem Gemälde "Angelusläuten" (1857-59) im Musée d'Orsay, Paris. Das Motiv soll provozieren, weil es dem Urbild Millets, das eine tiefe Frömmigkeit auf dem Lande zeigt, eine selbstverständliche Rebelligkeit entgegensetzt.
Postalische Merkmale: -
Datierung: November 1919.
Anmerkung: Selten.
Ungarn / Frankreich
Titel: Bela Kun.
Hintergründe:
Frühe Aufnahme des ungarischen Rätepolitikers und Revolutionärs Béla Kun (geboren 1886). Kun war aus russischer Kriegsgefangenschaft als Anhänger der Bolschewiki nach Ungarn zurückgekehrt. Unter seiner Führung wurde in Budapest am 21. März 1919 die Ungarische Räterepublik ausgerufen, die bis zum 1. August 1919 Bestand hatte. Die Regierung verstaatlichte Großgrundbesitz, Banken und Großbetriebe. Die Rote Armee der Räteregierung drang in ungarische Gebiete vor, die von tschechoslowakischen, rumänischen, jugoslawischen und französischen Truppen besetzt worden waren. Die ausländischen Mächte wollten nach dem "Vertrag von Triano" vom Juni 1920 ihre Gebietsforderungen an Ungarn militärisch durchzusetzen (dieser Vertrag gehörte zu den "Pariser Vorortverträgen", die den Ersten Weltkrieg formal beendeten). Zwar gelang nach dem Vorstoß der Roten Armee in Oberungarn die Gründung einer Slowakischen Räterepublik, doch konnte diese ihre Positionen militärisch nicht halten. Mit der Niederlage der Räteregierung setzte der weiße Terror in Ungarn ein, der 5000 Menschenleben forderte (siehe Objekt 1920_biro). Kun entkam nach Österreich, wo er interniert wurde. Ihm gelang jedoch die Flucht nach Sowjetrussland. Dort übernahm er viele Aufgaben der Komintern, auch in Österreich und Deutschland. Unter dem Vorwurf, eine konterrevolutionäre terroristische Organisation angeführt zu haben, wurde er im Juni 1937 in der UdSSR verhaftet und am Tag seiner Verurteilung am 29.8.1938 hingerichtet. // Aus der Serie "Les Précurseur" (Die Vorreiter; Die Schrittmacher) der "Bibliothek der Arbeit", Paris. Diese Buchhandlung und Leihbibliothek bestand seit 1917 und war bis zu ihrem wirtschaftlichen Ruin 1939 Treffpunkt von Trotzkisten und revolutionären Syndikalisten.
Postalische Merkmale: 
Datierung: Um 1919.
 
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Objekt: 1919_feministe
Objekt: 1919_muenzenberg
   
Frankreich
Titel (Französisch): L’Avant-Garde du prolétariat International / Notre «Armee Rouge».
Übersetzung: Die Avantgarde des internationalen Proletariats. / Unsere "Rote Armee".
Herausgeber: Édition de "La Lutte Féministe".
Hintergründe: Die französische Lehrerin, Feministin und Kommunistin Hélène Brion (1882–1962) gab von 1919 bis 1921 die Zeitschrift "La Lutte Féministe" heraus (seit Gründung der französischen Sektion der Kommunistischen Internationale 1920 unter dem Titel "La lutte féministe pour le communisme"). Wahrscheinlich brachte die feministische Zeitschrift diese Postkarte anlässlich des ersten Jahrestages der Roten Armee heraus (Januar 1919). In der rechten Fotohälfte sind 7-8 bewaffnete Frauen zu sehen. Der dort einmontierte Titel lautet: Пролетарская Красная Армія (Proletarische Rote Armee), Bildquelle: Verlag Kontragenstvo (Kontrahent) des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1919.
Sowjetrussland
Titel (Russisch): В. Мюнценберг / секретарь интернационала молодежи.
Übersetzung: W. Münzenberg / Sekretär der Jugendinternationale.
Druck: 15 Гос.тип. [= 15-я Государственная типография Петроград / 15. Staatsdruckerei Petrograd].
Hintergründe:
Bevor Lenin 1921 Willi Münzenberg (1889-1940) mit der Organisation einer wirksamen Hilfe für die Hungergebiete in Russland betraute (aus der die Internationalen Arbeiterhilfe / IAH hervorging), war dieser seit 1919 Vorsitzender der Kommunistischen Jugendinternationale. // Aus der "Serie der Porträts der »Bibliothek des jungen Proletariers«".
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1919 oder 1920.
Anmerkung: Sehr selten.
Schlagwörter: muenzenberg munzenberg.
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Objekt: 1920_volpedo Objekt: 1920_noske
Objekt: 1920_kapp
   
Italien
Titel (Italienisch): il martello infrange la spada / Allegoria del quadro / il quarto Stato / di Pellizza da Volpedo.
Übersetzung: Der Hammer bricht das Schwert. Allegorie des Bildes “Der Vierte Stand” von Pellizza da Volpedo.
Verlag: Edit. L. Pozzoni, Milano.
Künstlersignatur: unleserlich; WGumetti? UGomotti?
Hintergründe: Die Karte signalisiert einen Epochenumbruch: Nach dem Ende des verheerenden Ersten Weltkrieges bricht für den "vierten Stand" eine neue Zeit an. Die Wahl des Motivs macht aber deutlich, dass diese Ära nicht automatisch eintritt, sondern nur durch eine von der geschlossenen Arbeiterbewegung getragene revolutionäre Umwälzung. Zwischen der aufgehenden Sonne und dem Amboss fügte der Künstler schemenhaft das Bildmotiv des bekannten Gemäldes "Der vierte Stand" ein. Die Vorlage hatte 1898-1901 der Maler Giuseppe Pellizza da Volpedo (Piemonte; 1868-1906) geschaffen. Das Originalbild „Der vierte Stand“ (Il Quarto Stato) misst 3x5,50 Meter und ist heute in Milano ausgestellt. In Deutschland ist das eindrucksvolle Motiv besonders seit Bernardo Bertoluccis Filmdrama "Novocento" aus dem Jahr 1976 geläufig (deutscher Titel "1900"). 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1919 oder 1920.
Deutschland
Titel: Noske, der Arbeiter! Ein Sohn des Volkes will ich sein - und bleiben!
Herausgeber: KPD-Organ "Der Kämpfer" Chemnitz.
Künstlersignatur: Hz.
Künstler: Karl Holtz (1899-1978).
Hintergründe: "Bluthund" Gustav Noske, seit 1884 SPD-Mitglied, war nach der Novemberrevolution verantwortlich für die blutige Niederschlagung des Spartakusaufstands in Berlin, der Räterepubliken in München und Bremen sowie mitverantwortlich für die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. // Der Titel spielt auf ein gleichnamiges altes Arbeiterlied des Leipziger Komponisten Heinrich Pfeil (1835-1899) an. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1919 oder Anfang 1920.

Deutschland
Titel: Köln 13. März 1920 Samstag / Proteste der Arbeiter gegen die Teuerung.
Hintergründe: Um die infolge des Versailler Vertrags beschlossene Truppenreduzierung in Deutschland durchzusetzen, löste Reichswehrminister Noske am 29. März 1920 das aus Freiwilligen bestehende reaktionäre Freikorps "Marinebrigade Ehrhardt" auf (Truppenstärke 6000 Mann). Großes "Ansehen" in den Reihen der Wehrmacht hatte sich diese Truppe dadurch verschafft, dass sie von Noske bevorzugt bei der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik und der mitteldeutschen Aufstände eingesetzt worden war. Am 13. März 1920 marschierte General Walther von Lüttwitz an der Spitze der Marinebrigade Ehrhardt in das Berliner Regierungsviertel ein und besetzte es. Der Verwaltungsbeamte Wolfgang Kapp, der in Deutschland dem "jüdischen Regiment" und der "Herrschaft der Journalisten und Gewerkschafter" ein Ende machen wollte, ernannte sich zum Reichskanzler. Die Regierung floh. Noch am gleichen Tag riefen die SPD und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) zum Generalstreik auf, der auch von der KPD unterstützt wurde und den Kapp-Lüttwitz-Putsch bereits am 17.3. zusammenbrechen ließ. Der Generalstreik blieb das einzig erfolgreiche gemeinsame Vorgehen der Arbeiterbewegung in Deutschland bis zur Machtübergabe an den Faschismus. Obwohl die “Marinebrigade Ehrhardt” am Putsch maßgeblich beteiligt war, wurde auch sie ab dem 3. April 1920 zum Kampf gegen die "Rote Ruhrarmee" im Ruhrgebiet eingesetzt. Wie im Ruhrpott wurden die Märzaufstände (die dem Kappputsch folgten) in Mitteldeutschland und im Vogtland (wo in Plauen von Max Hoelz die Räterepublik ausgerufen worden war) von Reichswehr- und Freikorpstruppen niedergeschlagen. // Die beiden hinteren Schilder tragen die Aufschriften: "Wir verlangen / Arbeit & Brot für Alle".
Postalische Merkmale: 
Datierung:  März 1920.
Schlagwörter: kappputsch kapp-putsch.

 
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Objekt: 1920_haya
Objekt: 1920_litauen
Objekt: 1920_heuernte
   
Peru
Titel (Spanisch):
Al compañero Jacinto Paiva.
Übersetzung: Dem Genossen Jacinto Paiva.
Herausgeber: -
Hintergründe: Die Postkarte zeigt das seltene Porträt des peruanischen Studentenführers Victor Raúl Haya de la Torre (1895-1979), der sich ab 1919 an der Universität Lima als Jurastudent sowohl für studentische Belange als auch für die Durchsetzung von Forderungen der Arbeiterbewegung (8-Std-Tag) engagierte. Die von Haya selbst mit einer Nachricht versehene Karte (gewidmet seinem Mitkämpfer Jacinto Paiva) ist auf das Jahr 1920 datiert und stammt aus der Zeit, als er im März 1920 am nationalen Studentenkongress in Cuzco teilnahm, wo auf seine Initiative hin die Bildung von Volksuniversitäten beschlossen wurde (Universidades Populares). Diese Einrichtungen hatten das Ziel, den sog. "Unterklassen" den Zugang zu Bildung und Kultur zu ermöglichen. Unter Präsident Leguía musste Haya 1923 emigrieren. Im mexikanischen Exil gründete Haya 1924 die "Alianza Popular Revolucionaria Americana" (APRA), die Revolutionäre Volksallianz Amerikas, die einen maßgeblichen politischen Einfluss auf die politische Entwicklung in Peru haben sollte und zunehmend sozialdemokratische Positionen besetzte.
Sie strebte die Durchsetzung von Reformen an: Agrarreform; kollektiver Landbesitz; Gleichberechtigung für Indigene; staatliche Kontrolle der Industrie. Als Haya bei den Präsidentschaftswahlen 1931 kandidierte und wegen der Wahlmanipulationen unterlag, kam es in Trujillo zu einem Aufstand, der jedoch blutig niedergeschlagen wurde. Mehrere Tausend Menschen wurden von der Regierungstruppen standrechtlich erschossen. Haya verbrachte 15 Monate im Gefängnis, seine Partei wurde 1934 verboten (bis 1945 sowie 1948-1956). Der Preis für die Wiederzulassung seiner Partei 1956 waren Zugeständnisse an das konservative Lager. Bis zu seinem Tod dominierte die Persönlichkeit Hayas die APRA. // Jacinto Paiva war ein Mitkämpfer Hayas sowie Mitbegründer der APRA. Er wurde Mitarbeiter des Organs der 1928 gegründeten Sozialistischen Partei "Labor". Ende 1928 stimmte er wegen der zunehmenden politischen Differenzen mit Haya der Auflösung der kleinbürgerlichen APRA-Zelle in Paris zu (da diese keinen Klassenstandpunkt mehr vertrete) und wurde Anhänger der Kommunistischen Partei Perus, die im Oktober 1928 aus der Sozialistischen Partei hervorgegangen war. Lebensdaten von Paiva liegen uns nicht vor.
Postalische Merkmale:
Handschriftliche Nachricht von Haya; ungelaufen.
Datierung: März 1920.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: lateinamerika, latin america.
Litauen
Titel (Litauisch):
Lietuvos Socialdemokratų partija / draugai! balsuokit už No. 6 / už darbininkus bežemius ir mažažemiu..
Übersetzung: Litauische Sozialdemokratische Partei / Freunde! Wählt Liste Nr. 6 für Arbeiter, Arme und Landlose.
Herausgeber: -
Hintergründe: Nach dem Ende der Sozialistische
n Räterepublik kam es im Agrarland Litauen im April 1920 zu den ersten konstituierenden Wahlen zum Parlament, dem Seimas in Vilnius. Die Plakatwand widerspiegelt alle relevanten politischen Kräfte, die sich zur Wahl stellten: Das größte Plakat auf der fotografierten Wand stammte von der Litauischen Sozialdemokratischen Partei (die im Seimas aber mit 12 Sitzen nur drittstärkste Fraktion wurde). Drei Plakate klebten die Christdemokraten; auf einem schürte sie antibolschewistische Ängste ("Elend, Seuchen und Hungersnot – Das ist es, was unter den Sozialisten-Bolschewiki folgen würde"). Mit 59 Sitzen wurden die Christdemokraten stärkste Kraft im Parlament. Weitere Wahlplakate wenden sich an die polnischen Bürger Litauens (die in einigen Gebieten 70% Bevölkerung stellten) und an die jüdische Minderheit (7%). Das Plakat der Bauernpartei ruft: "Litauen ist Bauernland / Wenn es besser werden soll, müssen die Bauern selber handeln". Die Bauernpartei kam mit den Sozialisten auf 28 Sitze im Parlament und wurde damit zweitstärkste Fraktion
. Mehrere Flugblätter werben für die Liste des Nationalen Fortschritts (Liste No. 6).
// Noch im Wahljahr, im Oktober 1920, annektierte Polen die Hauptstadt Vilnius und den Südosten des Landes, in welchem die polnischen Bürger den höchsten Bevölkerungsanteil stellten. Kaunas wurde neue Hauptstadt der Republik Litauen. 
Postalische Merkmale:
-
Datierung: April 1920.
Schlagwörter: soviet republic, lithuanian parliament, lithunia.
Deutschland
Titel: Fichtelberg, d/5/4/1920. 
Hintergründe: Arbeit auf einem Bauernhof am Fichtelberg, Erzgebirge.
Postalische Merkmale: Handschriftliche Mitteilung vom April 1920 (Fichtelberg). 
 
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Objekt: 1920_bg
Objekt: 1920_mai
Objekt: 1920_zurigo
   
Bulgarien
Titel (Bulgarisch): праздникътъ на Труда.
Übersetzung: Festtag der Arbeit.
Herausgeber: Издава О.Р.К. Д-во "освобождение", София / Umseitiger Aufdruck des Emblems der Bulgarischen Kommunistischen Partei (Engsozialisten).
Künstlersignatur: Хр. Лозевъ
Künstler: Христо Лозев (1883-1970; Hristo Loseff).
Hintergründe: Maipostkarte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging Ende Mai 1919 aus dem Engsozialistischen Flügel der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei die Bulgarische Kommunistische Partei (Engsozialisten) hervor. Im August 1919 gab es Parlamentswahlen und im Oktober trat die erste Nachkriegsregierung ihr Amt an. Die Maipostkarte kündigt zum 2. Mal seit Kriegsende den legalen Festtag der Arbeit an: 1. Mai 1920. Die Maifeiertage von 1919 und 1920 waren die größten Kundgebungen, die Bulgarien bis dahin erlebt hatte. In der Regierungszeit der Bauernpartei 1921-1923 nahm der Feiertag Massencharakter an, danach (1924-1927) konnte er nur unter den Bedingungen der Diktatur begangen werden. Erst 1928 war der 1. Mai wieder legal. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Mai 1920.
Deutschland
Titel: Hoch der 1. Mai!
Umseitiger Aufdruck: [Verlagslogo] "MONOPOL".
Herausgeber: -
Postalische Merkmale:
Gelaufen am 1. Mai 1920 (Cassel). 
Schweiz
Titel umseitig: MAI-KARTE DER ARBEITERUNION ZÜRICH.
Aufdruck Bildseite:
Du bist an einem Tag gerichtet,
Wenn unsere Leiber müssig gehen,
Wenn einen Tag das Volk verzichtet,
In deiner Mühle Gold zu drehn!
Max Barthel

Verlag: -
Künstlersignatur: Scherer
Künstler
: Carl Wendolin Scherer (1890-1953), Schweizer Grafiker.
Hintergründe: Die in Europa einzigartige Organisationsform der "Arbeiter-Union" bildete sich in der Schweiz gegen Ende des 19. Jhs. heraus. Ihr waren in Zürich politische Vereine, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und allgemeine Arbeitervereine der Stadt angeschlossen, die auf dem Boden der Sozialdemokratie standen. Zwar wurde 1913 die Arbeiter-Union aufgelöst (wodurch die angeschlossenen Organisationen fortan autonom arbeiteten), aber beim Landesstreik 1918 kam es zur Wiederbelebung dieses Organisationsverbands. In Zürich agierte die Arbeiter-Union in der Zeit des Landesstreiks revolutionär; sie rief im November 1918 nicht wie in den übrigen Landesteilen zu einem 24-stündigen Generalstreik auf, sondern zu einem unbefristeten. Denn wie überall in Europa, gärte es auch in der Schweiz. Die Zeichen der Zeit standen auf Revolution und Neuordnung der Verhältnisse. Zwar erlitt die Arbeiterbewegung durch den Zusammenbruch des Streiks eine Niederlage, aber die herrschende Klasse sah sich zu Zugeständnissen genötigt: Die 48-Stundenwoche wurde eingeführt, kollektive Arbeitsverträge abgeschlossen und die Alters- und Arbeitslosenvorsorge eingeführt bzw. ausgebaut. Ab 1921 vereinigte die Arbeiter-Union unter ihrem Dach die Sozialdemokratische Partei, die Kommunistische Partei und das Gewerkschaftskartell Zürich (GKZ). Vgl. auch Objekt 1919_tram.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1920 (Jahr?).
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Objekt: 1920_zapletal
Objekt: 1920_branting

Objekt: 1920_kinderwoche

   
ČSR
Titel: DTJ.
Umseitiger Aufdruck (Tschechisch): PŘEROV, 1. srpna920 /1920 / Krajské VereJné Cvičení / dělnických Tělocvičných jednot VIII Kraje..
ÜbersetzungPřero, 1. August 1920 / Öffentliche Turnübungen des DTJ vom VIII. Bezirk.
Verlag: Lidová knihtiskárna Štěpánek a spol., Mor.[avská] Ostrava].
Künstlersignatur: A. Zapletal 20
Künstler:
Alois Zapletal, Moravská Ostrava, 1886-1943.
Hintergründe: Der DTJ (Dělnická Tělovýchovná Jednota, "Arbeiterturnverein") wurde nach Trennung vom nationalen Turnverein Sokol im Jahr 1897 in Prag gegründet, siehe auch Objekt 1935_soukup. Der deutschsprachige "Arbeiter-Turn- und Sportverband in der Tschechoslowakischen Republik" (ATUS) wurde im Jahr 1919 in Aussig / Ústí nad Labem gegründet. Siehe Objekt 1924_atus. DTJ und ATUS traten bei der 1. Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main 1925 als zwei verschiedene Landesformationen der čSR an. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: > August 1920.
Schlagwörter: arbeitersport arbeiterturnen.
Schweden
Titel (Schwedisch): Glöm icke valdagen! Rösta med Socialdemokraterna!
Übersetzung
: Vergessen Sie den Wahltag nicht! Stimmen Sie mit den Sozialdemokraten!
Hintergründe: Zitat auf Bildseite von Hjalmar Branting (1860-1925) aus dem Jahr 1917. Branting war seit 1908 Parteivorsitzender der sozialdemokratischen Partei Schwedens, 1920-1923 Ministerpräsident; 1921 Friedensnobelpreisträger. Die Karte erschien wahrscheinlich im Wahlkampf zu den Reichstagswahlen (2. Kammer) im September 1920. Aus diesen Wahlen gingen die Sozialdemokraten wieder als stärkste Kraft hervor. Frauen erhielten allerdings erst ein Jahr später (abermals zu den Reichstagswahlen) ein Stimmrecht. // Das Bildmotiv, das der Grafik zugrunde liegt, zeigt Branting bei der Mai-Demonstration 1915 im Stockholmer Stadtteil Ladugårdsgärdet (Gärdet). Wegen des hohen Bekanntheitsgrad dieser Fotografie fand und findet es in Schweden bis in unsere Tage immer wieder Verwendung in der Erinnerungspolitik.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  September 1920.
Schweiz
Titel: Arbeiter-Kinderwoche 1920 / Dem Arbeiterkinde ein Ferienheim.
Herausgeber:
Schweizerischer sozialdemokratischer Schulverein. 
Künstlersignatur: Bay
Künstlerin: Hanni Bay
(1885-1978), Schweizer Malerin.
Hintergründe:
Die Arbeiter-Kinderwoche fand vom 20. bis 30.9.1920 statt. Das erstrebte Heim wurde 1931 bei Zürich eröffnet. Siehe hier Objekt 1931_kinderheim ("Für ein Arbeiterkinderheim").
Postalische Merkmale: -
Datierung:  September 1920.
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Objekt: 1920_reed
Objekt: 1920_kathol
Objekt: 1920_biro
Objekt: 1920_turku
USA
Titel: John Reed.
Herausgeber: -
Hintergründe: Als Journalist durch seine Berichte von der mexikanischen Revolution bekannt geworden, ging John Reed (1887-1920) als Kriegsberichterstatter für "The Masses" und das "Metropolitan Journal" nach Europa, bevor er mit seiner Berufskollegin und Ehefrau Louise Bryant den Auftrag übernahm, als Korrespondenten 1917 / 1918
aus dem revolutionären Russland zu berichten. Beide erlebten hautnah die Oktoberrevolution in Russland mit und wurden zu Augenzeugen und Chronisten der Revolutionstage. Reeds genaue Schilderungen erschienen im März 1919 in New York unter dem Titel "Ten Days that Shook the World", in Deutsch erstmals in Hamburg 1922 ("10 Tage, die die Welt erschütterten") und 1923 in Russisch ("Десять дней, которые потрясли мир"). Reed wurde Vorsitzender der 1919 gegründeten Communist Labor Party in den USA. Erneut in Russland erkrankte er an Typhus und starb am 17. Oktober 1920 in Moskau. // Das Fotoporträt entstand im Jahr 1914.
Postalische Merkmale: 
-
Datierung: Oktober 1920.
Anmerkung: Selten.
Schweiz
Titel: Fahnenweihe des kath. Arbeitervereins St. Joseph Zürich / Sonntag den 3. Oktober 1920.
Druck / Fotostudio: Photo H. Lunte, Zürich.
Hintergründe: Zunächst waren die katholischen Arbeitervereine (im 19. Jh.) vom Klerus geschaffene Laienverbände, später dienten sie im Zuge der Industrialisierung der ideologischen Einbindung der Arbeiter an die katholische Kirche. Ab der Jahrhundertwende (um 1900) kamen zunehmend materielle und politische Aufgaben hinzu. Diese Organisationen wurden mit dem Begriff "Katholische Arbeiterbewegung" (KAB) umschrieben. // Weil der Bräutigam Marias, Josef von Nazareth, in der biblischen Überlieferung als Bauhandwerker bzw. Zimmermann tätig gewesen sein soll, gilt der heilige Josef als Schutzpatron der Arbeiter, besonders der Zimmerleute und Holzfäller. 1955 führte der Vatikan als Gegenstück zum 1. Mai den Gedenktag für "Josef den Arbeiter" (am 19. März) ein. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Oktober 1920.
Schlagwörter: katholizismus, religion konfession. 
Ungarn / Österreich 
Titel (Deutsch, Ungarisch, Französisch, Englisch, Russisch): Hund, schaufle dir dein Grab! / Kutya, ásd meg sirodat! / Sale chien, va creuser ta fosse! / Dig out your grave, you dog! / Ров себе сам могилу!
Herausgeber / Verlag: Verlag der Arbeiter-Buchhandlung, Wien.
Künstlersignatur: Biró
Künstler:
Mihaly Biró (Michael Biró, 1886-1948), ungarischer Grafiker.
Hintergründe: Karte aus der Serie "Horthy" des bekannten ungarischen Plakatkünstlers Mihaly Biró über den
Weißen Terror des Horthy-Regimes in Ungarn nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 (siehe Objekt 1919_kun). Der Weiße Terror forderte in Ungarn 5000 Opfer. Biró emigrierte 1919 nach Wien, arbeitete dort als Grafiker für die Bühne und entwarf zahlreiche Film- und Werbeplakate. 1920 schuf er den 20-teiligen Farblithografie-Zyklus "Horthy" (Format 49 x 36 cm). Biro hat in den Lithografien die Erlebnisse ungarischer Emigranten verarbeitet. Das Horthy-Regime ließ alle Exemplare des Albums, derer sie in Europa habhaft wurde, vernichten. Nach einem Protest der ungarischen Botschaft in Wien wurde in Österreich die Ausstellung der Lithografien verboten. Verbot und Vernichtung der Lithografien waren womöglich der Grund, weshalb sich der Künstler zur Herausgabe der Postkartenreihe entschloss, aus der wir hier ein Exemplar vorstellen. Eine Delegation der britischen Labour Party ging im April und Mai 1920 in Ungarn den Zeugnissen über den Weißen Terror nach und veröffentlichte im Juni 1920 in London einen Bericht ("The White Terror in Hungary").
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1920.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: konterrevolution, white terror, plakatkunst.
Finnland
Titel (Esperanto): Laborista Esperanto Klubo, Turku. [Unter dem Bildmotiv:] Universitato de Turku. 
Übersetzung: Arbeiter-Esperanto-Klub Turku / Universität Turku.
Hintergründe: Karte der finnischen Arbeiteresperantisten mit einer Fotoansicht der 1920 gegründeten Universität Turku. Turku gehörte von Februar bis April 1918 zum Gebiet des industrialisierten Süden Finnlands, wo die Sozialdemokraten eine revolutionäre rote Regierung gebildet hatten. Im finnischen Bürgerkrieg wurde die Revolution mit deutscher Militärhilfe blutig niedergeschlagen. Aus einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1920.
Schlagwörter: weißer terror, konterrevolution, laborista movado, finnlando, suomi.
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Objekt: 1921_brookfield
Objekt: 1921_suelt Objekt: 1921_innerhofer Objekt: 1921_lwow
 
Australien
Titel (Englisch): The Late Mr Percey Brookfield Died 22-3-21 / "He died to save others".
Übersetzung
: Der verstorbene Mr. Percy Brookfield - umgekommen am 22.3.1921 / "Er starb um andere zu retten".
Herausgeber / Verlag: Romney Studios Ltd., Sydney
.
Hintergründe: Der Sozialist und Gewerkschaftsaktivist Percival Brookfield (1875-1921) war 1917 Vorsitzender des Streikkomitees in der bedeutenden Bergbaustadt Broken Hill an der Ostküste (mit den weltweit größten Blei-Zink-Lagerstätten) und Mitarbeiter beim Vereinigten Bergarbeiterverband. Brookfield forderte bessere Arbeitsbedingungen für die Bergleute und setzte sich für die Freilassung inhaftierter IWW-
Mitglieder ein. Er leitete vor Ort die Kampagne gegen die Einführung der Wehrpflicht und unterstützte bei den Wahlen im Bundesstaat New South Wales 1920 die Industrial Socialist Labor Party. Er engagierte sich für die 35-Std.-Woche ebenso wie für eine Entschädigung tuberkulöser Bergleute. Brookfield war bekannt für sein kompromissloses Eintreten für die Rechte der Bergleute, für seine Sympathie für die Oktoberrevolution in Russland, seine Antikriegshaltung und seine überzeugende Wortgewalt. Am 22.3.1921 wurde er von einem psychisch kranken Mann erschossen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: März 1921.
Anmerkung: Selten.
Deutschland
Titel: Genosse Sült.
Verlag / Herausgeber / Druck: -
Bildautor: -

Hintergründe: Wilhelm Sült (1888-1921), „populärster kommunistischer Betriebsfunktionär Berlins“, Obermaschinist im Kraftwerk Rummelsburg, war Vorsitzender des zentralen Betriebsräteausschusses in Berlin. Kurz vor seinen Verhaftungen hatte er eine Spendensammlung für die aufständischen Mansfeld- und Leunakumpel in Mitteldeutschland ins Leben gerufen. Im Verlauf einer Vertrauensleuteversammlung der VKPD wurde er verhaftet. Zwar ließ man ihn wieder frei, doch am 30. März wurde er erneut verhaftet. Im Anschluss an eine Vernehmung am 1.April wurde Sült im Treppenhaus des Berliner Polizeipräsidiums von dem Kriminalbetriebsassistenten Albert Jannicke hinterrücks erschossen. Ein Polizeioffizier trat auf den am Boden liegenden ein und schrie „Verrecke, du Aas!“. Sült starb am Folgetag. Mehrere Tage später gab man den schlimm zugerichteten Leichnam frei. Zehntausende folgten Wilhelm Sülts Sarg. Der Todesschütze ging straffrei aus
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Postalische Merkmale: -
Datierung: März 1921.
Südtirol (Italien)
Titel: Das Begräbnis des durch die Faschisten anlässlich der Bozener Messe am 24. April 1921 ermordeten Lehrers Franz Innerhofer.
Aufdruck Adressseite: Ein bis heute ungesühntes Verbrechen der Faschisten.
Verlag / Druck / Herausgeber: Druck Tyrolia A.B., Innsbruck.
Hintergründe:
Traditionell zur Eröffnung der Bozner Frühjahrsmesse sollte am 24. April 1921 ein Umzug durch die Stadt Bozen stattfinden. Bozen in Südtirol war aber infolge des Ersten Weltkrieges Italien zugeschlagen worden. Die Faschisten erblickten in dem Umzug, der zufällig am gleichen Tag wie die Volksabstimmung im österreichischen Tirol stattfand, eine politische Provokation. Das Plebiszit sollte über einen Anschluss Tirols an das angrenzende Deutschland befinden (99 % optierten dafür; die Siegermächte verhinderten jedoch den Anschluss). 400 Faschisten, meist aus Italien angereist, griffen mit Knüppeln, Pistolen und Handgranaten den Festzug an. Fünfzig Südtiroler wurden verletzt, viele schwer. Der Lehrer Franz Innerhofer, der zwei Schüler schützen wollte, wurde erschossen. Das Geschehen - ein Vorspiel der bevorstehenden Italisierung Südtirols - ging als "Bozner Blutsonntag" in die Geschichte ein.
Postalische Merkmale: -
Datierung: April 1921.
Schlagwörter: italianisierung, faszismus fascism faschismus, bolzano.
Polen
Titel: Lwow, 1. Mai 1921.
Verlag / Druck / Herausgeber: -
Hintergründe: Erster-Mai-Ausflug junger Leute aus Lwow - mit Mandolinen und Gitarre. Lwow (heute Lwiw) gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg zu Polen, seither zur Ukraine. Fotopostkarte.
Siehe auch 1922_rotgaliz.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1921.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: україна, polska.
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Objekt: 1921_bauerndemo
Objekt: 1921_bufera
Objekt: 1921_hoelz
Objekt: 1921_romande
 
ČSR
Titel (Tschechisch): CHCEME PŮDU DO VLASTNICTVÍ!
Übersetzung: Wir wollen Eigentum an Ackerland!
Herausgeber: -
Hintergründe:
Die Agrarreformen nach dem Ersten Weltkrieg in den ost- und südosteuropäischen Ländern waren inkonsequent und verhalfen den Ländern kaum zu einem ökonomischen Wachstum. Für Kredite an Kleinbauern mangelte es an Kapital, staatliche Hilfen waren nicht ausreichend. So blieben Investitionen und Impulse für die Industrie aus. In der 1918 gegründeten Tschechoslowakei waren die Voraussetzungen zunächst günstiger. 1919 und 1920 wurden die Gesetze über Bodenenteignung, Landzuteilung und Schadenersatzregelung verabschiedet. Doch nicht einmal die Hälfte der enteigneten Flächen wurden tatsächlich verteilt. Die Zuteilung brachte im Land zwar eine große Zahl von Klein- und Mittelbauern hervor; diese konnten aber keine ökonomisch effektiven Wirtschaften aufbauen. Viele verschuldeten sich und mussten während der Wirtschaftskrise aufgeben. Lediglich die mittleren und großen Betriebe und Höfe (mit über 5 Hektar Land) zogen aus der Bodenreform Vorteile. Sie arbeiteten marktorientiert und konnten akkumuliertes Kapital in der Industrie investieren. //  Die Fotopostkarte zeigt eine Bauernkundgebung am 15. Mai 1921 in Prag (im Bild die Abordnung aus dem mährischen Bystřice n.P.). Die Bauern forderten mit Nachdruck die Umsetzung der Bodenreformgesetze. Erst Ende der 20er Jahre kam die Reform in der ČSR zum Abschluss. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1921.
Anmerkung: Selten.
Italien
Titel (Italienisch): La marcia sotto la bufera / Sezione Socialista Milanese a ricordo elezioni Politiche 15 Maggio 1921.
Übersetzung
: Marsch durch den Sturm
/ Sozialistische Sektion Mailands / Zur Erinnerung an die Parlamentswahlen am 15. Mai 1921.

Künstlersignatur
: Unten rechts, unleserlich.
Hintergründe: Unten links im Bild ein Gebäude mit der Aufschrift "Camera del lavoro" ("Arbeiterkammer", Plural Camere del lavoro). So hießen in Italien lokale, von Sozialisten gegründete Treffpunkte und Versammlungshäuser. Die politischen Auseinandersetzungen innerhalb der sozialistischen Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg und die Gründung der PCI (1921) wirkte sich auch auf diese Häuser aus, aus denen in dieser Zeit Gewerkschaftshäuser hervorgingen. Sie wurden auch das Zuhause von Volksheimen, Genossenschaften, Bauernligen, Gegenseitigen-Versicherungen, Parteilokalen der Sozialisten und Kommunisten, Kulturheimen, Volksbibliotheken und -Theatern, Volkshochschulen, Arbeiter- und Erholungsheimen. //
Mit der "Sezione Socialista Milanese" ist der Mailänder Ortsverband der PSI gemeint.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1921.
Deutschland
Titel: Max Hölz. Vom Außerordentlichen Gericht beim Landgericht 1, Berlin, am 22.6.1921 zu lebenslänglichem Zuchthaus und lebenslänglicher Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
Herausgeber: RHD.
Hintergründe: Max Hoelz war während der Märzkämpfe in Mitteldeutschland vom 23. März bis zum 1. April 1921 die führende Persönlichkeit auf Seiten der aufständischen Arbeiter. Der Aufstand erstreckte sich auf die vom Bergbau und der Chemieindustrie geprägten Industrieregion Halle, Leuna, Merseburg dem Mansfelder Land. Hoelz leitete die militärischen Aktionen. Nach der blutigen Niederlage des Aufstands wurde Hoelz in Berlin verhaftet (April 1921) und zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. Nachdem 1927 Egon Erwin Kisch Zuchthausbriefe von Max Hoelz publiziert hatte, riefen Intellektuelle in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, das Urteil zu revidieren und Hoelz auf freien Fuß zu setzen. Am 18. Juli 1928 wurde Hoelz amnestiert und aus der Haft entlassen. Im Jahr darauf ging er in die Sowjetunion, wo er 1933 in der Oka bei Gorki ertrank. Es liegen Indizien vor, wonach er gewaltsam aus dem Weg geräumt worden sein soll. // Serie der RHD. Das Fotoporträt zeigt Hölz in der Haft um 1921.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  ab Juni 1921.
Schweiz
Titel (Französisch): 1re Fête Romande de Gymnastique Ouvrière / Versoix, 20-21 Août 1921.
Übersetzung: 1. Arbeiterturnfest der Romande am 20. und 21. August 1921 in Versoix.
Verlag / Herausgeber: -
Fotograf / Fotostudio: Reinhardt, Genève (Genf). 

Hintergründe: Auf der Vereinsfahne die Aufschriften "Amis Gymnastes" (Turnerfreunde), "1915-1917 Versoix" und der patriotische Wahlspruch "Patrie - Travail - Volonté" (Vaterland - Arbeit - Willenskraft) // Der Arbeiterturnverein von Versoix hat seine Wurzeln im 1873 gegründeten radikalliberalen Turnerbund "Société Fédérale de Gymnastique" (Wahlspruch "Patrie - Force - Amitié"). Da aber die Konservativen (welche von Katholiken unterstützt wurden) in der calvinistischen Region von Genf jener Jahre seinen politischen Kontrahenten hatte, wurde den Katholiken den Beitritt in den Turnerbund verwehrt. Die Abgewiesenen gründeten 1915 einen eigenen Verein, die "Amis Gymnastes" (Turnerfreunde), der sich einem Sportverband der Sozialistischen Internationale anschloss. Nach ergebnislosen Bemühungen des Stadtrats, beide Gruppen zu versöhnen, lehnte die Kommune eine finanzielle Förderung der "Amis Gymnastes" wegen deren Zugehörigkeit zur S.I. ab. // "Die Kleinstadt Versoix liegt 10 km nördlich von Genf am Genfer See und gehört zum frankophonen Teil der Schweiz („Romande“ genannt).
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1921.
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Objekt: 1921_greco
Objekt: 1921_heyse
Objekt: 1921_gruenbach
 
Italien
Titel (Italienisch): SUPREN / Studiate l'Esperanto, lingua internazionale diffusa in tutto il mondo che renderá possibile la pace e la fratellanza dei popoli.
Aufdruck Adressseite: Esperanta Laborista (Greco Milanese).
Übersetzung: Höher / Das Studium von Esperanto, der gemeinsamen internationalen Sprache weltweit, macht Frieden und Brüderlichkeit der Völker möglich.
Verlag: -
Hintergründe: Postkarte eines 19jährigen Mechanikers und Arbeiter-Esperantisten ("Angelo") aus Mailand an seinen Esperanto-kundigen Freund Pal Drinda in "Temesvar, Rumanio". //
Die Gemeinde Greco Milanese wurde im Jahr 1923 zu Milano (Mailand) eingemeindet.
Signatur: I. MIATIT (?)
Postalische Merkmale: Gelaufen Dezember 1921 (Greco Milano nach Timișoara, Rumänien).
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: italio.
Österreich
Titel: Wo innen Sklaverei ist, wird sie von außen bald kommen / Wer nur am Glauben hält, Dem wankt die Welt; Wer auf sich selber ruht, Steht gut. Paul Heyse.
Verlag: Der Freidenker, F. Haller, Wien.
Hintergründe:
Karte des 1921 in Wien gegründeten "Freidenkerbunds Österreichs", in dessen Verlag sein Organ "Der Freidenker" erschien, der auch die vorliegende Postkarte herausgab. Der Verlag erreichte mit seiner Zeitschrift 50.000 Abonnenten (Stand 1931). Obwohl laut Satzung unpolitisch war der Verband ein fester Bestandteil der österreichischen Arbeiterbewegung.
Künstlersignatur: ESchütz
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1921.
Schlagwörter: atheismus, materialismus, arbeiterkultur. 
Österreich
Titel: Arb.Sängerbund »Freiheit« Grünbach gegr. 1921 / Mit ernstem Sinn, Mit Mächt’gem Klang, Tön aus der Brust, / Du Freiheitsang.
Hintergründe: Der österreichische Arbeitersängerbund (ÖASB) wurde im Jahr 1891, der Deutsche Arbeiter-Sängerbund (DAS) bereits 1877 ins Leben gerufen (In Deutschland war der Verband der organisierten Arbeiterchöre nach den Arbeiterturnern und –Radfahrern die mitgliederstärkste Organisation der Arbeiterkultur). Das Gruppenporträt zeigt die Sänger-Ortsgruppe im niederösterreichischen Grünbach, der heute unter dem Namen "Männergesangsverein Grünbach" (MGV Grünbach) bekannt ist (Stand 2017). Die Geschichte der Gemeinde Grünbach am Schneeberg ist geprägt durch den Steinkohlebergbau und die damit einhergehenden Arbeitskämpfe der Bergleute, insbesondere in den 20er und 30er Jahren des 20. Jhs. Damals gab der Bergbau 1000 Menschen Arbeit. 1965 wurde die Grube geschlossen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1921.
Schlagwörter: arbeiterchor arbeiterlied.
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Objekt: 1921_banner

Objekt: 1921_wolga

Objekt: 1921_grosz
 
Schweiz
Titel: Kommunistische Partei / Kommunistische Jugendorganisation der Schweiz.
Künstlersignatur: OS, SO oder S
Verlag: -
Hintergründe: Der markante Schädel des Bannerträgers ist wahrscheinlichen der bildlichen Darstellung einer bekannten Persönlichkeit aus der Schweizer Geschichte entlehnt.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1921.
Anmerkung: Selten.
Belgien
Titel (Französisch): Dépôt mortuaire d’enfants dans la région desséchée du Volga.
Übersetzung: Leichendepot für Kinder in der Dürreregion der Wolga.
Herausgeber: Comité de Secours Ouvrier à la Russie, Bruxelles.
Hintergründe: Opfer der Hungerkatastrophe im Wolgagebiet. Aus einer Serie. Die bürgerlichen Medien erblickten in der Hungersnot den Beweis, dass die Bolschewiki nicht in der Lage seien zu wirtschaften. Der US-amerikanische Autor Upton Sinclair schrieb 1927 dazu in "Oil!" (bei Malik 1927 unter dem Titel "Petroleum", deutsch von Hermynia zur Mühlen, S. 363): "[Die Hungersnöte in Russland] wurden von der Dürre, nicht aber vom Kommunismus verursacht und brachen seit den ältesten Tagen immer aus. Doch war es bisher niemanden eingefallen, sie als Beweis für die Unmöglichkeit des Zarismus anzuführen. Jetzt allerdings waren die Bedingungen infolge des Zusammenbruchs der Eisenbahnen ganz besonders ungünstig. Aber jene Menschen, die daraus dem Kommunismus einen Vorwurf machten, vergaßen völlig, dass die Bahnen bereits vor der Revolution zusammengebrochen waren, und dass sie unter der Sowjetregierung drei Jahre Bürgerkrieg und eine Invasion an sechsundzwanzig Fronten hatten aushalten müssen. Die gleichen Zeitungen, die zu den Invasionen gehetzt und beifällig zugesehen hatten, wie dabei Hunderte von Millionen amerikanischen Geldes verausgabt worden waren, warfen jetzt den Bolschewiki vor, dass sie mit einer derartigen Hungersnot nicht fertig werden konnten." // Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1921.
Deutschland
Titel: George Grosz - Kriegsbeschädigtenfürsorge. 
Verlag: Verlag der Komintern, Hamburg.
Hintergründe: Motiv von George Grosz, erstmals veröffentlicht 1921 in einem Almanach.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Ab 1921.
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Objekt: 1922_marty
Objekt: 1922_kreuze
Objekt: 1922_esperanto    
Frankreich
Titel (Französisch): MARTY / Peuple, brise ses chaînes et tu briseras les tiennes.
Übersetzung: Marty / Menschen, brecht seine Ketten, und Ihr werdet die euren brechen.
Herausgeber: -
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Während der Interventionskriege ab 1919 gegen Sowjetrussland kam es auf französischen Kriegsschiffen im Schwarzen Meer zu Meutereien. Einer der aufständischen Matrosen, André Marty (1886-1956), dem die Karte gewidmet ist, wurde daraufhin zusammen mit Genossen in seiner Heimat wegen bolschewistischer Agitation zu einer mehrjähriger Haftstrafe verurteilt. 1922 für die Französische KP in die Stadtverordneten-Versammlung gewählt, wurde er 1923 amnestiert. Die Karte ist während seiner Haftzeit 1919-1923 verbreitet worden. Weitere Informationen bei Objekt 1923_marty.
Postalische Merkmale: Gelaufen, aber ohne Datumsstempel.
Datierung: 1919-1923.
Frankreich
Titel (Französisch): - tu vois, mon enfant, c’est pour ceux-la que ton papa est mort.
Übersetzung:
- sieh mein Kind, das ist für jene, die – wie dein Papa – tot sind.
Herausgeber [Bildseite]: Parti Communiste (S.F.I.C.).
Hintergründe: Antikriegskarte der Französischen Kommunistischen Partei. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Nicht vor 1922.
Deutschland
Titel (Esperanto): Per ruĝa savilo proletoj savas la dronantan verdan stelon.
ÜbersetzungMit roten Rettungsmitteln bewahren Proletarier den grünen Stern vorm Ertrinken. 
Herausgeber: Sennacieca Asocio Tutmondaa (SAT), Leipzig.
Druck: Offsetdruck Max Breslauer, Leipzig.
Hintergründe:
Die Sennacieca Asocio Tutmonda (SAT), zu deutsch etwa Nichtnationaler (oder Nationsloser) Weltbund, wurde Anfang August 1921 in Prag als Organisation der Arbeiter-Esperantobewegung gegründet und hatte Ende der 20er Jahre rund 6000 Mitglieder. Die SAT organisiert(e) sich übernational auf der Grundlage von Einzelmitgliedschaften. Von Beginn an stellte die SAT das Esperanto in den Dienst des Klassenkampfes, womit sie sich deutlich von der bürgerlichen Esperanto-Bewegung abhob, die die Hilfssprache als unpolitisches Mittel im internationalen Verkehr etablieren wollte. Während die Arbeiter-Esperanto-Bewegung in Deutschland in den 20er Jahre einen enormen Zulauf fand, hatten die bürgerlichen Vereine rückläufige Mitgliederzahlen, weil sich abzeichnete, dass Esperanto als übernationale Hilfssprache von den herrschenden Klassen - aus Furcht vor ideologischen Einflusseinbußen im eigenen Land - nicht ausreichend Anerkennung fand. Aus einer Serie.
Postalische Merkmale: Es liegen mehrere gelaufene Exemplare aus der Serie vor (1927-1936).
Datierung der Kartenproduktion:
Ab 1921. 
Schlagwörter: germanio.
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Objekt: 1922_esperanto2
Objekt: 1922_kladno

Objekt: 1922_kpj

 
Deutschland
Titel:
Hintergründe: Die Karte gehört zur gleichen SAT-Serie wie die zuvor beschriebene.
Postalische Merkmale: Gelaufen November 1935 (Fécamp, Frankreich). 
Datierung der Kartenherstellung: Nach 1921.
ČSR
Titel (Tschechisch): Proletáři všech zemí spojte se!
Übersetzung: Proletarier aller Länder vereinigt euch!
Herausgeber: "Nákl. Alžb. Šulcová, Kladno 459-1922".
Hintergründe:
Kladno - nordwestlich von Prag - war und ist ein großes Zentrum der tschechischen Kohle- und Eisenindustrie. Das klassenbewusste Kladnoer Bergarbeiter-Hilfskomitee spendete bereits 1921 / 1922 in der Hungernothilfe für die Sowjetunion Lebensmittel, Kleidung und Geld. Die Kommunistische Partei vermittelte ab 1923 Reisen von Facharbeitern und ihren Familien in die UdSSR, damit sie dort beim wirtschaftlichen Aufbau des Landes halfen. Siehe auch Objekt 1930_kladno.
Postalische Merkmale:
 Gelaufen Januar 1922 (Kladno).
Jugoslawien
Titel (Serbo-kroatisch): Članovi Izvršnog Odbora Komunističke Partije Jugoslavije i kom. nar. poslanici u tamnici, osudjeni na 2 god. robije.
Übersetzung
Die Mitglieder des Exekutivkomitees der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und kommunistische Abgeordnete im Gefängnis, bis zu zwei Jahren Haft verurteilt. 
Herausgeber: -
Hintergründe: Am 28. Juni 1921 versuchte der Anarchist Spasoje Stejić, den jugoslawischen Regenten Aleksandar zu töten (ab 16.8.1921 König Alexander I.; kam später - 1934 - tatsächlich durch ein Attentat ums Leben). Nach dem missglückten Anschlag durch Stejić wurde die Führung der Kommunistischen Partei und zahlreiche ihrer Parlamentsabgeordneten verhaftet. Stejić wurde zusammen mit 59 Kommunisten im sogenannten "Vidovdan-Verfahren" wegen "revolutionärer Tätigkeit" am 23. Februar 1922 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das gleiche Strafmaß erwartete die übrigen Verurteilten. Alle wurden im September 1923 vorzeitig aus dem Gefängnis Požarevac entlassen. Das Gruppenfoto zeigt (sitzend von links): Ivan Čolović, Filip Filipović, Đuro Salaj; (stehend von links) Vladimir Mirić, Vladimir Ćopić (Senjko), Života Milojković, Lazar Stefanović, Nikola Kovačević, Miloš Trebinjac, Dragomir Marjanovič.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1922.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1922_azuara

Objekt: 1922_jugendweihe

Objekt: 1922_hine
 
USA
Titel (Englisch): A.V. Azuara / indicted editor of the Spanish I.W.W. Publication, “El Rebelde”.
Übersetzung:
A.V. Azuara, angeklagter Redakteur der spanischsprachigen IWW-Zeitung "El Rebelde".  
Künstlersignatur: Bingo Feb.14 1918 A.V.Azuara. . 
Herausgeber / Verlag: General Defense [IWW]
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Hintergründe: Spendenkarte für "Hunderte Arbeiter, Mitglieder der IWW, hinter Gittern". Zu den 64 Angeklagten im Chicago Case, die alle am 1.4.1922 nach dem "Espionage Act" zu Gefängnisstrafen zwischen 5 bis 20 Jahren verurteilt worden sind, gehörte auch der Dichter und Schriftsteller Aurelio Vincente Azuara, der aus Spanien nach Mexiko eingewandert war und in kalifornischen Fischereibetrieben und in Bergwerken von Arizona Arbeit gefunden hatte. In Kalifornien hatte er begonnen, unter den Hispanics für die IWW Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Er setzte sich für die Rechte der Arbeiter beiderseits der Grenze zwischen den USA und Mexiko ein. Er wirkte 1915-1917 in Los Angeles an der Herausgabe von "El Rebelde" mit, einer Zeitung, die sich an spanischsprachige Arbeiter richtete. Während des 4-monatigen Clifton- und- und Morenci-Bergarbeiterstreiks 1915 / 1916 wurde er verhaftet und im Chicago Case am 1.4.1922 zu 20 Jahren Gefängnis im Bundesgefängnis Leavenworth (Kansas) verurteilt. Am 20. Dezember 1922 wurde er mit der Auflage nach Spanien abgeschoben, niemals wieder den Boden der USA zu betreten.
// In den Jahren 1917-1932 wurden in den USA unter dem Espionage Act Tausende politische Aktivisten und Kriegsgegner  zu Gefängnisstrafen verurteilt. Als "enormous crimes" charakterisierte der Historiker Howard Zinn im Jahr 1994 die politische Verfolgung nach dem Espionage Act in einem Land, das sich als Modell der Demokratie verstand. // Teil einer Serie. Ein inhaftierter IWW-Künstler hat für die Postkartenserie eine Reihe von Porträts von Mitgefangenen angefertigt.
Postalische Merkmale:
 -
Datierung: 
April 1922.
Anmerkung: Selten.
Deutschland
Titel: Die besten Wünsche zur Jugendweihe.
Fotostudio: HB.
Hintergründe: Die postalisch versandte Glückwunschkarte war im April 1922 an eine Jugendweihabsolventin in Altenburg gerichtet.  
Postalische Merkmale: Gelaufen April 1922 (Gößnitz, Sachsen-Anhalt). Altenburg war bis 1923 Landeshauptstadt des "Freistaats Sachsen-Altenburg", der schon vorher (1920) im Land Thüringen aufging.
USA
Titel (Englisch): What Lies Back of the Coal Strike / The dramatic clash of interest between The Mines, the Miners and the Public.
Übersetzung:
Was sich hinter dem Streik der Kohlenbergleute verbirgt / Der dramatische Interessenkonflikt zwischen den Gruben[-gesellschaften], den Bergleuten und der Öffentlichkeit].
Herausgeber / Verlag: Survey Graphic, New York., New York.
Fotograf: Lewis W. Hine (1874-1940).
Hintergründe: Das 1921 gegründete Magazin "Survey Graphic" widmete sich allen sozialpolitischen Fragen der Zeit: Armut, Bildung, Reformen, "Rassenbeziehungen", Arbeitslosigkeit, Gewerkschaften, Antisemitismus, Faschismus usw. Herausgeber war der Sozialreformer und Publizist Paul Kellogg (1879-1958). An der Gestaltung der Zeitschrift, die bis 1952 bestand, waren bekannte Grafiker, Fotografen und Autoren beteiligt. So veröffentlichte das Magazin, das sich hauptsächlich an eine aufgeklärte bürgerliche Leserschaft wandte, in den 1920er Jahren Lewis W. Hines bekannte Fotoserie "Work Portraits". Auch das gelungene Porträt eines Bergarbeiters auf der hier abgebildeten Karte gehört zu dieser Serie. Bekannt wurde Hine für seine 5000 Aufnahmen über Kinderarbeit in den USA, die im Auftrag der National Child Labor Commission zwischen 1908 und 1916 entstanden sind. In den Jahren von Roosevelts "New Deal" nahm Hine - ebenso wie die Fotografen Dorothea Lange, Carl Mydans und Ben Shan (der sich später als bildender Künstler einen Namen machte) - Aufträge von Bundesagenturen an, um die dramatischen Auswirkungen der Großen Depression in der Industrie sowie in Stadt und Land fotografisch zu dokumentieren. Allein zwischen Dezember 1936 und Juli 1937 entstanden im Auftrag des National Research Project (im Rahmen des Regierungsprogramms Work Projects Administration  / W.P.A., das an Künstler öffentliche Aufträge vergab) viele Hundert Fotografien Hines, welche die Folgen der Arbeitslosigkeit im Bild festhielten. Sein Blick wurde in diesen Jahren kritischer und schärfer. Hatte Hine die Menschen in den Fotos früherer Jahre milde in ihr Umfeld eingebettet (auch der Bergarbeiter strahlt Zuversicht und Güte aus), standen sie nunmehr - ausgeliefert ihrer sozialen Not - selbst im Mittelpunkt. Solche Porträts sind einzigartige Dokumente von Hines sozialkritischer Optik geworden.
Datierung: April 1922.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1922_suisse
Objekt: 1922_england
Objekt: 1922_bas
Objekt: 1922_rotgaliz
Schweiz
Titel (Deutsch, Französisch): Maifest-Karte / Carte de 1er Mai.
Herausgeber: Sozialdemokratische Partei der Schweiz / Parti Socialiste Suisse.
Künstlersignatur: D
Druck: Genossenschaftsdruckerei Zürich.
Postalische Merkmale: Gelaufen Mai 1922 (Fleurier nach Verrières, beide Schweiz).
Sowjetrussland
Titel (Russisch): Kак англичане притесняют крестьян в своих владениях. (Aнглийский образец самоопределения народов...).
Übersetzung:
Wie die Briten in ihren Besitzungen die Bauern unterdrücken (Das britische Muster der Selbstbestimmung der Völker...).
Herausgeber / Verlag: Издательство Всероссийского Ц.И.К. Советов Рабочих, Крестьянск., Красноарм. и Казачьих Депутатов, Москва. / Verlag des Gesamtrussischen Zentralen Exekutivkomitees der Sowjets der Arbeiter-, Bauern-, Soldaten- [Rotarmisten-] und Kosaken-Deputierten, Moskau.
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Diese wahrscheinlich in Deutschland gedruckte Karte erschien kurz vor dem Ende der Interventionskriege gegen Sowjetrussland (1919-1922), an denen Großbritannien führend und lenkend beteiligt war.  
Postalische Merkmale: Handschriftliche Nachricht vom 13. Juni 1922 auf Adressseite in Bulgarisch, gerichtet an Elisa. Ohne Marke und Poststempel, offenbar im Kuvert versendet.
Datierung: Juni 1922.
Belgien
Titel (Französisch, Flämisch): A BAS LE MILITARISME / WEG MET MILITARISME.
Übersetzung: Weg mit dem Militarismus. 
Herausgeber: AJC (= Arbeiders Jeugd Centrale, Amsterdam), siehe Objekt 1929_ajc.
Künstlersignatur: [unleserlich].
Künstler: -

Hintergründe: Von der AJC herausgebrachte antimilitaristische Postkarte. Auf der Adressseite sind handschriftlich mit Tinte in französischer Sprache  (wahrscheinlich als Druckvorlage für eine Postkarte oder ein Flugblatt) einige Textzeilen skizziert, die zu einem Meeting der Brüsseler Kommunisten am 16. Juni 1922 im Saal "Mille Colonnes" in Molenbeek-St.Jean (Gemeinde, die westlich an die Brüsseler Altstadt grenzt) einladen. Als Redner sind Marcel Cachin (1869-1958), damals Pariser Abgeordneter in der frz. Nationalversammlung, sowie die beiden belgischen Kommunisten Joseph Jacquemotte (1883-1936) und Eduard Van Overstraeten (1891-1981) angekündigt. Thema der Kundgebung sollte die am Vorabend einberufene internationale Finanz- und Wirtschaftskonferenz in Den Haag sein. Im Mittelpunkt der Verhandlungen in Den Haag standen die internationalen Schulden des Zarenreichs und die enteigneten Betriebe in Sowjetrussland. Litwinow, der sowjetische Vertreter, wies die Forderung nach Begleichung der Zarenschulden und Rückgabe des verstaatlichten Eigentums an die früheren Besitzer zurück. Andererseits lehnten die Vertreter der westeuropäischen Staaten die Vorschläge der sowjetischen Seite ab, die auf eine internationale Zusammenarbeit zielten. Somit verlief die bis 19. Juli dauernde Konferenz ergebnislos.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1922.
Anmerkung: Selten.
Ukraine
Titel (Ukrainisch): Памяті незабутних героїв – червоних галицьких повстанців Петра Шеремети, Степана Мельничука, Івана Цепка – замордованих польською шляхтою в 1922.
Übersetzung: Unvergessliches Heldengedenken für die rotgalizischen Aufständischen Petr Scheremeta, Stepan Melnitschuk und Iwan Zepka – 1922 ermordet durch den polnischen Adel. 
Herausgeber: -
Hintergründe: Infolge der polnischen Annexionen 1919-1922 in Litauen und in sowjetischen Gebieten Bjelorusslands und der Ukraine wurde der polnische Grenzverlauf im Osten von der Curzonlinie 200 bis 250 km weiter nach Osten verlegt. In den Grenzgebieten gehörte die polnische Minderheit meist dem wohlhabenden Landadel oder dem Bürgertum an. Nachdem 1919 / 1920 die Westukraine von polnischen Truppen besetzt worden war, gingen die Ende 1918 bis Anfang 1919 gegründeten Komsomol-Gruppen in Lviv, Lutsk, Stanislav (seit 1962 Iwano-Frankiwsk), Ternopil, Kalusch, Kolomyja, Brody und Dubno, Riwne und anderen Städten in den Untergrund
(siehe Objekt 1921_lwow). Nach ihrer Reorganisation gründeten die Gruppen bei einer Grenzlandkonferenz am 23. Oktober 1921 in Stanislav die Kommunistische Jugendunion Ostgaliziens. In Ternopil und einigen Landgebieten bildeten junge Leute die Partisaneneinheit "Rote Zwölf" («Червона дванадцятка»), die die polnischen Eindringlinge bekämpfte. Bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Oktober 1922 setzte die polnische Besatzungsmacht starke Militär- und Polizeikräfte gegen die Gruppe ein. Zepka kam dabei ums Leben, Scheremeta und Melnitschuk wurden verwundet und gefangen genommen. Am 2. November 1922 begann in Chertkov ein Militärgerichtsverfahren, bei dem beide am 11. November zum Tode verurteilt wurden. In seinem letzten Brief an die Eltern schrieb Melnitschuk: "Im Kampf um die Befreiung unseres armen, unglücklichen, seit Jahrhunderten unterdrückten Volkes werde ich in dieser Stunde diesen Menschen das Kostbarste geben, was ein Mensch nur geben kann [...] ich sterbe, aber die Idee, für die ich war, ist nicht verloren. Sie wird in den Herzen von Millionen ukrainischer Menschen weiterleben."
Postalische Merkmale: -
Datierung:  November 1922.
Anmerkung: Selten.
Schlagwörter: україна.
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Objekt: 1922_nordwales
Objekt: 1922_pieck
Objekt: 1922_prozess
   
Wales / Großbritannien
Titel (Englisch): Coming home from the quarries. Bl. Festiniog. No. 15.
Übersetzung: Heimkehr aus den Gruben in Bleanau Festiniog. No. 15.
Herausgeber: G.R. Davies, Electric Studio, Bleanau Festiniog. Serie, Karte Nr. 15.
Hintergründe: Diese für Touristen aufgelegte Fotopostkarte zeigt - als lokale Kuriosität aufgemacht - die Ausfuhr von Arbeitern und Angestellten aus den Schiefergruben auf einem Förderband nach Schichtende. Die Stadt Bleanau Ffestiniog (heutige Schreibweise) in Nordwales ist zu drei Seiten von Hügeln und Bergen umgeben, in denen Schiefer abgebaut wurde. Dieser Wirtschaftszweig hatte allerdings 1922 seine Blütezeit, in der die Stadt alle Welt mit Dachschiefer belieferte, bereits überschritten. 
Postalische Merkmale: Gelaufen November 1922 (Blaenau-Festiniog). 
Internationaler Gewerkschaftsbund / ČSR
Titel (Tschechisch): Nechť zkvétá mir! / Mezinárodní všeodborový svaz v Amsterodamu. / Ať perou mezi sebou!
Übersetzung:
Möge der Friede gedeihen / Internationaler Allgewerkschaftlicher Verband in Amsterdam / Sollen sie unter sich raufen!
Herausgeber: IGB, Amsterdam. 
Künstlersignatur: Pieck
Künstler: Henri Pieck (1895-1972), niederländischer Grafiker und Widerstandskämpfer. Nach der Besetzung der Niederlande verhaftet; im KZ Buchenwald bis zur Befreiung 1945 interniert..
Hintergründe: Die Karte gehört zu mehreren Motivkarten, die vor und nach dem Friedenskongress des IGB im Dezember 1922 jeweils in mehreren Sprachen erschienen sind. Die deutschsprachige Fassung in gleicher Aufmachung trug den Titel "Krieg dem Kriege!", die niederländische ganz analog: "Oorlog aan den oorlog!" Näheres siehe Objekte 1923_oorlog und 1924_steinlen. Der IGB gab in den Folgejahren diese Motivkarten auch zu anderen Anlässen heraus.  
Postalische Merkmale: 
-
Datierung: Dezember 1922. 

Sowjetrussland / Deutschland
Titel: Der Moskauer Prozess der Soz.-Rev. 
Herausgeber: -
Hintergründe: Vor Gericht standen vom 8. bis 13. Juni 1922 in dem genannten Verfahren Aktivisten der "Partei der Sozialrevolutionäre". Die Sozialrevolutionäre postulierten bürgerlich-demokratische Prinzipien und strebten eine Bodenreform und den 8-Stunden-Tag an. Die Diktatur des Proletariats bekämpften sie. Inmitten der Revolutionsphase (1918) brachten sie führende Bolschewiki um (Uritzki; Wolodarski) und verletzten Lenin bei einem Attentat lebensgefährlich. Der Prozess war öffentlich, Rechtsanwälte (auch ausländische) waren zugelassen (Vandervelde, Kurt Rosenfeld, Theodor Liebknecht). Das Verfahren wies nach, dass die Terrorakte nicht von Einzelnen, wie es zunächst den Anschein hatte, sondern von der Partei der Sozialrevolutionäre selbst organisiert worden waren. Zunächst ergingen 15 Todesurteile, die aber in Verbannung umgewandelt wurden. Nach den enormen Verlusten durch Bürgerkrieg und Interventionskriege (die weitaus größer waren als jene, die Russland im Ersten Weltkrieg erlitten hatte), durch Seuchen und Hungerkatastrofen war Lenins Regierung nicht gewillt, die ersten Fortschritte beim Aufbau des Landes durch Terrorakte aufs Spiel setzen zu lassen. Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.

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Objekt: 1922_erzgebirge
Objekt: 1922_zille
Objekt: 1922_hessen
Objekt: 1922_fischerei
Deutschland
Titel: Erzgebirgische Spielzeugmacher-Familie bei der Arbeit.
Foto und Verlag: A. Heinicke, Freiberg in Sachsen.
Hintergründe: Die hausindustriellen Spielzeugmacher in der Erzgebirgsgegend um Seiffen waren wegen ihres Eigentums an Arbeitsmaterial und -geräten gesellschaftlich zwischen den Fabrikarbeitern und den Fabrikanten der Spielzeugherstellung angesiedelt. Sozial jedoch waren sie keineswegs besser gestellt als die Arbeiter. Sie unterlagen einem enormen Preisdruck und waren von Verlegern abhängig, da nur diese den Zugang zum Markt inne hatten. Das Fotomotiv stammt wahrscheinlich aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.
Schlagwörter: heimarbeit, hausindustrie
Deutschland
Titel: Hilfe von den Künstlern. Von H. Zille gezeichnet für die I.A.H.
Herausgeber: IAH, Berlin.
Künstlersignatur: H. Zille
Künstler: Heinrich Zille (1858-1929), der sozialkritische Zeichner des "Berliner Milljöhs". 
Hintergründe: Für Postkarten der IAH stellten auch andere bekannte Künstler wie George Grosz, Käthe Kollwitz, Otto Nagel, Rudolf Schlichter und Heinrich Vogeler künstlerische Arbeiten zur Verfügung.
Postalische Merkmale: 
Datierung: Um 1922.
Deutschland
Titel: Arbeiterjugend.
Herausgeber: Verband der Arbeiter-Jugendvereine Deutschlands, Freistaat Hessen, Darmstadt.
Künstlersignatur: AS 22
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922.
Sowjetrussland / UdSSR
Titel (Deutsch, Tschechisch, Ungarisch):
Fischerei der I.A.H.
in Zaryzin / Rybářství M.D.P. v Zarycynu / A nemzettközi Munkássegély halászata Carycinaba.
Herausgeber: Auslandskomitee der Internationalen Arbeiterhilfe für Sowjet-Russland. 
Hintergründe: Die IAH gründete auf Willi Münzenbergs Initiative ab 1922 mehrere Unternehmen in der RSFSR sowohl in der Landwirtschaft als auch in den Wirtschaftsbereichen Industrie, Bergbau, Fischerei und Forstwirtschaft. Zur Finanzierung wurden im Ausland Anteilscheine ("Arbeiteranleihe") ausgegeben. Während einige Betriebe wieder eingestellt werden mussten, weil die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufbau noch fehlten, so konnten rentabel arbeitende Unternehmungen, wie die Wolga-Fischerei in Zaryzin (gemeint ist Zarizyn in Russland, ab 1925 Stalingrad, heute Wolgograd) an sowjetische Genossenschaften und Berufsverbände übergeben werden. Die Karten dieser Serie wurden wahrscheinlich in Deutschland gedruckt.
Postalische Merkmale: 
-
Datierung: 1922. 
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1923_bunge
Objekt: 1923_egoist
Objekt: 1923_kruppopfer
     
Deutschland
Titel: Die Lösung der Arbeiterfrage ist die Ernüchterung, die Kraft und Gesundheit des Arbeiterstandes die wichtigste Vorbedingung. / Gustav von Bunge.
Verlag: Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Bund, Berlin.
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Der 1903 gegründete Arbeiter-Abstinenten-Bund DAAB wurde nach grundlegenden ideologischen Konflikten, die innerhalb der „Anti-Alkohol-Internationale" ausgefochten worden waren, geboren, - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und in der Schweiz. Während bürgerliche Alkoholgegner lediglich das Individuum zur Mäßigung anhielten, sahen die sozialistischen Abstinenzler den Kampf gegen Alkoholismus vor allem als ein Mittel im Klassenkampf an. Sie zeigten die sozialen Ursachen von Alkoholismus und Elend auf und leiteten davon ihre Aufgaben ab: den Kampf um höhere Löhne, um bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bildung. Außerdem sei es nötig, die Arbeiter politisch und gewerkschaftlich zu organisieren. Nur der Sozialismus biete die Gewähr einer gesicherten Existenz ohne Ausbeutung und Elend, womit die Ursachen der Trunksucht beseitigt würden. In der Weimarer Zeit entwickelte sich der Bund zu einem reformistischen Kulturverein, der der SPD nahe stand. // Der Basler Physiologe Gustav von Bunge (1844-1920), dessen Zitat die Bedeutung der Alkoholfrage innerhalb der Arbeiterschaft benennt, vertrat ab Mitte der 1880er Jahre die These, der Alkoholkonsum gefährde das menschliche Erbgut und damit die Volksgesundheit. // Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1920er Jahre.
Deutschland
Titel: Der Egoist - Linolschnitt von Hugo Sieker.
Herausgeber: Carl Dopf.
Hintergründe: Werbekarte der anarchistischen Zeitschrift "Der Krakehler. Ein Blatt für Menschenrechte und herrschaftslose Kultur" (Hamburg). Sieker trat sonst als Publizist hervor. // Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1922 / 1923. 
Anmerkung: Selten.
Deutschland
Titel: Die Beerdigung der Krupp-Opfer in Essen / "Die Kränze der K.P. Frankreichs". 
Adressseite, handschriftliche französischsprachige Notiz: L’Enterrement des «boches» tués a Essen, aux usines Krupps par les Français. La Couronnes offerte par les autorités Française, Essen avril 1923.
Übersetzung: Beerdigung der «Boches», die in den Essener Kruppwerken von den Franzosen getötet wurden. Von der französischen Regierung überbrachte Kränze, Essen April 1923 [Anmerkung: die französischsprachige Notiz ist offensichtlich irrig].
Aufdruck Adressseite: 21117.
Hintergründe: Die Lieferrückstände bei den Reparationszahlungen Deutschlands nahm Frankreich zum Anlass, das wirtschaftlich bedeutsame Ruhrgebiet im Januar 1923 zu annektieren. Gegen den aktiven Widerstand, den der militärische Einmarsch hervorbrachte, gingen die Besatzer rücksichtslos vor. Am 31. März erschossen sie in Essen 13 streikende Krupparbeiter. Die Postkarte ist der Beerdigung dieser Opfer im April 1923 gewidmet. Sie offenbart zugleich eine gern verschwiegene Tatsache: Nicht nur auf deutscher Seite gab es Widerstand gegen die Ruhrbesatzung, auch die französischen Kommunisten setzten sich aktiv dagegen sein. Ganz rechts im Bild Marcel Cachin (FKP), der für seinen Widerstand gegen die militärische Besetzung des Ruhrgebiets zu Haftstrafen verurteilt worden war. // Fotopostkarte, Teil einer Serie.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  April 1923.
Anmerkung: Selten.
 
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Objekt: 1923_katayama
Objekt: 1923_hh
Objekt: 1923_lund
   
Japan / Deutschland / Internationale Arbeiterhilfe
Titel (Englisch): Katayama, chairman of C.P. of Japan.
Übersetzung
: Katayama, Vorsitzender der KP Japans.
Herausgeber: Internationale Arbeiterhilfe für die Hungernden in Sowjet-Rußland.
Hintergründe: Englisch- und deutschsprachige Spendenkarte mit dem Porträtfoto von Sen Katayama (1859-1933), japanischer Journalist, Gründer der Sozialdemokratischen Partei Japans (1901), Mitbegründer der KP der USA (1919) und der KP Japans (1922). Seit dem IV. Kongress der Kommunistischen Internationale Ende 1922 Mitglied des Exekutivkomitees und des Präsidiums des EKKI. Katayama verstarb am 5. November 1933 in Moskau. // Teil einer Serie, wahrscheinlich in Deutschland gedruckt. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1923. Das frühestdatierte Exemplar dieser Serie liegt uns als gelaufene Postkarte vom 1. Mai 1923 vor.
Anmerkung: Selten.

 

Deutschland / SAI
Titel: Internationaler Sozialistenkongress Hamburg 1923.
Herausgeber: Buchhandlung Auer & Co. in Hamburg.
Hintergründe
: Vom 24.-26. Mai 1923 gründete sich im Gewerkschaftshaus in Hamburg die Sozialistische Arbeiter-Internationale (SAI, Sitz London, ab 1925 Zürich), ein Zusammenschluss von sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien. Auf dem Zenit ihres Einflusses gehörten der SAI 45 Parteien an (1928). Mit der Faschisierung Europas, die viele Mitgliederparteien in die Illegalität trieb, kam es zu Auseinandersetzungen in Grundsatzfragen (Parlamentarismus; Zusammenarbeit mit Kommunisten). Zu einer Einigung kam es in diesen Fragen bis zur Auflösung der SAI um 1940 nie. // Bei gleichem Anlass schloss sich in Hamburg die Arbeiterjugend-Internationale mit anderen sozialistischen Jugendverbänden zur Sozialistischen Jugendinternationale (SJI, Sitz Berlin) zusammen. 28 Jugendorganisationen aus 20 Ländern gehörten der SJI an. Die mitgliederstärksten beigetretenen Verbände kamen aus Deutschland, Deutschösterreich, Niederlande, Schweden, ČSR und Belgien. Siehe Objekte 1923_lund, 1926_pfingst und 1929_wien. // Die SAI, SJI und der IGB sind in einem engen politischen Zusammenhang zu sehen. Die britische Labour Party und die deutsche SPD hatten den größten Einfluss auf diese Organisationen und bestimmten deren politische (also reformistische) Ausrichtung.
Postalische Merkmale: Gelaufen im Mai 1923 (Hamburg).
Schweden / SJI
Titel (Schwedisch): INTERNATIONELLA UNGDOMSDAGEN I LUND DEN 9-10 JUNI 1923.
Übersetzung
: Internationale Jugendtage in Lund 9.-10. Juni 1923.
Herausgeber: SJI.
Künstlersignatur: SVAHN
Künstler: Nils Svahn (1890-1936), schwedischer Grafiker und Maler; Mitarbeit an Blättern der schwedischen Sozialdemokratie.

Hintergründe: Die 1923 in Hamburg gegründete Sozialistische Jugendinternationale (SJI) veranstaltete zahlreiche internationale Begegnungen ihrer Mitgliederorganisationen, so 1923 in Lund und Nürnberg, 1924 in Hannover, Berlin, Weimar und Aarhus, 1925 in Vierhouten (NL), Frederiksstad (Norwegen) und Stockholm, 1926 in Amsterdam, 1927 in Hindsgavl auf Fünen, Stockholm und Stuttgart und 1928 in Prag, Stockholm und Amsterdam usw. Siehe Objekte 1923_hh, 1926_pfingst und 1929_wien. Die schwedische Gastgeberorganisation für das Treffen in Lund gehörte zu den fünf größten Verbänden der SJI.
Postalische Merkmale: Gelaufen (1923?) nach Berlin.
Datierung: Juni 1923.
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Objekt: 1923_bol

Objekt: 1923_marty

Objekt: 1923_minzoni

   
Frankreich
Titel (Französisch): Pour 1 Franc tu remplis un bol! Verse ton obole, ces petits ont faim!
Übersetzung: Mit einem Franc füllen Sie eine Schüssel! Gib deine Spende, diese Kinder sind hungrig!
Herausgeber: Comité du Secours Ouvrier International, Paris
Künstlersignatur: Kollwitz
Hintergründe: Spendenkarte der IAH mit Kollwitz-Motiv. Willi Münzenberg schätzte rückblickend die Hilfsaktionen des französischen Proletariats Anfang der 20er Jahre als vergleichsweise spät und schwach ein. Erst
im Hungerwinter 1923 / 1924 in Deutschland gelang es der französischen IAH-Sektion, die Hilfsbereitschaft der Franzosen in einem größerem Umfang zu mobilisieren. Die IAH sammelte 24 Millionen Franc. 400 deutsche Kinder wurden in französischen Familien beherbergt. Diese erstmals von der IAH praktizierte Kinderhilfsaktion währte ein ganzes Jahr. // Das Motiv von Käthe Kollwitz gegen die Nachkriegsnot in Deutschland entstand 1923 im Auftrag der IAH als Kreidelithografie unter dem Titel „Deutschlands Kinder hungern“. Vergleiche die Fotopostkarte 1923_naehstube, wo das Motiv auf einem Plakat wiederkehrt.
Postalische Merkmale: Gelaufen Juni 1925 (Paris).
Datierung Kartendruck: 1923.
Frankreich
Titel (Französisch): Honneur aux Marins de la Mer Noire! / Badina / Marty.
Übersetzung: Ehre den Matrosen der Schwarzmeerflotte Badina & Marty.
Hintergründe: Im April 1919 kam es auf den Schiffen der französischen Kriegsflotte vor Sewastopol und Odessa im Schwarzen Meer zu Erhebungen. Die Meuternden hissten rote Fahnen und verbrüderten sich mit russischen Matrosen. Am 1. Mai demonstrierten in Paris 500.000 Menschen für den 8-Stunden-Tag, für die Amnestie der politischen Gefangenen und gegen die Intervention in Sowjetrussland. Bei dem Maschinisten Louis Philippe Badina und dem Chefmaschinisten André Marty handelt es sich um revolutionäre Matrosen der französischen Marine, die wegen ihrer Beteiligung am Flottenaufstand zu Haftstrafen verurteilt worden sind. Unter ihrer Führung hatten auf den Schlachtschiffen "Jean Bart" und "France" die Matrosen die Kontrolle übernommen und rote Fahnen gehisst. Die Meuterei hatte dann weitere französische Schiffe erfasst, sodass die gesamte französische Flottille aus dem Schwarzen Meer abgezogen werden musste. Der Zeitungsverlag der "L'Humanité" (seit 1920 FKP-Organ) erinnerte mit dieser Karte – anlässlich der Pariser Kommunalwahl von 1922, bei der die beiden in den Stadtrat gewählt worden sind, oder anlässlich ihrer Amnestierung im Jahr 1923 – an die beiden mutigen Männer. 
Postalische Merkmale: Gelaufen Juli 1923 (La Rochelle).
Italien
Titel (Italienisch): Ca. Don Giovanni. Don Giovanni Minzoni / Arcipreteidi Argenta / Assassinato il 23 Agosto9231923
Übersetzung: Don Giovanni Minzoni, Erzpriester von Argenta / Ermordet am 23. August 1923.
Herausgeber / Druckvermerk: -
Hintergründe:
Giovanni Minzoni (*1885), im Ersten Weltkrieg Feldprediger, Mitglied der 1919 gegründeten bürgerlich-katholischen, auf einige Reformen orientierten Partito Popolare Italiano (PPI). War mit dem Gewerkschaftsführer Natale Gaipa (1880-1921) befreundet, der 1921 von Mussolinis Schwarzhemden ermordet wurde. Dieses und andere Ereignisse machten ihn zu einem unversöhnlichen Gegner der Faschisten. Um der Wiedergründung der faschistischen Jugendbewegung zu begegnen, unterstützte er in Emilia-Romagna die katholischen Pfadfinder. Am 23. August 1923 wurde er von zwei Faschisten erschlagen. Nach dem Krieg wurden die beiden Mörder verurteilt, der Anstifter Italo Balbo ging frei aus. Minzoni gilt in Italien als Märtyrer des katholischen Widerstands gegen den Faschismus. Das ist deshalb von Bedeutung, weil Minzonis Partei PPI zwar dem Faschismus grundsätzlich ablehnend gegenüberstand und deshalb auch 1926 von Mussolini verboten wurde, ihre Mitglieder aber dennoch keinen Widerstand gegen Mussolinis Diktatur leisteten. Siehe auch Objekt 1924_luce.
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1923.
 
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Objekt: 1923_truny

Objekt: 1923_oorlog
Objekt: 1923_heyst
Objekt: 1923_ratu
   
ČSR
Titel (Tschechisch): Náš prapor nade trůny vlaje.
Übersetzung: Unser Banner weht über dem Throne.
Herausgeber: Josef Zdařil, Tršice.
Künstlersignatur: CAZ? CAZI?
Druckvermerk: NEUBERT
Druck / Verlag: Grafické umělecké závody V. Neubert a synové [Václav und Karel Neubert], Praha.
Hintergründe: Die rote Fahne weht über den abdankenden Figuren von Macht und Geld: über Thron, Klerus und Kapital.
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1923 (Praha).
Internationaler Gewerkschaftsbund / Niederlande
Titel (Niederländisch): De overlevenden. / oorlog aan den oorlog!
ÜbersetzungDie Überlebenden - Krieg dem Kriege.
Herausgeber: Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB), Amsterdam.
Künstlersignatur: Kollwitz
Grafik: "Die Überlebenden" von Käthe Kollwitz, 1923.
Hintergründe: Mit einem Zitat aus einer Rede Edo Fimmens auf dem IGB-Friedenskongress in Den Haag 1922. Sinngemäße Übertragung des Zitats aus dem Niederländischen: "Der Kampf gegen den 'Bewaffneten Frieden', der den Frieden keineswegs garantiert, aber zu immer neuen Kriegen führt, muss mit der gleichen Leidenschaft, mit der gleichen Hingabe geführt werden wie gegen einen Krieg überhaupt". Der Friedenskongress hatte eine Resolution angenommen, wonach "der Kampf gegen den Militarismus und den Krieg mit allen Mitteln zu führen sei". Gemeint waren Mittel wie massenhafte Kriegssabotage, Generalstreik und Blockade von Waffenlieferungen, kurz "der offene Aufstand in Stadt und Land" und "der Kampf gegen die eigene Bourgeoisie". Im Jahr 1930 stellte Edo Fimmen auf dem Bundestag der Deutschen Friedensgesellschaft in Frankfurt/M. im Rückblick ernüchtert fest: "Die Periode der direkten Aktionen der Arbeiterbewegung für den Frieden und gegen den Krieg hat mit dem Haager Friedenskongress, wenigstens vorläufig, ihren Abschluss gefunden." // Edo Fimmen war von 1919 bis 1923 IGB-Generalsekretär, bis zu seinem Tod 1942 Generalsekretär des ITF. // Vor und nach dem Friedenskongress wurden mindestens drei, von bekannten Künstlern entworfene Postkarten in mehreren Sprachfassungen herausgebracht. Die Motive der drei Karten fanden später bei vielerlei Anlässen der Gewerkschaften auf Postkarten und Materialien Verwendung. Zu diesen drei Motiven gehören neben der hier vorgestellten Grafik die häufig verwendeten Motive von Théophile Steinlen, siehe Objekt 1924_steinlen, und Henri Pieck, siehe Objekt 1922_pieck.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923.
Belgien
Titel (Französisch): Heyst-sur-Mer / Colonie des vacances d’Enfants Mutualistes socialistes de Belgique.
ÜbersetzungHeyst-sur-Mer / Kinder-Ferienkolonie der sozialistischen Krankenkasse Belgiens in Heyst.
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: Ern.[est] Thill, Bruxelles; mit Logo “Nels”
.
Hintergründe: Die sozialistische Krankenkasse NSVM
(siehe Glossar & Abkürzungen) erwarb 1921 in Heyst sur Mer (heute Knokke-Heist) an der westflandrischen Nordseeküste das Grand Hôtel Pauwels. Ab 1923 hielten sich stets bis zu 85 an Tbc erkrankte Kinder im Alter von 8-12 Jahren über drei Monate zur Genesung in diesem Erholungslager auf. Da hier auch Schulunterricht erteilt wurde, ist die Bezeichnung "Ferienkolonie" nicht ganz wörtlich zu nehmen.
Postalische Merkmale:
Gelaufen 1925 (Piéton).
Datierung der Kartenproduktion:
1923.
Jugoslawien
Titel (Serbo-Kroatisch): „Rat ratu!“ / Bogataši i invalidi.
Übersetzung: "Krieg dem Kriege!" / Die Reichen und die Invaliden.
Herausgeber: -
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Anonyme kroatische Karte. Motiv aus der Grafikmappe "Abrechnung folgt!" von George Grosz, 1923. Das Zitat unter der Grafik lautet übersetzt (aus dem Kroatischen): "Die Rechte der Invaliden sind eine Versuchung für die Leute! Ich denke, wir sollten sie nicht noch füttern. Lasst sie lieber arbeiten!"
Postalische Merkmale: -
Datierung:
Ab 1923. 
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1923_dombal

Objekt: 1923_sinowjew

Objekt: 1923_su
   
Polen / RGI / UdSSR
Titel (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch): Dombal, guide of the polisch communists; by the workers will he was liberated from the polisch prison [sic] / Dombal, Hauptführer der polnischen kommunisten, russischen Arbeiters willens er aus dem polnischen Gefängnisse befreit wurde [sic] / Dombal, guide des communistes polonais; par la volonté des ouvriers russes il fut libéré de la prison polonaise. / Домбаль, вождь польских коммунистов, волей рабочих вырванный из польской тюрьмы.
Herausgeber: RGI, Moskau.
Hintergründe: Dombal = Tomasz Dąbal (1890-1937), Mitbegründer der Radikalen Bauernpartei, 1920 Beitritt zur Kommunistischen Partei; als kommunistischer Sejm-Abgeordneter bildete er mit Stanislaus Lanzuzki (siehe Objekt 1925_lanzuzki) im Sejm die Fraktion der KP. 1921 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, nach Protesten aus dem Ausland 1923 in die UdSSR abgeschoben. In der Sowjetunion übernahm er zahlreiche Funktionen im Wissenschaftsbereich. 1937 hingerichtet, 1955 rehabilitiert. // Die viersprachige Karte wurde in der UdSSR herausgegeben und gedruckt. Vgl. aus gleicher Serie Objekt 1923_sinowjew und 1923_su.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923.
Anmerkung: Selten.
RGI / UdSSR
Titel (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch): Zinovieff, Chairman of the Communistic International / Zinovieff, President des Kommunistischen Internationals [sic] / Zinovieff, President de l’International Communiste / Зиновьев, Председатель Коммунистического Интернационала
.
Herausgeber: RGI, Moskau.
Hintergründe: Grigori J. Sinowjew (1883-1936), mit Lenin Exil in der Schweiz, 1919-1926 Vorsitzender des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), 1936 hingerichtet, 1988 rehabilitiert. // Vgl. aus gleicher Serie Objekt 1923_dombal und 1923_su. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1923.
Anmerkung: Selten.
China / IRH / UdSSR
Titel (Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch): Tchin-Hong-Ki, Chairman of the revolutionary union of the chinese sailors in Hong-Kong / Tchin-Hong-Ky, President [sic] des roten Vereines der chinesischen Seeleute in Hong-Kong / Tchin-Hong-Ky, President de l’union revolutionnaire de marins chinois à Hong-Kong / Чин-Хон-Ки, Председатель революционного союза китайских моряков в Гонконге.
Herausgeber: RGI, Moskau.
Hintergründe: Karte für Su Zhaozheng (Su Chao-Cheng; 1885-1929). Ab 1921 Organisator der ersten Seeleute-Gewerkschaft in Guangzhou (Kanton) und Hong Kong; dort auch Führer der großen Streiks (1922 / 1925). Im Mai 1926 zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees des Allchinesischen Gewerkschaftsverbandes gewählt (siehe Objekt 1933_deng). 1927 übernahm er den Vorsitz des Rates der Volkskommissare in der Kanton-Kommune. In dieser Zeit leitete er in Kanton auch die IAH. Seit 1928 Mitglied des Präsidium des EKKI und der RGI. Su Zhaozheng starb 1929 in Shanghai an einer Blinddarmentzündung. // Vgl. aus gleicher Serie Objekt 1923_dombal und 1923_sinowjew. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Um 1926.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1923_naehstube

Objekt: 1923_zuerich
Objekt: 1923_freidenker
   
Deutschland
Titel: Nähstube der I.A.H. Kinderhilfe Hamburg.
Fotostudio: "Foto: Schröder, Hamburg 31, Sillemstr. 96".
Herstellungsverfahren: Fotoabzug als Postkarte
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Hintergründe: Gustav Gundelach (1888-1962; seit 1921 KPD-Mitglied; ab 1924 Vorsitzender der RHD im Bezirk Wasserkante) erinnerte sich rückblickend an die ersten IAH-Hilfsaktionen für Sowjetrussland ab 1921 in Hamburg: "In meinem Wohngebiet ergriff ich selbst zusammen mit meiner Frau die Initiative. Wir räumten unser Wohnzimmer aus und richteten dort eine Werkstatt für Näherinnen ein. In wenigen Tagen waren leihweise einige Nähmaschinen von befreundeten Familien beschafft, und dann konnte mit der Arbeit begonnen werden. Frauen, Mitglieder der Partei und parteilose Frauen stellten sich uneigennützig zur Verfügung. Zahlreich gingen Kleiderspenden für Kinder und Erwachsene ein. Vieles war sauber hergerichtet und konnte sofort an die IAH weitergeleitet werden. Aber es blieb dennoch viel an getragenem Zeug übrig, welches sortiert, gereinigt und verarbeitet werden musste. Alle Helferinnen waren mit Begeisterung dabei. Bekleidungsstücke wurden aufgetrennt, gewaschen, gebügelt, dann neu zugeschnitten, und so entstanden viele brauchbare Bekleidungsstücke für Kinder und Frauen. [...] Diese Hilfsaktion hat einige Monate angehalten und hatte in Hamburg recht gute Ergebnisse." // Im Hintergrund Plakat mit Grafik von Käthe Kollwitz; vgl. Postkarte aus Frankreich: Objekt 1923_bol. 
Postalische Merkmale: -
Datierung:  1923.
Anmerkung: Selten.
Schweiz
Titel: Die Last der Rüstungen. Die Riesenprofite der Rüstungsindustrie bedeuten für die Völker Not und Tod.
Herausgeber: Jugendgemeinschaft „Nie wieder Krieg“, Zürich.
Künstlersignatur: H. Verstynen
Künstler: Henri Verstijnen (1882-1940), niederländischer Grafiker und Illustrator, signierte seine Werke mit H. Verstijnen oder H. Verstynen.

Hintergründe: Die Jugendgemeinschaft „Nie wieder Krieg“ war eine Zürcher sozialistisch-pazifistische Gruppierung.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Ab 1923.
Deutschland
Titel: Gemeinschaft proletarischer Freidenker
Verlag und Druck: Graph. Kunstanstalt Herm. Sonntag & Co., München.
Künstlersignatur: E. Kuhlmann, München
Künstler: Emil Kuhlmann-Reher, München, 1886-1957.
Hintergründe: 1922 vereinigte sich der „Zentral Verband proletarischer Freidenker" mit zwei thüringischen Verbänden zur "Gemeinschaft proletarischer Freidenker" (GpF). Die GpF, die 1924 ihre Zentrale von Dresden nach Leipzig verlegte, besaß 1925 100.000 Mitglieder, im Landesgebiet Sachsen nach eigenen Angaben knapp 48.000. Ihre Hochburgen waren Sachsen, Thüringen, Rhein-Main-Gau und Rheinland-Westfalen. Nach weiteren Fusionierungen (1927) kam es 1930 / 1931 wie in Arbeitersportverbänden u.a. proletarischen Organisationen zu politischen Auseinandersetzungen und zur Abspaltung eines kommunistischen Verbandes. // Das Bildmotiv ist bereits auf Freidenkerpostkarten von 1912 zu finden.
Postalische Merkmale: Gelaufen Juli 1924 (Leipzig-Lindenau).
Datierung:  1923 / 1924. 
Schlagwörter: arbeiterkultur, atheismus weltanschauung materialismus.
 
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Objekt: 1924_japan
Objekt: 1924_schweden
Objekt: 1924_renault
Objekt: 1924_kjoz
 
Japan
Titel (Japanisch):
レーニン (国露)
Übersetzung: Lenin (Russland).
Herausgeber: -
Hintergründe: Nach Lenins Tod (21.1.1924) in Japan anonym erschienene Gedenkkarte.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Januar 1924.
Anmerkung: Selten.
Schweden
Titel (Schwedisch): Lenins Testamente: Kämpa – Lär!
Übersetzung: Lenins Testament: Kämpfe – Lerne!
Schriftzug in der Grafik:
В. Ульянов (Ленин) / W. Uljanow (Lenin).
Herausgeber: -
Künstlersignatur: А. Страхов. 1924
Künstler: Adolf Iosifowitsch Strachow-Braslawski (1896-1979).
Hintergründe: Anlässlich Lenins Tod im Januar 1924 erschienen
e Karte.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Januar 1924.
Anmerkung: Selten.
Frankreich
Titel (Französisch): gréve aux usines Renault (12.02.1924).
Übersetzung
: Streik bei Renault (12.02.1924).
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Schweiz
Titel: 18. Febr. 1924. K.J.O.Z.
Herausgeber: Kommunistische Jugendorganisation Zürich.
Hintergründe: 1919 / 1920 war auch in der Schweiz die 48-Stunden-Woche eingeführt worden. Mit der «Lex Schulthess» sollte 1924 eine auf drei Jahre befristete Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 54 Stunden eingeführt werden. Zwar lehnte ein Volksentscheid am 17. Februar 1924 das Gesetz ab, dennoch ermöglichten Ausnahmeregelungen weiterhin Verlängerungen (über 48 Std. hinaus), die von den Unternehmen noch bis zur Wirtschaftskrise breit angewendet wurden, also eher die Regel waren. // Das Bild zeigt eine Demonstration am Tag nach der Volksabstimmung. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1924_schulthess

Objekt: 1924_trotzki

Objekt: 1924_textil
   
Schweiz
Titel: Arbeitszeitverlängerung Nein.
Adressseite: Gönnt uns Ruhe und Erholung / Stimmt Nein.
Künstlersignatur: -
Künstlerin: Hanni Bay (?)
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: -
Hintergründe: Diese Postkarte liegt zumindestens noch in einer französisch-sprachigen Fassung vor ("Prolongation de la Durée du Temps de Travail / NON / Accordez-nous un peu de repos / Votez NON"). Zu den Hintergründen siehe die Karte zuvor
: Objekt 1924_kjoz.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Deutschland / USA
Titel (Englisch): Trotzki, the Commissary of the people for the army and the fleet.
Übersetzung
Trotzki, Volkskommissar für Armee und Flotte.
Herausgeber: Internationale Arbeiterhilfe für die Hungernden in Sowjet-Rußland.
Hintergründe
:
Teil einer Serie, wahrscheinlich in Deutschland gedruckt.
Postalische Merkmale: Gelaufen Februar 1924 (Madison Wisc., USA). 
Anmerkung: Selten.
ČSR
Titel (Tschechisch, Deutsch): 48 HOD. PRÁCE, Nestrpíme žádné propouštění! / 48 Stunden Arbeitszeit, WIR DULDEN KEINE ENTLASSUNGEN!
Hintergründe: Kundgebung während des Textilarbeiterstreiks für die 48-Stunden-Woche in Tanvald / Tannwald im nordböhmischen Isergebirge. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1924.
Anmerkung: Selten.
 
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Objekt: 1924_luce
Objekt: 1924_rafti
Objekt: 1924_steinlen
   
Italien
Titel (Italienisch): LUCE E OMBRA.
ÜbersetzungLicht und Schatten.
Herausgeber: Avanti! Milano.
Künstlersignatur: [unleserlich]

Hintergründe:
Die reizvolle Karte illustriert den Gegensatz von Sozialisten (mit ihren Vereinshäusern "Camera del Lavoro") und der katholischen Volkspartei PPI mit der sozialismusfeindlichen Gewerkschaft "Unione [Italiana] del Lavoro", die von 1918-1925 bestand. Beide Pole sollen zugleich die Licht- und Schattenseite in den sozialen Kämpfen Italiens verdeutlichen. 
Postalische Merkmale: Gelaufen Februar 1924 (Long Island / USA nach Frankfurt a.M. / Deutschland).
Griechenland
Titel (Griechisch): 1ΜΑΙOU.1924 ΠΟΡΤ. ΡΑΦΤΗ.
Übersetzung1. Mai in Porto Rafti.
Herausgeber / Fotostudio: -
Hintergründe:
Eine Gruppe griechischer Sozialisten am 1. Mai 1924 im Küstenort Porto Rafti (35 km von Athen entfernt). Wahrscheinlich handelt es sich bei der Gruppe um Mitglieder der „Sozialistischen Arbeiterpartei Griechenlands/Kommunistisch“, die sich im Dezember 1924 in Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) umbenannte. Ihre Mitgliederzahl stieg hierauf von 2200 (1924) auf 2500 (1926), bevor sie dann bis 1930 auf 1500 zurückging. Die 1918 gegründete Partei war besonders durch ihre Politik gegen den von Griechenland angezettelten „Griechisch-Türkischen Krieg“ in den Jahren 1919-1922 bekannt geworden. Sie hatte die Soldaten an der Front aufgerufen, Fahnenflucht zu begehen und die Gewehre gegen den eigenen König (seit Ende 1920 Konstantin I.) zu wenden. Im September 1920 wurde die Partei in die Kommunistische Balkanföderation aufgenommen. Auch wenn die Parteien in der Konföderation noch nicht automatisch der Komintern angehörten, so folgten sie doch weitgehend deren Prinzipien. Dennoch war dieser Verbund nie frei von nationalen Zwistigkeiten.
Postalische Merkmale: -
Anmerkung: Selten.
Internationaler Gewerkschaftsbund
Titel (Englisch): War against War! / International Federation of Trade Unions, Amsterdam.
ÜbersetzungKrieg dem Kriege / Internationaler Gewerkschaftsbund.
Künstlersignatur: Steinlen 1922
Künstler: Théophile Steinlen (1859-1923), französischer Maler und Grafiker.
Hintergründe: Karte zum 3. Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes im Juni 1924 in Wien. Das 1922 geschaffene Motiv fand zu verschiedenen Anlässen und in mehreren Sprachfassungen auf Postkarten Verwendung. Näheres bei Objekt 1923_oorlog.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juni 1924.
 
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Objekt: 1924_linz
Objekt: 1924_matteotti
Objekt: 1924_saenger
   
Österreich
Titel: Partito Socialista Unitario / Denkt an Giacomo Matteotti, den edlen Märtyrer des italienischen sozialistischen Proletariates / durch Faschistenhand gemordet (11. Juni 1924) / „Doch kommt der Tag, da wir uns rächen, dann werden wir die Richter sein!“
Herausgeber: Siehe Titel.
Künstler / Künstlerin:
-
Hintergründe: Der mutige Sozialist Giacomo Matteotti hatte in seiner letzten Rede vor der Abgeordnetenkammer am 30. Mai 1924 die Behinderungen und Einschüchterungen, die Gewalttaten und ungezählten Unregelmäßigkeiten im zurückliegenden Wahlkampf aufgedeckt. Matteotti hatte auch die Absicht, Mussolinis Bilanzfälschung gegenüber dem König sowie die Korruptionsfälle im Innenministerium öffentlich zu machen. Überhaupt war der Sozialist wegen seiner Unbestechlichkeit und Unnachgiebigkeit bei der Aufdeckung von faschistischen Machenschaften und Verbrechen sowie wegen seiner grundsätzlichen Ablehnung des Faschismus zu einem Risiko für Mussolini geworden. Am 10. Juni wurde Matteotti, nachdem er nachmittags das Parlament verlassen hatte, von 5-6 Leuten der faschistischen Miliz in einem Auto entführt und während der Fahrt erstochen. Obwohl der Leichnam erst Mitte August nördlich von Rom aufgefunden wurde, war bereits am Tag nach dem Verschwinden des Sozialisten sein Tod bekannt. Die Presse meldete ihn am Morgen des 12. Juni. Das aufgefundene Tatauto führte auf die Spur der Mörder, die kurz darauf verhaftet wurden. Demzufolge dürften die ersten Gedenkkarten für Matteotti bereits im Juni herausgebracht worden sein. Siehe auch Objekt 1924_matteotti.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab Juli 1924.
Anmerkung: Selten.
Italien
Titel: Giacomo Matteotti.
Herausgeber / Druck:
-
Hintergründe: Entweder handelt es sich bei dieser Karte um eine bereits vor Matteottis Tod erschienene Porträtkarte (das fehlende Todesdatum wäre ein Indiz dafür) oder um eine der ersten inländischen Gedenkkarten für Giacomo Matteotti nach dessen Ermordung am 10. Juni 1924 durch faschistische Milizen (hierfür spricht der fehlende Herausgebervermerk).
Da der Poststempel das Datum 2.VII.1924 aufweist, müsste sie - falls die Vermutung einer Gedenkkarte zutrifft - bereits kurz nach Matteottis Verschwinden erschienen sein. Siehe auch Objekte 1924_linz und 1928_lungo.
Postalische Merkmale: Gelaufen Juli 1924 (Roma Ferrovia).
Deutschland
Titel: Gruß vom Sängertag des 3. u. 4. Bezirks. Deutscher Arbeiter-Sängerbund - Gau Württemberg. Vom 19.-21. Juli 1924 in Esslingen am Neckar.
Aufdruck Adressseite: "Offizielle Festpostkarte".
Künstler / Künstlerin: -
Hintergründe
: Der Deutsche Arbeiter-Sängerbund (DAS) wurde bereits 1877 ins Leben gerufen. In der Weimarer Republik war der Verband der organisierten Arbeiterchöre nach den Arbeiterturnern und –Radfahrern die mitgliederstärkste Organisation der Arbeiterkultur.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1924.
 
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Objekt: 1924_lpz
Objekt: 1924_atus
Objekt: 1924_igb
Objekt: 1924_colombia
 
Deutschland
Titel: Gewerkschaftsfest 1914 Leipzig 1924.
Herausgeber / Verlag: Gewerkschaftskartell Leipzig [?].
Künstlersignatur: Edm. Claus
Hintergründe: Die 1. Arbeiter-Kulturwoche, der Mitteldeutsche Jugendtag sowie das 27. Gewerkschaftsfest fanden in Leipzig vom 2. bis 6. August 1924 statt. Die Festzeitung schrieb profetisch: „Was in den letzten zehn Jahren an Menschenglück vernichtet wurde, wie Not und Sorge [...] in Millionen jede Lebensfreude erstickte, hat selbst im 30jährigen Krieg nicht seinesgleichen. [...] Denn schon rüsten die Staaten zu einem neuen Waffengang. [...] Ein neuer Krieg vernichtet die letzten Reste der Zivilisation und wirft die Arbeiterklasse fast für immer zurück.“  
Postalische Merkmale: Ohne Postkartenzudruck. Die Karten zu den alljährlichen Gewerkschaftsfesten in Leipzig blieben in den 1920er Jahren auf der Rückseite stets unbedruckt.
Datierung: August 1924.
čSR
Titel: 1. Bundesturnfest des Arbeiter-Turn- u. Sportverbandes č.S.R. / KARLSBAD 9.-11. AUGUST 1924. [Aufschriften auf den beiden Sehenswürdigkeiten von Karlsbad:] Hirschensprung / Westend.
Verlag: Graph. Kunstanstalt A. Bartel, Rumburg. 
Hintergründe: Wie bereits in Böhmen zu Zeiten der  Habsburgischen Monarchie existierten in der 1918 gegründeten Tschechoslowakischen Republik viele Einrichtungen doppelt: Es gab Hochschulen, Zeitungen, Verlage, Parteien und Vereine für die tschechisch sprechenden Bürger der čSR und es gab die gleichen Einrichtungen für die deutschsprachigen Bürger. Neben dem tschechischen Arbeitersportverband DTJ (s. Objekt 1920_zapletal) gründete sich im Jahr 1919 in Aussig / Ústí nad Labem für die sudetendeutschen Bürger der "Arbeiter-Turn- und Sportverband in der Tschechoslowakischen Republik" (ATUS). Politisch lehnte er sich betont an die DSAP an. Vor seiner erzwungenen Auflösung 1938 waren im ATUS 80.000 Mitglieder in 1100 Vereinen organisiert. Die nationale Trennung hatte zur Folge, dass bei der 1. Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main 1925 zwei verschiedene Mannschaften die Tschechoslowakei repräsentierten.

Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1924.
Internationaler Gewerkschaftsbund / SAI / Österreich
Titel (Fahne): Die Internationale der kampferprobten Arbeiterschaft Wiens 5. Juni – 21. September 1924 / Internationaler Gewerkschaftsbund / Sozialistische Arbeiter-Internationale.
Titel (Kommentar): Die vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale anlässlich der Demonstration am 5. Juni 1924 gespendete und am 21. September 1924 enthüllte Fahne der Wiener Arbeiterschaft.
Herausgeber: Verlag Republikanischer Schutzbund (Heinz), Wien.
Hintergründe: Ein Druckvermerk auf der Adressseite gibt Auskunft darüber, dass die Fahne von der Firma Fellinger & Hassinger in Wien hergestellt worden sei. Aus anderen Quellen erfahren wir, dass eine solch reich bestickte Fahne 1925 / 1926 bei der traditionsreichen Firma Fellinger & Hassinger 600 bis 700 Schilling kostete, was damals dem vierfachen Monatslohn eines Facharbeiters entsprach.

Postalische Merkmale: -
Datierung: September 1924.
Kolumbien
Titel (Spanisch): Huelguistas que impiden El trafico a la cia. [compania]
Übersetzung
Die Streikenden blockieren die Zufahrt zum Unternehmen.
Herausgeber / Fotostudio: Piedrahita Hnos Photographers, Barranca
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Hintergründe: Fotopostkarte vom Streik der Erdölarbeiter bei Standard Oi
l bzw. Tropical Oil in der "Benzinhauptstadt" Barranca. Gegenstand des Streiks im Oktober 1924 waren die unerträglichen Arbeits- und Lohnbedingungen. Über den Streik ist nur wenig bekannt; er blieb historisch im Schatten des sogenannten Bananen-Massakers von 1928 an der Karibikküste Kolumbiens. // Der Fotograf und Herausgeber der Fotopostkarte Floro Piedrahita gehörte selbst zu den Unterstützern des Streiks. // Die Karte ist Teil einer Serie. Alle vorliegenden Karten der Serie sind durch Lichteinwirkung stark verblasst.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Oktober 1924.
Anmerkung: Sehr selten.
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Objekt: 1924_ananas
Objekt: 1924_jaures
Objekt: 1924_cgtu
   
Hawaii (USA)
Titel (Englisch): Filipino & Japanese plantation workers.
Übersetzung: Philippinische und japanische Plantagenarbeiter.
Hintergründe: Ananasernte. 
Herstellungsverfahren: Fotopostkarte.
Postalische Merkmale: Gelaufen Oktober 1924 (Honolulu, Hawaii) nach USA.
Frankreich
Titel (Französisch): JEAN JAURÈS né à Castrès, le 3 Sept. 1859, assassiné a Paris le 31 Juillet 1914 / 23 Novemb. 1924. Translation des Cendres de Jean Jaurès au Panthéon / Établissement où le grand orateur fut assassiné (31 Juillet 1914).
Übersetzung
Jean Jaurès, geboren in Castres am 3. September 1859, ermordet in Paris am 31. Juli 1914 /  23. November 1924: Überführung der Asche von Jean Jaurès in das Pantheon / Das Lokal, wo der große Redner ermordet wurde.
Herausgeber: -

Hintergründe: Jean Jaurès, der große französische Sozialist und Kriegsgegner, war unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs in einem Café ermordet worden. Da Frankreich aus dem Weltkrieg als Siegermacht hervorging, wurde der Attentäter, der Nationalist Raoul Villain, im Jahr 1919 freigesprochen. Die Geschworenenjury erlag bei der Begründung für die Freilassung ganz dem  Siegesrausch der Franzosen. Villain habe durch die “Beseitigung” des Pazifisten Jean Jaurès seinem Land einen großen Dienst erwiesen. Denn hätte Jean Jaurès mit seiner Politik tatsächlich den Frieden bewahren können, hätte es keinen Ersten Weltkrieg gegeben, den Frankreich habe gewinnen können. Während Villain als freier Mann den Gerichtssaal verließ, bekam die Witwe von Jaurès die Kosten der Gerichtsverhandlung in Rechnung gestellt. Zehn Jahre nach dem Mord - im November 1924 -  wurden Jaurès' sterbliche Überreste aus seinem Grab in die nationale Ruhmeshalle Pantheon auf dem "Hügel der heiligen Genoveva" in Paris überführt. Tausende nahmen Anteil an der zeremoniellen Umbettung. Der kommunistische Abgeordnete Renaud Jean kritisierte, die Pantheonisierung Jaurès' werde vor allem genutzt, "um hinter seinem großen Namen das Fehlen einer Mehrheit zu verbergen, die jeden Tag in all ihren Hoffnungen enttäuscht wird, welche die Arbeiter in sie gesetzt hatten."
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1925 (Paris)
Datierung: November 1924.
Frankreich
Titel (Französisch): Journée DE L'UNITÉ SYNDICALE / 21 DEC. 1924 / L'UNITÉ C'EST LA FORCE.
Übersetzung
Tag der Gewerkschaftseinheit / 21. Dezember 1924 / Einigkeit macht stark.
Künstlersignatur: GRANDJOUAN
Künstler: Jules Grandjouan (1875-1968), französischer Grafiker.
Herausgeber: Maison des Syndicats, Paris.
Hintergründe:
 Im Jahr 1921 trennte sich die Mehrheit der revolutionären Gewerkschafter(innen) von der reformistischen Gewerkschaft CGT, rief die "Confédération générale du travail unitaire" (CGTU) ins Leben und schloss sich der im Juli 1921 in Moskau gegründeten Roten Gewerkschafts-Internationale (RGI) an (siehe Objekt 1930_isr). 1926 trennten sich die Anarcho-Syndikalisten von der CGTU und gründeten die CGT-SR. Angesichts der Gefahr eines faschistischen Staatsstreichs in der 1. Hälfte der 30er Jahre wollten die Gewerkschaften die Spaltung der Linken überwinden. So kam es - befördert durch die politische Dynamik der Volksfrontbewegung - im März 1936 zur Wiedervereinigung von CGT und CGTU. // Über den Künstler siehe Objekt 1925_grand.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Dezember 1924.
 
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Objekt: 1924_petropolis

Objekt: 1924_arbeiterin
Objekt: 1924_rhd
   
Deutschland
Titel (Russisch): Лики России: Молодой колхозник / Faces of Russia: Young Kol[k]hose-worker.
Übersetzung
: Gesichter Russlands: Junger Kolchos-Arbeiter. 
Verlag: Petropolis-Verlag Berlin.
Hintergründe: Der Petropolis-Verlag war bekannt durch die Herausgabe von Werken russischer Autoren.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1922-1924.
Deutschland
Titel: Kämpft mit! Heraus ihr Frauen in Stadt und Land / Nehmt euer Geschick in die eigene Hand.
Aufschrift Adressseite: Die Arbeiterin, in Deutschland Arbeitssklavin, in Sowjet-Rußland freie Kameradin und Mitarbeiterin des sozialistischen Aufbaus, im gemeinsamen Kampf bricht sie die Ketten des Weltkapitals.
Herausgeber: Vertriebszentrale der KPD.
Druck: Peuvag, Berlin.
Künstlersignatur: Heartfield
Hintergründe: Fotomontage von John Heartfield, - eine Arbeit, die selbst im Archiv der Akademie der Künste Berlin, wo Heartfields Nachlass ruht, nicht bekannt ist.
Postalische Merkmale: -
Datierung
unklar, um 1924 / 1925.
Anmerkung: Selten.
Deutschland
Titel: Gegen den weissen Schrecken! Gegen die Schandjustiz! Für die Rote Hilfe!
Künstlersignatur: -
Hintergründe: Die Rote Hilfe Deutschland (RHD) wurde 1924 zur Unterstützung politischer Gefangener und ihrer Angehörigen in Deutschland gegründet. Der erste Vorsitzende war Wilhelm Pieck, ab 1925 dann Clara Zetkin.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924.
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Objekt: 1924_jeune
       
Belgien
Titel: J.G.S. Lincé-Sprimont.
Schild (Französisch): Jeune Garde Socialiste Lincé / Fondée en 1924. / A Bas La Guerre.
Übersetzung
Jung-Sozialistische Garde Lincé-Sprimont. Schild: Jungsozialistische Garde / gegründet im Jahr 1924 / Nieder mit dem Krieg.
Druckvermerke, Bildseite: [Logo] LUMA, Adressseite: 10044. - G.L.L.Edit. Tél. 70 Aywaille.
Technik: Kupfertiefdruck.
Hintergründe: Die JGS wurde in der Zeit der großen Streiks 1886 in Belgien, die in Zusammenhang mit den Hungeraufständen und den Forderungen nach Wahlrecht standen und bis 1904 achtzig Totesopfer gefordert haben, gegründet. // Anmerkung zum Ort Lincé: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das 800-Einwohner-Dorf Lincé Ziel einer militärischen Vergeltungsmaßnahme des deutschen Generalmajors Karl Ulrich v. Bülow, bei der 34 Belgier (unter ihnen 23 durch Hinrichtungen) ums Leben kamen. Später stellten sich die Gründe für das Massaker als völlig ungerechtfertigt heraus und Bülow nahm sich das Leben. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924.
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Objekt: 1925_barkenhoff
Objekt: 1925_ebert
Objekt: 1925_elgersburg
   
Deutschland
Titel: Jungspartacus besucht Barkenhoff.
Aufdruck auf Adressseite:
Arbeiterkinderheim "Barkenhoff", Worpswede. Die Ortsgruppe Bremen des  Jungspartakus-Bundes besucht die Kinder des Heimes. / Rote Hilfe-Karten-Serie Nr. 3.
Verlag: R.H.D. (J. Schlör), Berlin. 
Hintergründe: Auf dem von Heinrich Vogeler überlassenen Barkenhoff in Worpswede bestand ab 1923 ein Kinderheim der Roten Hilfe (Vogeler war Gründungsmitglied der RHD). Hier wurden Kinder von inhaftierten Aktivisten der Arbeiterbewegung aus dem In- und Ausland für mehrere Wochen untergebracht. Ende 1931 musste das Heim geschlossen werden, weil eine Finanzierung nicht mehr gewährleistet war. Die Karte wurde auch in einer russischsprachigen Version herausgegeben. Teil einer Serie.  
Postalische Merkmale: -
Datierung: Nach 1924.
Deutschland
Titel: Reichspräsident Ebert gest. 28. Februar 1925.
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: S.&G.S. 1553 [auf Bildseite]
Hintergründe: Friedrich Ebert (*1871 Heidelberg), Sozialdemokrat, Vertreter der "Burgfriedenspolitik", am 11.2.1919 zum Reichspräsidenten gewählt, ließ durch seine Allianz mit der Obersten Heeresleitung (Ebert-Groener-Pakt) die revolutionären Bestrebungen 1918/19 bis 1923 niederwerfen. Sein nur teilweise erreichtes und letztlich am Faschismus gescheitertes Ziel war die Errichtung einer bürgerlich-demokratischen Ordnung (Weimarer Republik), ohne die kapitalistische Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen. Das bringt auch die respektvoll aufgenommene Fotografie Eberts am ordnenden, präsidialen Schreibtisch zum Ausdruck, - eine Stiernackigkeit mit Würde. // Fotopostkarte.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Februar 1925.
Deutschland
Titel: Das Kinderheim "Mopr" in Elgersburg/ Thüringen, 600 m über dem Meeresspiegel, ist von herrlichen Tannenwäldern umgeben und bietet für jeweils 40 Kinder Erholung. Die Errichtung dieses Heimes wurde durch die großzügige Unterstützung der Roten Hilfe Sowjet-Rußlands ermöglicht.
Hintergründe: Eröffnet wurde das Mopr-Kinderheim am 12. April 1925 im Beisein von Wilhelm Pieck, dem Vorsitzenden der Roten Hilfe. Aufgrund behördlicher Anordnungen durfte das Haus ab Sommer 1928 nicht mehr als Kinderheim betrieben werden; die KPD nutzte es dann als Schulungsstätte und als Erholungsheim für entlassene politische Gefangene. Heute lässt die Partei "Die Linke", der die Immobilie noch immer gehört, das Objekt als Hotel betreiben.
Postalische Merkmale: Gelaufen April 1930 (Karlsruhe). 
Datierung: April 1925.
 
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Objekt: 1925_masereel
Objekt: 1925_mehring
Objekt: 1925_sofia
   
Deutschland
Titel: Unterstützt die Ferienheime der IAH!
Aufdruck Adressseite: Die IAH ist die Proviant-Kolonne des kämpfenden Proletariats [mit IAH-Logo].
Herausgeber: Internationale Arbeiterhilfe (IAH).
Hintergründe: Die Spendenerlöse aus dem Verkauf der Karte sollten dazu beitragen, die  beiden Kinderferienheime in Elgersdorf und Worpswede aufrecht zu erhalten. Das bekannte Holzschnitt-Motiv, das auf der Karte Verwendung fand, hatte der belgische Künstler Frans Masereel (1889-1972) im Jahr 1919 für seinen Bilderroman "Die Sonne" geschaffen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab April 1925.
Jugoslawien
Titel (Serbo-Kroatisch): FFANZ MEHRING / Apostol boljševikizma u Nemačkoj.
Übersetzung: Franz Mehring, der Apostel der Bolschewisierung in Deutschland.
Verlag / Herausgeber / Druckvermerk: -
Hintergründe: Ab Februar / März 1925 trieb die Komintern die Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien voran. // Der dem Bürgertum entstammende Franz Mehring (1846-1919), seit 1891 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, war einer der wichtigsten Publizisten der sozialdemokratischen Presse in Deutschland. Im Ersten Weltkrieg distanzierte er sich von der SPD wegen deren Burgfriedenspolitik und deren Zustimmung zu den Kriegskrediten. Mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und anderen Parteilinken gründete er innerhalb der SPD 1916 die Spartakusgruppe.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab April 1925.
Bulgarien
Titel (Bulgarisch): София, Св. Неделя следъ атентата. / Sofia. La cathédrale après l’attentat.
Übersetzung: Sofia: Die Kathedrale »Svjeta Nedelja« nach dem Attentat.
Verlag / Produktvermerke: ГЛСО.
Hintergründe: Nach der Niederlage des Septemberaufstands 1923 in Bulgarien und nach dem Verbot von Organisationen der Arbeiterbewegung im April 1924
setzte ein massiver Terror gegen Arbeiteraktivisten ein. Innerhalb der verbotenen kommunistischen "Partei der Arbeit" bildete sich eine illegale militärische Organisation heraus. Dieser Apparat mit eigenen Partisaneneinheiten genoss eine weitgehende Eigenständigkeit und hatte sich von der Massenarbeit und der im Septemberaufstand praktizierten Einheitsfrontpolitik weit entfernt. Mit dem Bombenanschlag in der Kathedrale von Sofia bereitete die Militärorganisation auf ihrem ultralinken Kurs die Enthauptung der gesellschaftlichen Machtelite vor. Der Anschlag galt einer Trauergemeinde mit vielen Vertretern aus Regierung, Klerus und Militär. Dieses mit den Mitteln des Terrors erstrebte Ziel wurde mit dem Attentat nicht nur verfehlt, sondern kostete infolge des Gegenschlags des herrschenden Machtapparats Tausenden Aktivisten und Sympathisanten der Partei das Leben; viele mussten das Land verlassen. // Um den Sensationshunger der Bürger und Sofia-Touristen zu befriedigen, brachten Fotostudios und Postkartenverlage das Motiv in mehreren Postkarten-Editionen heraus. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: April 1925.
 
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Objekt: 1925_laborista
Objekt: 1925_women
Objekt: 1925_olymp
   

Deutschland
Titel (Esperanto): Laborista Esperanto Grupo – Leipzig, Majo 1925.
Übersetzung: Arbeiter-Esperantogruppe Leipzig im Mai 1925.
Verlag: Paul Voigt, Photogr. Kunstanstalt Leipzig.
Herausgeber: AEB.
Hintergründe:
Nach der gewaltsamen Beseitigung der Linksregierungen in Sachsen und Thüringen im Oktober 1923 war beim Polizeipräsidium Leipzig eine „Esperanto-sprachliche Dienststelle“ eingerichtet worden, die Nachrichten über den Arbeiter-Esperanto-Bund (AEB) sammelte. Dem AEB gehörten SPD- und KPD-Mitglieder, aber auch viele parteilose Arbeiter an. 1924 kam es beim AEB zu polizeilichen Hausdurchsuchungen und Kontrollmaßnamen. Als Ersatz für die verbotene KPD-Zeitung "Sächsische Arbeiter-Zeitung" (SAZ) brachten kommunistische Esperantisten zwischen Januar und Oktober 1924 sechzehn Ausgaben des „Völkerspiegel“ heraus, der Übersetzungen aus ausländischen Esperanto-Organen und von Briefen ausländischer Genossen publizierte. Mit Wiederzulassung der SAZ hatte der „Völkerspiegel“ seine Aufgabe erfüllt. Die Leipziger Ortsgruppe des AEB war die mitgliederstärkste im Deutschen Reich. 1927 gehörten ihr 186 Mitglieder an (gefolgt von Stuttgart: 97; Dresden: 88). Viele Leipziger Esperantisten gehörten dem Weltbund SAT an, dessen Organ "Sennaciulo" bis 1933 in Leipzig erschien. Auch hatten die Leipziger Anteil an der Redaktion von "Sennaciulo" und waren bis 1933 wiederholt im SAT-Vorstand vertreten. Im August 1929 war Leipzig Gastgeber des 9. SAT-Kongresses. 
Postalische Merkmale: Gelaufen Mai 1925 (Leipzig).
Schlagwörter: saksio.

Großbritannien
Titel (Englisch): National Conference of Labour Women / Town Hall, Birmingham / May 27th & 28th, 1925.
Übersetzung: Nationalkonferenz der Labour-Frauen im Rathaus von Birmingham, 27./28. Mai 1925.
Herausgeber: -
Hintergründe: Abgebildet sind die führenden Labour-Aktivistinnen Ellen Wilkinson (1891-1947) und Dr. Marion Phillips (1881-1932).
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Mai 1925.
Schlagwörter: feminismus feministin
Deutschland
Titel: 1. Internationales Arbeiter-Olympia Frankfurt am Main / Vom 24. bis 28. Juli 1925.
Herausgeber: -
Druck: Kunstdruck Eckert, Berlin-Schöneberg.
Künstlersignatur: WKrain
Künstler: Willibald Krain (1886-1945). Krain erhielt ab 1933 Berufsverbot, begann sich dann aber offensichtlich, mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Bekannt sind einige antisemitische Karikaturen aus dem Jahr 1944. Bei Kriegsende wurde Krain zum Volkssturm eingezogen, geriet in sowjetische Gefangenschaft und starb am 19. September 1945 in einem Dresdner Krankenhaus an den Folgen einer Schussverletzung.
Hintergründe: Die erste Arbeiterolympiade fand vom 24. bis 28. Juli 1925 im Frankfurter Waldstadion statt, das erst zwei Monate zuvor fertiggestellt worden war. Die Großveranstaltung mit 100.000 Teilnehmern stellte für die Arbeitersportverbände eine große Herausforderung dar. Als Veranstalter trat die Sozialistische Arbeitersport-Internationale (SASI) auf. Die Spiele fanden unter dem Leitmotiv "Nie wieder Krieg" statt. Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland, England, Finnland, Tschechoslowakei, Schweiz, Lettland, Österreich, Belgien, Palästina und Polen marschierten unter den Klängen der Internationale und ohne Nationalfahnen im Stadion ein. Die erste Arbeiter-Olympiade war ein großer Erfolg und machte der Arbeiterbewegung ihre eigene organisatorische Kraft bewusst. Die 2. Arbeiter-Olympiade fand 1931 in Wien statt, siehe Objekt 1931_gym.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1925. 
 
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Objekt: 1925_ffm
Objekt: 1925_jugendtag
Objekt: 1925_dechy
   
Deutschland
Titel: Zur Erinnerung an die I. Internat. Arbeiter-Olympiade im Stadion Frankfurt a.M. 24.-28. Juli 1925.
Herausgeber / Fotostudio: Bromograph GmbH Frankfurt a.M. 
Hintergründe: Fotopostkarte. Transparent mit Aufschrift "Nieder mit dem Imperialistischen Krieg“. Teil einer Serie. Über die 2. Arbeiter-Olympiade 1931 in Wien siehe Objekt 1931_gym.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Juli 1925. 

Deutschland
Titel: -
Herausgeber / Fotostudio: -
Hintergründe: Fotopostkarte, wahrscheinlich vom 4. Deutschen Arbeiter-Jugendtag in Hamburg.
Postalische Merkmale: -
Datierung: August 1925.

Belgien
Titel (Französisch): Jociste "Fier, Joyeux" par Jonas.
Übersetzung: Jocist "Stolz und glücklich" von Jonas.
Künstlersignatur: Unleserlich (unten rechts im Bild).

Künstler: Lucien Jonas, 1880-1947, französischer Maler, Zeichner und Lithograf.

Herausgeber:
JOC, Belgien.
Hintergründe:
Der Titel "Fier, Joyeux" nimmt Bezug auf den Wahlspruch der Jocisten: "Fier - Pur - Joyeux" (Stolz - Rein - Glücklich). Die "Jeunesse Ouvrière Chrétienne" (JOC, deutsch "Christliche Arbeiterjugend" / CAJ) ging aus einer von Joseph Cardijn (1882-1967) gegründeten Bewegung hervor. Als junger katholischer Arbeiterpriester ging Cardijn seit 1912 in den Arbeitersiedlungen seiner Pfarrei im Brüssel Stadtteil Laeken / Laken von Haus zu Haus, sah dabei die erbärmlichen Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien und wandte sich den Nöten der Jugendlichen zu. Er baute katholische Arbeiterjugendgruppen auf. Der erste JOC-Kongress mit 600 Delegierten fand im April 1925 in Brüssel statt. Die Bewegung breitete sich in 40 Jahren über mehr als 100 Länder aus, weil sich die Probleme der Arbeiterjugend in katholischen Regionen und Ländern zunehmend ähnelten. Auch die desaströsen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit spielten eine Rolle. Diese Gemeinsamkeiten drückten sich auch in den ökumenischen Grundsätzen aus: Internationalität, Völkerverständigung, Solidarität. Auch wenn die JOC Forderungen nach Ausbildungsplätzen, Jugendschutz und Jugend-Förderung unterstützte, blieb der Verband bis zu den 1960er Jahren unpolitisch. Die JOC / CAJ war offen für alle Jugendlichen, hatte aber ihre weltanschauliche Heimat in der katholischen Kirche. Religionsausübung (Gebete, Messen, Wallfahrten) blieb ein wichtiger Identifizierungsfaktor. // Weitere JOC-Karten: Objekte 1934_jocf, 1935_joc, 1937_vacances sowie 1937_textil. // Die Kleinstadt Dechy liegt im nordfranzösischen Kohlerevier nahe der Grenze zu Belgien, woher die Karte stammt.
Postalische Merkmale: Nicht offen versandte Postkarte mit Absenderstempel (Marcel Bayeux, Dechy) und ausführlicher handschriftlicher Mitteilung an "André", datiert 1. August 1925.
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Objekt: 1925_bao
Objekt: 1925_prozess
Objekt: 1925_pilati
   
China / Frankreich
Titel (Banner in Bildmitte; Chinesisch):
天下興亡匹夫有責.
Übersetzung: Jeder ist verantwortlich für den Aufstieg und Fall dieser Welt.
Titel (Untertitel unter der Grafik; Französisch und Englisch): 
Tientsin
– Étudiant haranguant la foule – Students addressing the people.
Übersetzung: Studenten wenden sich an das Volk. 
Herausgeber: Zeitungsverlag Yi Shi Bao
, Tianjin und Beijing. 
Druck:
Phototypie J. Bienaimé, Reims, Frankreich.  
Hintergründe:
Obwohl China mit seiner Kriegserklärung an Deutschland im Jahr 1917 Anspruch auf die bisherigen deutschen Besitzungen in der Provinz Shandong erhoben hat, sprach der "Versailler Vertrag" 1919 die Provinz dem alliierten Japan zu. Dieser offenkundige Politschacher zum Nachteil Chinas zog eine Welle der Empörung nach sich. Am 4. Mai 1919 versammelten sich 3000 Studenten zu einer antijapanischen Massenkundgebung am Tor des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking. Diese Demonstration war der Auslöser der 4.-Mai-Bewegung (Wusi yundong). Der Protest - eine Kampfansage an alle imperialistischen Mächte, die in China Konzessionen hatten - griff rasch um sich. In Shanghai streikten am 5. und 11. Juni zehntausende Arbeiter, Angestellte, Studenten und Händler. Die Postkarte ist dem Studentenprotest in Tianjin (Tientsin), gewidmet, damals eine bedeutende Hafen-, Industrie- und Universitätsstadt (1920 800.000 Einwohner) und nach Shanghai das zweitgrößte Handelszentrum Chinas. Die zentrale waagerechte Losung in Bildmitte (天下興亡匹夫有責; siehe Titel) appelliert an die Verantwortung des Einzelnen für die Geschicke der Welt und verdammt eine jede Schicksalsergebenheit; auf der Fahne, die der Student im Vordergrund schwenkt, steht "Befreit das Vaterland!". Am rechten Kartenrand finden wir die chinesische Entsprechung der französischen und englischen Untertitel. Die Ereignisse zogen eine Radikalisierung und Politisierung der Jugend nach sich, die Oktoberrevolution in Russland gab den Protesten die Richtung. Aus schwärmerischen Patrioten wurden Sozialisten. Viele von ihnen wandten sich unter dem Leitspruch "ins Volk gehen" ("addressing the people") an die Arbeiterschaft, um die Isolation der akademischen Jugend zu überwinden. Da die Studenten begannen, marxistische Schriften zu studieren, gilt die "Bewegung des vierten Mai" als Geburtsstunde des Sozialismus in China. Zudem hatten zum ersten Mal Angehörige unterschiedlicher Klassen gemeinsam ihrem Protest Ausdruck verliehen. Die neue Entwicklung führte 1921 zur Neuformierung der Guomindang durch Sun Yatsen und zur Gründung der Kommunistischen Partei. // Die Zeitung Yi Shi Bao in Tianjin entwickelte sich zu einer kritischen patriotischen Stimme, die landesweit gelesen wurde und später von den Guomindang und von den japanischen Besatzungstruppen unterdrückt bzw. verboten wurde. 
Postalische Merkmale: Gelaufen August 1925 (Waremme / Borgworm, Belgien).
Anmerkung: Sehr selten, handkoloriert.
Großbritannien
Titel (Englisch): The Great communist trial, 1925.
Übersetzung: Der große Kommunistenprozess, 1925.
Herausgeber: The International Class War Prisoners' Aid.
Druck: Lond. Cal .Press. Ltd.
Hintergründe: Spendenkarte der englischen Sektion der
Internationalen Roten Hilfe für die 12 angeklagten britischen KP-Funktionäre, die 1925 von einem Londoner Gericht wegen Aufwiegelung zum Aufruhr zu 6 bis 12 Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Das Urteil zu diesem Zeitpunkt erging nicht zufällig. Die konservative Regierung glaubte, mit der Beseitigung der Parteiführung ein großes Hindernis auf ihrem gewerkschaftsfeindlichem Kurs und für ihre Politik der Lohnkürzungen aus dem Weg zu räumen.
Der Prozess ist vor allem im Zusammenhang mit der antisowjetischen Kampagne in England zu sehen. Im Herbst 1924 hatte der britische Geheimdienst angeblich einen Kominternbrief abgefangen, der Direktiven für einen Aufstand in Großbritannien enthalten habe (das Original des Briefes ist nie aufgetaucht, sodass unklar bleiben muss, ob es sich dabei um eine Fälschung handelte). Auch mutmaßte die britische Regierung hinter dem Generalstreik von 1926 (siehe Objekte 1926_traffic und 1926_castleford) die Hand Moskaus. Als dann im Jahr 1927 Anzeichen von sowjetischer Militärspionage in England entdeckt wurden, unterbrach die Regierung die diplomatischen Beziehungen zur UdSSR.
Postalische Merkmale: -
Datierung:  Oktober 1925.

 

Italien (oder Schweiz)
Titel (Italienisch): Gaetano Pilati / Deputato socialista – Mutilato di guerra / assassinato dai fascisti il 3 Ottobre 1925.
Übersetzung: Gaetano Pilati / Sozialistischer Abgeordneter – Kriegsversehrter / Am 3. Oktober 1925 von den Faschisten ermordet.
Verlag / Fotostudio: -
Fotograf / Bildquelle: -
Hintergründe
: Gedenkkarte auf AZO-Fotopostkarte. Gaetano Pilati, in der Region Emilia-Romagna 1881 geboren, ließ sich 1906 in Florenz nieder, wo er als Bauarbeiter seinen Lebensunterhalt verdiente und ein eigenes Unternehmen gründete. Er entwickelte Bauverfahren mit Spannbeton, dessen Möglichkeiten er erkannte, weiter und ließ sie patentieren. 1910 trat er der PSI bei. Der Antimilitarist wurde im Ersten Weltkrieg Soldat, wo ihm eine Granate den linken Arm verstümmelte. Während der gesundheitlichen Rehabilitierung entwarf er in Bologna zahlreiche Prothesen, für die er Patente erhielt. 1919 wurde er Generalsekretär der "Lega proletaria mutilati" (Liga der proletarischen Versehrten), einem Verband, dem Kriegsverwundete sowie Witwen, Waisen und Angehörige von Kriegsopfern angehörten. Von 1913 bis 1922 leitete er die von Arbeitern im Viertel San Salvi gegründete "Società di Mutuo soccorso" (= Sms "Andrea del Sarto") und hatte einen Sitz im Abgeordnetenhaus des Königreichs Italien inne. 1921 wurde er Provinzsekretär der PSI in Florenz. // Florenz war eines der größten Zentren von Wissenschaft, Bildung und Kultur in Italien; Tausende Engländer und Amerikaner bevölkerten die Stadt. Von hier waren bedeutende Impulse bürgerlichen und linken Widerstands gegen den Faschismus ausgegangen. Der Führer der faschistischen Milizen, der Lehrer Tullio Tamburini (1892-1957) versuchte mit Gewalt, die Verhältnisse in der Stadt zu faschisieren. Seine Schwarzhemden wurden bekannt für ihre brutalen Terrorakte gegen Andersdenkende. Besonders seit dem 26. September 1925 gerieten die Strafexpeditionen unter Tamburinis Führung außer Kontrolle. Ihren Höhepunkt erreichten die Exzesse in der «notte di San Bartolomeo», der Bartholomäusnacht von Florenz, in der Nacht vom 3. zum 4. Oktober 1925. Die Milizen ermordeten den Anwalt Gustavo Consolo vor den Augen seiner Familie, den jungen antifaschistischen Freimaurer Giovanni Becciolini, der einem Freund gegen dessen willkürliche Verhaftung beistehen wollte, und den stadtbekannten Sozialisten Gaetano Pilati, der krank im Bett lag. Sie zerstörten unter den Augen der untätigen Carabinieri die Wohnungen, Praxen und Büros geflüchteter Anwälte, Abgeordneter, Lehrer, Ärzte und Geschäftsleute, die im Verdacht der Freimaurerei standen oder als Antifaschisten galten. Viele ihrer Häuser wurden in Brand gesteckt, die Möbel auf die Straße geworfen.
Diese Ausschreitungen führten dazu, dass Mussolini, der dem Land ein gemäßigtes Antlitz geben wollte, einschritt und Dutzende Faschisten versetzen ließ, auch Tamburini. Doch bei der juristischen Verfolgung der Verbrechen ließ er Milde walten. Die Täter gingen straffrei aus.

Postalische Merkmale: -
Datierung Postkarte: Oktober 1925.
Datierung Fotoporträt: -
Anmerkung: Selten.
 
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Objekt: 1925_plam
Objekt: 1925_irh
Objekt: 1925_muehsam
   
Frankreich / ČSR
Titel: Mme Plaminkova / Sénateur de Tchécoslovaqui.
Übersetzung: Frau Plamínková, Senatorin der Tschechoslowakei.
Verlag: Ed. Journal “La Française. Journal de progrès féminin”, Paris. Organ des "Conseil national des femmes françaises". Die Zeitung existierte von 1906 bis 1940 sowie 1945/46.
Hintergründe: Porträtkarte für Františka Plamínková (1875–1942), Lehrerin, Journalistin, Feministin. 1925 in die Tschechoslowakische Nationalversammlung gewählt; Senatorin (bis 1939), Mitbegründerin der „Tschechoslowakischen Liga für Frieden und Freiheit“ (tschechoslowakische Sektion der IFFF, vgl. Objekte 1919_wilpf und 1925_spiel) und Gastgeberin der sechsten IFFF-Kongresses 1929 in Prag. Vizepräsidentin des Internationalen Frauenrats (Frauenweltbund, englisch: International Council of Women, ICW).
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag wurde sie im März 1939 unter Hausarrest gestellt. Während der Heydrichiade zunächst im KZ Theresienstadt interniert, wurde die 67-jährige Frauenrechtlerin am 30. Juni 1942 auf dem Schießplatz Kobylisy in Prag erschossen.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Dezember 1925.
Schweiz
Titel: Internationale Rote Hilfe für die Opfer des proletarischen Klassenkampfes. 
Herausgeber: IRH-Zentralkomitee für die Schweiz.
Signatur: -
Künstler: Николай Александрович Ярошенко / Nikolai A. Jaroschenko (1846-1898), russischer Maler.
Hintergründe: Das sepiafarbene Motiv basiert auf dem Gemälde "Der Gefangene" / "Заключенный" von Jaroschenko (1878; heute Tretjakow-Galerie Moskau). Der Bildausschnitt des Kartenmotivs verengt die beklemmende Ansicht des dunklen Verlieses auf das Kerkerfenster und den Tisch. // Die IRH-Sektion der Schweiz wurde um 1923 gegründet.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Undatiert, um 1923-1925.
Deutschland
Titel: Kennen Sie Erich Mühsam und sein Werk?
Verlag: Der Syndikalist, Berlin.
Hintergründe: Werbekarte für Erich Mühsams 1925 erschienenes Buch "Alarm - Manifeste aus 20 Jahren".
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
 
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Objekt: 1925_ruda
Objekt: 1925_klaeber

Objekt: 1925_radioklub

   
ČSR
Titel (Tschechisch): Rudá pomoc.
Übersetzung: Rote Hilfe.
Künstlersignatur: KTN
Hintergründe: Die tschechoslowakische Rote Hilfe wurde 1925 gegründet und 1932 verboten, danach illegales Wirken, insbesondere ab 1933 bei der Unterstützung deutscher antifaschistischer Emigranten. Nach dem Beistandspakt UdSSR-ČSR (im Mai 1935) Wiedergründung unter dem Namen "Solidarita". Die Karte liegt auch in der deutschsprachigen Version vor.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Ab 1925.
Deutschland
Titel: »Barrikaden an der Ruhr« von Kurt Kläber. Erzählungen aus den Kämpfen des Ruhrproletariats. Eine Sammlung fesselnder Erzählungen aus den Tagen der Verzweiflung und des Aufruhrs.
Verlag: Verlag der Jugendinternationale, Berlin-Schöneberg.
Künstlersignatur: Maria Braun
Künstlerin: Maria Braun (1896-1950), Münchner Buchkünstlerin.

Hintergründe: Werbekarte für das genannte Buch von Kurt Kläber.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Deutschland
Titel: Arbeiter-Radio-Klub Deutschland e.V. Ortsgruppe Altenburg. Werdet Mitglied.
Herausgeber: -
Hintergründe:
Der Arbeiter-Radio-Klub (ab 1928 Arbeiter-Radio-Bund) wurde 1924 von Rundfunkhörern und Radiobastlern ins Leben gerufen, die Ortsgruppe Altenburg in Thüringen im Jahr darauf gegründet. Da die Anschaffung eines Radioapparats für viele Arbeiter nicht erschwinglich war, gab der Verein Hilfestellung beim Eigenbau von Rundfunkgeräten. 1929 spaltete sich der KPD-nahe Freie Radio-Bund ab. // Der Fotograf versah die Gruppenaufnahme mit dem Zusatz: "der Vorst." (der Vorstand). 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925. 
 
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Objekt: 1925_spielzeug

Objekt: 1925_kriegsspiel

Objekt: 1925_spiel
Objekt: 1925_lanzuzki
 
Deutschland
Titel (Niederländisch, Deutsch): EERST HET SPEL, DAN DE HEL... / Erst das Spiel - dann die Hölle... 
Aufdruck Adressseite: Unterstützt das Anti-Kriegsmuseum.
Herausgeber: Anti-Kriegsmuseum Berlin (Ernst Friedrich). 
Hintergründe: 2sprachige Spenden-Postkarte, die sich gegen den Gebrauch von Kriegsspielzeugen wendet. Gründer des Anti-Kriegsmuseums war der Anarchopazifist und radikale Kriegsgegner Ernst Friedrich (1894-1967). Sein Museum wurde 1925 in Berlin eröffnet. 1933 zerstörten die Nazis die Einrichtung und verwandelten das Haus in ein SA-Sturmlokal. Hatte Friedrich schon in den Jahren der Weimarer Republik öfter vor Gericht gestanden und Gefängnisstrafen verbüßt, so wurde er wie Tausende andere in der Reichstagsbrandnacht verhaftet. Nach seiner Entlassung im Dezember 1933 fand er mit seiner Ehefrau Charlotte in einem "Rest Home" in Falkenstein (Taunus) Unterschlupf ("Rest Homes" waren von Quäkern eingerichtete Heime, wo sich von den Nazis Verfolgte aufhalten und erholen konnten; vgl. Objekt 1932_quaker). Friedrich floh aus Deutschland, gründete 1936 in Brüssel erneut ein Museum (das nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1940 in Belgien abermals zerstört wurde) und emigrierte nach Frankreich weiter. Dort wurde er interniert, konnte nach 16 Monaten fliehen und schloss sich der Résistance an. // Teil einer Serie.
Postalische Merkmale:
-
Datierung: 1924 / 1925.
Frankreich
Titel (Französisch): Enfants ne jouez pas a la guerre / Parents... / si vous voulez que vos enfants vivent / préparez le désarmement moral / Supprimez les jouets militaires.
Übersetzung: Kinder, spielt nicht Krieg! Eltern, wenn Sie Ihre Kinder lebend wollen, dann bereiten Sie moralisch die Abrüstung vor. Beseitigen Sie das Kriegsspielzeug.
Herausgeber: Fédération du Maine-et-Loire de la Ligue internationale des combattants de la paix (LICP), Angers (Maine-et-Loire). 
Hintergründe: Bekanntes Postkartenmotiv von Ernst Friedrichs Anti-Kriegsmuseum in einer französischen Fassung.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
čSR
Titel
: Der kleine Baumeister / 1. Serie. „Wir brauchen kein Soldatenspiel!"
Verlag: Verlag Deutsche Frauenliga für Frieden und Freiheit in der Tschechoslowakischen Republik. 
Hintergründe: Im Jahr 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde in Den Haag
die "Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit" (IFFF) gegründet. Ob die "Deutsche Frauenliga für Frieden und Freiheit in der Tschechoslowakischen Republik" zu den Gründungsmitgliedern gehörte oder später ins Leben gerufen wurde, ist noch zu ermitteln. Über die „Tschechoslowakische Liga für Frieden und Freiheit“ siehe Objekt 1925_plam, über die Sektion der IFFF in Deutschland siehe Objekt 1926_bruecke. Unsere Postkarte ist wahrscheinlich nach dem Vorbild der bekannten Postkarten des Berliner Antikriegsmuseums herausgebracht worden. Dieses Museum wurde 1925 von Ernst Friedrich eröffnet. Näheres dazu bei den Objekten 1925_spielzeug und 1925_kriegsspiel.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Unklar, wohl ab 1925.
Polen / Deutschland
Titel: Eisenbahner Genosse Stanislaus Lanzuzki / einer der mutigsten revolutionären Führer des polnischen Proletariats. 
Herausgeber: Exekutiv-Komitee der IRH.
Druck: Verlag Produktiv-Genossenschaft Halle-Merseburg.
Hintergründe: Deutschsprachige Karte für die Freilassung des kommunistischen Sejm-Abgeordneten Stanisław Łańcucki (1882-1937). Sowohl unter der parlamentarischen Demokratie Polens als unter der Militärdiktatur von Pilsudski ging die Polizei äußerst hart gegen Anhänger der verbotenen Kommunistischen Partei vor. Als Stanisław Łańcucki (Stanislaus Lanzuzki) 1924 seiner parlamentarischen Immunität beraubt, inhaftiert und wegen Hochverrats angeklagt wurde, demonstrierten in Berlin mehrere Tausend Menschen vor der polnischen Gesandtschaft. Nach einem Aufruf der Roten Hilfe schickte eine Vielzahl von Gewerkschaftsgliederungen und Betriebsversammlungen Protestschreiben an die polnische Gesandtschaft, an den Sejm und Briefe an Łańcucki in der Haft. Unter dem Eindruck der Proteste wurde in Polen von dem geplanten Todesurteil Abstand genommen und Łańcucki schließlich zu sechs Jahren Haft verurteilt. 
Im August 1928 aus der Haft entlassen, ging er 1929 in die Sowjetunion. In der Zeit der großen Säuberungen wurde er verhaftet und des Tatvorwurfs der "Beteiligung an einer polnisch-nationalistischen Terrororganisation" für schuldig befunden und am 20. September 1937 erschossen. 1955 rehabilitiert.
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1924 / 1925.
Anmerkung: Selten.
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Objekt: 1925_pieschen

Objekt: 1925_visionen

Objekt: 1925_zuerich

   
Deutschland
Titel:
Herausgeber: -
Hintergründe: Fußballmannschaft des KPD-nahen Arbeiter-Turn-Vereins Dresden-Pieschen. Auf den dunklen Blusen heller Stern mit Hammer und Sichel.
Postalische Merkmale: -
Datierung: Um 1925.
Frankreich
Titel (Französisch): VISIONS DE GUERRE d'après lES CHEFS-D'oeuvre Littéraires présentées par Dukercy et H.G. Ibels.
Übersetzung: Kriegsvisionen nach literarischen Meisterwerken, dargestellt von Dukercy und H.G. Ibels.
Herausgeber: Fédération de Blessés du Poumon et des Chirurgicaux; Paris.
Künstlersignatur: DUKERCY et H.G. IBELS
Künstler: Pierre Dukercy, Pseudonym von Pierre Mejecaze (1888-1945), frz. Plakatkünstler und Cartoonist (u.a. für L'Humanité), sowie Henri-Gabriel Ibels (1867-1936), frz. Grafiker, Maler und Autor.

Hintergründe: Das Motiv illustriert Henry-Jacques' Gedichtband "La symphonie héroïque" (1921). Karte aus der 1925/1927 erschienenen Serie "Visions de guerre" (Kriegsvisionen)
mit 12 Motiven zu französischen, seit 1914 erschienenen "Meisterwerken der Literatur". Gemeint sind Antikriegsbücher und realistische Kriegsschilderungen. Die Serie wurde als Set herausgegeben von der Föderation der Lungen- und chirurgisch Verletzten, Paris, und entworfen von den Grafikern Dukercy und Ibels. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925 bis 1927.
Schweiz
Titel: Die alte Welt muss stürzen, Frei soll die Arbeit sein.
Herausgeber: Kommunistische Jugend Zürich.
Künstlersignatur: Scherer
Künstler: Carl Wendolin Scherer (1890-1953), Schweizer Grafiker
Hintergründe: Die Kommunistische Jugend ging 1919 aus der Sozialistischen Jugendorganisation hervor, gründete sich also eher als
die Kommunistische Partei der Schweiz. 
Postalische Merkmale: -
Datierung: 1920er Jahre, frühestens aus dem Gründungsjahr der KJ 1919. 
 
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Objekt: 1925_grand
Objekt: 1925_hybes
Objekt: 1925_chine
 
Frankreich
Titel (Französisch): Republique sovietique française / ni batards, ni orphelins, tous les enfants sont nos enfants et sont élevés en frères / [auf dem Podest Porträt und Name Lenins:] ЛЕНИН / 75c.
Übersetzung: Ob Bastarde, ob Waisen, alle Kinder sind unsere Kinder und werden als Brüder erzogen.
Aufdruck Adressseite: P.S. …et rappelle-toi que si la République Soviétique Française n‘existe pas encore en fait, elle est déjà dans tous les cœrs.
Übersetzung: P.S. …und denken Sie daran, auch wenn die Französische Sowjetrepublik nicht wirklich existiert, so ist sie doch in jedem Herzen.
Herausgeber: Édition GRANDJOUAN, Paris.  
Künstlersignatur: GRANDJOUAN
Künstler: Jules Grandjouan (1875-1968), französischer Grafiker.
Hintergründe: Der revolutionäre Künstler und Grafiker Jules Grandjouan, der vor allem für die Kommunistische Partei Frankreichs tätig war, gab 1925 in eigener Regie eine inspirierende, aus 5 Motiven bestehende Postkartenserie einer fiktiven "Sowjetrepublik Frankreich" heraus, aufgemacht im Stile von Briefmarken. Die Anrede "Camerade" auf der Adressseite und das (oben wiedergegebene) P.S. lassen vermuten, dass die Serie nur zur Verbreitung unter Gleichgesinnten gedacht war.  

Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Anmerkung: Selten.
ČSR
Titel (auf Obelisk: Tschechisch, Deutsch): Senátor Josef Hybeš / 1850-1921 / Průkopník proletariátu / Vorkämpfer des Proletariats.
Herausgeber / Fotograf / Fotostudio: -
Hintergründe: Repräsentable Grabstätte auf dem Zentralfriedhof von Brno / Brünn für den Arbeiterführer Josef Hybeš (Hybesch), der in Brno als Streikführer und sozialdemokratischer Organisator der tschechischen Arbeiterbewegung große Anerkennung fand. Bereits mit 9 Jahren musste Josef Hybeš als Textilarbeiter in der Weberei seines Vaters zum Familienunterhalt beitragen. 1867 ging er auf Arbeitssuche nach Wien und schloss sich dort dem Arbeiterbildungsverein an. Hybeš führte in Wien (sowie später in Südmähren) große Streiks an. Ab 1876 gehörte er dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Österreichs an. Als der Sitz der Tschechisch-slawischen Sozialdemokraten nach Wien verlegt und deren leitende Funktionäre verhaftet wurden, half er bei der Aufrechterhaltung der Organisation der Partei. 1881 bis 1884 wirkte er als Redakteur an Wiener Arbeiterblättern mit. Nach Ausrufung des Ausnahmezustands am 31. Januar 1884 in Wien wurden alle führenden Aktivisten der Sozialdemokratie verhaftet. Nach seiner Ausweisung nach Böhmen arbeitete er als Textilarbeiter, stellt sich aber bald wieder als Redakteur für tschechische Arbeiterzeitungen zur Verfügung. 1887 ging Hybeš nach Brno / Brünn, wo er bei der Organisierung der tschechischen Arbeiter eine führende Rolle übernahm und für die Zeitung "Rovnost" tätig wurde. 1907 rief er einen Verein für die Schaffung bezahlbarer Wohnungen ins Leben. Von 1897 bis 1901 hatte er einen Sitz für die Sozialdemokraten im Reichsrat inne, nach Gründung der Tschechoslowakischen Republik auch im Senat der Nationalversammlung. Am Ende seines Lebens galten seine Sympathien der eben gegründeten Kommunistische Partei der Tschechoslowakei. Diese Überzeugungen Hybešs waren der Grund, weshalb in Brno spätestens 1995 alle Straßen und Örtlichkeiten, die seinen Namen trugen, rückbenannt worden sind. // Unser Projekt sucht noch Hinweise auf das Jahr der Entstehung der denkmalartigen Grabstätte auf dem Zentralfriedhof in Brno (Ústřední hřbitov města Brna) und auf die Namen der Künstler, die daran mitgewirkt haben. Bekannt ist, dass das von dem Bildhauer Rudolf Schiebel geschaffene Relief mit dem Antlitz von Hybeš im Jahr 1925 ergänzt worden ist. Das Ovalrelief verleiht dem konservativem Entwurf des Obelisken eine ganz persönliche, unverwechselbare Note und zeugt von der großen Verehrung der Arbeiter für die Persönlichkeit Hybešs. Das Grabmal mit dem Obelisken und der Figurengruppe existiert noch heute (Stand 2008). Die zweisprachige Inschrift wurde nach 1945 durch eine tschechischsprachige Tafel ersetzt.

Postalische Merkmale: Gelaufen im Mai 1926 von Rájec nad Svitavou nach Moravská Ostrava.
Datierung des Postkartendrucks: 1925.
Frankreich / China
Titel (Französisch): Ne toucher pas a la Chine ou Le Droit des Peuples à disposer d’eux-mêmes / Travailleurs ! 4 Millions d’Ouvriers Chinois sont en lutte contre les plus rapaces des impérialistes capitalistes / Leur victoire sera notre victoire. Leur défaite serait notre défaite. Aidez nos Frères de classe Chinois! Demandez des Timbres de Solidarité à 1 Franc.
Übersetzung: Hände weg von China oder Das Recht der Völker auf Selbstbestimmung / Arbeiter! 4 Millionen chinesische Arbeiter kämpfen gegen die räuberischsten kapitalistischen Imperialisten / Ihr Sieg wird unser Sieg sein, ihre Niederlage wäre zugleich unsere Niederlage. Helft den chinesischen Klassenbrüdern! Fordert Solidaritätsmarken für 1 Franc an.
Herausgeber: S.O.I. (Secours Ouvrier International), Paris. 
Künstlersignatur: Дени 25
Künstler: Deni (1893-1946) / Дени (Виктор Николаевич Денисов / Viktor Nikolajewitsch Denisow).
Verlag: Maison des Syndicats.
Hintergründe: Die Karte erschien parallel zum gleichartig aufgemachten Buch und Plakat zur Unterstützung der chinesischen Revolution (1925-1927). 

Postalische Merkmale: -
Datierung: 1925.
Anmerkung: Selten.
 

      


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